Das neue Rehazentrum aus einer anderen Perspektive - Foto: NABU Kirgisistan/Alimjan Jorobaev
NABU-Rehazentrum schützt bedrohte Schneeleoparden
Pflege, Auswilderung und Umweltbildung im Herzen Kirgisistans
Foto: NABU/Alimzhan Zhorobaev
Im Hochgebirge Kirgisistans betreibt der NABU das weltweit größte Freigehege für Schneeleoparden. Ziel des angeschlossenen Rehazentrums ist es, verletzten, geschwächten oder in Gefangenschaft gehaltenen Wildtieren zu helfen und ihnen – soweit möglich – eine Rückkehr in die freie Wildbahn zu ermöglichen. Schneeleoparden, die meist dauerhaft pflegebedürftig sind oder nicht mehr ausgewildert werden können, erhalten hier eine sichere Umgebung und artgerechte Betreuung.
Das Zentrum liegt im Ort Suluu-Terek in der Chui-Region, rund drei Autostunden östlich von Bischkek. Die Lage ist bewusst gewählt: kurze Wege für Rettungsaktionen, naturnahe Bedingungen für Pflege und Beobachtung sowie eine gute Verkehrsanbindung für alle Mitarbeitenden, Ranger*innen, Tierärzt*innen und zu Behörden. Die Umgebung ist außerdem Lebensraum vieler Wildtiere, so dass Auswilderungen direkt vor Ort durchgeführt werden können.
Der NABU vor Ort in Kirgisistan: Lage des neuen Rehazentrums - Karte: NABU/Marc Scharping
In Kirgisistan existieren nur wenige Zoos und Museen. Umweltbildung findet an Schulen bislang kaum statt. Aus diesem Grund dient das Rehazentrum auch als Ort der Umweltbildung: Schulklassen lernen die heimische Tierwelt kennen. Für die Öffentlichkeit werden Informationsmaterialien aufbereitet. Studierende mehrerer kirgisischer Universitäten besuchen regelmäßig das Rehazentrum im Rahmen von Exkursionen und Praxisprojekten. Seit 2024 besteht außerdem eine offizielle Kooperation mit dem kirgisischen Bildungsministerium.
Das neue NABU-Rehazentrum wurde 2022 eröffnet und löste das erste Zentrum ab, das rund 20 Jahre lang mehrere Autostunden weiter östlich nahe Ananyevo betrieben wurde. Mehr zur Geschichte findest du weiter unten.
Neben dem neuen Rehazentrum betreibt der NABU ein weiteres Umweltbildungszentrum in der Projektregion im Kara-Kujur-Tal. Dort gibt der NABU Kirgisistan Kindern und Jugendlichen aus den umliegenden Dörfern Einblicke in die Projektaktivitäten vor Ort sowie Umweltbildungsseminare.
Erfolge des Zentrums
Über 100 Tiere ausgewildert
Auswilderung eines geretteten Adlers im Rehazentrum - Foto: NABU Kirgisistan
Seit ihrer Gründung konnten die Mitarbeiter*innen unserer Rehazentren zahlreiche Wildtiere retten, pflegen und in ihre Lebensräume zurückbringen. Jede erfolgreiche Auswilderung ist ein wichtiger Beitrag für den Schutz der Artenvielfalt in Zentralasien. Nur wenn Tiere schwer verletzt sind und in freier Wildbahn nicht mehr überleben können – im Regelfall betrifft dies vor allem die Schneeleoparden – bleiben sie dauerhaft in der Obhut des NABU.
Seit 2004 wurden in den beiden NABU-Zentren in Kirgisistan bereits über 100 Wildtiere erfolgreich rehabilitiert und wieder in die Freiheit entlassen. Jede dieser Auswilderungen ist ein kleiner, aber bedeutender Erfolg für den Artenschutz in den kirgisischen Gebirgsregionen. Insgesamt konnten bisher 108 Tiere ausgewildert werden (Stand: November 2025) – darunter 87 Greifvögel und Eulen, sechs Luchse, drei Wölfe, zwei Rehe sowie weitere kleinere Wildtierarten wie Füchse und Wildkatzen.
Der Großteil der im Zentrum betreuten Tiere sind Greifvögel – darunter Adler, Bussarde, Falken und Milane. Sie werden nach Unfällen oder illegalem Fang im Zentrum medizinisch versorgt und trainieren anschließend in großen Volieren ihre Flugfähigkeit. Nach ihrer Genesung kehren sie dann in die Berge und Steppen des Landes zurück.
Luchse, Wölfe und Schneeleoparden: Behutsamer Umgang mit jedem Tier
Wolf Dirk kam als Welpe 2023 ins Zentrum und war dort ein langjähriger Bewohner. Er ist mittlerweile an die Agraruniversität umgezogen, da er für eine Auswilderung bereits zu sehr an Menschen gewöhnt war - Foto: NABU Kirgisistan
Auch Säugetiere wie Luchse und Wölfe konnten nach intensiver Pflege wieder ausgewildert werden. Besonders bei Luchsen ist die Rehabilitation aufwendig, da sie scheue Einzelgänger sind, die für die Jagd ein intaktes Instinktverhalten benötigen. Da manche Tiere in freier Wildbahn nicht überleben können, bleiben sie dauerhaft im NABU-Rehazentrum oder anderen geeigneten Institutionen – so etwa Wolf Dirk hier im Bild, oder die beiden Schneeleopardinnen, die wir Euch im nächsten Abschnitt vorstellen, und die heute als Botschafterinnen ihrer Art gelten. Generell wird das Auswildern von jung gefangenen Schneeleoparden, die die Jagd nicht von ihrer Mutter erlernen konnten und eine Zeit lang von Menschen versorgt wurden, als zu riskant eingeschätzt – und bisher noch nie versucht.
Neben der praktischen Artenschutzarbeit ist das Rehazentrum heute auch ein fester Bestandteil der nationalen Umweltbildungsarbeit. Durch die Zusammenarbeit mit Universitäten und Behörden werden dort regelmäßig Workshops und Freiwilligenaktionen organisiert – etwa zu Anlässen wie dem Weltumwelttag oder gemeinsamen Umweltaktionen mit Studierenden. Auch in den nationalen Medien wird regelmäßig über die Arbeit des Zentrums berichtet, wodurch das Bewusstsein für Wildtierschutz und das NABU-Engagement in Kirgisistan weiter gestärkt wird: über 300 Medienbeiträge in TV, Radio, Print, und Online konnten bisher dokumentiert werden. (Stand: November 2025)
Wir denken Tiermedizin, Forschung und Naturschutz zusammen
Die „Gruppa Bars“ im Einsatz im Chong Kemin Nationalpark - Foto: NABU/Klemens Karkow
Die Erfolge zeigen, wie Tiermedizin, Forschung und Naturschutz im Rehazentrum ineinandergreifen. In enger Zusammenarbeit mit der Anti-Wilderei-Einheit „Gruppa Bars“ und kirgisischen Wildtierärzt*innen gelingt es, verletzten Tieren eine zweite Chance zu geben und so einen dauerhaften Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt in Zentralasien zu leisten.
Die Gruppa Bars (deutsch: „Gruppe Schneeleopard“) sind im Autrag des NABU unterwegs, um effektiv gegen Wilderei vorzugehen. Sie gehen jedem Hinweis auf Wilderei nach, überprüfen Fellhändler auf Märkten und suchen im Gebirge nach aufgestellten Fallen. Die Ranger sind vorwiegend im Norden und Süden Kirgisistans aktiv.
Ausstattung des neuen Rehazentrums
Baktybek Azhybekov ist der Tierarzt des Rehazentrums und für die medizinische Versorgung aller tierischen Patienten zuständig. Da die Anlage über eine Veterinärstation mit OP-Raum verfügt, kann er schnell reagieren und fast alle medizinischen Eingriffe selbst vornehmen. Das Rehazentrum besteht aus einem Haupthaus und Volieren für Wildvögel. Dahinter, an grünen Hängen gelegen, befinden sich die riesigen Freigehege für Schneeleoparden und andere Wildtiere.
