Tierischer Besuch im Wohnzimmer

Tipps beim Fund von verirrten Fledermäusen

Von August bis September kann es vorkommen, dass Fledermäuse in Wohnungen einfliegen. Immer öfter findet man auch Hitzeopfer. Wir zeigen, wie du geschwächten Tieren helfen kannst und worauf du, auch bei Verdacht auf Tollwut, achten musst.
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Breitflügel-Fledermaus in Pflege
Breitflügel-Fledermaus Moritz ist in einer NABU-Pflegestation© Foto: NABU/E. Neuling

Auf einen Blick

Fledermaus in der Wohnung gefunden: Was tun?

  • Die Fenster abends weit öffnen und die Vorhänge beiseite ziehen. Dann fliegen Fledermäuse, die sich in Wohnungen verirren, in der Abenddämmerung in der Regel von alleine wieder hinaus.
  • Die Wohnung auf jeden Fall nach Tieren absuchen, die vielleicht nicht mehr ausfliegen können. Die Zwergfledermaus ist ein Spaltenbewohner und versteckt sich gerne in den Falten von Gardinen und Vorhängen, hinter Bildern oder in Vasen. Speziell aus Vasen oder oben offenen Taschen können die Fledermäuse nicht mehr flüchten. So können Todesfallen entstehen; die Fledermäuse vertrocknen und verhungern, wenn man sie nicht frühzeitig findet.
  • Einzelne Tiere kannst du auch mit einem Handschuh vorsichtig greifen und in der Dämmerung im Freien fliegen lassen.

Von den Fledermausarten, die in Deutschland vorkommen, neigt beispielsweise die Zwergfledermaus dazu, in Zimmer zu fliegen. Mit zusammengefalteten Flügeln ist sie kleiner als ein Daumen und so leicht wie zwei Stück Würfelzucker. Meist sind es unerfahrene Jungtiere, die auf der Suche nach einem geeigneten Quartier durch gekippte Fenster in die Wohnungen gelangen.

Nur wenige Menschen reagieren übrigens verärgert über den tierischen Besuch. Viele wollen sich genau über Fledermäuse informieren und freuen sich, wenn die Natur auf diese ungewöhnliche Art und Weise auf sie zukommt. Manch einer kauft sich sogar einen Fledermausnistkasten, um den Tieren eine bleibende Heimat zu bieten oder nehmen an einer der zahlreichen Fledermausführungen des NABU teil. Fledermausführungen gibt es anlässlich der Batnight am letzten Augustwochenende in vielen Städten und Gemeinden.

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Fledermaus

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Heimliche Mitbewohner auf dem Dachboden

Nur ein Teil der 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten, die sogenannten Hausfledermäuse, suchen im Sommer die menschliche Nähe. Die Dachböden oder andere Unterschlupfmöglichkeiten in Häusern bieten den Tieren als Ersatzhöhlen beste Bedingungen für die Aufzucht des Nachwuchses.

Fledermäuse bringen im Frühsommer ihre Jungen zur Welt. Sie brauchen möglichst zugluftfreie, warme und störungsfreie Plätze. Arten wie das Große Mausohr hängen frei an den Dachbalken, andere nutzen engste Spalten zwischen den Dachpfannen oder hinter der Fassadenbekleidung als Quartier. Oft sind es die Wochenstuben der Fledermäuse, ein Zusammenschluss von Weibchen einer Art, die den Sommer getrennt von den Männchen leben und gemeinschaftlich ihre Jungen aufziehen. Die Zahl der Tiere, die eine Wochenstube bilden kann sehr unterschiedlich sein. Viele Quartiere zählen zwischen fünf und dreißig Tieren. In besonders großen Wochenstubenquartieren, zum Beispiel auf Dachböden von Schlössern und Kirchen, können es auch mehrere Tausend Fledermäuse sein.

Arten wie das Große Mausohr hängen frei an Dachbalken oder in Höhlen© Foto: NABU/Christian Stein

Eher selten verraten sich die anwesenden Fledermäuse durch Geräusche. Häufiger finden sich unter ihren Hangplätzen ihre Hinterlassenschaften in Form von trockenen, durch Chitinreste glänzenden Kot oder durch Überbleibsel von Beuteinsekten. Diese Spuren können jedoch einfach weggefegt oder sogar als hochwertiger Pflanzendünger im Garten genutzt werden. Weitere Schäden verursachen die nützlichen Insektenjäger nicht, denn sie nagen nicht an Holz, zerbeißen keine Kabel und zerstören keine Isolierung.

Die Gebäudebesetzung durch Fledermäuse ist saisonal. Wenn nicht schon vorher das Quartier gewechselt wurde, lösen sich mit Beginn der Balzzeit gegen Ende August die Wochenstuben auf. Bis dahin sind die Jungtiere nach anfänglichen Flugversuchen auf dem Dachboden schon längst flugfähig. Sie werden nicht mehr gesäugt und jagen selbständig Insekten.

Wie kannst du Fledermäusen bei tödlicher Hitze helfen?

