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Fragen und Antworten zu Mehrweg und Einweg beim Getränkekauf
Rückgabe einer Pfandflasche am Pfandautomaten - Foto: Guido Rottmann
Inhaltsverzeichnis
1. Wie unterscheide ich Mehrweg- und Einwegflaschen?
2. Warum ist Mehrweg umweltfreundlicher?
3. Achtung: Pfand ist nicht immer Mehrweg!
4. Wie hoch ist die Mehrwegquote in Deutschland?
5. Unsere NABU-Forderungen
1. Wie unterscheide ich Mehrweg- und Einwegflaschen?
Logos, die Mehrweg anzeigen: Der Blaue Engel – Mehrweg (l.) und das Mehrweg-Logo vom Arbeitskreis Mehrweg GbR
Unternehmen haben mehrere Möglichkeiten ihre Produkte als Mehweg zu kennzeichnen:
- Oft ist das Wort „Mehrweg“ eingestanzt oder abgedruckt.
- Auch die Pfandhöhe ist ein Hinweis: Für Mehrwegflaschen ist in der Regel das Pfand niedriger als für Einwegflaschen, das heißt acht oder 15 Cent statt 25 Cent.
- Als Orientierung dienen auch die Umweltzeichen „Mehrweg – Für die Umwelt“ und „Der Blaue Engel – Mehrweg“. Nicht alle Mehrwegflaschen sind allerdings mit den Logos gekennzeichnet.
Das Logo „Einwegpfand“ (siehe rechts) vom DGP-Pfandsystem zeigt an, dass die Getränkeflasche oder Getränkedose nicht mehrfach befüllt wird. Trotz 25 Cent Pfand sind sie nach einmaliger Nutzung Abfall. Als Orientierung für Mehrweg dienen die Umweltzeichen „Mehrweg - Für die Umwelt“ und „Der Blaue Engel - Mehrweg“ (siehe oben).
Seit 2019 muss außerdem der Hinweis „Einweg“ oder „Mehrweg“ in Großbuchstaben und in unmittelbarer Nähe zu den Getränkeverpackungen zu sehen sein.
2. Warum ist Mehrweg umweltfreundlicher?
Mehrwegflaschen - Foto: Guido Rottmann
Der große Vorteil an Mehrwegflaschen ist, dass sie sehr oft gereinigt und neu befüllt werden können. Einwegflaschen dagegen werden direkt nach einmaliger Nutzung zu Abfall – auch, wenn man sie am Pfandautomaten zurückgibt. Mehrwegflaschen gibt es aus Glas und Plastik (PET). Beide sind ökologisch besser als Einwegflaschen oder Getränkedosen. Beim direkten Vergleich der Mehrwegflaschen aus PET und Glas schneidet die Mehrwegflasche aus PET ökologisch ein wenig besser ab: Glas ist sehr schwer, deswegen sind zum Beispiel die klimaschädlichen Emissionen höher. Neben dem Gewicht schonen auch kurze Transportwege die Umwelt, daher empfiehlt der NABU regional abgefüllte Getränke.
Was sind Mehrwegflaschen?
Mehrwegflaschen, die viele Male wieder aufgefüllt werden, waren früher ganz normal. Bis zum zweiten Weltkrieg nutzten die Unternehmen in der Regel eigene Mehrwegflaschen. Umweltfreundlicher sind jedoch Mehrwegflaschen, die Standardformen haben und gemeinsam von vielen unterschiedlichen Unternehmen genutzt werden können. Das ist vor allem auch wichtig, wenn die abgefüllten Getränke in andere Regionen transportiert werden. Sehr bekannt sind die Standard-Mehrwegflaschen aus Glas für Bier sowie für Mineralwasser und Erfrischungsgetränke. Eine Standard-Mehrwegflasche aus PET wurde 1995 eingeführt.