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Eine Greifvogelauswilderung im Rehazentrum - Foto: NABU Kirgisistan
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Eine Kropfgazelle wird im Auswilderungsgehege abgesetzt - Foto: NABU/Ivan Turkovskii
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Zentrumsleiter Tolkunbek gibt ein Interview. Über 300 Medienbeiträge in Radio, Presse und TV haben dazu beigetragen, die Anliegen des NABU in Kirgisistan stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. – Foto: Alimjan Zhorobaev
Das sind die aktuellen Bewohner des Rehazentrums
Stand: November 2025
Im NABU-Rehazentrum in Kirgisistan leben derzeit mehrere Tiere verschiedener Arten. Ihre Geschichten zeigen, wie wichtig engagierter Artenschutz vor Ort ist.
Schneeleopardin Kolijuchka - Foto: NABU Kirgisistan
Schneeleopardin Kolijuchka wurde 2009 im Rehazentrum geboren. Da sie noch nie in freier Wildbahn gelebt hat, weiß sie nicht, wie man jagt und ist so sehr an Menschen gewöhnt, dass sie nicht ausgewildert werden kann. Kolijuchka ist ein ruhiges Tier. Die Mitarbeiter des Rehazentrums lässt sie nah an sich heran, vor allem, wenn sie ihr Futter bringen. Fremde lässt sie nicht in ihre Nähe. Der Name Kolijuchka bedeutet „Stachel“.
Schneeleopardin Ak-Moor - Foto: NABU Kirgisistan
Schneeleopardin Ak-Moor wurde im Januar 2020 von Mitarbeitern der Anti-Wilderei-Einheit „Gruppa Bars“ in das Rehazentrum gebracht. Ak-Moor ist ein älteres Weibchen, das in einen Hühnerstall einbrach und versuchte, Haustiere zu töten. Da sie schon schwach war und drei ihrer Eckzähne beschädigt sind, scheiterte sie jedoch. Tierschützer übergaben die Schneeleopardin an den NABU, da sie in Freiheit nicht mehr überleben würde. Ak-Moor verhält sich Menschen gegenüber scheu und wild.
Luchs Leopold - Foto: NABU/Ivan Tymofeiev
Luchs Leopold wurde 2012 gemeinsam mit zwei weiteren Luchsen in der Provinz Osch von der staatlichen Umweltinspektion beschlagnahmt. Die Beamte brachten die Tiere in das NABU-Rehazentrum, wo zwei der Luchse nach einem 1,5-jährigen Rehabilitationsprogramm in die Freiheit entlassen werden konnten. Da Leopold jedoch völlig zahm war, lebt er dauerhaft unter der Obhut des NABU. Leopold ist menschenbezogen, verspielt und schnurrt ziemlich viel.
Jetzt Pat*in werden
Gib Schneeleoparden eine zweite Chance!
Mit deiner Patenschaft kannst du Pflege und Auswilderung dieser und weiterer verletzter Tiere und Schneeleoparden unterstützen, außerdem unsere Umweltbildungsmaßnahmen in Kirgisistan.
Hier geht's zur Schneeleoparden-PatenschaftGreifvögel bevölkern fast ständig die Vogelvolieren im Rehazentrum. Aktuell (Stand: November 2025) sind hier Bussarde und ein Adler untergebracht und werden je nach Gesundheitszustand auf ihre Auswilderung vorbereitet.
Zu den Greifvogelarten, die in Kirgisistan vorkommen, zählen neben Adlern und Bussarden auch Falken, Milane, Weihen, sowie Habichte, Geier, und diverse Eulenarten.
Das Reh (noch) ohne Namen. Im Dorf Shaidan-Sai (Nooken Rajon) wurde dieses junge Reh im August 2024 von Jagdspezialist*innen entdeckt und einen Monat später von Mitarbeitenden der NABU-Partnerorganisation Gruppa Bars in das Rehabilitationszentrum gebracht. Das Tier war geschwächt und verängstigt, konnte jedoch dank fachgerechter Pflege stabilisiert werden. Nun steht eine behutsame Aufzucht im Vordergrund – mit dem Ziel, es später wieder in die Natur zu entlassen.
Die Geschichte unserer Reha- und Umweltbildungszentren in Kirgisistan
Der NABU engagiert sich seit vielen Jahren für den Schutz des Schneeleoparden in Zentralasien. Das erste Rehazentrum wurde 2002 eröffnet und war bis 2021 in Betrieb – stolze 20 Jahre! Es befand sich nahe dem Dorf Ananyevo am Nordufer des Issyk-Kul-Sees in der Region Yssykköl, rund 250 Kilometer östlich von Bischkek. In unmittelbarer Nähe zum Issyk-Kul-Biosphärenreservat bot der Standort günstige klimatische Bedingungen und Zugang zu den Hochgebirgshabitaten des Schneeleoparden.
Dort wurden bereits zahlreiche verletzte Tiere betreut, wie die Familie Bagira im Bild unten. Doch die räumlichen Bedingungen stießen bald an Grenzen. Mit Unterstützung kirgisischer Partnerorganisationen und vieler Spender*innen entstand schließlich der Neubau in Suluu-Terek, der 2022 eröffnet wurde. Das neue Zentrum bietet größere Gehege, moderne tierärztliche Versorgung und mehr Raum für Umweltbildungsprogramme – vor allem aber: eine bessere Verkehrsanbindung für Mitarbeitende und Besucher*innen gleichermaßen.
Einige Impressionen aus der Zeit des ersten Zentrums (2002 bis 2021)
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Schneeleoparden-Familie Bagira im ersten Rehazentrum - Foto: Wolfgang Semle
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Schneeleopardin Bagira wurde 2002 von den "Gruppa Bars" gefunden. Sie verstarb mit 13 Jahren im ersten NABU-Rehazentrum - Foto: Klemens Karkow
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Schneeleopardin Dshamilija, hier mit ihrer Familie im Zoo Zürich, war die erste ihrer Art, die vom NABU im Jahr 2000 gerettet wurde - Foto: Andreas Richter
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Schneeleopardin Alcu ist unsere Rekordhalterin: sie wurde in NABU-Obhut stolze 22 Jahre alt. Eine Falle von Wilderern hatte sie zuvor ihre Vorderpfote gekostet - Foto: NABU/Klemens Karkow
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Kater Kunak lebte von 2003 bis 2018 im ersten NABU-Rehazentrum - Foto: NABU/Klemens Karkow
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Schneeleopard Zhaarbars wurde 2020 mit einer Schrotflinte angeschossen. Er überlebte eine Notoperation und verbrachte bis zu seinem Tod weitere zwei Jahre im Zentrum - Foto: Ivan Tymofeiev
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Röntgenaufnahme: 70 Schrotkugeln befanden sich im Kopf des verletzten Zhaarbars - Foto: Tolkunbek Asykulov
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Hier wird Zhaarbars von Tierärzten der Staatlichen Agraruniversität operiert - Foto: Tolkunbek Asykulov
Zentrums-Blog zum Nachlesen – Tagebuch von Tolkunbek Asylkulov (2022 - 2024)
Der Blog rund um die ersten Jahre des neuen Rehazentrums ist inzwischen abgeschlossen, bleibt aber als Archiv erhalten – ein beeindruckendes Zeugnis des Mitarbeitendenengagements vor Ort und vieler spannender Tiergeschichten.
1.-5. Mai 2024 - Forschung und Schutz von Greifvögeln im Fokus

