GOTS (Global Organic Textile Standard) steht für sehr gute Umweltkriterien ab der ersten Verarbeitungsstufe. Das Produkt muss aus mindestens 70 Prozent Naturfasern bestehen, die biologisch hergestellt sein müssen. Das Siegel achtet auch auf Sozialverträglichkeit.
Textilien im Check
Wie unsere Kleidung Umwelt und Ressourcen belastet
Fehlt etwas im Kleiderschrank, sollte man zu gebrauchter statt neuer Kleidung greifen. Foto: NABU/Kühnapfel Fotografie
Im Durchschnitt werden in der EU pro Kopf jährlich 19 Kilogramm neue Textilien gekauft: acht Kilogramm Kleidung, sieben Kilogramm Heimtextilien (zum Beispiel Handtücher, Vorhänge) und vier Kilogramm Schuhe.
Textilien bestehen aus natürlichen oder synthetischen Fasern. Sie sind häufig als Mischgewebe kombiniert. Rund zwei Drittel aller Fasern sind Polyester – ein Erdölprodukt. Danach folgt Baumwolle. Die globale Faserproduktion hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt und es wird erwartet, dass sie weiter deutlich ansteigt. Mitverantwortlich für den steigenden Konsum von Kleidern ist das Geschäftsmodell von Fast Fashion und Ultra-Fast-Fashion, das auf extrem kurze Produktionszyklen und ständig neue Kollektionen setzt – meist unter Einsatz billiger, synthetischer Fasern wie Polyester.
Siegel und Second Hand statt Fast-Fashion-Hypes?
19 kg Textilien kauft jeder Mensch durchschnittlich in der EU – pro Jahr! - Foto: NABU/Kühnapfel Fotografie
Die Textilproduktion verursacht erhebliche Treibhausgasemissionen, verbraucht riesige Mengen an Rohstoffen, Wasser und Land. Für die Verarbeitung von Textilien sind viele einzelne Schritte nötig und es werden zahlreiche Chemikalien eingesetzt: Laut einer Studie des Umweltbundesamtes werden fünf Prozent der global produzierten Chemikalien von der Bekleidungsindustrie verbraucht. Allein für den Baumwollanbau werden weltweit sechs Prozent der Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide) eingesetzt sowie vier Prozent der gesamten jährlich ausgebrachten Düngemittel.
Wer Textilien möglichst umwelt- und sozialverträglich kaufen will, kann sich an Siegeln orientieren: Sie zeichnen Produkte aus, bei deren Herstellung auf ökologische und/oder soziale Kriterien geachtet wurde. Kein Kleidungsstück ist vollkommen umweltfreundlich – entscheidend ist, nur das zu kaufen, was man auch tatsächlich trägt und nach Möglichkeit gebraucht zu kaufen. Das lange Tragen ist die wirksamste Methode, um die Umweltbelastungen und damit den ökologischen Fußabdruck von Mode zu reduzieren.
Auch wenn man etwas nicht weitertragen möchte oder kann, gibt es Möglichkeiten, die Nutzungsdauer eines Kleidungsstücks zu verlängern: etwa die Weitergabe an Freund*innen und Bekannte, Kleidertauschpartys oder Online-Marktplätze. Die letzte Option ist die Altkleidersammlung. Hier gibt es allerdings Unterschiede zwischen den Containern, Infos dazu hat der NABU zusammengestellt.
Woran erkennt man langlebige Textilien?
Für Verbraucher*innen ist es schwer zu erkennen, wie lange ein Textil haltbar ist. Besonders wichtig sind dabei robuste Stoffe und eine gute Verarbeitung – welche sich aber nicht am Preis ablesen lassen. Nur weil ein Kleidungsstück theoretisch lange haltbar ist, bedeutet das nicht, dass es auch wirklich lange getragen wird. Oft werden Textilien entsorgt, obwohl sie eigentlich noch tragbar sind. Das nennt man auch die emotionale Haltbarkeit, die dann „abgelaufen“ ist. Eine hohe technische Haltbarkeit von Textilien hat nur dann einen positiven Effekt, wenn durch die längere Nutzung weniger neue Produkte gekauft werden. Das Öko-Institut hat in einer Studie für den NABU die Anforderungen an die technische Haltbarkeit von Textilien untersucht.
Was passiert mit Textilien im Altkleidercontainer?
Die meisten gesammelten Textilien werden weiterverwendet – oft im Ausland. Doch der tatsächliche Verbleib ist kaum nachvollziehbar. Es lässt sich nur schwer nachverfolgen, wie viele Textilien dort am Ende doch auf Deponien landen oder verbrannt werden. In der Grafik siehst du, was mit den gesammelten Textilien aus Deutschland passiert. Nicht berücksichtigt sind hier die Textilien, die nicht getrennt gesammelt wurden, sondern zum Beispiel im Restmüll gelandet sind. Als Faustregel gilt: Kleidung lange tragen ist besser als sie zu recyclen.
