Der Kiebitz ist Vogel des Jahres 2026 in Österreich - Foto: Jürgen Podgorski/www.naturgucker.de
Von Eisvogel bis Kapweihe
Erfolgreicher Exportartikel „Vogel des Jahres“
-
-
In der Schweiz wurde der Eisvogel zum Vogel des Jahres 2026 gewählt - Foto: NABU/CEWE/Thomas Hinsche
-
Die Singdrossel ist Vogel des 2026 in Ungarn - Foto: Christoph Bosch
-
Norwegens Vogel des Jahres 2026 ist der Haussperling (norwegisch: Gråspurv) - Foto: Frank Derer
-
In Polen wurde der Wiedehopf zum Vogel des Jahres 2026 gewählt - Foto: NABU/CEWE/Thomas Hinsche
-
Spaniens Vogel des Jahres 2026 ist der Stieglitz (Distelfink) - Foto: Frank Derer
Ob als Oiseau de l’année, Ave del Año, Pták roku (tschechisch), Fugl ársins (isländisch) oder Gada putns (lettisch): Europaweit erfreut sich der „Vogel des Jahres“ zunehmender Beliebtheit, mehr als ein Dutzend Länder wählen jeweils ihren eigenen Jahresvogel. Selbst in den USA und in Kanada, in Neuseeland und in Südafrika gibt es inzwischen einen „Bird of the Year“.
Doch wer hat’s erfunden? Anders als bei einem bekanntem Kräuterbonbon waren es beim Vogel des Jahres nicht die Schweizer, sondern die Deutschen, genauer gesagt die Baden-Württemberger. Hier fand nämlich 1970 mit dem Graureiher ein regionaler Jahresvogel-Probelauf statt, bevor der NABU – damals noch „Deutscher Bund für Vogelschutz“ (DBV) – dann 1971 den Wanderfalken zum ersten bundesweiten Vogel des Jahres kürte.
Deutschland und Österreich lange Zeit gemeinsam
Ebenso wie die österreichischen Vogelschützer und später auch Luxemburg stieg der schweizerische BirdLife-Partner SVS allerdings schon bald mit ein und übernahm jeweils den deutschen Jahresvogel auch für die Eidgenossenschaft. Inzwischen wählt der SVS einen eigenen Jahresvogel, anlässlich des 25. Schweizer Jahresvogels für 2025 erstmals per Publikumsabstimmung. Gewonnen hat wie bei der Jubiläumsabstimmung 2021 in Deutschland das Rotkehlchen. Schweizer*innen und Deutsche haben also den gleichen Lieblingsvogel. Für 2026 standen in der Schweiz Vogelarten des Lebensraumes Fluss zur Auswahl, es gewann der Eisvogel hauchdünn vor der Wasseramsel.
BirdLife Österreich geht ebenfalls eigene Wege, seitdem LBV und NABU mit dem Vogel des Jahres 2021 in Deutschland die öffentliche Abstimmung eingeführt haben. 2026 wurde in Österreich der Kiebitz gekürt.
-
Vogel des Jahres 2026 in den USA und Kanada ist die Ohrenlerche - Foto: Sabine Frey/NABU-naturgucker.de
-
Der Mauersegler ist Vogel des Jahres 2026 sowohl in Estland wie in Kroatien - Foto: Axel Aßmann/NABU-naturgucker.de
-
Das Rebhuhn hat die Wahl zum Vogel des Jahres 2026 in Deutschland klar gewonnen - Foto: NABU/Jan Piecha
-
In Lettland wurde der Sperlingskauz zum Vogel des Jahres 2026 gekürt - Foto: Yvonne Christ/www.naturgucker.de
-
Rumäniens Vogel des Jahres 2026 ist die Amsel - Foto: Christoph Bosch
Außerhalb des deutschen Sprachraums hat sich der Vogel des Jahres vor allem im Osten zu einem ausgesprochenen Exportschlager entwickelt. Bereits kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs rief der tschechische BirdLife-Partner seinen ersten „Vogel des Jahres“ aus, bald darauf folgten Slowenien, die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, schließlich auch Russland und die ehemaligen Sowjetrepubliken Weißrussland, Armenien und Kasachstan. In einigen Ländern wurde die Aktion allerdings bald wieder eingestellt, während in Deutschland mit dem Rebhuhn 2026 bereits der 56. Vogel des Jahres gekürt wurde.
