Viele Unternehmen und Städte wollen zudem ihre Kohle(heiz-)kraftwerke durch neue Altholzkraftwerke ersetzen, zum Beispiel in Berlin oder Nürnberg. In Stade ist Deutschland größtes Altholzkraftwerk geplant. Das Problem: Bereits jetzt wird sehr viel Altholz in Deutschland verbrannt – mit 80 Prozent ein viel größerer Anteil als in anderen europäischen Ländern. Durch die hohe Nachfrage für die Verbrennung, verlagern klassische stoffliche Nutzer von Altholz, z.B. Spanplattenhersteller, ihren Fokus auf Frischholz. So wird insgesamt mehr abgeholzt. Diese Dynamik verdeutlicht die Relevanz des Kaskadenprinzips: Es sollte grundsätzlich nur Holz verbrannt werden, welches nicht mehr anderweitig genutzt werden kann. - Foto: Claudio Doenitz/Getty Images
Holz statt Fossile ist auch keine Lösung
Verbrennung von Holz in Kraftwerken gefährdet Klima, Wälder und Gesundheit
Wälder speichern CO₂. Wird Holz verbrannt, gelangt es in die Atmosphäre und heizt die Klimakrise weiter an. - Foto: Helge May
Obwohl das Verbrennen von Holz pro Energieeinheit mehr CO₂ freisetzt als Kohle, ist die Energieerzeugung aus Holzbiomasse in der EU auf dem Papier klimaneutral. Zum einen ist Bioenergie laut der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie als „erneuerbar“ definiert und zum anderen muss für den CO₂-Ausstoß nicht bezahlt werden. Im Gegensatz dazu müssen die Unternehmen bei der Verbrennung von fossilen Rohstoffen mittlerweile Verschmutzungsrechte über den europäischen Emissionshandel erwerben, welche mit der Zeit knapper und teuer werden. Das System zeigt Wirkung: Energie aus Kohle und Gas wird immer weniger profitabel, Holzverbrennung immer lukrativer. Außerdem ist der Umstieg von einer Verbrennungstechnologie in die nächste eine vermeintlich einfache Lösung, um "erneuerbare" Wärme zu erzeugen.
Mittelspecht - Foto: Peter Trentz/www.naturgucker.de
Rund 25 % des europäischen Energieverbrauchs werden von Erneuerbaren Energien gedeckt. Davon basiert mehr als ein Drittel auf Holzbiomasse. Die Menge des für die Energieerzeugung eingeschlagenen Holzes hat sich europaweit in den letzten Jahren stark erhöht. Mehrere große Kohlekraftwerke wurden bereits auf Holzverbrennung umgerüstet – häufig stark unterstützt durch staatliche Subventionen, denn sie helfen den Ländern ihre Klimabilanz formal aufzubessern. Das Kraftwerk Drax in England, eins der weltweit größten auf Holzpellets umgerüsteten Kohlekraftwerke, verbrennt jedes Jahr mehr Holz als im gesamten Vereinigten Königreich geerntet wird. Es handelt sich dementsprechend hauptsächlich um importierte Holzpellets aus den USA, Kanada und dem Baltikum. Auch in Deutschland gab es solche Pläne, die wir jedoch abwenden konnten. Die in Wilhelmshaven, Hamburg, Bremen und anfangs zahlreichen weiteren Standorten geplanten Umrüstungen von Kohlekraftwerken auf Holzpellets wurden mittlerweile abgesagt.
Riesige Holznachfrage droht durch Wärmekraftwerke
Bereits heute wird die Hälfte des in Deutschland anfallenden Holzes verbrannt. Das meiste davon bisher in privaten Kaminöfen. Doch immer mehr Städte und Unternehmen wollen Holz im großen Stil für die Fernwärme verheizen (siehe Karte unten). Die Kraftwerke zementieren, einmal gebaut, auf Jahrzehnte eine hohe Holznachfrage. Diese wird absehbar die nachhaltig verfügbaren Holzmengen überschreiten - zumal die Transformation die Holznachfrage in vielen Bereichen stark anwachsen lassen wird: So soll Holz im Bau Beton ersetzen und als Rohstoff in der Grundstoffchemie dienen. Gleichzeitig müssen wir die Wälder als vitale Lebensräume und CO₂-Senken erhalten, um die Klima- und Naturkrise einzudämmen und unsere Lebensgrundlagen zu erhalten.
Für die Wärmeversorgung stehen klimafreundliche Erneuerbare zur Verfügung, die unsere Wälder nicht weiter unter Druck setzen.
