Ein Team von erfahrenen Ornithologen unterstützte das Projekt beim Anbringen der Nistkästen. - Foto: NABU/ USPB
Webcam: Schleiereulen live
Das Schleiereulen-Familienleben im Nistkasten erleben
Schleiereulen brüten gern in alten Scheunen oder Kirchtürmen - Foto: Ingo Ludwichowski
Seit Ende April wachsen in unserem Webcam-Nistkasten die frisch geschlüpften Schleiereulenküken heran. Und das ist gut, denn in der Ukraine sind Schleiereulen gefährdet – es fehlt an Nahrung und geeigneten Brutplätzen. Unser Artenschutzprojekt mit 150 Nistkästen für die Schleiereule ist in der Region Transkarpatien angesiedelt. Hier befindet sich das wichtigste Brutgebiet der Ukraine.
Unsere zwei Webcams geben exklusive Einblicke in die Kinderstube der Schleiereulen: Im Livestream lassen sich die Schleiereuleneltern mit ihrem Nachwuchs rund um die Uhr beobachten. Viel Spaß dabei!
Ein Zuhause für die Schleiereule
Die Schleiereule ist in Deutschland weit verbreitet – in der Ukraine jedoch gilt sie als gefährdet. Sie braucht dringend unsere Hilfe!
Webcam 1 – Nistkasten von innen
Große Aufregung im Nistkasten! Unsere Webcam-Küken sind geschlüpft. Es ist also ganz schön wuselig im Nistkasten. Da das Weibchen die nacheinander gelegten Eier vom ersten Tag an bebrütet hat, sind die letzten Küken mit zeitlichem Abstand geschlüpft: Wer die wilde Rasselbande genau beobachtet, kann erkennen, dass manche jungen Schleiereulen schon etwas größer sind als ihre Geschwister.
Webcam 2 – Nistkasten von außen
Aufmerksame Beobachter*innen dürften vor dem Einflugloch ein Blech entdeckt haben: Grund dafür ist ein Marder, der Mitte April im Nistkasten nach Nahrung gesucht hatte. Dabei sind zwei Schleiereulen-Eier verloren gegangen. Zum Glück blieben alle weiteren Eier unbeschadet. Um die junge Schleiereulenfamilie besser zu schützen, wurde die Nistkasten-„Wohnungstür“ leicht umgestaltet.
Das Weibchen wird durch die Schutzmaßnahmen nicht beeinträchtigt: Es brütet im Nistkasten, während das Männchen den Nistkasten verlässt, um Nahrung zu beschaffen. Solche Eingriffe erfolgen sehr vorsichtig und nur, wenn es für den Schutz der Tiere notwendig ist.
In der Ukraine kann es vereinzelt zu Stromausfällen kommen. In solchen Fällen ist der Webcam-Stream möglicherweise für einige Stunden unterbrochen. Sobald die Stromversorgung wiederhergestellt ist, wird der Stream automatisch fortgesetzt. Herzlichen Dank für die Geduld!
Rückblick: Über 50 Eulenküken in der letzten Brutsaison
Im Jahr 2025 sind 58 Eulenküken in unseren Nistkästen in Transkarpatien herangewachsen. Dank der installierten Webcams konnten wir die Schleiereulenfamilie bei der Aufzucht ihrer Jungen live beobachten. Wir haben miterlebt, wie die Eltern ihre Küken versorgten und großzogen.
Es dauerte rund zwei Monate bis aus den flauschigen Küken junge Schleiereulen wurden: Dieser Mitschnitt zeigt die ersten Wochen im Leben der Schleiereulenküken im Zeitraffer.
Eulen für den Frieden
NABU tritt globaler Initiative „Owls for Peace“ bei
Der NABU ist Teil der weltweiten Initiative „Owls for Peace“, die sich für den Schutz von Eulen und ihren Lebensräumen einsetzt. In der Ukraine und darüber hinaus fördert das Bündnis nachhaltige Ansätze wie den Einsatz von Schleiereulen statt Pestiziden zur Schädlingsbekämpfung. Trotz des Krieges führen der NABU und seine ukrainischen Partner wichtige Projekte zum Natur- und Artenschutz weiter. Seit 2020 steht die Schleiereule dabei als Symbol für Hoffnung und friedlichen Widerstand.
