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Projekt NaMaRo: Klima- und Naturschutz in Einklang bringen
Nach aktueller Planung für den Offshore Wind-Ausbau drohen 77 Prozent des deutschen Trottellummen-Bestandes ihren Lebensraum zu verlieren. - Foto: Johannes Klemenz/www.naturgucker.de
Die Meeresraumordnung hat die Aufgabe, die vielfältigen, zum Teil konkurrierenden Raumbedürfnisse menschlicher Nutzung in den heimischen Meeren planerisch aufeinander abzustimmen und dabei nach Ökosystemansatz die Belastungsgrenzen des Ökosystems einzuhalten. So soll die Raumordnung absichern, dass unsere Meere in einen guten ökologischen Zustand überführt werden können.
Angemessene Berücksichtigung des Meeresnaturschutzes
Die Umsetzung der Energiewende auf See ist durch die nunmehr gesetzlich festgelegten Ausbauziele für die Offshore-Windenergie mit jahrzehntelanger Belastung der Meere verbunden. Schon jetzt überlagern sich viele Nutzungen und selbst Meeresschutzgebiete leiden unter Schifffahrt, Kiesabbau und Fischerei. Die Naturschutz- und Umweltziele des Natura 2000-Netzwerks und der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie verfehlt Deutschland seit Jahren. Entsprechend wichtig ist es, bei der anstehenden Fortschreibung der Raumordnung für die ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) Naturschutz und Klimaschutz und weitere Nutzungen besser miteinander in Einklang zu bringen.
Wie das gelingen kann und welche Flächen vom Offshore-Ausbau wegen zu großer Konflikte mit geschützten Arten und Lebensräumen freigehalten werden sollten, dazu lieferte eine Studie des NABU schon im Jahr 2023 erste Ergebnisse. Hier setzte das Projekt NaMaRo („Begleitforschung und Strategieberatung für eine starke Nachhaltigkeit der marinen Raumordnung in der deutschen AWZ“) an. Es hat das Spektrum der betrachteten Artengruppen erweitert, die Methodik weiterentwickelt und umfangreiche Sensitivitätskarten erstellt. Diese weisen Sensitivitätsklassen von 0 („keine oder vernachlässigbare Sensitivität“) bis 4 („sehr hoch“) aus (siehe Karussell/Bildergalerie).
Die Karten zeigen ökologisch äußerst sensible Bereiche, die unbedingt von verstärkter Nutzung, vor allem durch den Ausbau der Offshore-Windenergie, freigehalten werden sollten. Darüber hinaus wurde in NaMaRo anhand von Ausbauszenarien analysiert, in welchem Umfang nach aktuellem Stand der Kenntnis ein Windenergieausbau auf See naturverträglich ist und wie der Meeresnaturschutz bei der Fortschreibung der Meeresraumordnung angemessen berücksichtigt und insgesamt gestärkt werden kann.
Fachgespräch zeigt erste Ergebnisse
In der Abschlussveranstaltung am 7. Mai 2026 wurden die Ergebnisse des NaMaRo-Projektes zusammengefasst und präsentiert. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion diskutierten die Teilnehmer*innen, welche Stellschrauben es neu zu justieren gilt, um Naturschutz und Offshore-Ausbau lösungsorientiert in Einklang zu bringen.
Wir stellen hier einzelne Vorträge zum Download bereit.
- Hintergrund, Fragestellung und Methodik (Tim Bildstein, BioConsult GmbH und Co KG)
- Ergebnisse der Artengruppe Seevögel (Dr. Volker Dierschke, Dr. Verena Peschko, Anna-Marie Corman, Dachverband Deutscher Avifaunisten)
- Ergebnisse der Artengruppe Meeressäuger (Dr. Anita Gilles, Dr. Tobias Schaffeld, TiHo Hannover und Sven Koschinski, Meereszoologie)
- Ergebnisse zu Zugvögeln (Dr. Volker Dierschke, Stefan Garthe, Christian-Albrecht-Universität Kiel)
- Ergebnisse zu Fledermäusen (Lothar Bach, Bach Freilandforschung und Antje Seebens-Hoyer, NABU Mecklenburg-Vorpommern)
- Ergebnisse zu Fischen und Benthos (Petra Schmitt, BioConsult GmbH und Co KG)
- Bewertung der Naturverträglichkeit (Tim Bildstein, BioConsult GmbH und Co KG)
- Naturschutzpolitische Bewertung der Projektergebnisse (Dominik Auch, NABU)
Die Abschlussveranstaltung wurde von den Projektpartnern BioConsult, NABU, Bionum, Meereszoologie, Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), Christian-Albrecht-Universität Kiel, MariLim, TU Dresden und der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo Hannover) gemeinsam durchgeführt.