Anfang Mai fand im NABU-Rehazentrum in Kirgisistan ein fünftägiger Workshop zur Erforschung und Erhaltung von Geiern, Steinadlern und anderen Greifvögeln statt. Der erste Teil des Workshops bestand aus Online-Vorträgen zu Themen Geierforschung und -schutz. Auch Gefahren wie Vergiftungen, illegale Tötung und Fang, Stromschlag und Kollisionen standen auf der Tagesordnung. Neben unseren kirgisischen Mitarbeitenden nahmen Expert*innen aus Armenien, Bulgarien, Kasachstan, Kirgisistan, Nepal und Usbekistan teil.
Um auch praktische Erfahrungen zu vermitteln, bot Dr. Vladimir Dobrev von BSPB (Bulgarian Society for the Protection of Birds/BirdLife Partner) Präsenz-Schulungen an. Workshop-Teilnehmende lernten Daten zu sammeln und Vogelarten zu identifizieren. Außerdem demonstrierte Dobrev den Einsatz von Drohnen und Online-Kameras zur Verhaltensforschung von Greifvögeln.
(Foto: NABU Kirgisistan)
21. Dezember 2023 – Weihnachtszauber in Kirgisistan: Allererster Weihnachtsmarkt öffnet seine Tore
In Deutschland macht sich Weihnachtsstimmung breit: Lichterketten erleuchten die Straßen, Weihnachtsbäume sind festlich geschmückt und auf den Weihnachtsmärkten duftet es nach feinem Gebäck. Doch wie sieht es eigentlich gerade in Kirgisistan aus?
„Hier in Kirgisistan feiern wir gar kein Weihnachten“, berichtet uns Tolkunbek Asykulov, Leiter der kirgisischen NABU-Filiale. „Doch dieses Jahr habe ich das erste Mal einen Weihnachtsmarkt in Bischkek gesehen – ganz traditionell mit Süßigkeiten und Glühwein“.