Getränkeverpackungen, die nach einmaliger Nutzung direkt weggeschmissen werden, haben sich erst in den letzten Jahrzehnten durchgesetzt. Für Unternehmen haben die Einwegflaschen finanzielle Vorteile, da die Mehrwegsysteme in der Regel teurer sind. Viele Unternehmen wollen es sich daher nicht leisten, Abfüllanlagen, sowohl für Mehrweg als auch für Einweg, zu betreiben. Die meisten Discounter, die einen sehr großen Anteil am Getränkemarkt in Deutschland haben, haben leider gar keine Mehrwegflaschen im Sortiment. PET-Einwegflaschen sind keine umweltfreundliche Getränkeverpackung, auch, wenn die Flaschen recycelt werden.
Sind Mehrwegflaschen immer umweltfreundlicher als Einwegflaschen?
Die Kaufempfehlung heißt: Getränke in Mehrwegflaschen aus der Region. Mehrwegsysteme sind grundsätzlich umweltfreundlicher als Einwegsysteme, solange die Flaschen vielfach gespült und wiederverwendet werden und die Transportwege gering sind. Damit werden unsere begrenzten Ressourcen geschont. Ein kritischer Punkt hierbei sind lange Transportwege, weil beispielsweise die Wege vom Abfüllort zur Verkaufsstelle zu weit sind. Leider werden auch immer öfter Getränke überregional verkauft, die in individualisierten Mehrweg-Flaschen abgefüllt sind. Diese Flaschen müssen dann wieder zum ursprünglichen Abfüllort zurücktransportiert werden.
Wo genau die Grenze der Transportentfernung liegt, wo der ökologische Vorteil von Mehrwegflaschen aus PET oder Glas gegenüber PET-Einwegflaschen schwindet, ist schwer zu bestimmen. Eine Studie für die Deutsche Umwelthilfe geht davon aus, dass bis 600 Kilometer (einfache) Transportdistanz Mehrwegsysteme gegenüber Einwegsystemen gewinnen.
Die Faustregel ist daher: Regional abgefüllte Getränke in Mehrweg-Standardflaschen kaufen – oder direkt statt Flaschen-Mineralwasser Leitungswasser trinken.
Was heißt „Ökobilanz“ von Getränkeverpackungen?
In Ökobilanzen werden verschiedene Verpackungen von Getränken verglichen. Man untersucht die Umweltauswirkungen von der Herstellung der Rohstoffe über die Produktion der Verpackung bzw. Flasche und die Transporte bis hin zu Recyclingquoten. Es werden Kennzahlen verschiedener Wirkungskategorien untersucht wie beispielsweise Energieverbrauch, Klimaauswirkung, Sommersmogpotenzial, Eutrophierung (starkes Algenwachstum und Sauerstoffentzug in Gewässern und Überdüngung von Böden), Ressourcenbeanspruchung oder Versauerung.
Das Umweltbundesamt hat 2002 die letzte selbst in Auftrag gegebene Studie zu Ökobilanzen von Getränkeverpackungen veröffentlicht. Hier hatten die Mehrwegsysteme deutliche ökologische Vorteile gegenüber Einwegsystemen. Eine Ausnahme war der Einweg-Getränkekarton. Dieser gilt als „ökologisch vorteilhaft“ und ist anders einzuordnen als die PET-Einwegflasche. Für neuere Ökobilanzen, die privatwirtschaftlich finanziert werden, hat das Umweltbundesamt im Jahr 2016 Mindestanforderungen für Datenerhebung und Datenauswertung veröffentlicht. Zum Thema Saft und Milch wurde daran anschließend 2018/2020 eine Ökobilanz veröffentlicht (siehe unten). Aktueller sind Empfehlungen, wie die verschiedenen Verpackungssysteme (noch) umweltfreundlicher werden könnten.
Auch wenn die letzte umfassende Ökobilanz lange her ist, gibt es keinen Anlass, anzunehmen, dass sich an der Faustregel etwas geändert hat: Standard-Mehrwegflaschen aus gemanagten Pool-Systemen sind ökologisch vorteilhafter als Einweggetränkeverpackungen.
Welche Mehrwegflaschen sind am umweltfreundlichsten?
