In diesen Zeiten schöpfen wir besonders viel Kraft in der Natur. Werden Sie NABU-Mitglied und helfen Sie mit, damit wir die Natur auch in Zukunft genießen können.
Jetzt NABU-Mitglied werden!Papierrecycling schont Ressourcen
Altpapier verbraucht kein Holz, weniger Energie und Wasser
Altpapier-Ballen in der Sortieranlage, die zu Recyclingpapier weiterverarbeitet werden © NABU/B.Bongardt
Bei der Herstellung von Papierprodukten ist die Verwendung von Recyclingpapier ein wichtiger Beitrag zur Ressourcenschonung. Recyclingpapier wird aus Altpapier, bzw. den sogenannten Sekundärfasern, gewonnen. Es ersetzt Frischfaserpapier aus Primärfasern, die aus „frischem“ Holz hergestellt werden. Somit wird Holz eingespart und Wälder werden geschützt, was den Erhalt der Biodiversität fördert, die Flächenkonkurrenz vermindert und Lebensräume der lokalen Bevölkerung schützt. Die Nutzung der Sekundärfasern bedeutet in der Regel kurze Transportwege und damit geringere Transportemissionen.
Den Zusammenhang zwischen Papierverbrauch und Holz- bzw. Flächennutzung veranschaulicht das Beispiel Hygienepapier: Für eine Tonne Hygienepapier aus Primärfasern werden mindestens 1.700 Quadratmeter Waldfläche benötigt. Mit einem sparsamen Umgang von Papier und der Nutzung von Altpapier kann daher der Druck auf die Wälder reduziert werden.
Abholzung von Naturwald in Nordschweden. Das Holz für Papier stammt aus industrieller Forstwirtschaft, nicht aus naturnahen Wäldern. - Foto: iStock.com/mikdam
Neben der Einsparung von Holz hat Recyclingpapier auch Vorteile bezüglich der Klimawirkung sowie dem Energie- und Wasserverbrauch: Bei der Herstellung von Recyclingpapier wird im Vergleich zur Herstellung von Primärfaserpapier durchschnittlich nur die Hälfte an Energie und nur ein Drittel an Wasser benötigt.
Allerdings sind dies Durchschnittswerte, man kann keine exakten Werte angeben, die für die gesamte Papier- und Zellstoffindustrie gültig sind. Die genauen Werte und Ausprägungen der ökologischen Vorteile von Recyclingpapier unterscheiden sich zwischen den verschiedenen Papierprodukten, der Rohstoffherkunft, den spezifischen Herstellungsverfahren, den Papiersorten und dem technischen Stand der Papierfabrik. So variieren die quantitativen ökologischen Vorteile zwischen den verschiedenen Papierprodukten. In der folgenden Grafik sind die ökologischen Vorteile von Recyclingpapier am Beispiel einer Tonne Hygienepapier dargestellt.
Das Papierrecycling ist jedoch nicht endlos möglich, die Qualität der Fasern nimmt bei jedem Recyclingprozess ab. Auch müssen bei vielen Papierprodukten Primärfasern beigemischt werden. So bestehen in Deutschland Transportverpackungen zu über 80 Prozent aus Altpapier. Der Rest sind Primärfasern, die benötigte Menge wird auf 600.000 Tonnen im Jahr geschätzt - nach NABU-Berechnungen sind dies 1,2 Millionen Bäume.
Die Altpapiereinsatzquote lag in Deutschland im Jahr 2024 durchschnittlich bei 84 Prozent. Diese hohe Quote ergibt sich vor allem dadurch, dass in Kartonagen bzw. Verpackungspapieren sehr viel Altpapier verwendet wird. Im Gegensatz dazu ist die Altpapiereinsatzquote bei Hygienepapier von 74 Prozent im Jahr 2000 auf 39 Prozent im Jahr 2024 gesunken. Ein Grund dafür ist, dass heute weniger weiße grafische Altpapiere zur Verfügung stehen als früher. Glücklicherweise wurden inzwischen Prozesse entwickelt, mit denen sich Hygienepapiere wie Toilettenpapier, Taschentücher oder Küchenrolle auch aus recycelten Kartons herstellen lassen. Diese Produkte erkennt man an ihrer beigen bis braunen Optik. Wenn die Kund*innen diese Produkte annehmen, könnte der Altpapiereinsatz in Hygienepapieren zukünftig wieder steigen.
