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Das Amselsterben geht weiter

Das Amselsterben geht weiter

Usutu-Virus 2012 bereits in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen nachgewiesen

Amselweibchen

Amselweibchen

18.12.2012 - Im Sommer 2011 trat der tropische Usutu-Virus, der durch Stechmücken auf Vögel übertragen wird, erstmalig in Deutschland auf.

Dies machte sich durch ein regional massives Amselsterben vor allem in der Region des nördlichen Oberrheingrabens bemerkbar. Auch 2012 trat der Virus während der Mückensaison von Mai bis November wieder auf.

Mit Hilfe einer Internet-Meldeaktion und unter Mitarbeit vieler Vogelfreunde konnte der NABU den Verlauf des Ausbruchs 2011 gut dokumentieren und auswerten. Eine Auswertung der Daten aus den großen wissenschaftlichen Mitmach-Aktionen des NABU „Stunde der Wintervögel“ und „Stunde der Gartenvögel“, konnte nachweisen, dass die Amselbestände in den vom Virus betroffenen Gebieten zwischen 2011 und 2012 merklich zurückgegangen sind. Die Auswertung der Meldungen des Jahres 2012 wird in Kürze vorliegen. Im Sommer 2013 werden wir auch feststellen können, ob die Amselbestände in den betroffenen Gebieten weiter abnehmen, oder ob sie sich stabilisieren oder erholen.

Um den weiteren Verlauf dieser neuartigen Vogelkrankheit und deren Folgen zu erfassen und zu bewerten wird der NABU auch in den kommenden Jahren während der Mückensaison von Mai bis November wieder Meldungen toter und kranker Amseln über ein Online-Meldeformular sammeln. Gleichzeitig ruft der NABU dazu auf, totgefundene Amseln, die vermutlich einer Krankheit zum Opfer gefallen sind, unverzüglich zur Untersuchung einzusenden. Jetzt tote oder kranke Amseln melden!

Fakten zum Usutu-Ausbruch
Amselhahn

Das Usutu-Virus (USUV) gehört zur Japanischen-Enzephalitis-Virus-Gruppe innerhalb der Familie Flaviviridae und wurde das erste Mal 1959 aus Stechmücken der Art Culex neavei isoliert, die im Ndumo-Nationalpark in Südafrika gefangen wurden. Wildvögel sind der natürliche Wirt für das USUV und Zugvögel können eine Schlüsselrolle bezüglich der Ausbreitung des Virus über große Distanzen hinweg spielen.

Außerhalb von Afrika trat das USUV erstmals 2001 in und um Wien auf. Im Sommer 2009 kam es in Italien erstmals zu Krankheitsfällen beim Menschen: Zwei immungeschwächte Patienten erkrankten an einer Hirnhautentzündung, die auf eine USUV-Infektion zurückzuführen war. 2010 identifizierte die Gruppe um Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am BNI, das USUV in Stechmücken der Art Culex pipiens, die in Zusammenarbeit mit der KABS in Weinheim gefangen wurden.

Im Juni 2011 mehrten sich Meldungen über Funde toter Vögel und nahezu „amselfreie“ Gebiete in der nördlichen Oberrheinebene. Aufgrund der Identifizierung von USUV in deutschen Stechmücken ein Jahr zuvor, sammelten die KABS und der NABU tote Vögel ein, um sie im BNI auf das neue Virus untersuchen zu lassen. Das Ergebnis: 223 Vögel aus 19 Arten wurden getestet, davon 86 USUV-positiv, darunter 72 Amseln.

Der weitere Verlauf des Usutu-Ausbruchs lässt sich schwer abschätzen, da die Vermehrung und Verbreitung der Viren vor allem von der Witterung in den Sommermonaten abhängt: je wärmer der Sommer umso mehr Viren, Stechmücken und infizierte Vögel sind zu erwarten. Andererseits ist damit zu rechnen, dass die Vögel zunehmend Resistenzen gegen diesen neuen Virus entwickeln, so dass sich der Virus vermutlich räumlich weiter ausbreiten, aber nicht mehr zu so offensichtlichen Massensterben wie im Jahr 2011 führen wird.

Der aktuelle Ausbruch dieses für Deutschland neuen Virus stellt eine einmalige Chance dar, die Ausbreitung und Folgen einer neuen Vogelkrankheit zu verfolgen und zu analysieren.

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