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Jetzt NABU-Mitglied werden!NABU klagt gegen geplanten Ostseetunnel
Meeresnatur-Zerstörung muss verhindert werden
Fehmarnbeltquerung Simulation - Foto: Beltretter/Martin Elsen
29. April 2019 – Im Dezember hatte das zuständige Amt für Planfeststellung des Landes Schleswig-Holstein dem Vorhabenträger Femern/AS grünes Licht für Europas größtes Infrastrukturprojekt gegeben. Der NABU reagiert nun mit rechtlichen Schritten. Denn: Weder für die Straße noch für die Schiene besteht ein Bedarf, der ein so großbes Bauerwerk rechtfertigen könnte. Stattdessen hätte der Schienenverkehr zu Lasten des Straßenverkehrs gestärkt werden müssen.
„Die Planer haben statt einer vernünftig ausgelasteten Bahnverbindung einen kombinierten Eisenbahn- und Straßentunnel geplant“, kritisiert Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer. „Ein auf 100 Jahre angelegtes Projekt dieser Größenordnung ist komplett überdimensioniert. Mit Blick auf den wachsenden Druck durch die Klimakrise ist vor allem eine weitere Förderung des Straßenverkehrs völlig unverantwortlich.“ Politik und Wirtschaft sollten sich demnach nicht nur in Sonntagsreden zu mehr Klima- und Naturschutz bekennen, sondern auch entsprechend handeln. Dazu gehöre auch, „fragwürdige Projekte nach 20 Jahren Planung unter Umständen ganz fallen zu lassen, zumindest aber veränderten Rahmenbedingungen anzupassen“.
Darum geht es
Dänemark und Deutschland wollen gemeinsam eine feste Querung zwischen der dänischen Insel Lolland und der deutschen Insel Fehmarn realisieren. Der Tunnel soll als sogenannter Absenktunnel gebaut werden. Die Tunnelelemente werden in einen vorher ausgehobenen Graben abgesenkt und miteinander verbunden. Im Anschluss wird der Graben wieder verfüllt und mit grobem Geröll bedeckt.
Über einen Zeitraum von 18 Monaten wird der Meeresboden auf einer Länge von 18 Kilometern 16 Meter tief und 150 Meter breit ausgehoben. Das Gesamtvolumen des Aushubs soll gemäß Planung rund 14.500.000 Kubikmeter umfassen. Dabei können große Mengen des Sediments aufgewirbelt und verdriftet werden. Eine Trübungswolke kann weite Teile der Ostsee östlich von Fehmarn erreichen.
Bedarf und Umweltschaden stehen in keinem Verhältnis
Der zu erwartende Schaden durch den riesigen kombinierten Straßen- und Bahntunnel im Meeresschutzgebiet Fehmarnbelt ist extrem groß. Der geringe Bedarf und die ökologischen Schäden für Fischlaichgebiete, artenreiche Sandbänke und Riffe stehen in keinem Verhältnis. Die Gewässer der Insel Fehmarn sind zudem von großer Bedeutung für Deutschlands einzigen heimischen Wal, den streng geschützten Schweinswal.
Deutschlands einzige heimische Walart - der Schweinswal - ist durch das Vorhaben gefährdet. Foto: Christoph Kasulke
„Insgesamt ist der ökologische Zustand der Ostsee heute schon besorgniserregend, denn rechtlich verbindliche europäische Umweltziele werden reihenweise verfehlt“, so Malte Siegert, Fehmarnbeltexperte des NABU. „Die marinen Ökosystem sind durch Eintrag von Schad- und Nährstoffen, Überfischung, Rohstoffabbau, Schifffahrt und Bauvorhaben massiv überlastet.“
Um die Belastung der Ostsee zu verringern, muss der Vorhabenträger einen eingleisigen, bergmännisch gebohrten Bahntunnel realisieren. Diese Variante wird auch im Planfeststellungsbeschluss als ökologisch verträglichste hervorgehoben.
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Der NABU lehnt die umstrittene Fehmarnbeltquerung wegen der erheblichen Auswirkungen auf Natur und Umwelt sowie mangelnden Bedarfs ab und hat gegen den Planfeststellungsbeschluss geklagt. Anfang Juli 2019 wurde die Klagebegründung beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht. Mehr →
Was rechtens ist, muss nicht vernünftig sein. Auch wenn nun ein weiterer Genehmigungsschritt für die sogenannte feste Fehmarnbeltquerung erfolgte, lässt sich das dänisch-deutsche Großvorhaben noch stoppen. Per Online-Petition appelliert der NABU an den Bundesverkehrsminister, die Reißleine zu ziehen. Auch eine Klage schließt der NABU nicht aus. Mehr →
Wer die Unterwasserwelt der Ostsee erlebt hat, weiß, wie faszinierend, kostbar und vielfältig das Leben in unserem heimischen Meer ist. Doch wie lange noch? Die Tiere und Pflanzen der Ostsee stehen zunehmend unter Stress, ihre Lebensräume sind akut bedroht. Mehr →