Allerdings ist der Einsatz von Recyclingpapier nicht für alle Anwendungen möglich. Das liegt einerseits an den technischen Anforderungen an das neue Papier und andererseits am direkten Kontakt mit Lebensmitteln. Hier werden nur bestimmte Altpapierquellen genutzt und teilweise setzt man lieber direkt auf Primärfasern, um eine Übertragung von Schadstoffen (zum Beispiel aus Druckfarben im Altpapier) auf Lebensmittel zu vermeiden. Dennoch gibt es ein großes Potenzial, mehr Altpapier einzusetzen und die Qualität des Recyclingpapiers zu verbessern. Im Folgenden hat der NABU ein FAQ zu Recyclingpapier erstellt:
Wie wird aus Altpapier Recyclingpapier hergestellt?
Da die Qualität von Altpapier stark variiert und nicht für jede Anwendung geeignet ist, muss das Altpapier zunächst sortiert werden. Der Wert einer Altpapiersorte ist umso höher, je besser die enthaltene Faserqualität, je gleichmäßiger die Zusammensetzung und je weniger Fremd- und Störstoffe enthalten sind. Kunststoffbeschichtungen bei Papierverpackungen für Lebensmittel mindern beispielsweise die Qualität eines Altpapiers und stören im Recyclingprozess.
Zur Herstellung eines Produkts wird eine dafür geeignete Sorte gewählt, papierfremde Bestandteile wie Heftklammern und Ähnliches werden aussortiert und das übrig gebliebene Papier zerkleinert. Da für gewisse Anwendungen unterschiedliche Faserqualitäten erforderlich sind, variiert der bei der Sortierung und Verarbeitung anfallende Ausschuss je nach Produktart stark. Im Schnitt liegt die Verlustrate bei 24 Prozent. Deshalb werden zur Produktion von einer Tonne Recyclingpapier im Schnitt etwa eineinhalb Tonnen Altpapier benötigt (unter Berücksichtigung eines durchschnittlichen Anteils an Zusatzstoffen von zwölf Prozent).
Für die Papierproduktion wird das Altpapier zerkleinert und die Papierschnipsel werden mit Wasser vermischt, wodurch ein Faserbrei entsteht. Dieser wird gereinigt, indem mittels sogenanntem „Deinking“-Verfahren die Druckfarben entfernt werden. Diesem „Sekundärfaserbrei“ kann bei Bedarf ein bestimmter Anteil Primärfasern beigemischt werden, um gewisse Eigenschaften des Papiers, wie zum Beispiel die Reißfestigkeit, zu verbessern. Das Stoffgemisch wird daraufhin – wie bei der Herstellung von Primärfaserpapier – auf ein Sieb geschwemmt, entwässert, gepresst, getrocknet und auf Rollen gewickelt bzw. zugeschnitten und gebündelt. Aus dem Papier werden im Anschluss Papierprodukte und Papierverpackungen hergestellt.
Während Hygienepapiere in der Regel nach einmaliger Nutzung Abfall sind, lassen sich die Papierfasern aus anderen Produkten und Verpackungen sehr gut recyceln. Die Lebensdauer von Fasern lässt sich allerdings nur abschätzen, da sie sich schwer messen lässt. Bislang ging man davon aus, dass eine Faser bis zu siebenmal wiederverwendet werden kann. Inzwischen geht man jedoch davon aus, dass mehr Nutzungszyklen möglich sind, ohne dass es zu relevanten Qualitätsverlusten kommt. So könnten Altpapierfasern beispielsweise mindestens 20-mal zur Herstellung von Verpackungspapier verwendet werden.