Die PET-Mehrwegflasche aus dem Standardflaschen-Pool der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB) schnitt in Ökobilanzen als ökologisch günstigste Getränkeverpackung ab. Genauso gut zeigten sich auch Glas-Mehrwegflaschen, wenn der Verkauf regional ausgerichtet ist und die Flaschen vergleichbar hohe Umlaufzahlen erreichen. Am besten sind sogenannte „Pool-Flaschen“, die von unterschiedlichen Unternehmen genutzt werden können und daher nicht so weit zur Spülung und Wiederbefüllung transportiert werden müssen.
Mehrwegflaschen aus Glas können bei einer durchschnittlichen Lebensdauer bis zu 50 Mal wieder befüllt werden, PET-Mehrwegflaschen bis zu 25 Mal. Die Pool-Flaschen der GDB sehen einheitlich aus und können von verschiedenen Abfüllern genutzt werden. Damit werden Transportwege reduziert. Einwegflaschen aus Glas, Getränkedosen und Einwegplastikflaschen empfiehlt der NABU zu vermeiden.
Ist der Getränkekarton umweltfreundlich?
Unter den Einwegverpackungen für Getränke gibt es durchaus Unterschiede. Der Getränkekarton ist zwar Einweg, gilt aber dennoch als ökologisch vorteilhaft. Die Hauptgründe für die positive Bilanz des Getränkekartons sind der hohe Anteil nachwachsender Rohstoffe und das geringe Gewicht der Kartons beim Transport. Am Beispiel Getränkekarton zeigt sich gut, dass man bei einer ökobilanziellen Bewertung nicht nur die Verpackung, sondern auch die Bedingungen auf dem Markt berücksichtigen muss: So sind Getränkekartons zum Beispiel für Mineralwasser ökologisch nicht zu empfehlen, aber bei Saft und Milch muss man genauer hinschauen.
Bei Saft schnitten in einer Ökobilanz des ifeu von 2018/2020 Mehrweg-Glasflaschen und Getränkekartons (1 Liter) ökologisch ähnlich gut ab, während die PET-Einwegflasche eindeutig das Nachsehen hatte. Bei Milch hatte der Getränkekarton allerdings nicht nur gegenüber der PET-Einwegflasche einen Umweltvorteil, sondern auch gegenüber der Glas-Mehrwegflasche. Gründe dafür sind, dass es kaum Mehrweg-Abfüller in Deutschland gibt. So sind die Transportwege sehr weit und auch die Rücklaufquoten eher gering. Bei Mehrweg-Milchflaschen sollte man daher auf eine regionale Abfüllung achten.
3. Achtung: Pfand ist nicht immer Mehrweg!
Sehr viele Verbraucher*innen gehen davon aus, dass eine Pfandflasche automatisch auch eine Mehrwegflasche ist: In einer NABU-Umfrage glaubten mehr als 60 Prozent, dass die PET-Flasche mit 25-Cent Pfand eine Mehrwegflasche ist. Das ist so jedoch nicht richtig.
Das Pfand einer Mehrwegflasche liegt in der Regel bei acht oder 15 Cent, das gesetzliche Pflichtpfand in Höhe von 25 Cent ist immer das Zeichen für Einweg. Hier wird die Plastikflasche zwar recycelt, davor aber nur einmal benutzt. Mehrwegflaschen können viele Male wieder befüllt werden, bevor sie recycelt werden.
Für welche Getränke gilt die gesetzliche Pfandpflicht?
In Deutschland regelt das nationale Verpackungsrecht, dass für Getränke in Einwegverpackungen (Füllvolumen von 0,1 bis 3 Liter) ein gesetzliches Pfand in Höhe von 25 Cent zu erheben ist. Bei bestimmten Getränkearten muss das Pfand aber nur erhoben werden, wenn diese in Einwegplastikflasche oder Einwegdose abgefüllt sind: Das sind u. a. Sekt, Wein und hochprozentige alkoholische Getränke sowie Milch und Saft.
So ist zum Beispiel Bier oder Mineralwasser in der Einwegplastikflasche, der Einwegdose und der Einwegglasflasche pfandpflichtig – Wein dagegen nur in der Einwegplastikflasche oder Einwegdose, nicht aber in der Einwegglasflasche. Auch Getränke, die im Getränkekarton abgefüllt sind, sind von der Pfandpflicht ausgenommen.