In den bestehenden und geplanten Holzkraftwerken wird sowohl Frischholz (Holz direkt aus dem Wald) als auch gebrauchtes Holz (sogenanntes Altholz) verbrannt. Beides ist problematisch, denn der wertvolle Rohstoff Holz sollte so lange wie möglich stofflich genutzt werden, bevor er durch die Flammen vernichtet wird. Viele Holzsortimente lassen sich noch in Holzprodukten nutzen, auch der allergrößte Teil des Altholzes taugt noch für die Verwendung, beispielsweise in Spanplatten oder Laminat. Durch diese sogenannte Kaskadennutzung ist dem Klima dreifach geholfen: Holz ersetzt klimaschädliche (Bau-)Stoffe, mehr Bäume können im Wald bleiben und das CO₂ bleibt im Holz langfristig gebunden.
Problematische Pläne
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Häufig wird auf sogenannte Kurzumtriebsplantagen (KUP) gesetzt, um Holz für die Verbrennung bereitzustellen. Doch erstens sind auch diese nicht grundsätzlich ökologisch unbedenklich, und zweitens reichen die Mengen bei weitem nicht aus. Ein Beispiel ist hier Berlin: Dort wurden in den letzten Jahren etwa 90.000 t Holz pro Jahr in den Kraftwerken der BEW verbrannt. Dabei kommen nur 12 Prozent Plantagenholz und zu zwei Dritteln Holz direkt aus Wäldern. Bis 2030 soll die für die Berliner Fernwärme verbrannte Holzmenge massiv gesteigert werden. Zwar sollen auch die Kurzumtriebsplantagen in Brandenburg und Polen ausgeweitet werden (Verdreifachung der Fläche auf 6000 Hektar), aber selbst wenn das angesichts der Flächenkonkurrenz gelänge, würde das nur wenige Prozent des geplanten Bedarfs decken. - Foto: Ingo Ludwichowski
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Oft wird auch große Hoffnung auf die Energiegewinnung aus „Restholz“ gesetzt – das ist doch eh übrig, oder? Leider nein. Erstens ist auch hier das Potenzial begrenzt und zweitens sind gerade tote, krumme und anderweitig wirtschaftlich „unattraktive“ Bäume für die Artenvielfalt sowie genetische Vielfalt unverzichtbar. Darüber hinaus ist die Definition von Restholz nicht genau festgelegt, so dass auch ganze Bäume als Restholz deklariert werden können. Diese Grauzone wird nachweislich in großem Maßstab ausgenutzt: Recherchen zeigen Pelletfabriken, auf deren Gelände sich ganze Baumstämme stapeln, auch wenn diese offiziell nur „Restholz“ nutzen, wie beispielsweise Europas größter Pellethersteller Graanul Invest aus Estland. - Foto: Peg Putt
Der NABU lehnt die Verbrennung von Holzbiomasse zur Energiegewinnung im industriellen Maßstab ab. Wälder müssen als natürliche CO₂-Senken und Lebensraum erhalten bleiben. Holz sollte daher nur am Ende der Nutzungskaskade verbrannt werden, das heißt: Wenn es bereits als Werkstoff genutzt wurde und keinem anderen Zweck mehr dienen kann.
Unsere Fragen und Antworten zum Thema Holzverbrennung zur Energiegewinnung:
Wie wird Holzverbrennung aktuell gefördert?
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das Programm „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG) und die „Bundesförderung für effiziente Wärmenetze“ (BEW) enthalten bereits finanzielle Anreize für private Holzheizungen und bestimmte Biomassekraftwerke. Auf Holzbrennstoffe wird außerdem nur der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent fällig. Dazu kommt die indirekte Subventionierung, da die Emissionen der Holzverbrennung vom europäischen CO₂-Zertifkatehandel ausgenommen sind.
Welche Holzkraftwerke sollen gebaut oder umgerüstet werden?
Aktuell sind u.a. folgende Holzkraftwerke im Bau, geplant oder angedacht:
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Umrüstung eines Kohlekraftwerks: Kassel (Altholz)
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Neubau am Standort eines bestehenden Kohlekraftwerkes: Berlin-Klingenberg, Berlin-Reuter-West, Nürnberg (Altholz)
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Neubau: Cuxhaven, Chemnitz, Stade (Altholz), Dortmund, Diepholz, Zwickau sowie zahlreiche weitere
-> einen umfassenden Überblick über bestehende und geplante Kraftwerke sowie Pelletwerke gibt die Karte unten.
Bei mir in der Region wird ein Biomassekraftwerk geplant – was kann ich tun?
Suchen Sie Verbündete und versuchen Sie, mit dem Betreiber und der Kommune ins Gespräch zu kommen. Versuchen Sie die Probleme der Holzverbrennung bekannt zu machen. Melden Sie sich gerne bei uns. Wir werden Sie mit Informationsmaterial und, wo möglich, tatkräftig vor Ort beim Widerstand und alternativen Lösungen unterstützen. Vernetzen Sie sich mit anderen Aktiven in Deutschland und treten Sie dem Bündnis AUSGEBRANNT - Bündnis gegen die Verbrennung von Biomasse bei.
Welche Regeln braucht es, um die Wälder und das Klima zu schützen?
