Repräsentative Umfrage von KANTAR im Auftrag des NABU (2022)
Umfragen zeigen: Mehrheit für Mehrweg
Kundschaft möchte umweltfreundliche Getränkeverpackungen
Getränkeregal im Biosupermarkt - Foto: NABU/Sebastian Hennigs
Wie repräsentative Umfragen im Auftrag des NABU zeigen, sind umweltfreundliche Getränkeverpackungen gefragt. Bei der letzten Umfrage des Instituts Kantar im November 2022 gaben 77 Prozent der Befragten an, dass ihnen umweltfreundliche Getränkeverpackungen beim Einkauf wichtig sind. Damit hat die Bedeutung des Themas in der Bevölkerung noch einmal zugenommen: 2017 waren es erst 72 Prozent. Die Ergebnisse der Umfragen stehen unten zum Download bereit. Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Umfrage aus dem Jahr 2022.
Nur 65 Prozent der Befragten meinten von sich selbst, zu wissen, welche Getränkeverpackungen umweltfreundlich sind und tatsächlich gibt die Umfrage Hinweise auf Wissenslücken. Die Befragten sollten für sechs verschiedene Getränkeverpackungen einschätzen, ob diese umweltfreundlich sind.
Die Umfrage zeigt, dass einige Getränkeverpackungen falsch bewertet werden:
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Mehrwegflaschen aus Glas werden korrekt von knapp 90 Prozent als umweltfreundlich eingeschätzt.
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Mehrweg-Plastikflaschen werden dagegen nur von 56 Prozent als umweltfreundlich eingestuft, obwohl sie in Ökobilanzen aufgrund des geringeren Gewichts noch besser abschneiden als Mehrwegflaschen aus Glas.
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Mit 54 Prozent schätzt die Mehrheit der Befragten Einweg-Glasflaschen als umweltfreundlich ein, obwohl diese eine sehr umweltschädliche Verpackungsalternative mit einer hohen Klimabelastung sind.
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Falsch liegen die Befragten auch beim Getränkekarton: 64 Prozent denken, er sei umweltschädlich, obwohl er aufgrund des hohen Anteils nachwachsender Rohstoffe und des geringen Gewichts als ökologisch vorteilhafte Einwegverpackung gilt.
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Einweg-Plastikflaschen und Getränkedosen werden jeweils von 38 Prozent als umweltfreundlich eingeschätzt, obwohl beide keine umweltfreundlichen Getränkeverpackungen sind. Dies wissen nur 57 Prozent der Befragten.
Auch zeigt die NABU-Umfrage, dass Verbraucher*innen Mehrweg- und Einwegflaschen häufig nicht voneinander unterscheiden können. Pfand wird hier mit Mehrweg gleichgesetzt: So glauben 61 Prozent der Befragten, dass die Plastikflasche mit 25 Cent eine Mehrwegflasche ist. Dabei ist gerade dieser Pfandbetrag ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Einwegflasche handelt.
Weiteres Ergebnis: Zustimmung zu einer Umweltabgabe ist groß
Angesichts der niedrigen Mehrwegquote bei Getränken in den letzten Jahrzehnten in Deutschland schlagen Umwelt- und Naturschutzverbände eine Umweltabgabe auf Getränkeverpackungen vor. Der NABU setzt sich hier für eine Getränkeverpackungssteuer ein, über die Getränkeverpackungen, abhängig von ihrer jeweiligen Umweltschädlichkeit, besteuert würden. Auch Verbraucher*innen standen Ende 2022 laut Umfrageergebnis einer Umweltabgabe positiv gegenüber: 65 Prozent der Befragten hielten es für sinnvoll, Getränkeverpackungen je nach ihrer Umweltschädlichkeit zu besteuern, um den Trend zu Einwegverpackungen umzukehren. Im Jahr 2017 waren es dagegen erst 57 Prozent.
Die Verbraucher*innen wurden in der NABU-Umfrage auch zum Thema Littering und Getränkeverpackungen befragt. Littering bezeichnet die unachtsame oder vorsätzliche Entsorgung von Abfall im öffentlichen Raum. Gefragt wurde danach, wie die Verbraucher*innen verschiedene Getränkeverpackungen achtlos auf der Straße, im Park oder an öffentlichen Plätzen entsorgt sehen. 67 Prozent der Befragten sehen Plastikflaschen häufig oder sehr häufig, 60 Prozent nennen hier die Getränkedose. Weniger oft sehen die Befragten Glasflaschen und Getränkekartons.
