
Rissa tridactyla
Dreizehenmöwe
Der englische Name „Kittiwake“ verweist auf den Ruf der Dreizehenmöwe, der vielfach quäkend aus den Brutkolonien von den Steilküsten Helgolands herunterschallt. Dort tummelt sie sich zusammen mit der Trottellumme an den Steilfelsen, um direkt Nahrungsflüge ins offene Meer unternehmen zu können. Da aber die meisten geeigneten Brutplätze auf Helgoland bereits belegt sind, weicht die Dreizehenmöwe, obwohl suboptimal, auf Ölplattformen und Wellenbrecher aus.
Vorkommen in Deutschland
Gefährdungsgrad
Stark gefährdet
- Nicht gefährdet
- Extrem selten
- Vorwarnliste
- Gefährdet
- Stark gefährdet
- vom Aussterben bedroht
- Ausgestorben
Bestandszahl
2.463 Brutpaare
Bestandstrend
+ 52 % (zunehmend)
Steckbrief
Beobachten
ganzjährig zu beobachten
Größe
37-42 cm groß, Flügelspannweite 93-105 cm
Besonderheit
einzige in Mitteleuropa brütende Möwe, die in Kolonien auf Unebenheiten steiler Felswände brütet
Reise
Standvogel, Durchzügler und Wintergast
Funfact
Das Brüten an den Steilfelsen ist ein ganz schöner Balanceakt. Damit die Eier nicht herunterrollen, sind sie eher kegelförmig.
Beschreibung
Aussehen
Auf den ersten Blick wirkt die Dreizehenmöwe im Prachtkleid mit ihrer grauen Oberseite, einem dunklen Knopfauge und einem sonst weißen Gefieder der Sturmmöwe recht ähnlich. Aber bei genauerem Hinsehen fallen die geringere Größe, die dunklen Beine, die einheitlich schwarzen Flügelspitzen und die fehlende Hinterzehe auf. Im Jugendkleid zeigt sich ein markanter Schwarz-Weiß-Kontrast auf dem Flügel.

Verhalten
Um ihr Nest an den steilen Felsen befestigen zu können, baut die Dreizehenmöwe in kleinen Unebenheiten eine Art Fundament aus Schlamm, um darauf etwas Nistmaterial ansammeln zu können. Die meist aus ein bis drei Eiern bestehenden Gelege werden von beiden Partnern bebrütet. Nach dem Schlüpfen verbleibt mindestens ein Altvogel am Nest, um den Jungvogel am Abstürzen zu hindern.
Lebensraum
Als typischer Meeresvogel verbringt die Dreizehenmöwe den größten Teil des Jahres auf der Hochsee. Nur zum Brüten kommt sie an Steilküsten, um dort in riesigen Kolonien zusammen mit Lummen und Alken zu brüten. Im Binnenland ist sie hingegen äußerst selten zu beobachten.
Gefährdung
Früher vor allem durch starke Verfolgung bedroht, leiden die Dreizehenmöwen heute unter der Ölverschmutzung der Meere und Nahrungsmangel. Letzteres betrifft vor allem die Nestlinge. Denn diese ernähren sich hauptsächlich von Sandaalen, die aber durch Überfischung und höhere Wassertemperaturen immer seltener werden.
Nahrung
Auf dem Speiseplan der Dreizehenmöwe stehen sowohl Kleinfische und Weichtiere als auch Krustentiere. Als typischer Schiffsfolger ernährt sie sich aber auch von Beifang. Küchenabfälle und Aas können die Nahrung ergänzen.
Stimme/Laute
Dreizehenmöwen, im englischen „Kittiwake“ genannt, rufen ihren eigenen Namen. Ihr häufigster Ruf ist nasal quäkend „kiti uääh“, der Flugruf hingegen kurz „kja“.
Zugverhalten
Nachdem die Jungvögel flügge geworden sind, verlassen die adulten Tiere die Brutfelsen und verbringen den Winter auf dem offenen Meer von Westeuropa bis zur Packeiszone. Dabei findet jedoch kein saisonaler Zug statt, wie es bei den typischen Zugvögeln der Fall ist, vielmehr orientieren sie sich an den Wetterbedingungen.
Beobachtungstipps
Die einzige deutsche Brutkolonie der Dreizehenmöwe befindet sich auf Helgoland. Hier brüten an den Steilküsten rund 600 Brutpaare (Stand: 2018) zusammen mit Trottellumme, Eissturmvogel und Basstölpel. Außerhalb der Brutzeit trifft man die Dreizehenmöwe kaum an den Küsten an und kann sie nur weit draußen auf dem Meer beobachten, wie sie beispielsweise Fischkuttern folgt. Auf Nahrungssuche gleitet sie in größerer Höhe mit langsamem Flügelschlag über das Wasser und unternimmt Sturzflüge oder sammelt Nahrung von der Wasseroberfläche.
Aktiv werden
Was kann ich tun?
Sandaale sind stark von der Überfischung betroffen und landen mitunter als Fischmehl in Aquakulturen. Daher sollte beim Kauf von Fisch aus Aquakulturen auf pflanzen- oder allesfressende Fischarten zurückgegriffen werden.