Ist das Pfand für Einweg- und Mehrwegflaschen gleich hoch?
Pfand wird sowohl für Einweg- als auch für Mehrwegflaschen erhoben, aber die Pfandbeträge unterscheiden sich. Das Pfand für Einwegplastik-Getränkeflaschen und Getränkedosen ist ein gesetzliches Pfand und beträgt immer 25 Cent. Jede Flasche oder Dose muss das Logo der DPG mit einer Flasche und einer Dose, die von einem Pfeil unterstrichen sind, tragen (siehe oben). Dieses muss sichtbar sein, um bei der Rückgabe das Pfand zurückzubekommen. Die Höhe und die Regeln, wer wo welche bepfandeten Einwegflaschen zurücknehmen muss, sind in Deutschland gesetzlich geregelt. Verwirrend ist, dass es Einwegflaschen im Mehrwegkasten gibt, aber auch hier werden die Einwegflaschen nach einmaliger Nutzung geschreddert, statt gereinigt und wiederverwendet (PETCYCLE-System).
Das Pfandsystem für Mehrwegflaschen ist hingegen ein „freiwilliges“ System der Unternehmen, die Getränke in Mehrweggebinden abfüllen. Hier liegt das Pfand in der Regel bei 8 Cent (z.B. Bier-Mehrwegflaschen aus Glas) oder 15 Cent (z.B. PET-Mehrwegflaschen, Glas-Mehrwegflasche für alkoholfreie Getränke). Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung der Läden, Mehrwegflaschen zurückzunehmen, die sie nicht im eigenen Sortiment führen. Allerdings nehmen in der Praxis viele Läden Flaschen der gleichen Art, Form und Größe trotzdem an.
Was bedeutet „Dosenpfand“?
Mit „Dosenpfand“ ist die 2003 in Kraft getretene Pfandpflicht für Einweg-Getränkeverpackungen gemeint. Das Einwegpfand gilt jedoch nicht nur für Getränke in Dosen. Plastik-Einwegflaschen mit Pfandpflicht sind in Supermärkten wesentlich präsenter, wobei die umweltschädliche Einwegdose leider in den letzten Jahren ein Revival erlebt.
Die ursprüngliche Idee war, mit der Pfandpflicht die Mehrwegquote bei Getränken zu erhöhen – in der Praxis hat sie jedoch letztlich genau das Gegenteil bewirkt: Die Mehrwegquote liegt heute viel niedriger als 2003, obwohl die Einweggetränkeverpackungen unnötig mehr Rohstoffe und Energie verbrauchen und mehr Schadstoffe freisetzen als Mehrweggetränkeverpackungen. Das gilt auch, wenn die Recyclingquoten sehr hoch sind.
Sind PET-Getränkeflaschen gesundheitsgefährdend?
Wichtig ist, zu wissen, dass es sehr große Unterschiede zwischen den Produkten aus Kunststoff gibt. Gesundheitsgefährdend sind vor allem bestimmte hormonell wirksame oder krebserregende Chemikalien, die leider vielen Kunststoffprodukten zugesetzt werden. In PET-Getränkeflaschen werden solche Stoffe wie Weichmacher oder Bisphenol A (BPA) nicht eingesetzt – auch wenn das öfters unterstellt wird. BPA findet man beispielsweise eher in Schraubverschlüssen von Gläsern oder in Konservendosen aus Weißblech. Das Bundesamt für Risikoforschung sieht PET-Getränkeflaschen als unbedenklich an.
Unser Tipp: Stellen Sie PET-Flaschen nicht in die Sonne, denn durch Hitze und UV-Strahlung lösen sich Stoffe aus dem Kunststoff. Vermeiden Sie lange Transportwege der Flaschen und kaufen Sie regional abgefüllte Getränke.
Was ist mit Mikroplastik in Plastikflaschen?
Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass in allen Materialvarianten Mikroplastik gefunden wurde – selbst in der Glasflasche, wenn auch in geringeren Mengen als in Kunststoff-Flaschen. Die Mengen sind allerdings im Vergleich zu beispielsweise einer Retardtablette oder Zahnfüllung, die auch abreibt, sehr gering. Auch in Leitungswasser wird Mikroplastik nachgewiesen, die hier gefunden Mengen stellen nach Meinung der Weltgesundheitsorganisation WHO aber bisher keine Gesundheitsgefahr dar. Das gilt auch für die Mengen in Flaschenwasser.
In der Regel wird das Mikroplastik wieder ausgeschieden, aber die Forschung dazu steht noch am Anfang. Bislang ist nicht erforscht, ob nicht doch Mikroplastik in den Organismen verbleibt und wenn ja, welche negativen Auswirkungen dies haben kann. An bestimmten Meeresorganismen wurden durchaus schon Zelldurchwanderungen und Entzündungen festgestellt.
Letztlich ist es eine große gesellschaftliche Herausforderung, den Mikroplastik-Eintrag in die Umwelt und in Organismen so weit wie möglich zu reduzieren. Die mit Abstand wichtigste Quelle für Mikroplastik-Emissionen ist der Reifenabrieb von LKWs und PKWs. Daher kann der Mikroplastik-Eintrag am besten reduziert werden, wenn weniger Auto gefahren wird und Produkte mit kurzen Transportwegen gekauft werden. Bei Getränken hilft es also immens, regional abgefüllte Mehrwegflaschen zu wählen.
4. Wie hoch ist die Mehrwegquote in Deutschland?
Die Bundesregierung wollte mit dem 2003 eingeführten „Dosenpfand“ die Einweg-Getränkeverpackungen zurückdrängen und Mehrwegflaschen fördern. Das hohe Pfand von 25 Cent sollte die Verbraucher*innen motivieren, Mehrweg- statt Einwegflaschen zu kaufen. Leider trat genau das Gegenteil ein: Es wurde zwar nicht mehr zur Dose gegriffen, aber dafür umso häufiger zur Einwegplastikflasche. Die Mehrwegquote* bei Mineralwasser sank zwischen 2003 und 2024 von 73 Prozent auf knapp 46 Prozent, die bei Erfrischungsgetränken von 52 Prozent auf 22 Prozent. Über alle Getränke hinweg lag der Mehrweganteil in Deutschland 2024 nur noch bei 34,5 Prozent.
Ab 2030 gibt es in der EU erstmals gesetzliche Mehrwegquoten für Getränkeverpackungen. Der NABU fordert, dass Deutschland diese Quoten verschärft und schlägt zudem eine Getränkeverpackungssteuer vor, um gezielt, Mehrweg-Getränkeverpackungen finanziell zu fördern.
* Quelle der Zahlen: Umweltbundesamt - Bundesweite Erhebung von Daten zum Verbrauch von Getränken in Mehrweggetränkeverpackungen, S. 75.
Gibt es gesetzliche Vorgaben zu Mehrwegquoten?
Mit der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) wurden erstmals gesetzliche Mindestquoten für Mehrweggetränkeverpackungen verabschiedet: Ab 2030 muss der Lebensmittelhandel mindestens 10 Prozent der Getränke in Mehrweg bereitstellen (Ausnahmen: Milch, Wein, Sekt, Spirituosen). Ab 2040 müssen sich Handel und Produzenten bemühen, mindestens 40 Prozent zu erreichen.
Der NABU fordert, dass Deutschland diese Quoten in der nationalen Gesetzgebung verschärft. Das wäre eine Maßnahme, um die Mehrweg-Zielquote von 70 Prozent, die sich Deutschland dort selbst gesetzt hat, zu erreichen. Für diese 70-Prozent-Quote gibt es bisher keine Frist, keine Pflichten für einzelne Unternehmen und daher auch keine Sanktionen. Es ist zu hoffen, dass die EU-Mehrwegquoten dennoch Wirkung zeigen. Immerhin: sie verpflichten direkt die einzelnen Unternehmen, statt einen Mitgliedstaat als Ganzes. Das kann, trotz der sehr niedrigen Quoten, durchaus Bewegung in den Markt bringen.