Fazit: Mehrheit für Mehrweg
Auch wenn erstmals zwischen 2019 und 2020 der Mehrweganteil bei Getränken wieder leicht gestiegen ist, liegt die Mehrwegquote in Deutschland dramatisch niedrig: Im Jahr 2022 wurden nur 42,6 Prozent der pfandpflichtigen Getränke in Mehrweg abgefüllt, betrachtet man den gesamten Getränkemarkt lag sie sogar bei nur 33,5 Prozent. Damit ist man weit entfernt von der Zielquote von 70 Prozent, die sich die Bundesregierung im Verpackungsgesetz (VerpackG) vorgenommen hat.
Das seit 2003 erhobene Zwangspfand auf bestimmte Einweg-Getränkeverpackungen half, das Littering in der Landschaft zu reduzieren. Das ursprüngliche Ziel des Pfands, Mehrweg zu fördern, lief jedoch ins Leere. Von sich aus wird sich Mehrweg aufgrund hoher Systemkosten nicht im Markt durchsetzen, dies haben die letzten Jahrzehnte in Deutschland gezeigt. Um den Willen der Verbraucher*innen durchzusetzen, bedarf es politischer Maßnahmen und gesetzlicher Vorgaben.
NABU-Vorschlag für Regalkennzeichnung
Ziel der Kennzeichnung ist es, Kunden die Kaufentscheidung für ökologisch vorteilhafte Verpackungen zu erleichtern. - Grafik: NABU
Seit 2019 ist der Handel in Deutschland gesetzlich verpflichtet, bei Getränkeverpackungen Hinweise zu Einweg- und Mehrwegverpackungen zu geben. Dies soll Kund*innen dabei helfen, beim Einkauf Mehrweg- von Einwegverpackungen besser zu unterscheiden. In der Praxis gehen die Hinweise jedoch oft unter, selbst wenn sie direkt unter der Getränkeverpackung im Regal angebracht werden. Es müssen weder ansprechende Hinweise gegeben noch Informationen zur ökologischen Einschätzung der jeweiligen Getränkeverpackung bereitgestellt werden. Der NABU hat daher eigene Kennzeichnungen entwickelt, die klar darüber informieren, wie umweltfreundlich Flasche, Dose und Getränkekarton sind. Diese Kennzeichnungen können im stationären Handel sowie im Online-Handel frei genutzt werden. Der NABU lädt umweltbewusste Händler dazu ein, sie anzubringen.
NABU-Forderungen
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Einführung einer Getränkeverpackungssteuer, die sich nach der Klimabelastung der verschiedenen Getränkeverpackungen orientiert.
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Ambitionierte gesetzliche Mehrwegquoten für Abfüller und Händler über die Vorgaben in der EU-Verpackungsverordnung hinaus.
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Optimierung bestehender Mehrwegsysteme und Nutzung von Standardflaschen gut gemanagter Poolsysteme.
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Etablierung neuer Mehrwegsysteme für zum Beispiel Wein und Milch, für die Mehrweg bisher nur in Marktnischen existiert.
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Stärkung der dezentralen Abfüllung von Getränken und des regionalen Verkaufs, um Transportemissionen zu reduzieren.
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Nutzung der Pfandeinnahmen aus nicht zurückgegebenen Einwegpfandflaschen zur Förderung von Umwelt- und Mehrwegprojekten statt Verbleib bei Handel und Industrie.
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Nur noch knapp mehr als ein Drittel der Getränke wird in Deutschland in Mehrweg abgefüllt. Die klimarelevanten Emissionen könnten mit einer Mehrwegquote von 70 Prozent deutlich reduziert werden. Der NABU plädiert daher für eine Getränkeverpackungssteuer. Mehr →
Seit 2019 ist der Handel durch das Verpackungsgesetz verpflichtet, bei Getränkeverpackungen Hinweise zu Ein- und Mehrweg zu geben. Der NABU entwarf verbraucherfreundliche Kennzeichnungen und fordert darüber hinausgehende Maßnahmen. Mehr →
Kunststoffabfälle haben in Deutschland in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, inzwischen sind es rund sechs Millionen Tonnen jährlich. Der NABU hat Zahlen und Fakten zusammengetragen, wo die Kunststoffabfälle anfallen und warum sie so angestiegen sind. Mehr →
Welche Verpackung schneidet bei Klimawandel, nicht erneuerbarem Ressourcenverbrauch oder Schadstoffemissionen besser oder schlechter ab? Der NABU hat für neun Produkte die Umweltbelastungen gängiger Verpackungsalternativen untersuchen lassen. Mehr →
