NABU zieht positive Bilanz nach den Artenschutz-Verhandlungen in Usbekistan

Großer Erfolg für die Streifenhyäne bei CITES

Das CITES-Artenschutzabkommen schützt die seltene Streifenhyäne künftig besser vor Ausbeutung! Das wurde aktuell in Usbekistan entschieden und ist eine sehr gute Nachricht für die weniger als 10.000 Tiere weltweit. Der NABU hat für einen besseren Schutz gekämpft – und es hat sich gelohnt.
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Die seltene und in Tadschikistan beinahe ausgestorbene Streifenhyäne weckt Begehrlichkeiten. Körperteile wie Haut und Fell werden illegal gehandelt und für traditionelle Medizin eingesetzt. Das Schicksal der Streifenhyäne ist eines unter vielen und zeigt: Das weltweite Artensterben lässt sich nur aufhalten, wenn wir wilde Tier- und Pflanzenarten besser vor illegalem Handel schützen. Dafür steht das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora).

Vom 24. November bis 5. Dezember fand die CITES-CoP20 statt. Mehr als 180 Vertragsstaaten kamen in Samarkand in Usbekistan zusammen und haben über mehr als 50 Anträge zu bedrohten Arten verhandelt. Gemeinsam mit anderen NGOs hat der NABU die Verhandlungen vor Ort beobachtet und sich mit Forderungen für einen wirksamen Artenschutz stark gemacht. Denn für viele Tier- und Pflanzenarten sind die CITES-Wochen wahre Schicksalswochen, so auch für die Streifenhyäne.

Verhandlungen in Samarkand: Wir ziehen eine positive Bilanz

+++ Streifenhyänen-Krimi mit Happy End +++

5. Dezember 2025 - Ab jetzt wird die Streifenhyäne besser vor Ausbeutung geschützt! Nach einem langen Krimi wurde die seltene Art auf den letzten Verhandlungsmetern in Anhang II des CITES-Artenschutzabkommens hochgestuft – dafür haben alle Länder gestimmt. Damit bleibt der internationale Handel zwar möglich, wird aber strenger reguliert als bisher. Das ist ein großer Erfolg für die weniger als 10.000 wild lebenden Streifenhyänen. Das gemeinsame Ringen mit unserem Partner Tajikistan Nature Foundation (TNF) vor Ort hat sich gelohnt.

Bedauerlich ist, dass der Antrag auf den stärksten Schutz durch Anhang I knapp gescheitert ist. Verantwortlich waren die Gegenstimmen der EU. Die CITES-CoP20 gibt dennoch Rückenwind dafür, den internationalen kommerziellen Handel mit Haut, Knochen und anderen Körperteilen der Streifenhyäne in Zukunft ganz zu verhindern.

Auch für Afrikanische Elefanten und Saiga-Antilopen gibt es gute Nachrichten aus Usbekistan. So konnte eine Lockerung des Elfenbeinhandels abgewendet werden. Außerdem wurde der enorme Erfolg Kasachstans beim Schutz der Saiga-Antilope anerkannt: Die Vertragsstaaten haben wichtige Schritte beschlossen, um Mensch-Wildtier-Konflikte zu reduzieren und mehr Akzeptanz für die Saiga zu fördern. Trotz dieser positiven Ergebnisse gibt es einen großen Wermutstropfen: Bei der CITES-CoP20 wurde für den Europäischen Aal und weitere Aalarten eine Chance verspielt. Hier wären bessere Schutzbedingungen nötig gewesen.

Die Konferenz-Ergebnisse machen Mut und sind zugleich ein Weckruf für mehr Artenschutz, den wir gemeinsam mit unseren Partnern international vorantreiben.

Forderungen und Bilanz zur CITES-CoP20 in Usbekistan

Bei der CoP20 haben wir uns für einen wirksamen CITES-Schutzstatus dieser vier Arten eingesetzt: Streifenhyäne, Afrikanischer Elefant, Saiga-Antilope und Europäischer Aal.

Streifenhyänen besser schützen!

Streifenhyänen (Hyaena hyaena) sind zwischen Haien und Elefanten so etwas wie die Underdogs bei den CITES-Verhandlungen. 

Die Verhandlungen in Samarkand markierten jedoch eine Wende für die oft übersehenen, seltenen Streifenhyänen. Dafür hat sich der NABU gemeinsam mit seinem Partner TNF in Usbekistan eingesetzt: Wir haben den Antrag aus Tadschikistan unterstützt, die Streifenhyäne von Anhang III auf Anhang I hochzustufen und damit den internationalen kommerziellen Handel zu verhindern. 

