Hintergrund des Rechtsstreits
Butendiek liegt 32 Kilometer westlich von Sylt, inmitten des Schutzgebietes „Sylter Außenriff-Östliche Deutsche Bucht“:
- Das FFH-Gebiet ist die Kinderstube des Schweinswals in der südlichen Nordsee. Hier werden im Frühjahr die Kälber geboren und verbringen ihre ersten Lebensmonate.
- Das Vogelschutzgebiet gilt zudem als wichtigstes Gebiet für Stern- und Prachttaucher in der Nordsee, die hier im März und April rasten.
Der Jütlandstrom als nährstoffreiche Meeresströmung sorgt für ein großes Fischvorkommen. Das sind ideale Voraussetzungen für die Vögel, um ihre Energiereserven für den Weiterzug in die Brutgebiete aufzufüllen. Gelingt das nicht, kann das dem Bruterfolg schaden.
Jahrelanger Rechtsstreit um Windpark Butendiek
Seit 2014, noch vor dem Bau, klagt der NABU gegen den Windpark. Die Hoffnung war zunächst, den drohenden Schaden abzuwenden, bevor Baukosten in Milliardenhöhe eine Entscheidung für den Naturschutz unwahrscheinlicher machen. Doch der Bau schritt voran, der Park ging in Betrieb und die Auswirkungen auf Stern- und Prachttaucher stellten sich als massiv unterschätzt heraus. Die Tiere meiden Windparks noch in 16 Kilometern Entfernung, zwei Drittel des Vogelschutzgebiets sind als Lebensraum entwertet. Doch die Klagen auf Abwehr und Sanierung eines Umweltschadens wurden vom OVG Münster sogar zwei Mal abgewiesen.
Begründung: Der NABU hätte keinen Umweltschaden belegen können, der Schaden am Vogelschutzgebiet sei kein Umweltschaden, die Tiere könnten sich auch woanders in der deutschen Nordsee aufhalten. Das ist absurd, denn gerade die optimalen, fischreichen Nahrungsgründe sind verloren und nicht ersetzbar. Das stellt selbst das Bundesamt für Naturschutz fest. Hier kollidiert ökologische Realität mit juristischer Flexibilität.
Im Fahrwasser der Rechtsstreitigkeiten erlässt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Jahr 2021 einen sogenannten Dispens. Auf dem Weg dorthin wird der Schaden am Vogelschutzgebiet zwar umfassend anerkannt, aber zugleich behördlich legitimiert. Als „Reparatur“ erweitert das BfN das Vogelschutzgebiet. Was erstmal gut klingt, ist nur eine Scheinlösung. Denn das Vogelschutzgebiet wird nur in bereits geschützte Flächen ausgedehnt. Zusätzlicher Schutz entsteht so nicht, echte Maßnahmen fehlen. Das bestätigt sogar die Verordnung, die die „Erweiterungs“-Fläche zum Schutzgebiet erklärt. Sie stellt fest, dass auch im Schutzgebiet die allermeisten wirtschaftlichen Nutzungen privilegiert und weiterhin möglich sind. Gerade diese Aktivitäten sind es aber, die die Vögel stören und die Lebensraumqualität mindern.
Ökologische Probleme bleiben ungelöst
Zudem zeigen jüngere Forschungsergebnisse, dass noch viel mehr Arten vom Windpark betroffen sind. Die stärkste Verdrängung mit bis zu 21 Kilometern betrifft die Trottellumme, aber auch Basstölpel, Tordalk und Eissturmvogel verlieren besonders im Umkreis von fünf Kilometern um Offshore-Windparks ihren Lebensraum. Diese Arten sind in dem Dispens noch völlig unberücksichtigt.
Deshalb klagt der NABU gegen den Dispens. Vor dem Verwaltungsgericht Köln will der NABU damit erreichen, dass erstmals überhaupt eine Umweltverträglichkeitsprüfung für Butendiek erstellt wird, die die Auswirkungen auf alle betroffenen Arten aufarbeitet. Daraus müssen sich wirksame Maßnahmen ableiten, die die Lebensraumqualität für die betroffenen Arten messbar verbessern. Vorher fehlt jede Grundlage für einen Dispens, denn das Schutzgebietsnetz ist im Sylter Außenriff nach wie vor schwer beschädigt.
Was kann getan werden?
Um den Umweltschaden im Vogelschutzgebiet zu verringern und den Seevögeln zu helfen
- wäre das mildeste Mittel, die Windräder tagsüber während der beiden Rastmonate abzuschalten
- müsste untersucht werden, ob sich dadurch die Scheuchwirkung auf die Tiere ausreichend verringert – erste Anhaltspunkte dafür gibt es
- müssen zugleich andere Belastungen für die Vögel reduziert werden, zum Beispiel die Fischerei, die Schifffahrt oder der Kies- und Sandabbau.
Der Fall Butendiek zeigt auch: Falsche Standortentscheidungen sind im Nachhinein kaum korrigierbar. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Planung und Prüfung vor dem Bau. Leider wird genau das durch die jüngsten Entwicklungen im Offshore-Ausbau in Deutschland immer mehr unterlaufen.
Letzte Aktualisierung: 09/2026