Mit den Weihnachtsfeiertagen neigt sich auch das Jahr zu Ende und die Mitarbeitenden des Rehazentrums blicken auf viele Aktivitäten und Erfolge zurück. Zum Beispiel haben sie dieses Jahr 80 Kamerafotofallen im Gebirge aufgestellt und die aus dem letzten Jahr eingesammelt und ausgewertet. Die Daten helfen dabei, wirksame Schutzmaßnahmen für Schneeleoparden und andere Wildtiere zu entwickeln. Manche Fotofallen werden jedoch von Wilderern gestohlen oder von Lawinen verschüttet.
Auch im kommenden Jahr stehen zahlreiche Aktivitäten an, wie die Umsetzung des Umweltbildungsjahres in Kirgisistan und der Bau eines weiteren Freigeheges für gerettete Wildtiere im Rehazentrum. Es bleibt weiterhin spannend!
(Foto: Collab Media - stock.adobe.com)
28. September 2023 – Über alle Berge: Artenschutz-Expedition ins kirgisische Tian-Shan-Gebirge
Nach einer Sommerpause melden wir uns mit Neuigkeiten aus unserem Schneeleo-Projekt in Kirgisistan zurück. Denn auch in diesem Jahr haben Ranger unserer Anti-Wildererei-Einheit „Gruppa Bars“ die Wissenschafts-Expeditionen der Naturschutzorganisation „Biosphere Expeditions“ durch das Tien-Shan-Gebirge begleitet Auf den Expeditionen können naturinteressierte Laien beim Naturschutz aktiv mit anpacken: Spurenlesen, Fotofallen aufstellen und Wildtierzählungen helfen dabei, geeignete Schutzmaßnahmen für Schneeleoparden und andere Tiere zu entwickeln. Nebenbei lernen die Teilnehmenden die zentralasiatische Tier- und Pflanzenwelt in über 3.000 Metern Höhe kennen.