Heute werden in Europa jedoch nur einige Fasern bis zu zehnmal wiederverwendet. Die Gründe dafür sind vielfältig: Papierverluste bei der Altpapiersammlung, prozessbedingte Faserverluste bei der Herstellung von Recyclingpapier oder Verunreinigungen, die aussortiert werden müssen. Hinzu kommt, dass es nach wie vor nicht recyclingfähige Papierprodukte und -verpackungen gibt: Deren Fasern sind für die Wiederverwendung verloren, da sie sich beispielsweise im normalen Altpapierrecycling nicht von Kunststoff- oder Alubeschichtungen lösen lassen.
Auch wenn sich Laboruntersuchungen, die selbst nach 25 Recyclingzyklen nur geringe Qualitätsverluste feststellen, nur bedingt mit dem industriellen Recycling vergleichen lassen: Noch bleibt die Kreislaufführung von Papier deutlich unter ihrem Potenzial. Insbesondere muss das recyclingfähige Produktdesign von Anfang an mitgedacht werden.
Welche Altpapierqualtäten gibt es?
Nicht jede Art von Altpapier ist zur Herstellung aller Arten von Recyclingprodukten geeignet. Beispielsweise gibt es den Anspruch, dass eine Zeitung aus vergleichsweise hellem, gleichmäßigem Papier besteht, welches gut bedruckbar ist und nicht schon bei kleinster Belastung auseinanderreißt. Aus diesem Grund werden zur Produktion dieses Papiers eher helle Altpapiersorten, beispielsweise alte Magazine, Zeitungen oder Zeitschriften, eingesetzt. Wellpappe und andere Verpackungspapiere sind für diese Zwecke weniger geeignet. Aus diesen lassen sich stattdessen erneut Verpackungspapiere herstellen.
Zur Unterscheidung der Sorten und zur Verständigung in der Produktionskette vom Altpapierhandel bis zur Herstellung des Papierprodukts, werden die unterschiedlichen Qualitäten in Gruppen eingeteilt. Das geschieht vornehmlich anhand einer Altpapiersortenliste, welche in Form der Europäischen Norm (EN 643) spezifiziert ist. Die dort genannten Hauptsorten sind: Untere Sorten, Mittlere Sorten, Bessere Sorten, Krafthaltige Sorten sowie Sondersorten.
Die erste Gruppe, die Unteren Sorten, stellen mengenmäßig die größte Gruppe dar. Sie ist unterteilt in mehrere Untergruppen, darunter gemischtes Altpapier (1.02), Kaufhausaltpapier (1.04) und Deinkingware (1.11). Während Kaufhausaltpapier vor allem aus Papier- und Kartonverpackungen besteht, setzt sich Deinkingware insbesondere aus sortiertem graphischem Papier aus der haushaltsnahen Erfassung zusammen. Von einem großen Teil der Deinkingware lässt sich die Druckfarbe entfernen, um anschließend wiederum hellere Papiere erzeugen zu können.
Tendenziell lässt sich im Verlauf eines Faserlebens eine Qualitätsabnahme beobachten. Somit wandert sie in den Kategorien nach unten. Um das Herabwandern der Fasern entlang dieser Abwärtskaskade möglichst zu verlangsamen und die Recyclingzyklen zu maximieren, empfiehlt es sich, falls technisch möglich, untere und mittlere Sorten zur Herstellung neuer Produkte einzusetzen. Zu sehen ist das etwa in den Vergabekriterien des Umweltzeichens Blauer Engel. Toilettenpapier muss dort beispielsweise zu mindestens 65 Prozent aus unteren, mittleren und krafthaltigen Sorten hergestellt sein. Dafür ist es mitunter notwendig, Kompromisse hinsichtlich anderer Produkteigenschaften, wie beispielsweise der optischen Erscheinung, einzugehen (dabei ist braunes Papier nicht automatisch Recyclingpapier).