Schleiereulen-Schutz in der Ukraine
Unser Schleiereulen-Nistkasten befindet sich in Transkarpatien, im Westen der Ukraine. Gemeinsam mit unserem Partner USPB, Ukrainian Society for the Protection of Birds, setzen wir uns vor Ort für den Schutz und Erhalt der Schleiereulen-Population ein, indem wir Nistkästen installieren und das Brutverhalten der lokal gefährdeten Art erforschen.
In der Roten Liste der Ukraine werden Schleiereulen (Tyto alba) als „gefährdet“ eingestuft. Es werden nur noch rund 30 Brutpaare im ganzen Land geschätzt – und ihr Bestand sinkt. Einer der Hauptgründe dafür ist der Mangel an geeigneten Brutplätzen durch Zerstörung, Umbau und Modernisierung alter Gebäude, die wertvolle Rückzugs- und Nistplätze für Schleiereulen bieten.
Transkarpatien ist das wichtigste Brutgebiet für Schleiereulen in der Ukraine. Die Region im Westen des Landes ist die Kinderstube für Zweidrittel aller Brutpaare. Deshalb schafft USPB genau hier geeignete Nistplätze. Zu Beginn des Projektes wurden 50 Nistkästen in Dachböden, Scheunen und unter Vordächern angebracht. Mit Erfolg: Es gibt Nachwuchs in den Nistkästen!
Im Jahr 2024 konnte das Projekt auf die Regionen Volyn und Lviv ausgeweitet werden, um auch dort den Bestand der Schleiereulen zu sichern.
Was passiert mit den NABU-Projekten in der Ukraine?
Der NABU ist seit seiner Gründung international tätig, wir sind krisenerprobt. Wir erhalten unsere Naturschutzprojekte in der Ukraine, zu denen auch die Schleiereulen-Webcam gehört, soweit wie möglich aufrecht. Wir sind überzeugt: Auch dieser Krieg kann dauerhaft nur durch Austausch und Dialog beigelegt werden. Der Krieg in der Ukraine muss sofort enden – für Mensch und Natur.
Mehr zur NABU-Position erfahrenInstallation der Nistkästen
FAQ
Wieso sind die Küken so unterschiedlich groß?
Ab April/Mai legen Schleiereulen vier bis zehn langovale, weiße Eier ins Nest. Da sie alle zwei bis drei Tage ein Ei legen und ab dem ersten Ei zu brüten beginnen, schlüpfen die Jungen asynchron und es finden sich unterschiedlich entwickelte Jungvögel im Nest.
Wo gibt es Schleiereulen?
Die Schleiereule ist in fast allen Regionen der Erde verbreitet. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis zur borealen Zone und nach Süden bis in die Tropen und in Wüstengebiete. In Mitteleuropa ist sie ein verbreiteter Brutvogel tief gelegener, relativ waldarmer Siedlungsgebiete.
Wie geht es den Schleiereulen in Deutschland?
Gute Nachrichten: In Deutschland wird die Schleiereule als „nicht gefährdet“ eingestuft. Hierzulande brüten wieder zwischen 11.000 und 17.000 Paare. Nachdem die Schleiereule in den 70er Jahren als stark gefährdet galt, konnten sich ihre Bestände dank gezielter Schutz- und Hilfsmaßnahmen stabilisieren. 1977 wurde die Schleiereule zum Vogel des Jahres gewählt. Damit es den Schleiereulen in Deutschland weiterhin gut geht, ist es wichtig ihre Rückzugs- und Nistplätze zu bewahren und ihre Beutetiere und Jagdgebiete zu erhalten.
Was hilft den Schleiereulen?
Besonders Kirchen und Bauernhöfe in ländlicher Umgebung spielen dabei eine zentrale Rolle - Eulenfreundliche Gebäude und Nistkästen bieten den Schleiereulen wichtige Rückzugsorte und Brutplätze. Für den langfristigen Schutz der Art sind reich strukturierte Kulturlandschaft mit reduzierter Ausbringung an Bioziden entscheidend. Das käme auch vielen anderen Arten der offenen Feldflur zugute, so auch den Beutetieren der Schleiereule wie Wühl- oder Spitzmäusen.
situation in der ukraine
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