Wie groß sind Mehrweg- und Einweganteile im Getränkemarkt?
In den letzten 20 Jahren ist die Mehrwegquote trotz der Absichtserklärung der Bundesregierung drastisch auf nur noch 34,5 Prozent gesunken. Einweg dominiert vor allem bei den nicht-alkoholischen Getränken: Nur noch 22 Prozent aller Erfrischungsgetränke (Schorle, Limonade, gesüßtes Wasser etc.) wurden 2024 in Mehrweg abgefüllt, bei Mineralwasser waren es immerhin noch auf rund 46 Prozent. Bier wird noch am häufigsten in Mehrweg abgefüllt, mit 78 Prozent Mehrweg im Jahr 2024 – im Jahr 2003 lag hier die Mehrwegquote allerdings noch bei über 89 Prozent.
Bei den Getränken, für die es kaum Mehrwegflaschensysteme gibt, sehen die Mehrwegquoten noch schlechter aus: Säfte kamen 2024 auf circa 12 Prozent, Wein auf circa 6 Prozent und Milch nur auf rund 2 Prozent.
Wie würde sich eine höhere Mehrwegquote auswirken?
Der NABU schlägt eine Getränkeverpackungssteuer vor, um die Mehrwegquote zu erhöhen. In diesem Zusammenhang wurden vom Öko-Institut die klimarelevanten Emissionen durch die Verpackungsherstellung für die untersuchten Getränke auf über 4,3 Millionen Tonnen CO₂-Äq jährlich geschätzt. Allein mit einer Mehrwegquote von 70 Prozent, könnten diese Treibhausgasemissionen um fast die Hälfte reduziert werden.
Was ist der „Pfandschlupf“?
Geben die Kund*innen ihre Einwegplastik-Getränkeflaschen oder Einweggetränkedosen nicht zurück, verbleiben die ursprünglich bezahlten 25 Cent Einwegpfand bei den Abfüllern oder Händlern. Das ist der sogenannte Pfandschlupf. Die Verbraucherzentralen berichten zudem von vielen Beschwerden, dass sich Geschäfte weigern, Flaschen zurückzunehmen und die 25 Cent auszuzahlen (auch eingedrückte oder zerquetschte Flaschen und Dosen müssen zurückgenommen werden, wenn das Pfand-Logo sichtbar ist). Auch solche Fälle tragen zum Pfandschlupf bei.
Der NABU hat 2015 recherchieren lassen, wie hoch der jährliche Pfandschlupf sein könnte (leider gibt es keine aktuelleren Daten zu dem Thema): Geht man von deiner Rücknahmequote von circa 96 Prozent für die Einweggebinde aus dem DPG-System aus, wurden damals 720 Millionen Gebinde nicht zurückgegeben. Das wäre ein Pfandschlupf allein für 2015 von rund 180 Millionen Euro, mit denen die Verbraucher*innen unfreiwillig das Einwegsystem subventioniert haben. In Österreich muss 0,5 Prozent der jährlichen nicht ausgezahlten Pfandbeiträge in Abfallvermeidungsprojekte fließen. Eine solche Lösung sollte auch Deutschland, allerdings mit einem höheren Prozentsatz, einführen.
5. Unsere NABU-Forderungen
- Einführung einer Getränkeverpackungssteuer, die sich nach der Klimabelastung der verschiedenen Getränkeverpackungen orientiert.
- Verschärfung der gesetzlichen Mehrwegquoten der EU für Abfüller und Händler auf nationaler Ebene.
- Optimierung bestehender Mehrwegsysteme und Nutzung von Standardflaschen.
- Etablierung neuer Mehrwegsysteme für zum Beispiel Wein und Milch, für die Mehrweg bisher nur selten existiert.
- Stärkung der dezentralen Abfüllung von Getränken und des regionalen Verkaufs, um Transportemissionen zu reduzieren.
- Nutzung der Pfandeinnahmen aus nicht zurückgegebenen Einwegpfandflaschen zur Förderung von Umwelt- und Mehrwegprojekten statt Verbleib bei den Unternehmen.
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