Denn die bisherige Listung der Streifenhyäne in Anhang III bot nur begrenzten, länderspezifischen Schutz. Sie konnte den illegalen Handel mit Haut, Knochen und anderen Körperteilen der Hyäne nicht wirksam eindämmen. Die Import- und Exportbestimmungen waren zu locker.

Nachdem die Hochstufung auf Anhang I Ende November durch nur sechs Gegenstimmen gescheitert war, haben wir uns beim CITES-Abschlussplenum für die Hochstufung auf Anhang II stark gemacht. Mit Erfolg! Gemeinsam mit unserem Partner TNF und vielen Streifenhyänen-Expert*innen konnten wir alle Vertragsstaaten von dieser Hochstufung überzeugen. Das CITES-Abkommen schützt die seltene Art künftig besser vor Ausbeutung.

Das emotionale und ökologische Ausmaß des Artensterbens verlangt nach entschlossenem Handeln, besonders, wenn eine ‚verloren geglaubte‘ Art wie die Streifenhyäne in Tadschikistan wiederentdeckt wird. 

Elefanten schützen, Elfenbeinhandel verhindern

Elefanten sind lebende Ikonen der Savannen und Wälder Afrikas. Zugleich stehen sie für die fatalen Folgen des internationalen illegalen Wildtierhandels.

In Usbekistan wurde über Namibias Antrag (Nr. 13) verhandelt, den kommerziellen internationalen Handel mit Elfenbein für das Land erneut zu legalisieren. Der internationale Handel mit Elfenbein aus namibischen Lagerbeständen wäre dann erlaubt. Ein Ansatz, den die Mehrzahl der Elefanten-Verbreitungsländer, darunter unser Projektland Kenia und Indien, kategorisch ablehnen. Auch der NABU hat sich gegen Namibias Antrag positioniert. Zu groß wäre das Risiko gewesen, dass der legale Handel die Nachfrage nach Elfenbein erneut steigern, Wilderei verstärken und den illegalen Handel befeuern könnte. Mit einer überwältigenden Mehrheit wurde dieser Antrag und damit eine Lockerung des Elfenbeinhandels für Namibia auf der CITES-CoP20 nun abgelehnt. Das weltweite Verbot des kommerziellen Elfenbeinhandels bleibt damit bestehen. Das ist eine gute Nachricht für den Artenschutz, die deutlich macht: Wer Elefanten schützen will, darf beim Elfenbeinhandel nicht lockerlassen!

Zusätzlich haben Botswana, Namibia, Südafrika sowie Simbabwe unter anderem beantragt, den kommerziellen Handel mit Elefantenleder für alle vier Staaten zu ermöglichen (Nr. 14) – also nun auch für Simbabwe. In der aktuellen Regelung (Annotation) ist Simbabwe vom kommerziellen Lederhandel ausgeschlossen. Der NABU hat sich gegen diesen Antrag ausgesprochen. Denn auch diese Lockerung der Handelsbestimmungen würde die Nachfrage nach Elefantenprodukten und in der Folge Wilderei und illegalen Handel begünstigen. Die Erfahrung zeigt: Weltweite Handelsverbote, begleitet durch Schutzmaßnahmen mit lokalen Partnern und Gemeinden, tragen zum Rückgang von Wilderei und zu Erholung der Elefantenbestände bei.



Der Antrag wurde nun auf der CITES-CoP20 angenommen, jedoch in angepasster Form. So konnten die von den vier Ländern angestrebten Lockerungen des Elfenbeinhandels abgewendet werden: Alle Verweise für den Export von Elfenbein und Elfenbeinvorräten wurden gestrichen. Nicht angetastet wurden hingegen Regularien, die den Export von Elefantenhaut, Lederwaren und weiteren Elefantenprodukten unter bestimmten Bedingungen ermöglichen. Die Gefahr für eine Öffnung des kommerziellen Handels bleibt damit bestehen. Dem treten wir weiterhin entgegen!

Saiga-Antilope: Kasachstans Erfolg fortschreiben

Die Wiederkehr der einst fast ausgestorbenen Saiga-Antilope (Saiga tatarica) ist eine Erfolgsgeschichte. 