Braucht man überhaupt noch Papier aus neuem Holz?
Ganz ohne Primärfasern geht es trotz Altpapierrecycling nicht, denn an verschiedenen Stellen geht dem Papierkreislauf Material verloren: Etwa 15 Prozent der verbrauchten Papiererzeugnisse werden nicht gesammelt und gehen bereits nach einmaliger Nutzung verloren. Das betrifft insbesondere Hygiene- und Spezialpapiere, Toilettenpapier ist hier ein anschauliches Beispiel. Auch gehen bei jedem Sortieren und Aufbereiten des Altpapiers Fasern verloren, während durch die mechanische und chemische Belastung die Qualität der Fasern mit jedem Recyclingprozess abnimmt. Daher ist eine Papierfaser nicht unbegrenzt recycelbar.
Um die Verluste in der Produktion auszugleichen, müssen hier bis zu 20 Prozent mehr Fasern eingesetzt werden, als hinterher wieder herauskommen. Zudem ist es notwendig, dem Kreislauf stetig neue Papierfasern zuzuführen, um die Abnahme der zirkulierenden Gesamtmenge an Fasern zu verhindern. Diese teuren Primärfaserstoffe sollten möglichst sinnvoll verwendet werden, beispielsweise zur Erzeugung hochwertiger Papiere für recyclingfähige Papierprodukte, statt für Toilettenpapier, das über das Abwasser statt die Altpapiertonne entsorgt wird. Auch müssen die Primärfaserstoffe dort zum Einsatz kommen, wo Altpapier aus technischen oder hygienischen Gründen nicht eingesetzt werden kann. Als technisch möglich wird von einem maximalen Anteil von 80 Prozent Altpapier im gesamten Papierkreislauf ausgegangen.
Welche Risiken gibt es beim Altpapier-Recycling?
Die Kreislaufführung von Papier ist ökologisch vorteilhaft. Es muss jedoch sichergestellt werden, dass sich durch die Verwendung von Altpapier keine Schadstoffe im Recyclingpapier anreichern. Beispielsweise haften Chemikalien, wie Mineralölbestandteile aus Druckfarben, Bisphenole aus Kassenbons oder Phtalate aus Klebstoffen, gut an Papierfasern und verunreinigen so das Recyclingpapier. Daher ist es in der Regel als Verpackungsmaterial für den Direktkontakt mit Lebensmitteln ungeeignet: Sowohl die Bedarfsgegenständeverordnung als auch die Empfehlung „XXXVI. Papiere, Kartons und Pappen für den Lebensmittelkontakt“ des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) benennen Grenzwerte für den Schadstoffgehalt in Papieren. Recyclingpapiere die beispielsweise aus Altpapier aus der Altpapiertonne hergestellt wurden, überschreiten diese Grenzwerte.
Häufig sind Verunreinigungen in Verpackungspapieren allerdings gar nicht auf die Nutzung von Altpapier zurückzuführen, sondern auf die Weiterverarbeitung: Druckfarben und Maschinenöle für die Verpackungsmaschinen verursachen auch Verunreinigungen. Daher besteht das Risiko, dass auch Lebensmittel, die nicht in Recyclingpapier, sondern in Papieren aus Primärfasern verpackt sind, mit Mineralölrückständen (MOSH und MOAH) belastet sind. Um zu verhindern, dass beispielsweise Druckfarben aus dem Papier in das Lebensmittel übergehen, kommt in der Regel eine Kunststoffbeschichtung zum Einsatz oder auch ein zusätzlicher Innenbeutel aus Kunststoff. Mineralölrückstände können aber auch noch viel früher in der Lieferkette ihre Ursache haben: Kontrolleur*innen fanden Rückstände in der Schokolade eines Adventskalenders. Sie sollen zum Beispiel auf die Bedruckung der Säcke zurückzuführen sein, in denen die Kakaobohnen gelagert wurden.
