Vogelgefahr: Katzen

Katzen – eine Gefahr für die Vogelwelt?

Viele der 16 Millionen Hauskatzen streunen durch unsere Gärten und jagen dabei auch Kleintiere. Gefährdet das unsere Vogelwelt? Und was können Katzenfreund*innen tun?
Eine Hauskatze hat eine erbeutete  Ostschermaus im Maul.
Hauskatze mit Beute© Foto: Jan Piecha

Fazit

Die Hauptursache für die Bedrohung der Vogelwelt ist und bleibt der Verlust von vielfältigen und intakten Lebensräumen, besonders in der Agrarlandschaft.

Selten kommt es vor, dass in Siedlungsgebieten, wenn es sehr viele freilaufende Hauskatzen gibt, Vogelbestände durch jagende Katzen deutlich zurückgehen. Jedoch handelt es sich meistens um häufige Vogelarten.

Katzen sind die beliebtesten Haustiere

Stimmt. 2025 lebten fast 16 Millionen Katzen in deutschen Haushalten, gefolgt von fast elf Millionen Hunden sowie rund vier Millionen Kleintieren, wie Kaninchen oder Meerschweinchen . Die Zahl der verwilderten Katzen wird grob auf etwa zwei Millionen geschätzt.

Vor einigen Jahren geisterte auch hierzulande eine amerikanische Studie durch die Medien, in der von 200 Millionen von Katzen getöteten Singvögeln pro Jahr bei uns in Deutschland die alarmierende Rede war. Diese Anzahl halten wir für zu hoch. In der Brutzeit gibt es deutschlandweit etwa 400 Millionen Vögel. Das bedeutet, laut Studie würde jeder zweite Vogel von einer Katze gefressen. Dieses Verhältnis verschiebt sich noch weiter, weil Hauskatzen überwiegend in Siedlungsgebieten leben, und in diesen Gebieten auch nur ein Teil der Vogelindividuen lebt. 

Aber wie gefährlich sind Katzen tatsächlich für die Artenvielfalt in der Vogelwelt? Schauen wir mal genauer hin.

Der Haussperling zählt zu den häufigsten Gartenvögeln in Deutschland. Sein Bestand ist auch durch jagende Katzen nicht gefährdet© Foto: NABU/Jan Piecha

Vögel sind Beutetiere für Katzen?

Stimmt auch. Allerdings jagen Katzen überwiegend Mäuse. Lediglich 20 Prozent der erbeuteten Tiere sind Vögel. Und neben Katzen gibt es auch noch eine Vielzahl anderer Beutegreifer, wie Marder, Sperber, Eulen, Krähen, Elstern oder Eichhörnchen, die besonders für den Vogelnachwuchs gefährlich werden können. Dennoch ist die Hauskatze in vielen Siedlungen tatsächlich der häufigste Vogeljäger.

Auch wenn Katzen gefüttert werden, jagen sie. Entweder, um ihren Spieltrieb zu befriedigen, oder um ihren Jungen das Jagen beizubringen. Gänzlich vermeiden lässt es sich also nicht, dass Katzen, die sich im Freien aufhalten, gelegentlich eine Maus oder einen Vogel mit nach Hause bringen.

Bei ihren verwilderten Artgenossen sieht die Sache anders aus: Für sie ist Jagen überlebenswichtig. Entsprechend mehr Beutetiere werden von verwilderten Hauskatzen getötet.

Auch Rotkehlchen zählen zu den Opfern von Hauskatzen. Besonders Jungvögel können oft nicht schnell genug flüchten© Foto: NABU/Jan Piecha

Katzen bedrohen die Artenvielfalt?

Eher nein. Es kann zwar vereinzelt passieren, dass in Siedlungsgebieten mit sehr vielen Katzen die Zahl der Gartenvögel deutlich abnimmt. Jedoch handelt es sich in den allermeisten Fällen um häufige Vogelarten, wie Amseln, Rotkehlchen, Meisen, Finken und Sperlinge. 

Die wirklich gefährdeten Vogelarten, deren Bestände in den letzten Jahrzehnten drastisch zurückgegangen sind, sind meist entweder Feld- und Waldvögel. Und bei diesen Vögeln spielen Hauskatzen als Beutegreifer so gut wie keine Rolle. Vielmehr sind diese Arten bedroht, weil ihre Lebensräume zunehmend schwinden oder deren Qualität, Vielfalt und Vernetzung immer weiter abnehmen.

Die sehr gefährdete Feldlerche wird nicht von Hauskatzen bedroht, die eher in Siedlungsgebieten unterwegs sind. Hauptsächlich macht ihr der Insektenschwund und der Lebensraumverlust zu schaffen© Foto: Mathias Schäf

Die passende Folge „Reingezwitschert“

Was wären unsere sozialen Medien ohne lustige Katzenvideos? Über 15 Millionen der charismatischen und manchmal sturen Tiere werden in Deutschland gehalten – und das nicht ohne Auswirkungen auf unsere Vogelwelt! Besonders Jungvögel haben Grauen vorm Miauen. Doch wie groß ist der Einfluss von Katzen wirklich? Wie können wir unsere Vögel möglichst gut schützen? Jetzt reinhören:

Was ist zu tun?

Die Zahl der verwilderten Hauskatzen so klein wie möglich halten. Hauskatzen auszusetzen ist zwar laut Tierschutzgesetz verboten, doch es kommt immer wieder vor. Und trägt dazu bei, dass die Anzahl der Katzen zunimmt, für die das Jagen von Vögeln überlebenswichtig ist.

