Unsichtbare Gefahr
Wie Mikroplastik unsere Umwelt bedroht – und was zu tun ist

Mikroplastik ist überall. Denn: Kunststoff kommt heute in fast allen Lebensbereichen zum Einsatz. Die mikroskopisch kleinen Partikel verbreiten sich über Wind und Wasser. Sie finden sich in Gewässern, in der Luft, in den Böden und selbst in abgelegenen Meeresregionen wie der Arktis. Einmal in der Umwelt, lassen sie sich nicht mehr entfernen – und ihre Abbauzeiten sind so lang, dass sie mit heutigen Testverfahren kaum messbar sind. Vieles davon entsteht unbeabsichtigt: durch den Abrieb von Reifen, Farben oder synthetischer Kleidung in der Waschmaschine. Mikroplastik entsteht auch durch den Zerfall von Kunststoffabfällen. Werden diese achtlos weggeworfen oder illegal entsorgt, zersetzen sie sich in der Umwelt zu immer kleineren Partikeln.
Mikroplastik wird aber auch gezielt eingesetzt, um bestimmte Produktfunktionen zu erfüllen. Das betrifft zum Beispiel Kosmetik- und Reinigungsmittel, aber auch Düngemittel und Saatgut. Die EU verbietet diesen gezielten Einsatz seit 2023 schrittweise. Das letzte Verbot tritt allerdings erst Mitte 2035 in Kraft. Lösungen fehlen auch noch für alle sogenannten unbeabsichtigten „Einträge“ – also überall dort, wo Mikroplastik unkontrolliert in die Umwelt gelangt.
NABU-Forderungen zum Umgang mit Mikroplastik
Im Sinne des Vorsorgeprinzips – also des Grundsatzes, Risiken zu vermeiden noch bevor sie vollständig bewiesen sind – müssen alle Quellen von Mikroplastik auf Einsparpotenziale geprüft und entsprechende Maßnahmen entwickelt werden:
- Polymere, die nicht leicht abbaubar sind, sollten anwendungsübergreifend über die EU-Chemikaliengesetzgebung reguliert werden. Das sollte unabhängig davon gelten, in welcher Form sie vorliegen – ob als Partikel, gelöst, flüssig oder gelartig.
- Bei der Beurteilung der Umweltgefährdung durch Inhaltsstoffe stehen derzeit die Bewertung der Toxizität, das heißt wie giftig ein Stoff für Lebewesen ist, sowie die Bioakkumulierbarkeit, das heißt wie stark sich ein Stoff in Lebewesen anreichert, im Zentrum. Die Persistenz – ein Stoff ist biologisch oder chemisch nicht abbaubar – spielt dagegen kaum eine Rolle. Das muss sich zukünftig ändern: Ab einem bestimmten Grad der Persistenz sollte diese ausreichen, um einen Stoff als umweltgefährdend einstufen.
- Um Vorkommen von Mikroplastik berechnen und vergleichen und die Gefahren besser bewerten zu können, müssen einheitliche Messmethoden entwickelt und eingesetzt werden.
- Eine erweiterte Risikoforschung sollte die schädlichen Auswirkungen der Polymertypen, einschließlich der Abbaubarkeit und Partikelgröße, auf die unterschiedlichen Organismen untersuchen.
- Der Pkw-Verkehr muss als stärkste Eintragsquelle von primärem Mikroplastik ernsthaft berücksichtigt werden. Weniger motorisierter Individualverkehr wäre ein essenzieller Beitrag zur Reduzierung der Mikroplastik-Belastung.
- Um Mikroplastik besser zurückhalten zu können, muss moderne Kläranlagentechnologie eingesetzt werden. Unternehmen, die Mikroplastik emittieren, sollten an den dafür anfallenden Kosten beteiligt werden.
- Klärschlamm sollte nicht mehr auf Böden ausgebracht werden. Stattdessen müssen Phosphor und mittelfristig auch weitere Nährstoffe zurückgewonnen und die Schlämme verbrannt werden. Auch hier sollten Inverkehrbringer der Problemstoffe an der Finanzierung beteiligt werden.
- Messmethoden zur Bestimmung von Verunreinigungen in Klärschlamm und Kompost müssen weiterentwickelt werden, da eine optische Bestimmung bei Mikroplastik nicht ausreicht.
- Eine Weiterentwicklung von Waschmaschinenfiltern, die Mikrofasern abfangen, ist notwendig. Zudem ist die Forschung zu weniger abreibenden synthetischen Textilfasern (Material, Verarbeitung etc.) zu intensivieren.
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