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Jetzt NABU-Mitglied werden!Papierverbrauch in Deutschland
Weniger Schreibpapier und mehr Verpackungen
Der Papierverbrauch für Versandverpackungen hat sich in Deutschland zwischen 2010 und 2020 fast verdoppelt. - Foto: iStock.com/Animaflora
In Deutschland wurden 2024 insgesamt 16 Millionen Tonnen Papier, Pappe und Karton (PPK) verbraucht – damit gehört das Land seit Jahren weltweit zu den Spitzenreitern beim Papierverbrauch. Im Jahr 2024 lag der rechnerische Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland bei 190 Kilogramm. Pro Tag bedeutet das einen Konsum von circa 520 Gramm – das entspricht ungefähr einem 500-seitigen Taschenbuch. Wie die Grafik unten zeigt, wird über die Hälfte des Papierverbrauchs für Verpackungen genutzt. Weitere Anwendungen sind grafische Papiere wie Schreib- oder Zeitungspapier sowie Hygienepapiere wie Toilettenpapier oder Windeln.
Schätzungsweise 90 Prozent der Papiere haben daher eine kurze Lebensdauer – sie werden nur einmal bzw. nur kurz genutzt bevor sie bereits wieder entsorgt werden. Angesichts der großen Belastungen, die die Papierherstellung für Natur und Umwelt bedeuten, ist das eine enorme Verschwendung natürlicher Ressourcen.
Wie wird der Papierverbrauch berechnet?
In Deutschland lag der Papierverbrauch 2024 bei 15,8 Millionen Tonnen insgesamt, bzw. 190 Kilogramm pro Person. Dieser Wert bezieht sich auf den sogenannten rechnerischen Inlandsverbrauch an Papier: Es wird die in Deutschland erzeugte Papiermenge mit den Exporten und Importen verrechnet und anschließend auf die Bevölkerungszahl umgelegt. Dabei ist zu beachten, dass sich die Papiermenge in den Statistiken auf die „Halbfertigwaren“ bezieht. Diese werden in der Regel noch zu „Fertigwaren“ weiterverarbeitet. In den offiziellen Daten zum Papierverbrauch sind Export und Import solcher Fertigwaren nicht berücksichtigt. Wenn man in den Statistiken den Außenhandel der Papierfertigwaren mit einbeziehen würde, würden sich die Angaben zum inländischen Papierverbrauch reduzieren, da Deutschland bei Papierfertigwaren einen Exportüberschuss hat.
Abgesehen vom statistischen Umgang mit dem Außenhandel bei Fertigwaren sind die Daten zum Papierverbrauch auch nicht zu verwechseln mit den Papierabfällen aus den Altpapiertonnen: Die 190 Kilogramm pro Person entsprechen nicht der Menge, die durchschnittlich Zuhause in der Altpapiertonne landet. Vielmehr umfasst der inländische Papierverbrauch auch den Verbrauch durch Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sowie die Papierabfälle, die nicht über die Altpapiertonne entsorgt werden. Dazu gehören zum Beispiel falsch entsorgte Abfälle, Abfälle in öffentlichen Mülleimern und vor allem auch Hygienepapiere wie Windeln oder Taschentücher, die in den Restmüll gehören, oder Toilettenpapier, das im Abwasser landet.
Betrachtet man ausschließlich die Menge, die private Haushalte und Kleingewerbe in der Altpapiertonne entsorgen, lag der Pro-Kopf-Papierverbrauch 2023 bei 75 Kilogramm. Dies sind die sogenannten „haushaltstypischen Siedlungsabfälle“ aus Papier, Pappe und Karton.
Welche Rolle spielt Deutschland beim weltweiten Papierverbrauch?
Beim absoluten Papierverbrauch liegt Deutschland weltweit auf Platz 5 nach China, den USA, Japan und Indien. Dabei lag der Pro-Kopf-Verbrauch in China im Jahr 2023 allerdings bei unter 90 Kilogramm und in Indien bei unter 15 Kilogramm. In den USA und Deutschland lag er dagegen bei über 180 Kilogramm und in Japan bei über 170 Kilogramm. Der globale Durchschnitt lag 2023 bei circa 50 Kilogramm.
Deutschland ist nicht nur hinsichtlich des Verbrauchs, sondern auch bei der Produktion von Papier ist Deutschland mit an der Spitze. Im weltweiten Vergleich liegt die deutsche Papierindustrie nach China, den USA und Japan an vierter Stelle, in Europa sogar an erster.