Auf der CITES-CoP20 hat der NABU daher den Antrag Kasachstans unterstützt, das aktuell geltende Verbot für den internationalen Handel mit aus der Natur stammenden Saigas und Saiga-Derivaten für Kasachstan zu lockern. Mit der Annahme des Antrags darf Kasachstan unter bestimmten Bedingungen Handel mit Saiga-Produkten wie Hörnern treiben. 



Der Antrag wurde angenommen, jedenfalls teilweise! Die große Mehrheit der Vertragsstaaten hat bei der CITES-CoP20 für den Antrag Kasachstans und die Lockerung gestimmt. Damit werden die jahrelangen Schutzbemühungen für Saiga-Antilopen in Kasachstan – unter anderem des NABU – gewürdigt. Die Population hat nun bessere Chancen, sich nachhaltig zu stabilisieren. Zu kurz kommt in dem deutlich angepassten Beschlusstext jedoch die lokale Bevölkerung: Es fehlt weiterhin ein Mechanismus, durch den Menschen vor Ort finanziell profitieren. Auch Marktmechanismen werden zu wenig berücksichtigt. Hier muss in den kommenden Jahren dringend nachgeschärft werden.



War das nicht für den Naturschutz der falsche Ansatz? Nein und das hat gute Gründe. Entscheidend für den langfristigen Erhalt der Saiga-Population ist, die enorme Bestandszunahme – von wenigen Zehntausend nach der Jahrtausendwende auf heute rund vier Millionen Tiere – und die Folgen für Mensch und Natur anzuerkennen. Die Aufhebung des Handelsverbots für Kasachstan kann Einnahmen generieren, Mensch-Wildtier-Konflikte entschärfen und die dringend nötige Akzeptanz für die Saiga bei Landnutzer*innen fördern. Langfristig profitiert die Saiga-Antilope von diesem Pfad.

In der Ural-Steppe haben wir bis zu 100.000 Saiga-Antilopen in einer einzigen Herde gesehen. Wo solche Herden Tage oder Wochen auf Heuwiesen verbringen, ist für Nutztiere der betroffenen Landwirt*innen das Winterfutter gefährdet. Diese Menschen fordern nun, die Saigas abzuschießen. Würden sie dagegen finanziell von den Saigas profitieren, so wären sie bereit, diese auf ihrem Land zu akzeptieren.

Alle für Aale: Europäischen Aal besser schützen!

Langstrecke, das kann der Europäische Aal! Auf seinen weiteren Reisen ist er jedoch vielen Gefahren ausgesetzt. Der Europäische Aal ist akut vom Aussterben bedroht, auch durch illegalen Handel. 

Der NABU hat sich für den Antrag der Europäischen Union, Honduras‘ und Panamas ausgesprochen, alle Aalarten in Anhang II von CITES aufzunehmen. Mehr Transparenz beim internationalen Handel mit Aalarten würde auch dem Europäischen Aal zugutekommen. Gleichzeitig wäre auch dieser eingereichte Antrag nur ein Anfang gewesen. 



Um dem dramatischen Bestandsschwund gerecht zu werden, fordert der NABU zusätzlich eine Hochstufung des Europäischen Aals in Anhang I, also den strengsten Schutz. Es ist außerdem die Aufgabe der EU, ein Handels- und Fangverbot – wie vom internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) gefordert – innerhalb der EU auf den Weg zu bringen.



Bei den Verhandlungen in Usbekistan wurde eine große Chance vertan! Nur ein Viertel der CITES-Vertragsstaaten hat dem Antrag zugestimmt, alle Aalarten in Anhang II aufzunehmen: Der Antrag wurde damit abgelehnt. Dabei wären verbesserte Handelskontrollen und verbindliche Ein- und Ausfuhrgenehmigungen wichtige Schritte gewesen, um die Ausbeutung von Aalen zu stoppen. Das Abstimmungsergebnis enttäuscht: Jetzt muss die EU den Schutz von Aalen zur Priorität machen.  

Hintergründe zum CITES-Artenschutzabkommen

Was leistet CITES für den Artenschutz?

Das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) reguliert seit 1975 den internationalen Handel mit wilden Tier- und Pflanzenarten.

CITES ist eines der wichtigsten und wirksamsten Instrumente im internationalen Artenschutz. So ermöglicht das Abkommen, bei Verstößen einzelner Vertragsstaaten gegen Handelsbeschränkungen, Sanktionen zu verhängen.

Das bedeuten die Anhänge bei CITES