Lebendiger Rhein
Wasserstraße und Naturlandschaft
von Klaus Markgraf-Maué
Der NABU macht sich stark für einen Rhein, der nicht nur Schifffahrtsstraße, sondern auch Naturlandschaft ist. Mit seinem Projekt "Rhein - Fluss der tausend Inseln" zeigt der NABU auf, wie an der meistbefahrenen Binnenwasserstraße Europas wieder Raum für naturnahe Flussbett- und Uferstrukturen sowie Flusslebensgemeinschaften geschaffen werden kann.
Seit Oktober letzten Jahres sind drei NABU-Fachinstitute an Ober-, Mittel- und Niederrhein unter Leitung der NABU-Naturschutzstation in Kranenburg damit befasst, exemplarische Maßnahmen für konkrete Uferabschnitte zwischen Basel und Emmerich zu erarbeiten. Finanziert wird das Projekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ergänzt durch Mittel der Michael Otto Stiftung und der Firma Kyocera Mita.
Faszination Rhein
Der Rhein ist die meistbefahrene Binnenwasserstraße Europas. An seinen Ufern reihen sich wie an einer Perlenkette Ballungsräume auf, deren Industrie den Strom als Transportachse nutzt. Gleichzeitig war und ist der Rhein herausragende Lebensader für Tiere und Pflanzen zwischen Alpen und Nordsee, Erholungsraum für viele Millionen Anwohner und bedeutende kulturelle Bezugs- und Identifikationsgröße der Regionen. Die akute Vergiftung des letzten Jahrhunderts hat der Rhein weitgehend überstanden. Doch der rigorose Ausbau zur Wasserstraße hat ihm seine Vielfalt und auch viel von seiner Kraft und Faszination genommen. Lässt sich etwas von der alten Lebendigkeit und Faszination des Stromes Rhein zurückgewinnen?
Zukunftsprogramm Rhein
Die Umweltminister der Rhein-Anliegerstaaten haben kürzlich wichtige politische Weichen gestellt. Mit dem "Rheinprogramm 2020" - verabschiedet in Straßburg im Januar 2001 - haben sie sich für die nächsten 20 Jahre weitgehende Verbesserungen des Ökosystems Rhein auf die Fahnen geschrieben. Nachdruck erhalten die Ziele weiterhin durch die Anforderungen der EU- Wasserrahmenrichtlinie.
Die abschnittweise Anreicherung naturnaher Strukturen am Rhein ist ein anspruchsvolles Ziel im Spannungsfeld zwischen der Nutzung des Flusses als Wasserstraße und dem Naturschutz. Für den Rhein und seine Überschwemmungsgebiete sind viele Behörden und Institutionen zuständig; Schlüsselkompetenzen sind zudem auf Bund und Länder verteilt. Dies erschwert die Revitalisierung des Flusses. Anhand der konkreten Beispielprojekte will der NABU im Rheinprojekt die Akteure zusammenbringen, um wieder mehr Natur am Rhein zu schaffen und neue Wege und Kooperationen zu erproben.
Projektphasen und Stand der Dinge
Zu Beginn des Projektes wurden auf der Grundlage einer rheinabschnittsbezogenen Situationsanalyse - Erfassung der ökologisch-morphologischen Charakteristika, der Verluste und Defizite durch den Ausbau, vorliegender Leitbilder und Konzepte - zunächst Kriterien für die Ziele und die Auswahl potenzieller Revitalisierungsbereiche entwickelt. Im nächsten Schritt wurden je Rheinabschnitt konkrete Uferabschnitte ausgewählt und spezifische Maßnahmen zur Revitalisierung erarbeitet. Im Januar 2002 lag im Ergebnis eine Liste mit circa 15 Vorschlägen für exemplarische Maßnahmen an Ober-, Mittel- und Niederrhein vor. Hierzu zählen beispielsweise die Bildung dynamischer Kiesinseln außerhalb der Fahrrinne, die Schaffung von Inseln durch Anlage von Seitenrinnen oder die ökologische Gestaltung von Buhnenfeldern und anderen Wasserbauelementen.
Nach weiteren Diskussionen auf Bundes- und Länderebene liegt mittlerweile eine überarbeitete, konkretisierte Liste an Vorschlägen für Modellmaßnahmen vor, die von wichtigen Institutionen und Akteuren am Rhein grundsätzlich unterstützt werden. Diese Maßnahmen werden insbesondere auf regionaler Ebene, mit den zu beteiligenden Behörden abgestimmt und weiter ausgearbeitet. Bis Ende September werden so je Rheinabschnitt zwei bis drei realisierbare Vorhaben herausgearbeitet, für die ein grundsätzlicher Realisierungswille der relevanten Verwaltungen sowie ein Finanzierungskonzept und damit eine zügige Umsetzung der Maßnahmen zu erreichen ist. Die Realisierung der Modellmaßnahmen soll sich in einem Folgeprojekt unmittelbar anschließen.
Ein Projektbeirat, bestehend aus Vertretern der Bundesministerien für Verkehr und für Umwelt, der Bundesanstalt für Gewässerkunde und dem Bundesamt für Naturschutz sowie der Bundeswasserstraßen-Verwaltung wird im Juni in Bonn erstmals zu einem Workshop zusammen treffen, um grundsätzliche Fragen der Kooperation und der Finanzierung im Hinblick auf die Umsetzung der Modellvorhaben zu diskutieren und Lösungsoptionen zu erarbeiten.
Auf zum Strand
Sand unter den Füßen, Muscheln am Strand und Baden im sauberen Wasser! Schwimmen und Baden im Rhein - die verbesserte Wasserqualität lässt es wieder zu. Doch statt flacher Strände treffen Erholungssuchende meist auf verbaute Ufer - unattraktiv für Erholung und Natur. Durch die Renaturierung bisher verbauter Ufer lassen sich neben neuem Lebensraum für Flussbewohner auch wertvolle Erholungsmöglichkeiten am Rhein zurückgewinnen, lässt sich urwüchsige Flussnatur vor den Toren der Städte erleben.
Nirgends sonst in Europa wohnen und leben so viele Menschen an und mit dem Strom wie am Rhein. Nirgends sonst können so viele Menschen von neuer Flussnatur und Vielfalt profitieren.
NABU-Netzwerk für den Rhein
Drei NABU-Institute arbeiten im Rheinprojekt zusammen: das Institut für Landschaftspflege und Naturschutz in Bühl (Oberrhein), das Bingener
Naturschutzzentrum Rheinauen (Inselrhein und Mittelrhein) und die
NABU-Naturschutzstation Kranenburg, (Projektleitung und Niederrhein).
Projektleitung
NABU-Koordinationsstelle Rhein
c/o NABU-Naturschutzstation
Klaus Markgraf-Maué
Bahnhofstraße 15
47559 Kranenburg
Tel. 02826-920-94 | Fax -98
Klaus.Markgraf@NABU-Naturschutzstation.de
www.NABU-Naturschutzstation.de

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