Hauptergebnisse aus dem NaMaRo-Projekt
Bau des Offshore Windparks Baltic 1 - Foto: NABU/Andreas Fußer
Der geplante Offshore-Ausbau auf 70 GW führt zu:
- großräumigen Lebensraumverlusten
- Kollisionsrisiken und Störungen für geschützte Arten
- Großräumigen Verlusten der natürlichen Eigenart und Freiraumstruktur des Meeres
In Summe steht das Ausbauziel von 70 GW in Konflikt mit einer Vielzahl von Vorhaben und Zielen des Meeresschutzes. Eine Minderung von Auswirkungen ist teilweise durch technische Maßnahmen möglich, vor allem aber die Lebensraumverluste können nur effektiv begrenzt werden, indem das Ausbauziel angepasst wird und besonders sensible Flächen freigehalten werden.
Vorschläge dafür liegen auf dem Tisch:
- Optimierung der Lage der Ausbauflächen
- Sicherung der Minderungsflächen als Schutzgebiete
- Verbindliche Abschaltungen in Zugnächten
- Bündelung und Geschwindigkeitsbegrenzung der Service-Verkehre
- Reduzierung anderer Nutzungen außerhalb der OWP-Flächen
- Erweiterte Fischereisperrung NSG Dogger Bank
- Erweiterte Zonen mit strengem Schutz in Meeresschutzgebieten
Sensitivitätskarten aus dem NaMaRo-Projekt
Bedeutung für Hartsubstrate
Hartsubstrate sind deutlich störungsempfindlicher. Werden Hartsubstrate umgeschichtet oder entfernt, ist eine Wiederbesiedlung der oft langlebigen Arten deutlich schwieriger als auf Weichbodenbiotopen. Die höchste Sensitivität besteht daher bei Riffflächen und bei artenreichen Grobsedimenten (hier rot gekennzeichnet).
Bild: Projekt NaMaRo
Reaktion von Zugvögeln auf Windparks
Durch Kollisionen mit den Rotoren können Offshore Windparks für Zugvögel zum Problem werden. Die Zahl wandernder Vögel nimmt mit zunehmender Entfernung zum Festland ab, somit sinkt auch das Kollisionsrisiko. In dem schmalen, der Küste nächsten Bereich ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein signifikant erhöhtes Kollisionsrisiko zu erwarten. Entsprechend steigt die Sensitivität in Richtung Küstenmeer an.
Bild: Projekt NaMaRo
Lebensraumverluste für Seevögel
Seevögel reagieren teils sehr empfindlich auf Offshore WIndparks und meiden diese Gebiete noch in vielen Kilometern Entfernung. Durch diese visuelle Störung entstehen großräumige Lebensraumverluste. Für die Trottellumme (Meidung von Windparks bis in 20 km Entfernung) wird prognostiziert, dass aufgrund der hohen Sensitivität der Ausbau von Offshorewind auf 70 GW zu einem Lebensraumverlust für 77 Prozent der Individuen führt.
Bild: Projekt NaMaRo
Auswirkungen von Unterwasserschall auf Schweinswale
Gesamtsensitivitätskarte für den Schweinswal für die Bauphase. Der Schweinswal nutzt Schall zur Kommunikation und Orientierung. Je nach Frequenz und Intensität kann Schall zu Hörschäden und weiträumiger zu Vertreibung, Unterbrechung der Nahrungsaufnahme mit potenziellen Auswirkungen auf die Fitness und anderen Verhaltensänderungen führen. Je roter, desto empfindlicher reagieren Schweinwale auf der jeweiligen Fläche.
Bild: Projekt NaMaRo
Kollisionsrisiken für Fledermäuse
Durch Kollisionen mit den Rotoren können Offshore Windparks für Fledermäuse zum Problem werden. Die Zahl wandernder Fledermäuse nimmt mit zunehmender Entfernung zum Festland ab, somit sinkt auch das Kollisionsrisiko. In dem schmalen, der Küste nächsten Bereich ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein signifikant erhöhtes Kollisionsrisiko zu erwarten. Entsprechend steigt die Sensitivität in Richtung Küstenmeer an.
Bild: Projekt NaMaRo
Lösungsansatz für naturverträglichen Offshore-Ausbau
Um die zahlreichen Konflikte mit Naturschutzzielen am wirksamsten zu reduzieren, hat das NaMaRo-Projekt die aktuell geplanten Offshore-Windflächen nach ökologischen Kriterien priorisiert. Diese besonders empfindlichen, in der Karte rot, orange und dunkelblau dargestellten Flächen, sollten vom Offshore-Ausbau freigehalten werden. So kann ein naturverträglicher Ausbau ermöglicht werden.
Zum Download
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