Unter den diesjährigen Teilnehmenden befand sich auch Sebastian Küster, der den Wettbewerb für einen Expeditionsplatz gewonnen hat:
"Während unserer Expedition durch das kirgisische Gebirge fanden wir Wolfsfährten, Wolfslosung und Abdrücke einer Pallasatze. Ein anderes Team konnte diese Funde jedoch toppen: Sie entdeckten den Pfotenabdruck eines Schneeleoparden, was uns alle unglaublich begeisterte!"—Sebastian Küster, Teilnehmer der Expeditionsreise
Teil der Expedition ist auch der Dialog mit der lokalen Bevölkerung. Daher organisierte das Team einen Informationsabend und lud die Bewohner*innen der anliegenden Dörfer in das Camp ein. Die Gäste hörten sich Berichte über die praktische Naturschutzarbeit in ihrer Region an und schilderten ihrerseits Konflikte mit Wildtieren wie dem Schneeleoparden. Nach einigen Stunden endete die Veranstaltung, die für viel Verständnis auf beiden Seiten sorgte. Ein gelungener Abend für alle!

(Fotos: Sebastian Küster)
22. Juni 2023 – Ein Notfall für die „Gruppa Bars“: Wilde Tiere im Gartenhaus
Mit Temperaturen über 30 Grad Celsius ist auch in Kirgisistan der Sommer eingekehrt. Die Hochgebirgslandschaft steht in voller Blüte und das Wetter ist sonnig und trocken. Die Schneeleoparden in unserem Rehazentrum sind trotz ihres hohen Alters weiterhin wohlauf. Und es hat Neuzugang gegeben: ein junger Steinbock und ein Wolfswelpe sind im vergangenen Monat eingezogen. Die beiden wurden von unserer Antiwilderei-Einheit der „Gruppa Bars“ beschlagnahmt.

