Fazit
100.000 tote Vögel pro Jahr durch Kollision mit den Rotorblättern eines Windrades: Im Vergleich zu den Millionen Vögeln, die Katzen, Glasscheiben, Stromleitungen oder dem Verkehr zum Opfer fallen, erscheint das wenig.
Jedoch sind Windenergieanlagen an Land (Onshore) für einige größere und zum Teil seltene Vogelarten, wie dem Rotmilan, durchaus bestandgefährdend. Genaue Zahlen für getötete Seevögel gibt es hingegen kaum. Wir können jedoch davon ausgehen, dass Windenergieanlagen auf See (Offshore) besonders in Gebieten mit hoher Artendichte durch Verdrängung erhebliche negative Auswirkungen auf einige Seevogelarten hat.
Sowohl an Land als auch auf See muss deshalb der Schutz von empfindlichen und gefährdeten Arten bereits bei der Planung von Windenergieanlagen berücksichtigt werden.
Inhaltsverzeichnis
Naturverträglicher Ausbau von Windenergie
Immer mehr Windenergieanlagen gibt es in Deutschland. Gleichzeitig werden Windparks und auch die Windräder selbst immer größer. Das erhöht auch die Gefahr für Vögel, insbesondere für größere Arten, die schlechter manövrieren können oder bei der Nahrungssuche im Flug nach unten schauen.
Um der Klimakrise zu begegnen, brauchen wir die Energiewende hin zu mehr erneuerbaren Energien. Besonders der Ausbau von Offshore-Windparks ist entscheidend für die Energiewende in ganz Europa. Deshalb befürworten wir auch den Aus- und Neubau von Windenergieanlagen sowohl an Land als auch auf See. Allerdings muss der Ausbau naturverträglich sein. Wir fordern die strikte Einhaltung des geltenden Umweltrechts und appellieren an alle Entscheider*innen, den Klimaschutz nicht auf Kosten von Arten und Lebensräumen voranzutreiben.
Ein Windrad – zwei Gefahren
Windräder können Vögel auf zwei Arten gefährden: zum einen durch die direkte Kollision des Vogels mit den Rotorblättern und zum anderen durch die permanente Störung des Lebensraums – durch Geräusche oder die Bewegung der Rotoren.
Die Kollision gefährdet vor allem größere Vogelarten bei Windenergieanlagen an Land. Bei Windparks auf See besteht die Gefahr eher in der Verdrängung von Seevogelarten aus ihren Lebensräumen, weil sie den Anlagen ausweichen.
Besonders gefährdete Brutvogelarten durch Onshore-Windenergieanlagen
Unter den jährlich mehr als 100.000 von Windkraftanlagen getöteten Vögeln sind etwa 12.000 Mäusebussarde und 1500 Rotmilane. Besonders problematisch sind die Verluste der sehr seltenen Rotmilane, da mehr als die Hälfte des globalen Bestandes – weltweit etwas über 20.000 Brutpaare – in Deutschland brütet, und wir deshalb eine besondere Verantwortung für diese Art tragen.
Folgende Arten sind besonders gefährdet:
- Rotmilan (Milvus milvus) und Schwarzmilan (Milvus migrans)
- Seeadler (Haliaeetus albicilla), Fischadler (Pandion haliaetus), Schreiadler (Clanga pomarina) und Steinadler (Aquila chrysaetos)
- Wiesenweihe (Circus pygargus), Kornweihe (Circus cyaneus) und Rohrweihe (Circus aeruginosus)
- Wanderfalke (Falco peregrinus) und Baumfalke (Falco subbuteo)
- Wespenbussard (Pernis apivorus)
- Mäusebussard (Buteo buteo)
- Uhu (Bubo bubo) und Sumpfohreule (Asio flammeus)
- Weißstorch (Ciconia ciconia)
- Rastvögel wie Gänse, Schwäne und diverse Watvögel, die Windparks meiden

Gemeinsam Vögel schützen
Vogelschutz ist von jeher unser Herzensthema. Und so vielfältig wie die verschiedenen Vogelarten sind auch unsere Projekte zu ihrem Schutz. Deine wertvolle Unterstützung macht all das erst möglich.
Zwanzigmal mehr Offshore-Windparks?
Die EU möchte die Offshore-Kapazität bis zum Jahr 2050 verzwanzigfachen. Jedoch haben auch Offshore-Windenergieanlagen erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt, insbesondere auf Seevögel.
