Artenvielfalt erhalten, Lebensräume schützen

Grundsatzprogramm Artenvielfalt

Natur- und Klimakrise sind eins. Sie sind untrennbar miteinander verknüpft. Es liegt an uns, sie gemeinsam zu lösen. Dazu müssen wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen. Welche das sind, zeigen wir im NABU-Grundsatzprogramm Artenvielfalt.
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Kronwicken-Bläuling
Kronwicken-Bläuling© Foto: marekkijevsky/stock.adobe.com

Unsere Welt ist groß, bunt und vor allem: vielfältig. Wie vielfältig, können wir nur erahnen. Hochrechnungen gehen von mehreren Millionen Pflanzen, Tieren, Pilzen, Algen und Einzellern auf der Erde aus. Ein Schatz, den wir unbedingt erhalten müssen. Er bildet die Grundlage unseres Lebens.

Denn viele Arten sind bedroht: Zahlreiche Pflanzen und Tiere sind akut gefährdet, schon ausgestorben oder verschollen. Und mit jeder Art, die verschwindet, gefährden wir andere Arten, werden existenziell wichtige Ökosysteme fragiler.

Wir haben es in der Hand

Am Ende geht es dabei auch um unser Überleben. Denn wir sind von vielen Pflanzen, Insekten, Tieren abhängig. Um neben der Klimakatastrophe auch den Exodus der Arten zu verhindern, müssen wir jetzt die richtigen Weichen stellen. Welche das sind, haben wir als Naturschutzmacher*innen im NABU-Grundsatzprogramm Artenvielfalt festgehalten: 

Grundsatzprogramm Artenvielfalt

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Im Grundsatzprogramm Artenvielfalt erklären wir, warum wildlebende Arten in ihren angestammten Lebensräumen für unsere Existenz von grundlegender Bedeutung sind. Wir zeigen auf, was die Artenvielfalt bedroht und an welchen Stellschrauben wir drehen müssen, damit wir die Kurve kriegen und das Schlimmste verhindern.

Was bedeutet eigentlich Vielfalt?

Ungefähr 3,5 Prozent der weltweit bekannten Arten sind in Deutschland heimisch. Drei Viertel davon sind Insekten, außerdem gibt es in Deutschland 328 verschiedene Brutvögel, 104 Säugetiere und die heimische Flora umfasst knapp 9.500 Arten. An der Spitze der Vielfalt stehen allerdings die Pilze mit rund 14.000 bekannten Arten.

Doch die Situation ist dramatisch: fast 30 Prozent der in der Roten Liste aufgeführten Pflanzenarten sind bestandsgefährdet. Bei den Brutvögeln sind es über 50 Prozent, die gefährdet oder bereits ausgestorben sind.

Die Bausteine unserer Welt

Weltweit haben wir bis heute 1,25 Millionen Arten beschrieben. Wie viele es wirklich sind, ist aber noch völlig unklar. Die Vielfalt der Arten ist der Grundpfeiler der Ökosysteme, die das Leben insgesamt und damit auch unser Leben überhaupt erst ermöglichen. Nur bei rund 134.000 Arten ist der Gefährdungsstatus (nach IUCN) überhaupt bekannt, bei vielen fehlen grundlegende Informationen. 

Global gelten rund 16.000 Arten als gefährdet, bei 90 Prozent aller beobachteten Arten geht der Bestand zurück. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Denn Ökosysteme...

  • produzieren Sauerstoff
  • filtrieren Wasser
  • regulieren das Klima
  • schützen vor Erosionen
  • ermöglichen Bestäubung
  • sorgen für Bodenbildung
  • sind Lebens- und Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen
  • bieten Nahrung, Ressourcen und Rohstoffe
Moore bieten Lebensraum für viele Arten, wie Moorfrösche, und leisten einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz.© Foto: Niklas Banowski

Natur- und Klimakrise müssen gemeinsam gelöst werden

Klimakrise und Artensterben stehen im direkten Zusammenhang. Bei einer Erderwärmung von plus 1,5 Grad sterben bereits viele Arten, beispielsweise Korallen. Die Verschiebung der Jahreszeiten zeigt schon jetzt negative Auswirkungen auf Zugvögel. Zunehmende Extremwetter-Ereignisse wie Überflutungen, Dürre- oder Kälteperioden gefährden Populationen direkt und akut. 

Deswegen ist die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens für den Erhalt der Artenvielfalt eine Grundvoraussetzung, ebenso wie der naturverträgliche Ausbau der Erneuerbaren Energien sowie Erhalt und Förderung von natürlichen Kohlenstoffspeichern wie Wäldern und Mooren.

Natur- und Klimakrise müssen gemeinsam gelöst werden.

Die Haupttreiber des Artenverlusts.© Foto: Sapera Studios/NABU

Wodurch die Artenvielfalt gefährdet wird

Wie wir Menschen die Vielfalt direkt gefährden

Der Mensch beeinflusst seine Umwelt wie kein Lebewesen in der Erdgeschichte. Die Nutzung von Arten übersteigt in der Regel die Grenzen der Nachhaltigkeit um ein Vielfaches. So sind 30 Prozent der genutzten Fischbestände schon jetzt überfischt, 60 Prozent sind maximal ausgebeutet. Die Kollateralschäden des industriellen Fischfangs sind unter anderem Wale, Haie, Meeresschildkröten oder Meeresvögel.

Bisweilen hat es der Mensch geschafft, ganze Landstriche umzuformen. Die Entwaldung in Europa (wie beispielsweise die gemäßigten Regenwälder Schottlands) und die massive Überweidung durch Ziegen, Schafe und Rinder führten zu einer menschengemachten Landschaft, die keinen Platz mehr für große Säugetiere wie Luchs, Bär oder Elch vorsah. Gleichzeitig war es ebenfalls der Mensch, der aktiv an der Ausrottung der Großsäuger beteiligt war und noch immer ist.

Die Nutzung der Natur findet aus Sicht des NABU ihre Grenzen dort, wo Arten und Lebensräume beeinträchtigt und günstige Erhaltungszustände nicht gewährleistet sind.

Wir haben es in der Hand

Das NABU-Grundsatzprogramm Artenvielfalt steht für unsere Hoffnung, dass wir das Schlimmste noch abwenden können. Getragen wird diese Hoffnung von internationalen Studien, die dazu anhalten, dass wir die unter Naturschutz stehenden Flächen vergrößern und degenerierte Ökosysteme wiederherstellen müssen.

Wenn wir bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts die Artenkrise wenden wollen, dann müssen wir jetzt die Weichen anders stellen und den Mut haben, Artenschutz auf Landschaftsebene zu denken und umzusetzen. Notwendig sind umgehendes und ambitioniertes Handeln sowie der Wille zum Erfolg.

Packen wir es gemeinsam an! Artenschutz ist machbar!

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