Nach einem dringlichen Anruf der örtlichen Polizei bestätigte sich für die NABU-Ranger der Verdacht: illegale Wildtierhaltung auf einem Privatgrundstück! Gemeinsam beschlagnahmten sie den Steinbock und den Wolfswelpen. Die Hausbewohner, Vater und Sohn, hatten die Tiere gefangen und hielten sie wie Haustiere in ihrem Garten. Was sie mit den Tieren vorhatten, ob sie die Absicht hatten, sie zu verkaufen, und wie lange diese schon in Gefangenschaft bei ihnen lebten, bleibt unklar.
Die Polizei nahm die Personalien der mutmaßlichen Wilderer auf und leitete rechtliche Schritte gegen sie ein. Unsere „Gruppa Bars“ nahm sich dagegen der Findelkinder an und brachte sie ins NABU-Rehazentrum. Dem Verhalten der beiden Wildtiere nach, haben sie sich bereits an menschlichen Kontakt gewöhnt. Somit ist für den Wolfswelpen eine Freilassung in die Wildnis nicht möglich. Auch die junge Ziege bleibt vorerst in der Obhut unserer Mitarbeitenden im NABU-Rehazentrum.
(Foto: NABU Kirgisistan)
08. Mai 2023 – Mit voller Kraft voraus: Zweite „Gruppa Bars“ nimmt Arbeit auf und geretteter Bussard fliegt in die Freiheit
Auch in Kirgisistan ist mittlerweile der Frühling eingekehrt. Der letzte Schnee ist geschmolzen und die vergangenen Wochen waren sehr regenreich. Erfreulicherweise sind mittlerweile alle Baumaßnahmen rund um die Schutzmauer abgeschlossen, so dass unser Rehazentrum vor einer erneuten Schlammlawine besser geschützt ist.

Unsere Anti-Wilderei-Einheit „Gruppa Bars“ patrouilliert seit nunmehr 24 Jahren im Nordosten Kirgisistans, wo sie die Wilderei spürbar eindämmen konnte. Dank der regelmäßigen Spenden des Tierparks Berlin bekommt das vierköpfige Team nun Unterstützung von der „Gruppa Bars II“. Die Leitung der neuen Einheit, die hauptsächlich den Süden des Landes abdeckt, übernimmt Dr. Isabek Amatov. Er hat im Jahr 1992 die Forstliche Fakultät am Sibirischen Technologischen Institut in Krasnojarsk absolviert und arbeitete dann unter anderem als Förster im kirgisischen „Atinsky Natur Park“. Derzeit lehrt er an der Technischen Universität in Osch. Tatkräftig unterstützt wird Dr. Amatov von Bolotbek uulu Saktanbek. Wir freuen uns über die Verstärkung im Einsatz für den Schneeleopardenschutz und wünschen den beiden einen erfolgreichen Start!
Und noch eine gute Neuigkeit: Einer unserer Bussarde im Rehazentrum ist wieder gesund und bereit für die Auswilderung! Wegen eines gebrochenen Flügels wurde das Tier vor einem halben Jahr der „Gruppa Bars“ übergeben und seitdem mit viel Herz und Sachverstand aufgepäppelt. Nun war es endlich soweit und der Bussard konnte in die freie Wildbahn zurückkehren. Doch der Abschied ist nicht für immer: Unsere Mitarbeitenden berichten, dass der zahme Bussard sich in der unmittelbaren Umgebung des Rehazentrums niedergelassen hat und sie immer wieder besuchen kommt.