Seevögel verbringen den Großteil ihres Lebens auf dem Meer und konzentrieren sich entsprechend ihrer Bedürfnisse an bestimmten Stellen. Werden Windparks in ebendiesen Gebieten gebaut, leiden Seevögel unter einer höheren Sterblichkeit durch Lebensraumverlust oder Kollisionen. Außerdem verändert sich ihre Verteilung durch Verdrängungs- und Barriereeffekte.
Umso wichtiger ist es, diese sensiblen Gebiete mit einer besonders hohen Vogeldichte zu identifizieren, damit sie beim Ausbau von Offshore-Windenergieanlagen gemieden werden können. Bei Seetauchern oder Alkenvögeln ist die Datenlage bereits ganz gut, doch es braucht dringend weitere Forschung zu weniger beachteten Arten wie Sturmtauchern und Sturmschwalben.
Interaktive Grafik: Auswirkungen von Offshore-Windparks auf Seevögel
Gemeinsam mit BirdLife Europe hat der NABU aktuelle Forschungsergebnisse und Wissensstände über die Interaktionen von Seevögeln und Offshore-Windparks in einer Studie zusammengetragen und in einer interaktiven Grafik aufbereitet. Klick dich durch und erfahre, wo und wie beispielsweise Trottellumme, Sterntaucher oder Basstölpel gefährdet sind.
Vogelverluste durch Offshore-Windenergieanlagen
Genaue Verlustzahlen für Seevögel gibt es kaum. Tote Vögel auf hoher See fallen sofort ins Wasser, werden weggespült oder von Raubmöwen gefressen – es gibt also so gut wie keine auffindbaren Vogelopfer. Dennoch liefern Wissenschaft und Monitoring wichtige Einblicke in zwei Verlustarten:
Die direkten Todesfälle durch Vogelschlag im Offshore-Bereich sind nach aktuellen Daten deutlich geringer als lange befürchtet. Seevögel sind sehr reaktionsschnell und weichen den Rotorblättern fast immer aus.
Die weitaus größere Gefahr im Offshore-Bereich ist indirekt und lässt sich nicht in festen Todeszahlen messen. Da empfindliche Arten wie der Sterntaucher Windparks in einem Radius von bis zu 20 Kilometern meiden, werden sie aus ihren ursprünglichen Nahrungsgründen verdrängt. In stark betroffenen Gebieten der Deutschen Bucht ist die Dichte von Seetauchern und Trottellummen nach dem Bau von Windparks teilweise um 75 Prozent zurückgegangen. Die Vögel müssen deshalb in nahrungsärmere Gebiete ausweichen, was langfristig zu einer geringeren Überlebensrate der Küken und einer schlechteren körperlichen Verfassung der Altvögel im Winter führt.

Betroffene Vogelarten durch Windenergieanlagen auf See
Besonders gefährdet sind empfindliche Arten, die Windenergieanlagen großräumig meiden. Sie verlieren dadurch wertvolle Jagd-, Rast- und Überwinterungsgebiete, was zu erheblichem Stress und Nahrungsmangel führen kann:
- Sterntaucher und Prachttaucher
- Trottellummen
- Basstölpel
- Tordalke und Eissturmvögel
- Meeresenten, wie Trauerenten oder Bergenten
Arten, die keine Scheu vor den Anlagen zeigen oder von diesen sogar angezogen werden, weil sie die Windparks als Rastplatz oder zur Nahrungssuche nutzen, tragen das höchste Risiko, mit den Rotorblättern zu kollidieren:
- Möwenarten, wie Heringsmöwe, Silbermöwe oder Dreizehenmöwe
- Seeschwalben, wie Brand-, Fluss- oder Küstenseeschwalben
Auch für Zug- und Watvögel, die zu Millionen die Nord- und Ostsee auf ihren jährlichen Routen überqueren, können Offshore-Windparks gefährlich werden. Zwar weichen die meisten Vögel bei guten Bedingungen aus, doch bei plötzlichem Nebel, Sturm oder Dunkelheit geraten manche Schwärme in die Windparks.
Die passende Folge „Reingezwitschert“
Sind Windräder Vogelschrecks? Werden Solarparks zur neuen Vogel-WG oder eher zur Einflugschneise ohne Rückflug? Fabian und Martin flattern diesmal durch die Lüfte der Energiepolitik – wie immer unter Strom und mit ordentlich Watt auf den Ohren. Zum Glück haben sie NABU-Energieexpertin Rebekka im Nest, die Licht ins Dunkel bringt und den beiden Watt-Vögeln erklärt, wie die Energiewende wirklich aussieht – aus Sicht der Vogelwelt.
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