Als einziges skandinavisches Land kürte Norwegen bereits seit 1992 einen Vogel des Jahres, 2021 wurde erstmals auch in Island ein Jahresvogel gewählt. Im Westen dagegen gibt es den Jahresvogel nach NABU-Vorbild lediglich in Spanien, während etwa in Frankreich oder in den angelsächsischen Ländern der Begriff „Vogel des Jahres“ meist nur im Zusammenhang mit besonders seltenen Beobachtungen oder Erstbeobachtungen in einem Jahr verwendet wird.
Häufige Vögel oder „Spitzenarten“?
Die meisten Länder küren der NABU-Linie folgend inzwischen eher häufige und damit für das allgemeine Publikum gut erlebbare Arten. Der spanische BirdLife-Partner SEO dagegen setzte lange konsequent auf den Ursprungsgedanken, nämlich ein Jahr lang für ausgesprochen seltene Arten Werbung zu betreiben und für diese Artenschutzprogramme anzustoßen. So kamen in Spanien „Spitzenarten“ wie Marmelente, Balearen-Sturmtaucher und Mönchsgeier zu Jahresvogelehren.
Inzwischen gibt es den „Vogel des Jahres“ auch außerhalb Europas. Während er in Südafrika nach europäischem Muster vorab bestimmt wird, lässt der neuseeländische BirdLife-Partner Royal Forest and Bird Protection Society den „Bird of the Year“ im erst im Herbst rückwirkend für das laufende Jahr küren. Dabei treten in einer offenen Abstimmung zahlreiche Vogelarten gegeneinander an. Jedenfalls im Normalfall. Für 2021 hatte man nämlich auch die endemische Neuseeland-Lappenfledermaus nominiert, die prompt gewann. Ein eigener Fledermaus-Wettbewerb würde sich in Neuseeland nicht lohnen, davon gibt es dort nur drei Arten. 2025 hat sich in Neuseeland der Maorifalke durchgesetzt, die einzige und weltweit nur dort vorkommende Falkenart des Landes. (elg)
Die Vögel des Jahres 2026 international
Infostand 14. Januar 2026
- Armenien: N.N. (2025: Armeniermöwe)
- Australien: N.N. (2025: Eulenschwalm)
- Belarus: Schwarzstorch (Ciconia nigra)
- Deutschland: Rebhuhn (Perdix perdix)
- Estland: Mauersegler (Apus apus)
- Kasachstan: N.N. (2025: Schmutzgeier)
- Kirgistan: N.N. (2025: Tafelente)
- Kroatien: Mauersegler (Apus apus)
- Lettland: Sperlingskauz (Glaucidium passerinum)
- Luxemburg: N.N. (2025: Gartenrotschwanz)
- Neuseeland: N.N. (2025: Maorifalke/Kārearea)
- Norwegen: Haussperling (Passer domesticus)
- Österreich: Kiebitz (Vanellus vanellus)
- Polen: Wiedehopf (Upupa epops)
- Rumänien: Amsel (Turdus merula)
- Russland: N.N. (2025: Saatkrähe)
- Schweiz: Eisvogel (Alcedo atthis)
- Spanien: Stieglitz (Carduelis carduelis)
- Südafrika: Kapweihe (Circus maurus)
- Tadschikistan: N.N. (2025: Steppenkragentrappe)
- Tanzania: Wahl zwischen Strauß, Riesentrappe, Rotkehlfrankolin und Rotgesicht-Hornrabe
- Tschechien: Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
- Ungarn: Singdrossel (Turdus philomelos)
- USA und Kanada: Ohrenlerche (Eremophila alpestris)
Vögel des Jahres 2025
Europaweit und vereinzelt bis nach Zentralasien, Afrika, Ozeanien und Nordamerika erfreut sich der „Vogel des Jahres“ zunehmender Beliebtheit. 2025 wurde unter anderem für die Schweiz das Rotkehlchen gewählt und in Österreich ist es die Krickente geworden. Mehr →
Mit dem Rebhuhn rückt ein stark gefährdeter Agrarvogel ins Rampenlicht – und das aus gutem Grund: Sein Lebensraum sind Äcker und landwirtschaftlich genutzte Flächen, wo in den frühen Morgen- und späten Abendstunden die raue Stimme der Hähne erklingt. Doch das Rebhuhn wird immer seltener. Mehr →