Aus dem gleichen Grund sollten Hauskatzen kastriert oder sterilisiert werden. Kater können sich so nicht mit wilden Artgenossen paaren und die weiblichen Katzen bekommen nicht regelmäßig Nachwuchs.

Aber nicht die Anzahl der Feinde ist entscheidend für die Stabilität einer Vogelpopulation, sondern die Lebensraumqualität. Wo ausreichend Futter, Nist- und Versteckmöglichkeiten vorhanden sind, können sich Vögel erfolgreich fortpflanzen und Verluste durch Beutegreifer einschließlich der Katzen meist gut verkraften.

Wir haben einige Tipps für dich zusammengestellt, wie du die Zahl der durch Katzen getöteten Gartenvögel möglichst gering halten kannst:

Tipps für Katzenbesitzer*innen

  • Schaffe dir nur dann eine Katze an, wenn du über genügend Zeit und Platz verfügst. Spiele häufig mit ihr, das dämpft den Jagdtrieb deiner Katze.
  • Sorge bei längerer Abwesenheit dafür, dass sich jemand um deine Katze kümmert. Wenn das nicht geht, kannst du dein Haustier auch in einer Tierpension unterbringen.
  • Lass deine Katze kastrieren oder sterilisieren. Kastrierte Kater streunen weniger herum. Gleichzeitig vermeidest du, dass sich dein Kater mit verwilderten Artgenossinnen paart. Mit der Sterilisation deiner Katze vermeidest du, dass sich die Katzenpopulation unkontrolliert vergrößert. Wende dich an einen Tierarzt, an ein Tierheim oder Tierschutzverein.
  • Katzen von Mitte Mai bis Mitte Juli in den Morgenstunden nicht aus dem Haus lassen oder sie beaufsichtigen. Denn im Frühling ist die Gefahr besonders groß, dass hilflose Jungvögel zum leichten Opfer für deine Katze werden. Füttere deine Katze, bevor du sie nach draußen lässt – der Jagdtrieb wird dadurch geringer.
  • Halsbänder mit Warnglöckchen sind keine gute Idee. Sie stören die empfindlichen Katzenohren und helfen besonders den hilflosen Jungvögeln nicht. Eine empfehlenswerte Alternative sind auffallend gefärbte breite Halskrausen, die du selbst herstellen und auch bereits kaufen kannst. Sie warnen die Vögel optisch und stören Katzen weniger als Glöckchen.

Tipps für Gärtner*innen

  • Gestalte deinen Garten naturnah: In Stauden, Sträuchern und Bäumen können sich Vögel, aber auch andere Wildtiere, wie Molche, Frösche, Eidechsen oder Blindschleichen, gut verstecken.
  • Vogelnistplätze vor Katzen schützen: Maschendraht und Viehhüterdrähte erschweren den Zugang, für Baumstämme eignen sich Abwehrmanschetten aus Blech oder Kunststoff. Brombeerranken funktionieren auch und kosten nichts. Bitte keinen Stacheldraht verwenden – denn Katzen, aber auch Eichhörnchen oder Marder, könnten sich gefährlich verletzen.
  • Nistkästen katzensicher aufhängen: an Fassaden oder freihängend an Seitenästen und mindestens zwei Meter über dem Boden. Besonders geeignet sind Nistkästen mit steilem, glattem Dach, da sie der Katze keinen Halt bieten.
  • Futterhäuschen und Vogeltränken katzensicher platzieren: mindestens zwei Meter vom nächsten Gebüsch entfernt, damit sich Katzen nicht unbemerkt anschleichen und die Vögel rechtzeitig flüchten können.
  • Abschreckende Duftquellen in sensiblen Bereichen nutzen: Katzen haben hochsensible Nasen. Wenn sie Gerüche nicht ausstehen können, meiden sie die Duftquellen. Katzenabweisende Streupulver sind im Handel erhältlich. Auch die sogenannte „Verpiss-dich-Pflanze“ ist eine gute Möglichkeit. Diese auch als Harfenstrauch (Plectranthus caninus) bekannte Pflanze gehört zu den Lippenblütlern und ist im Gartenfachhandel zu bekommen. Sie soll Katzen im Umkreis von zwei bis fünf Metern fernhalten. Für Menschen ist ihr Geruch übrigens nicht wahrnehmbar.
  • Sprich mit deinen Nachbar*innen. Hauskatzen durchstreifen bei ihrer Beutesuche größere Gebiete und machen natürlich nicht an Gartengrenzen halt. Vielleicht besitzt auch dein Nachbar eine Katze und ist aber noch nicht so gut über die Problematik informiert wie du. Wenn möglichst viele Gartenfreund*innen mithelfen, fallen weniger Vögel den Hauskatzen zum Opfer.

Mit uns die Vogelvielfalt bewahren

Auch wenn du keine Katze und auch keinen Garten hast: Unsere Vogelwelt freut sich über jede Unterstützung.

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Porträtaufnahme NABU-Vogelschutzexperte Martin Rümmler.
Martin Rümmler
NABU-Vogelschutzexperte
Foto Platzhalter Storch Mitarbeiterinnen
Team Vogelschutz

Andere Gefahrenquellen für Vögel

An Usutu erkrankte Amsel sitzt auf dem Boden

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