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Die traurige Bilanz
100 Tage Ölpest im Golf von Mexiko
Der NABU zieht eine traurige Bilanz
28. Juli 2010 -
100 Tage sind inzwischen vergangen, seit die Förderplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko versank und die einzigartigen sensiblen Ökosysteme entlang der Südküste der USA in die Katstrophe riss. Während die Hoffnung steigt, den Zustrom des Öls aus dem havarierten Bohrloch endlich gestoppt zu haben, leiden Mensch und Natur in der Region weiter. Mehr als 1000 Kilometer Küstenlinie sind verunreinigt, über 40.000 Menschen haben ihre Lebensgrundlage verloren und Zehntausende Tiere ihr Leben.
Dieser Braunpelikan konnte vom Öl gereinigt werden, aber sein Lebensraum ist zerstört.
Wenn die Ölquelle nach hoffentlich erfolgreicher Entlastungsbohrung im August endgültig mit Schlamm und Zement versiegelt wird, werden nach US-Schätzungen etwa 670 Millionen Liter Öl in den Golf geflossen sein – mehr als die 17-fache Menge des Öls der Exxon Valdez Katastrophe 1989. Noch über Wochen und Monate wird Öl an die Küsten geschwemmt werden und die Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften am Meeresboden und in küstenfernen Gebieten sind nahezu unvorhersehbar. Die ganze Golfregion wird noch Jahre, vielleicht Jahrzehnte unter den Folgen der Katastrophe zu leiden haben. Unterdessen wird das Ausmaß der Schlamperei vor dem Unglück immer offensichtlicher. So waren die Alarmsignale, die aufsteigendes Gas aus dem Bohrloch hätten anzeigen sollen, ausgeschaltet, um den Schlaf der Arbeiter nicht durch einen möglichen Fehlalarm zu stören. Nur einer der Vorwürfe des leitenden Elektrotechnikers an Bord der Plattform.
| Tieropfer der Katstrophe – Stand 27. Juli 2010 | ||
|---|---|---|
| Tier | lebend gefunden | tot gefunden |
| Vögel | 1476 | 2941 |
| Meeresschildkröten | 240 | 490 |
| Meeressäuger | 5 | 64 |
(Quelle: U.S. Fish & Wildlife Service)
Der US Fish & Wildlife Service veröffentlicht regelmäßig Statistiken zu getöteten und geretteten Tieren aus dem Katstrophengebiet und informiert über die Rettungsarbeiten. Dabei ist zu bedenken, dass die tatsächlich gefundenen Tiere nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Die meisten Tiere verenden von Menschen unbemerkt im Meer, Fische und marine Wirbellose können gar nicht erfasst werden.
Auf weitere Ölbohrungen und -erkundungen in der Nordsee sollte verzichtet werden.
BP hat unterdessen angekündigt, den umstrittenen und überforderten Chef Tony Hayward abzulösen und durch den krisenerprobten Bob Dudley zu ersetzen. Dies dürfte auch auf massiven Druck der USA geschehen sein. Dudley stammt selbst aus Mississippi und BP erhofft sich nun, dass er das zerstörte Verhältnis zu den betroffenen Menschen in der Region verbessern kann. Viel entscheidender ist jedoch, ob der neue Unternehmenschef den Konzern der so dringenden strukturellen Radikalkur unterzieht – weg von der rücksichtslosen, profitgesteuerten Risikopolitik hin zu mehr Sicherheit und Umweltverträglichkeit. Dass daran aber zu zweifeln ist, zeigt die Ankündigung von BP, in diesem Sommer mit Tiefseebohrungen vor der Küste Libyens beginnen zu wollen, in einer Tiefe von 1750 Metern. Und das noch bevor die Katastrophe im Golf aufgearbeitet und abschließend bewertet worden ist. An mehr als 30 Projekten jenseits der Meerestiefe von 200 Metern ist BP beteiligt und macht keinen Hehl daraus, an dieser Risikotechnologie festhalten zu wollen. Unterdessen zeigt die Halbjahresbilanz des Konzerns einen Quartalsverlust von 17 Milliarden US Dollar. Vermutlich ein zusätzlicher Grund, das lukrative Tiefseegeschäft weiter voranzutreiben.
Der NABU unterstützt dabei ausdrücklich die Forderung des EU-Energiekommissars Günther Oettinger für ein europäisches Moratorium für Tiefseebohrungen, um Risiken zu minimieren und Sicherheitsstandards zu verbessern. Dessen Durchsetzung dürfte aber auf europäischer Ebene sehr schwer fallen, wie auch Umweltminister Norbert Röttgen jüngst bei einem Fernsehauftritt konstatierte. Zu schwer wiegen die wirtschaftlichen Interessen einzelner Nordsee-Anrainerstaaten. Umso wichtiger wäre es nun erste Zeichen zu setzen und zumindest nationale Bohrstopps durchzusetzen. Bisher hat nach Angaben der EU-Kommission einzig und allein Norwegen die Tiefseebohrungen vorübergehend ausgesetzt. Deutschland sollte diesem Beispiel folgen und auf weitere Ölbohrungen und -erkundungen in der Nordsee verzichten.
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