NABU.de Tiere & Pflanzen Natur des Jahres Natur 2010 Der Ameisenlöwe
Gefährliche Fallen im Sand
Gefährliche Fallen im Sand
Der Ameisenlöwe ist „Insekt des Jahres 2010“
Der Ameisenlöwe ist das Larvenstadium der Ameisenjungfer. Ganz bekommt man ihn in Natur nur schwer zu sehen. Meist sind nur seine Zangen am Grund des Fangtrichters erkennbar.
27. November 2009 - Der Ameisenlöwe ist das Insekt des Jahres 2010. Wie das Kuratorium „Insekt des Jahres“ erläutert, handelt es sich bei dem Ameisenlöwe um eine räuberische Insektenlarve, die Ameisen und andere kleine Tiere mit einer verblüffenden Methode fängt: Er baut im sandigen Boden Trichter. Wenn Beute dort hineinläuft, kommt sie nicht wieder heraus, weil sie mit dem lockeren Sand zum Trichtergrund rutscht. Dort wartet mit seinen großen Zangen der Ameisenlöwe und injiziert ein lähmendes Gift. Der Ameisenlöwe ist eine bis zu 17 Millimeter große Larve mit bräunlicher Färbung. Die daraus entstehende erwachsene Ameisenjungfer ist ein graziles Insekt mit vier durchsichtigen, 35 Millimeter langen Flügeln.
Die erwachsene Ameisenjungfer sieht bei flüchtiger Betrachtung einer Libelle ähnlich. Allerdings haben Libellen keine Fühler am Kopf und auch sonst stimmen einige Details nicht überein. Wie die Florfliegen und die Schmetterlingshafte gehören Ameisenjungfern zur Insektenordnung der sogenannten Netzflügler.
Der Ameisenlöwe ist zwar vielen bekannt, aber gesehen hat ihn kaum jemand, da er sich immer im Sand versteckt. Am Grund der Trichter sind höchstens die Zangen zu erkennen. Er hat einen rundlichen und etwas abgeflachten Körper mit schmalem erstem Brustsegment und Kopf. Innerhalb von Sekunden kann sich der Ameisenlöwe rückwärts in Sand eingraben. Seine Haare und Borsten sind nach vorne gerichtet.
Zum Trichterbau braucht der Ameisenlöwe höchstens eine halbe Stunde. Dazu gräbt er erst einen runden Graben, den er weiter nach innen vertieft, indem er mit seinen Zangen den Sand bis zu 30 Zentmeter weit wirft. Der Trichter muss so steil sein, dass der lockere Sand sich sofort in Bewegung setzt, wenn ein Insekt darauf tritt. Regen und Nässe ist für das Beutemachen nicht gut, weil der Sand zusammenklebt. Die Trichter sind je nach Material zwei bis drei Zentimeter tief und haben einen Durchmesser von bis zu acht Zentimetern.
Die Larven häuten sich zweimal, bis sie sich im Sand in einen Kokon einspinnen und verpuppen. Die gesamte Entwicklung dauert etwa zwei Jahre. Im Sommer schlüpft das erwachsene Tier, das wie so häufig bei Insekten ganz anders als die Larve aussieht. Die sogenannte Ameisenjungfer ähnelt einer Libelle, gehört jedoch zu den Netzflüglern. Sie ist also eine Verwandte der Florfliege, dem Insekt des Jahres 1999. Das erwachsene Insekt legt in Ruhestellung die Flügel über dem Hinterleib dachartig zusammen. Von Libellen kann man sie auf Anhieb durch ihre längeren Fühler unterscheiden. Ameisenjungfern fliegen vor allem nachts.
Oft liegen mehrere Fangtrichter eng nebeneinander im Sand. Am Grund jedes Trichters sitzt eingebuddelt ein Ameisenlöwe und wartet auf Beute.
Ameisenlöwe und Ameisenjungfer heißt auf Lateinisch Myrmeleon formicarius. Im Deutschen wird das erwachsene Tier als Gewöhnliche oder Gemeine Ameisenjungfer bezeichnet, weil sie am häufigsten vorkommt. Die Trichter der Ameisenlöwen finden sich auch in zahlreichen NABU-Schutzgebieten, etwa am Höhbeck in der Elbtalaue, am Biesenhorster Sand in Berlin oder in der Boberger Niederung in Hamburg. Eine zweite häufige Art ist Euroleon nostra, die Geflecktflügelige Ameisenjungfer. Weltweit gibt es rund 2000 Ameisenlöwen-Arten, in Mitteleuropa lediglich neun, von denen nur vier Trichter bauen. Die anderen Arten jagen im Oberflächensand oder Mulm verborgen nach Beute. Sie sind alle in ihrem Bestand gefährdet.
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