(Fotos: NABU Kirgisistan)
22. März 2023 - Hollywood-Flair im Rehazentrum: Deutsches Filmteam für Dreharbeiten zu Gast
In den vergangenen Wochen gab es für unsere Kolleg*innen in Kirgisistan ganz besonderen Besuch: Ein deutsches Filmteam begleitete zehn Tage lang die „Gruppa Bars“ bei ihren Patrouillen durch das Tien-Shan-Gebirge. Auch im Rehazentrum machte das Team Station und filmte unsere tierischen Bewohner bei der Fütterung und den Tierarztkontrollen. Von einem neu gebauten Beobachtungsturm aus hatten sie freie Sicht auf die kirgisische Landschaft und die Freigehege. Wir sind sehr gespannt auf die Dokumentation, die aus dem Material entstehen soll!
Die Folgen der verheerenden Schlammlawine, die das Rehazentrum direkt nach seiner Eröffnung letztes Jahr schwer getroffen hat, sind mittlerweile beseitigt. Mitarbeitende des Zentrums haben außerdem eine Schutzmauer rund um die Anlage errichtet. Verletzt wurde damals zum Glück niemand, aber die Zufahrtsstraße und einige Räume mussten aufwändig erneuert werden.

Und wie geht es unserem Neuzugang, dem geretteten Luchs? Er wurde gründlich untersucht und muss – große Erleichterung – nicht wie zunächst gedacht am Kopf operiert werden. „Oinok“ ist übrigens ein Weibchen, erst sechs Monate alt und sehr verspielt. Zur Beobachtung bleibt sie vorerst noch in den Innenvolieren, darf sich aber schon bald auf der Außenanlage austoben.

(Fotos: NABU Kirgisistan)
31. Januar 2023 – Junger Neuankömmling im Rehazentrum
In diesem Monat hat das Rehazentrum wieder Zuwachs bekommen: Im kirgisischen Dorf Kotschkor ist ein Hirte auf einen kleinen, freilebenden Luchs aufmerksam geworden. Da der Luchs ziemlich ausgehungert aussah und stets ohne Mutter gesehen wurde, verständigte der Hirte schließlich den lokalen Wildschutzverein „Zhaamat-Sook“. Der Verein arbeitet eng mit unserer Anti-Wilderei-Einheit „Gruppa-Bars“ zusammen und wird auch vom NABU bei der Anschaffung notwendiger Ressourcen für ihre Arbeit unterstützt. Die Mitarbeiter des Wildschutzvereins gaben der „Gruppa Bars“ ein Signal, die sich auch sofort auf den Weg ins Dorf machten.
Und tatsächlich: der Kleine ist sehr schwach, nicht älter als ein Jahr und hat eine Verletzung am Kopf. Die „Gruppa Bars“ hat den Luchs in das Rehazentrum gebracht, wo er mit Nahrung versorgt und untersucht wurde. Ob die Kopfverletzung ernsthafte und bleibende Schäden verursacht hat, wird erst eine Röntgenaufnahme zeigen können. Das Rehazentrum besitzt keine eigenen Röntgengeräte, sodass der Luchs – nachdem er zu Kräften gekommen ist – für eine gründliche Untersuchung in die veterinärmedizinischen Universität nach Bischkek gebracht wird. Wir drücken die Daumen für den (noch) namenlosen Luchs.

(Foto: NABU Kirgisistan)
16. Dezember 2022 – Fliegender Wechsel im Rehazentrum
Inzwischen ist in Kirgisistan der Winter eingebrochen und passend zur Vorweihnachtszeit liegt Schnee auf den Bergen. Die beiden Schneeleo-Damen Kolijuchka und Ak-Moor fühlen sich bei der Witterung sichtlich wohl. Damit niemand über den meterhohen Schnee zu den Schneeleos einbrechen kann, haben unsere Mitarbeiter im Rehazentrum die Gehege mit zusätzlichem Sicherheitsgitter aufgerüstet. Die Reparaturen der Zerstörungen durch das Lawinenunglück sind jedoch aufgrund der Witterung erst einmal auf Eis gelegt. Diese werden erst im nächsten Frühjahr fortgeführt.

Die Steinadler und Bussarde im Rehazentrum haben ein neues WG-Mitglied bekommen: ein Steppenadler ist in eine der Greifvogelvolieren eingezogen. Ein Wilderer hatte ihn gefangen und versucht, ihn über eine Annonce illegal zu verkaufen. Doch die örtliche Polizei hat die Annonce rechtzeitig gesehen und dem Wilderer das Handwerk gelegt. Zusammen mit der „Gruppa Bars“ wurde der Steppenadler sicher ins Rehazentrum gebracht. Auch für Reh Emma hat ein spannendes Abenteuer begonnen: Sie wurde in die Auswilderungsstation im Chon-Kemin-Nationalpark gebracht. Ziel ist es, sie zu einem späteren Zeitpunkt in die freie Wildbahn zu entlassen und die dortige Rehpopulation wieder zu stabilisieren. Wir wünschen Emma alles Gute!