Mit den hochsommerlichen Temperaturen beginnt eine Leidenszeit für viele Fledermäuse. Da sie in den Wäldern immer weniger natürliche Höhlenbäume für ihre Quartiere finden, siedeln inzwischen zahlreiche Arten wie Zwerg- oder Bartfledermaus vermehrt an und in Gebäuden. Im noch kühlen Frühjahr wählen sie oft Verstecke, die sich schnell erwärmen und im Sommer zur tödlichen Hitzefalle werden.

Wenn bei hohen Temperaturen keine Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung stehen, kann der Nachwuchs nicht einfach seine Behausung verlassen. Beim verzweifelten Versuch der unerträglichen Hitze zu entkommen, fallen viele aus dem Quartier oder flüchten in darunter liegende Wohnungen.

Hitze

Erste Hilfe für überhitze Fledermäuse

Wer heruntergefallene Fledermäuse findet, sollte diese an einen kühleren und vor Katzen sicheren Platz bringen. 

  • Meist reicht es, die Tiere auf einen schattigen Baum zu setzen.
  • Du kannst sie bis zur Dämmerung aber auch in einem Karton aufbewahren und dann erst frei lassen.
  • Du kannst den Tieren mit einer Pipette oder einem Teelöffel etwas Wasser an den Mund halten. 

ACHTUNG: Fledermäuse sollten wie alle Wildtiere möglichst nicht mit bloßen Händen angefasst werden, weil sie eventuell auch Krankheiten übertragen können.

  • Fledermäuse bitte daher immer nur mit dicken Handschuhen und sehr behutsam anfassen, um die Tiere nicht zu verletzen. Außerdem haben die Fledermäuse Angst und können zur Abwehr beißen.

Tollwut bei Fledermäusen

Es haben sich schon Menschen mit Fledermaus-Tollwutviren infiziert, das ist jedoch extrem selten. Menschen werden von erkrankten Tieren nicht aktiv angegriffen, sondern vielmehr gebissen, wenn sie die Tiere aufnehmen und ihnen helfen wollen. Bei unseren heimischen Fledermäusen kommen drei verschiedene Tollwutviren vor. Betroffen sind nur einige der 25 Arten, darunter vor allem die Breitflügelfledermaus, aber auch Abendsegler, Braunes Langohr, Zwergfledermaus, Teich- und Wasserfledermaus sowie die Fransenfledermaus.

Fledermäuse können unsere heimlichen Mitbewohner sein© Foto: Karsten Mosebach

Erkrankte Tiere zeigen im späten Stadium der Infektion Verhaltensstörungen. Sie wirken apathisch, Zutraulichkeit wechselt mit plötzlichen Beißattacken. Die Tollwut wird ausschließlich über Speichel auf Hautwunden übertragen. Von Kot geht keine Gefahr aus. Ohne direkten Kontakt zu den Tieren sind auch Hausbesitzer*innen mit einem Fledermausquartier zum Beispiel im Dachstuhl keiner erhöhten Gefahr ausgesetzt. Solange man die Tiere nicht anfasst, werden selbst tollwütige Fledermäuse Menschen nicht angreifen.

Tollwut

Wie schützt du dich vor Bissen?

  • Die wichtigste Schutzmaßnahme: Fledermäuse nur mit dicken (Leder-)Handschuhen anfassen. Das gilt besonders bei Tieren, die tagsüber im Freien gefunden werden, die flugunfähig sind oder auffälliges Verhalten zeigen.
  • Wer häufigen Kontakt hat, zum Beispiel als Fledermausforscher*in oder -schützer*in, sollte sich vorbeugend gegen Tollwut impfen lassen. Die modernen Impfstoffe gelten als gut verträglich und schützen zuverlässig.

Kommt es doch einmal zu einem Biss, muss das Tier nicht gleich tollwütig sein, es kann auch aus Angst zubeißen. Dennoch gilt: 

  • Die Bisswunde sollte sofort gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden.
  • Dann ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen, so dass eine postexpositionelle Impfung, also eine Impfung nach erfolgtem Biss, rechtzeitig erfolgen kann. Wie die Fuchstollwut ist die Fledermaustollwut eine ohne Behandlung für den Menschen tödlich verlaufende Krankheit.

Weitere Fragen zu Fledermäusen..

Die häufigsten Fragen zu Fledermäusen, beispielsweise was du tun kannst, wenn du eine Fledermaus am Haus oder ein verletztes Tier findest, beantworten wir übrigens auf dieser Seite. Wenn du dort nicht die passende Antwort findest, nimm gerne Kontakt mit uns auf:

  • Bei dringenden Fragen, zum Beispiel beim Fund einer verletzten Fledermaus, ruf am besten unser Fledermaustelefon an: 030.284984-5000. Bitte hab Verständnis, wenn du einen Moment warten musst, insbesondere in den Sommermonaten erreichen uns viele Anrufe. 
  • Wenn du lieber in Ruhe deine Frage formulieren möchtest, wende dich an unser Team Naturschutz- und Umweltinformationen.

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