Die Europäische Union muss in der -Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) die Waldbiomasse aus der Liste der förderfähigen Energieträger streichen. Energiegewinnung aus Waldbiomasse darf nicht weiter als erneuerbare Energie auf die Klimaziele angerechnet werden. Es darf nur Holz verbrannt werden, das nicht mehr stofflich genutzt werden kann, das besagt das sogenannte Kaskaden-Prinzip. Dieses Prinzip muss gesetzlich verankert und ab dem Moment der Holzernte konsequent angewendet werden. Die Subventionen, die bisher die Holzverbrennung begünstigen, müssen stattdessen ausschließlich für echte emissionsfreie Energiequellen wie Wind-, Solar- und Geothermie-Energie verwendet werden. Zusätzlich sind Maßnahmen zur Stärkung der Energieeffizienz und zur Wiederherstellung und zum Schutz unserer Wälder nötig.
Der Baum wächst doch nach – warum ist Holzverbrennung nicht klimaneutral?
Wenn der Baum verbrannt wird, wird der enthaltende Kohlenstoff auf einen Schlag in die Atmosphäre freigesetzt und heizt so die Klimakrise an. Ein zum Ersatz gepflanzter Baum entzieht erst über Jahrzehnte wieder dieselbe Menge CO₂. Wir müssen aber unsere CO₂-Emissionen in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren drastisch reduzieren, um die Klimakrise einzudämmen. Sonst könnten Kipppunkte überschritten und ein Teufelskreis ausgelöst werden, auf den wir keinen Einfluss mehr haben. Bleibt der Baum im Wald, bleibt auch der Kohlenstoff in den nächsten kritischen Jahrzehnten im Wald gespeichert. Ein alter Baum nimmt große Mengen CO₂ aus der Atmosphäre auf. Das Klima wird stabilisiert.
Was ist mit Rest- und Altholz?
Beides steht nur begrenzt zur Verfügung und auch bei der Verbrennung von diesem Holz wird CO₂ frei. Zudem sollte Holz nur dann energetisch genutzt werden, wenn es nicht mehr anderweitig stofflich verwendet werden kann. Die stoffliche Nutzung ist zu bevorzugen, da der Kohlenstoff im Holz in langlebigen Produkten langfristig gespeichert, statt in die Atmosphäre freigesetzt wird.
In welchem Rahmen ist die Nutzung von Bioenergie naturverträglich?
Biomasse für die energetische Nutzung steht nur begrenzt zur Verfügung. Pflanzliche Biomasse ist viel mehr als nur ein Energieträger: Pflanzen sind Sauerstoffproduzenten, Schadstofffilter und Kohlenstoffspeicher, sie bieten Lebensraum und Lebensgrundlage für Mensch und Tier. Darüber hinaus kann Biomasse vielseitig stofflich genutzt werden. In begrenzten Mengen kann Biomasse anfallen, die nicht (mehr) anderweitig verwendet werden kann, z.B. Abfälle aus der Biotonne, Grünschnitt aus der Landschaftspflege und Altholz am Ende der Nutzungskaskade. Bevor der in solcher Biomasse enthaltene Kohlenstoff ungenutzt in die Atmosphäre entweicht, ist es sinnvoll, daraus Energie zu erzeugen. Aufgrund des begrenzten Aufkommens sollte Bioenergie allerdings nur so effizient wie möglich eingesetzt werden, d.h. vor allem dort, wo andere Lösungen (noch) nicht zur Verfügung stehen. Ein großer Vorteil der Biomasse ist deren Speicherfähigkeit. Ihr flexibler Einsatz in Ergänzung zu den fluktuierenden Erneuerbaren (Wind und Sonne) kann daher einen Beitrag zur stabilen Energieversorgung leisten.
Und was ist mit meinem privaten Kamin/Pelletofen?
Heizen mit Holz gilt weithin als klimafreundlich. Der Einbau von Pelletheizungen wird als erneuerbare Alternative zu fossilen Heizungen gefördert. Deswegen haben sich viele Menschen in guter Absicht für diesen Heizungstyp entschieden. Da Holzheizungen aber nur theoretisch CO₂-neutral sind, ist dem Klima damit nur begrenzt geholfen. Dazu kommt die erhebliche Luftverschmutzung vor allem durch Feinstaub und Stickoxide aufgrund unzureichender Filter vor allem bei Kaminöfen.
Somit ist auch der private Pelletkessel oder Kamin nicht die optimale Lösung. Ratsam wäre, beim nächsten Heizungstausch auf klimaschonendere Varianten wie die mit Ökostrom betriebene Wärmepumpe zu setzen. Dennoch gilt: das eigentliche Problem ist die Holzverbrennung im industriellen Maßstab. Denn die Menge des in Deutschland für die Energieerzeugung genutzten Holzes würde sich durch die geplanten Kraftwerksumrüstungen auf ein untragbares Maß vervielfachen.
Holzkraftwerke in Deutschland
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