(Fotos: NABU Kirgisistan)
21. November 2022 - Einmal alle die Ärmel hochkrempeln: Im Rehazentrum wird geimpft, renoviert und getanzt!
Noch immer ist der Winter nicht eingebrochen, es ist nach wie vor (für die Jahreszeit zu) mild im Osten Kirgisistan und im Rehazentrum. Unser Tierarzt Baktybek Azhybekov nutzt die Gelegenheit und impft die beiden Schneeleopardinnen Kolijuchka und Ak-Moor gegen Parasiten. Für die Verträglichkeit der Impfung darf es weder zu heiß noch zu kalt sein. Beide Schneeleo-Damen haben die Impfung gut vertragen und sind gesund und munter.

Doch das ungewöhnlich warme Wetter hat dramatische Auswirkungen: kurz nach der Eröffnung im Sommer wurde das neue Rehazentrum völlig überraschend von einer Schlammlawine getroffen. Die Tiere blieben verschont, doch mehrere Gebäude wurden geflutet und die Zufahrtsstraße stark beschädigt. Mit Spendengeldern aus Deutschland und von der lokalen Bevölkerung konnten unsere Mitarbeiter*innen die Zufahrtsstraße schnell wieder instandsetzen, um die Versorgung der Tiere zu gewährleisten. Auch der Konferenzraum wurde in den letzten Wochen renoviert. So konnte der „Internationale Tag des Schneeleoparden“ im Rehazentrum gefeiert werden. Gäste waren u.a. Vertreter des GSLEP (The Global Snow Leopard and Ecosystem Protection Program) aus Indien, Bhutan und Nepal, außerdem Behzad Larry, Direktor des diesjährigen Schneeleoparden-Preisträgers High Asia Habitat Fund. Studierende der Veterinärmedizin lauschten Vorträgen und führten zum Abschluss einen Flashmob auf.

(Fotos: NABU Kirgisistan)
30. Juli 2022 - Glück im Unglück: Eine Schlammlawine trifft das neue Rehazentrum - Alle sind unversehrt!
Nur wenige Wochen nach der Eröffnung traf eine Schlammlawine unerwartet das Rehazentrum. Zum Glück blieben die Mitarbeitenden und Tiere unbeschadet! Doch die Innenanlagen, einige Gebäude und die Zufahrtsstraße wurden überschwemmt und beschädigt. „Wir waren schockiert“, berichtet uns Tolkunbek Asykulov. „Die Zufahrtsstraße war komplett zerstört und unpassierbar, Häuser waren kaputt, alle Bäume und Büsche einfach weg.“ Die nagelneuen Gebäude müssen nun renoviert und die Straße repariert werden. Außerdem soll nun ein Schutzdamm gebaut werden. Auslöser der zerstörerischen Schlammlawine sind wohl die Folgen des Klimawandels.



(Fotos: NABU Kirgisistan)
27. Juni 2022 - Juhuu! Das neue Rehazentrum ist eröffnet
Nach fast 20 Jahren, also 2021, schloss der NABU das Rehazentrum am Hochgebirgssee Yssykköl und eröffnete ein moderneres Zentrum in Suuluu-Terek. Das neue Reha- und Umweltbildungszentrum liegt nur noch drei Autostunden von Bischkek und der NABU-Filiale entfernt und kann daher von Mitarbeitenden besser erreicht werden. Alle Tiere, die sich zur Zeit der Schließung im Rehazentrum in Ananyevo befanden, wurden sicher in das neue Zentrum umgesiedelt und haben sich gut eingelebt. Zur feierlichen Eröffnung sind Thomas Tennhardt, NABU-Direktor Internationales, Olaf Tschimpke, Vorsitzender der NABU International Naturschutzstiftung und Katja Kaupisch, kommisarische Leiterin des Zentralasien- und Osteuropaprogramms, angereist.

(Foto: NABU/Alimzhan Zhorobaev)
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