Um Schadstoffrückstände zu verhindern, muss entlang der gesamten Wertschöpfungskette mehr Sensibilität für kritische Stoffe in Papieren entwickelt werden: Die gesetzlichen Vorgaben darüber, welche und wie viele Chemikalien verarbeitet werden dürfen, müssen strenger werden. Die Papierindustrie hat diverse Möglichkeiten, die Qualität von Altpapieren zu verbessern, zum Beispiel durch den Einsatz von weniger Chemikalien bei der Zelluloseproduktion, kein Einsatz von PFAS, weniger Bedruckung und Nutzung von wasser- statt mineralölbasierten Druckfarben.
Sind Produkte aus Recyclingpapier immer braun?
Produkte aus Recyclingpapier sind nicht gezwungenermaßen braun und nicht jedes braune Papierprodukt wurde aus Altpapier hergestellt. Sowohl der braune Versandkarton als auch das weiße Kopierpapier kann aus Altpapier hergestellt werden. Die braune Einwegtragetasche ist selten aus Recyclingpapier. Häufig sind Produkte eingefärbt, um überhaupt erst einen solchen gleichmäßigen Braunton erreichen zu können. Recyceltes Altpapier ohne gezielte Einfärbung ist meistens gräulich.
Umweltsiegel können als wichtige Orientierungshilfe dienen, um Produkte aus Altpapier zu erkennen (NABU-Übersicht zu Papier-Siegeln).
Wie viel Altpapier steckt in unseren Papierprodukten?
Die sogenannte Altpapiereinsatzquote gibt den Anteil von Altpapier an der inländischen Papierproduktion an. In Deutschland konnte sie seit dem Jahr 2000 von 60 Prozent auf 84 Prozent im Jahr 2024 gesteigert werden. Zum Vergleich: Länder wie Schweden haben eine extrem niedrige Quote von acht Prozent im Jahr 2020. Um diese hohe Quote zu erreichen, muss Deutschland Altpapier importieren.
Die Altpapiereinsatzquote ist allerdings trügerisch, da sie lediglich angibt, wie viel Altpapier in der Herstellung von Papierprodukten eingesetzt wurde, nicht jedoch, wie hoch der Altpapieranteil in den Produkten selbst ist. Über die Branchen hinweg liegt der Anteil von Recyclingpapier im verbrauchten Papier in Deutschland Schätzungen zufolge nur bei rund 60 Prozent, obwohl man aufgrund der Altpapiereinsatzquote von einem höheren Wert ausgehen könnte.
Ursache dafür sind Faserverluste während der Herstellung: Die tatsächlichen Altpapieranteile in den Papierprodukten liegen somit unter der Altpapiereinsatzquote. Die Verluste bei der Aufbereitung variieren je nach Branche: Während sie beispielsweise bei Hygienepapieren circa 40 Prozent betragen, liegen sie im Bereich der Verpackungspapiere bei nur circa zehn Prozent.
Wo wird besonders viel Altpapier in Deutschland eingesetzt?
Betrachtet man die Altpapiereinsatzquoten der verschiedenen Produktgruppen, zeigen sich große Unterschiede: So sank die Altpapiereinsatzquote bei Hygienepapieren (Toilettenpapier, Küchenrolle, Taschentücher, Windeln etc.) in Deutschland zwischen 2000 und 2024 von 74 auf 39 Prozent. Demgegenüber zeigt die Statistik für Verpackungspapiere eine Altpapiereinsatzquote von 101 Prozent und für Wellpappe von 107 Prozent.
Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Verpackungen in Deutschland zu 100 Prozent aus Altpapier hergestellt wurden. Von den Altpapiereinsatzquoten müssen nämlich noch die prozessbedingten Faserverluste abgezogen werden. Diese betragen bei Verpackungspapieren rund zehn Prozent. Der tatsächliche Sekundärfaseranteil für in Deutschland produzierte Verpackungspapiere liegt demnach bei etwa 90 Prozent. Dieser hohe Anteil ist vor allem auf Kartonagen für Transport- und Versandverpackungen zurückzuführen, da sich hierfür Sekundärfasern gut eignen.
Anstelle von Einwegkartons könnten jedoch sehr gut Mehrweg-Transportverpackungen genutzt werden. Das „frei werdende“ Altpapier könnte beispielsweise Primärfasern in Hygienepapieren ersetzen. Letztere haben eine niedrige Altpapiereinsatzquote und landen aufgrund ihrer Verwendung im Restmüll oder im Toilettenabfluss statt in der Altpapiertonne.
In den vergangenen Jahrzehnten gab es bei der Papierproduktion durch optimierte Prozesse und besseres Recycling Effizienzgewinne. Dennoch werden nach wie vor große Mengen an Primärfasern benötigt. Es gibt großes Potenzial zur Abfallvermeidung, beispielsweise durch Mehrweg-Transportverpackungen, Mehrwegverpackungen für den To-go-Bereich oder den Verzicht auf überflüssige Umkartons. Recycling und Energieeffizienz können jedoch nicht die alleinige Lösung sein. Die Industrienationen müssen ihren Verbrauch drastisch reduzieren (siehe NABU-Forderungen zur Verbrauchsreduktion).
Für ein besseres Recycling und eine Erhöhung des Altpapiereinsatzes sind für den NABU folgende Aspekte von besonderer Bedeutung:
NABU-Forderungen
- Verbesserung der Altpapiersammlung: Laut Umweltbundesamt besteht der Hausmüll in der Restmülltonne zu über fünf Prozent aus Altpapier.
- Recyclingfreundliche Produktgestaltung gewährleisten, nur recyclingfähige Verbundverpackungen in Verkehr bringen. .
- Bessere Sortiertechnik in den Anlagen: Ohne Nachsortierung gehen laut Umweltbundesamt über die Outputströme von Sortieranlagen erhebliche Mengen an denkbaren Altpapier-Qualitäten verloren (20–40 Prozent). Dieser Verlust könne durch eine integrierte Nachsortierung um rund 50 Prozent verringert werden.
- Erhöhung der Recyclinganteile in grafischen Papieren und insbesondere Hygienepapieren, die nicht recycelt werden können.
- Nachfrage nach Altpapierprodukten in der öffentliche Beschaffung stärken.
- Verbot mineralölbasierter Farben in Verpackungen und grafischen Papieren, um hochwertigeres Recyclingpapier produzieren zu können (einschließlich Lebensmittelkonformität).
- Gefährliche Chemikalien aus Papierprodukten eliminieren, damit das Altpapier nicht belastet ist.
Papier wird häufig als besonders ökologisch oder natürlich beworben. Papier bringt jedoch ebenfalls verschiedene Umweltbelastungen mit sich und ist auch nicht immer ökologischer als Kunststoff. Mehr →
Deutschland verbraucht jährlich rund 16 Millionen Tonnen Papier, Pappe und Karton. Meist landet das Papier nach einmaliger Nutzung im Müll. Papier hat ein sehr gutes Image, obwohl die Papierherstellung das Klima stark belastet und global den Wald schädigt. Mehr →
Es ist wichtig, sparsam mit Papier umzugehen und, wie auch bei Kunststoff, den Verbrauch zu reduzieren. Wenn man auf Papier nicht verzichten kann, sollte man möglichst zu Recyclingpapier greifen. Mehr →
Zum Blog
Toilettenpapier scheint dem Deutschen heilig. Und während der Hygienepapierverbrauch stetig zunimmt, sinkt der Recyclinganteil drastisch. Zeit, umzudenken! mehr →