Wie entwickelt sich der Papierverbrauch in Deutschland insgesamt?
Die folgende Grafik zeigt, wie in Deutschland seit 2000 der Pro-Kopf-Verbrauch auf einem hohen Niveau verblieben ist, obwohl viele Papierverpackungen durch Kunststoff oder auch Büro- und Zeitungspapiere durch digitale Alternativen ersetzt wurden. Bei diesen als grafische Papiere zusammengefassten Papieren gab es tatsächlich starke Einsparungen, die allerdings an anderer Stelle wieder zunichte gemacht wurden.
Wie entwickeln sich verschiedene Papier-Produktgruppen in Deutschland?
Zwischen 2000 und 2021 lag der jährliche Papierverbrauch in Deutschland mit wenigen Ausnahmen kontinuierlich bei 19 bis 20 Millionen Tonnen. Im Jahr 2022 ging er stark zurück auf 17,5 Millionen Tonnen und 2024 waren es knapp 16 Millionen Tonnen. Dabei haben sich die verschiedenen Papierarten seit dem Jahr 2000 unterschiedlich entwickelt, wie die folgende Grafik zeigt: Während der Verbrauch an grafischen Papieren wie Büro- und Schreibpapier stark zurückging, stieg der Verbrauch an Verpackungs- sowie Hygienepapieren stark an.
Der Haupttreiber für die Steigerung der Verpackungspapiere ist die Zunahme des Online-Handels, das heißt der Versandkartons. So nahmen die Verpackungsabfälle aus Papier, Pappe und Karton in Privathaushalten zwischen 2000 und 2020 um 55 Prozent zu.
Ursachen für den starken Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs bei Hygienepapier um 35 Prozent zwischen 2000 und 2024 sind unter anderem die Zunahme der „Lagenzahlen“ bei Toilettenpapier (z.B. 5-lagig statt 3-lagig) sowie der Inkontinenzprodukte auf Grund der alternden Bevölkerung. Die Quote der Altpapiereinsatzes in der Produktion von Hygienepapier sank von 74 Prozent im Jahr 2000 auf 39 Prozent im Jahr 2024.
Weltweit steigt der Papierverbrauch weiter an. Ursache dafür ist die wirtschaftliche Entwicklung in verschiedenen Ländern Asiens sowie in Osteuropa und Brasilien. Hinzu kommt, dass der aktuell zu beobachtende Trend, Plastik durch Papier zu ersetzen, in Zukunft ein weiteres Anwachsen der Nachfrage bedeuten könnte. Die Hauptverantwortlichen werden jedoch die gleichen sein: Wie schon heute werden in den Industriestaaten Westeuropas und Nordamerikas in absehbarer Zeit pro Kopf die größten Mengen Papier hergestellt und verbraucht.
NABU-Forderungen
Der NABU fordert eine absolute Verbrauchsminderung bei Papierprodukten und -verpackungen und einen höheren Einsatz von Altpapier. Zur Verbrauchsminderung gehören u.a.:
- Verbindliche Abfallvermeidungsziele der Bundesregierung
- Reduktionsziele auch für den Papier- statt nur für den Kunststoffverbrauch bei Unternehmen
- Mehrweglösungen für Versand- und Transportverpackungen
- Drastische Reduktion von Einweggeschirr, Einwegbechern und To-Go-Verpackungen durch Mehrweglösungen in der Gastronomie und in privaten Haushalten (siehe NABU-Studie zu Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen)
- Verbot/Unterbindung des „Overpackaging“ bei Primär- und Transportverpackungen, einschließlich Umkartons, sowie von „Luftverpackungen“
- Abschaffung der Vorverpackungen bei Obst und Gemüse (siehe NABU-Studie zu Obst- und Gemüseverpackungen) und flächendeckendes Angebot an Mehrwegbeuteln für loses Obst und Gemüse sowie für Backwaren anstelle von Papiereinwegtüten
- Gesetzliche Abgabe auf Einweg-Papiertragetaschen
- Materialeffizientere Hygieneprodukte und Abkehr von der zunehmenden Nutzung von Einweg-Handtüchern, Einweg-Putztüchern sowie feuchtem Toilettenpapier
- Opt-In Lösung für Werbung im Postkasten (aktive Einwilligung zum Erhalt im Vorhinein)
- Weiterentwicklung des digitalen Büros und der digitalen Ablage
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