Der Weg der Alttextilien
Etwa 120.000 kg Alttextilien werden in Deutschland jährlich verbrannt. - Grafik: NABU/Sapera Studios
Die Nachfrage nach Second-Hand-Kleidung nimmt aus unterschiedlichen Gründen global ab. Unter anderem verschlechtert sich zunehmend die Qualität der gesammelten Textilien, denn immer mehr ultrabillige Ultra-Fast-Fashion Teile finden sich in der Sammlung. Aber auch in den Exportländern wird immer mehr billige Ware aus China anstatt Second Hand aus Europa gekauft. Das führt dazu, dass Textilsammler und -sortierer Schwierigkeiten haben, ihre gesammelte Ware loszuwerden. Da es derzeit keine Recyclinginfrastruktur gibt, werden Alttextilien dann meist verbrannt.
Kann man Textilien recyceln?
Derzeit werden kaum Alttextilien recycelt. Etabliert ist bisher lediglich das Recycling von baumwollhaltigen Alttextilien zu Putzlappen oder Dämmstoffen. Es gibt zwar schon viele neue Verfahren, die sich aber wirtschaftlich nicht tragen. Denn Textilien sind aufgrund der Materialvielfalt kein einfach zu recycelndes Produkt. Außerdem fehlt schlicht die Nachfrage nach recycelten Fasern, da sie bisher noch viel teurer sind im Vergleich zu Neuware. Beides Gründe, warum heute nicht großtechnisch recycelt wird und es eine politische Lösung braucht. Eine NABU-Studie zeigt: Textilrecycling hat großes Potenzial.
Was kann man selbst tun?
- Textilien lange nutzen und möglichst wenig Neuware kaufen: Jedes neu produzierte Teil belastet die Umwelt. Es gibt ein riesiges Angebot an gut erhaltener Kleidung beispielsweise in Second-Hand-Läden, auf Flohmärkten oder online.
- Wenn es doch ein neues Kleidungsstück sein soll, auf gute Umweltsiegel achten, es gibt einige Siegel zur Orientierung.
- Kleine Makel kann man leicht reparieren (lassen), anstatt das Kleidungsstück wegzuschmeißen.
- Altkleider gehören nur dann in den Restmüll, wenn sie stark verschmutzt, beispielsweise durch Öl oder Farben, oder zerschlissen sind.
- Textilien so selten wie möglich waschen, trocknen und bügeln: Die Kleidung wird geschont, wenn sie stattdessen häufiger auslüftet. Beim Waschen auf das richtige Programm achten und Textilien auf links drehen, um die Fasern zu schonen. Niedrige Temperatur, wenig Waschmittel, kein Weichspüler und Lufttrocknung sparen Energie. Der NABU gibt weitere Tipps.
Politische Lösungsansätze
Eine große Neuerung kommt ab 2028 aus der EU: Mit der Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) müssen Textilhersteller eine Abgabe entrichten, mit der die Sammlung, Sortierung und die Verwertung der Textilien finanziert wird. Die Mitgliedsstaaten müssen ein solches System national umsetzen und ökologische Kriterien – etwa Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recycelbarkeit – bei der Berechnung der Herstellerbeiträge berücksichtigen. Ein Rechtsgutachten im Auftrag des NABU zeigt nun: Diese sogenannten Ökomodulationskriterien können zentral und einheitlich festgelegt werden, um so wirksame Anreize zu setzen.
NABU-Forderungen
- Es braucht Maßnahmen gegen Überproduktion und Ultra-Fast-Fashion. Zum Beispiel fordert der NABU ein Abfallvermeidungsziel in der EU.
- Wiederverwendung fördern – etwa durch Reparaturbons und Unterstützung lokaler Initiativen.
- Hersteller sollen Sammlung, Sortierung und Recycling finanzieren und gesetzliche Quoten erfüllen. Das nennt man erweiterte Herstellerverantwortung, die nicht mit dem Verkauf endet, sondern auch das „Lebensende“ der Textilien umfasst.
- Es braucht neue Anreize für langlebige und recyclingfreundliche Kleidung und Textilien. Wichtig ist auch, in neuen Textilien recycelte Textilfasern zu verarbeiten. Dafür sollten EU-weit Mindeststandards an das Design von Textilien eingeführt werden, beispielsweise zu Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit. Eine Möglichkeit wäre, bestimmte Materialkombinationen einzuschränken, die das Recycling stören.
- Die Techniken für die Sortierung von Alttextilien sowie die Recyclingtechnologien müssen weiterentwickelt werden, so dass viel größere Mengen als heute recycelt werden können.
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Mikroplastik ist in Flüssen, Meeren und auf landwirtschaftlichen Feldern weit verbreitet. Da es kaum abgebaut wird, steigt die Belastung weiter, wenn nichts getan wird. Trotz diverser EU-Verbote fehlen noch Lösungen für alle Eintragspfade. Mehr →
