Die wichtigsten Vogelkrankheiten
Wir beschreiben die wichtigsten Vogelkrankheiten, welche Vogelarten besonders gefährdet sind, und wie wir erkrankten Vögeln helfen können:
Gemeinsam die Vogelvielfalt retten
Mehr als die Hälfte der 259 Vogelarten, die bei uns brüten, sind gefährdet oder bereits ausgestorben. Hilf mit, unsere einzigartige Vogelvielfalt zu bewahren.
Amselsterben durch Usutu-Virus
Im Jahr 2010 wurde das Usutu-Virus bei uns eingeschleppt, in den beiden Folgejahren kam es dann vor allem im Nordwesten Deutschlands zu einem alarmierenden Amselsterben. Zwischen 2016 und 2019 trat das Virus erneut stark auf und verbreitete sich nun bundesweit.
Fast immer sind es Amseln, bei denen diese Krankheit festgestellt wird. Aber auch andere Vogelarten können sich mit dem Virus infizieren und daran sterben. Vom Usutu-Virus befallene Vögel wirken offensichtlich krank, werden apathisch und flüchten nicht mehr. Sie sterben meist innerhalb weniger Tage.
Übertragen wird das Virus durch Stechmücken – in regenreichen Sommern vermehren sich die Mücken stärker und es kommt infolgedessen auch zu mehr Infektionen.
Meisensterben durch Sutonella-Bakterium
Das Bakterium Suttonella ornithocola ist seit 1996 bekannt und wurde erstmals in Großbritannien nachgewiesen. In Deutschland wurde es im April 2018 entdeckt, führte hier bisher jedoch nur zu kleineren Krankheitsausbrüchen. Das massenhafte Auftreten im Frühjahr 2020 ist für den Erreger bisher in Europa einzigartig.
Am häufigsten sind Blaumeisen betroffen. Doch auch bei anderen Meisenarten und Schwanzmeisen wurde die Krankheit beobachtet.
Suttonella ornithocola verursacht bei infizierten Vögeln eine Lungenkrankheit – es finden sich typische Symptome einer Lungenentzündung. Die kranken Vögel haben ein gesträubtes Gefieder, sind apathisch und fressen offensichtlich nichts mehr. Häufig wird von einem scheinbar unstillbaren Durst berichtet.
Über mögliche Übertragungswege ist nur wenig bekannt. Wahrscheinlich ist eine Infektion über Aerosole – feinste Tröpfchen in der Luft – bei nahem Kontakt der Vögel untereinander.
Vogelgrippe bedroht Wildvögel und Geflügel
Die Vogelgrippe (aviäre Influenza) betrifft vor allem Vögel. Seit fast zwei Jahrzehnten kommt es weltweit immer wieder zu Ausbrüchen bei Wildvögeln und Geflügel. Die neuere und hochpathogene Variante H5N1 führt bei vielen Vogelarten zu schweren, häufig tödlichen Krankheitsverläufen und hat insbesondere bei Kranichen hohe Verluste verursacht.
Viele Details der Infektionswege sind noch unklar. Das Friedrich-Loeffler-Institut schließt Übertragungen aus Geflügelhaltungen auf Wildvögel nicht aus. Niedrigpathogene Vogelgrippeviren kommen bereits lange in Wildvogelpopulationen vor; hochpathogene Varianten entstanden bislang vor allem in ostasiatischen Geflügelbetrieben und gelangten von dort zurück in Wildbestände.
Um eine Infektion oder Weiterverbreitung zu verhindern, solltest du den Kontakt mit kranken oder toten Wildvögeln unbedingt vermeiden.
West-Nil-Virus gefährdet Eulen, Greif- und Rabenvögel
Das West-Nil-Virus wurde in Deutschland erstmals im Hitzesommer 2018 nachgewiesen. Es wird von Stechmücken übertragen. Während die Infektion bei den meisten Vögeln symptomlos bleibt, können insbesondere Eulen, Greif- und Rabenvögel schwer erkranken und sterben.
Ursprünglich aus Afrika stammend, ist das Virus heute auch in Asien, Europa und den USA verbreitet. Beim Menschen verläuft eine Infektion meist symptomlos oder mit milden, grippeähnlichen Beschwerden.
Auch Pferde können sich infizieren, sind jedoch Fehlwirte und können das Virus nicht weitergeben. Manche erkranken schwer an einer Meningitis oder Enzephalitis; 22 bis 44 Prozent der klinisch erkrankten Pferde sterben.
Ob sich das Virus dauerhaft in Deutschland etabliert, ist bislang unklar. Entscheidend ist, ob es hier geeignete Wirte und Überträgermücken findet und dauerhaft überleben kann.
Tote Grünfinken durch Trichomonaden
Erstmals wurde die Krankheit im Sommer 2009 in größeren Teilen Deutschlands beobachtet. Seitdem tritt sie regelmäßig bei anhaltend sommerlichen Temperaturen auf. Betroffen sind vor allem Grünfinken, die häufig apathisch oder tot in der Nähe von Futter- und Wasserstellen gefunden werden.
Als Ursache gilt der einzellige Erreger Trichomonas gallinae, der sich bei Wärme besonders gut verbreitet. Vor allem Wasserstellen können eine Infektionsquelle sein, da der Erreger dort bei sommerlichen Temperaturen bis zu 24 Stunden überleben kann.
Typische Symptome sind schaumiger Speichel, starker Durst und ungewöhnliche Zutraulichkeit. Die Infektion verläuft bei Grünfinken tödlich; eine Behandlung freilebender Tiere ist nicht möglich. Für Menschen, Hunde und Katzen besteht keine Infektionsgefahr.
Werden an einer Sommerfutterstelle mehrere kranke oder tote Vögel beobachtet, empfehlen wir, die Fütterung bis zum Winter einzustellen und alle Vogeltränken zu entfernen. Eine tägliche Reinigung reicht in diesem Fall nicht aus.
Seit 2013 gehen die Grünfinkenbestände in Deutschland deutlich zurück. Ein Zusammenhang mit dem durch Trichomonaden verursachten Grünfinkensterben wird vermutet, ist bislang jedoch nicht eindeutig nachgewiesen.
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