Hier zeigt in Kürze wieder eine interaktive Grafik die relevantesten ökologischen Auswirkungen und Lösungsansätze in der Nordsee.
Welche Auswirkungen hat der Windergie-Ausbau?
Bau, Betrieb und Wartung von Offshore-Windenergieanlagen beeinträchtigen verschiedene Artengruppen.
- Während der Bauphase ist insbesondere die zunehmende Schallbelastung beim Rammen immer größerer Fundamente problematisch. Bisherige Schallschutztechnik wie der große Blasenschleier erreicht hier ihre Grenzen. Der Lärm kann Schweinswale verletzen oder sie aus wichtigen Lebensräumen vertreiben und die Nahrungssuche behindern.
- See- und Zugvögel werden insbesondere während der Betriebsphase beeinträchtigt. Sensible Vögel wie Seetaucher und Trottellummen meiden die Windparks teils bis in knapp 20 Kilometer Entfernung, aber auch Dreizehenmöwe und Eissturmvogel verlieren weiträumig ihren Lebensraum. Im Falle der Trottellummen ist mehr als drei Viertel des Bestands betroffen! Diese gewaltigen Habitatverluste machen einen naturverträglichen Ausbau der Windenergie auf 70 GW unmöglich.
- Für Vögel und Fledermäuse drohen zudem Kollisionen mit den Rotoren der Turbinen.
- Darüber hinaus können Windparks die Strömung, Gewässerschichtung und weitere Gewässerparameter verändern, was sich auf das gesamte Nahrungsnetz und damit das gesamte Ökosystem auswirkt. Eine aktuelle Modellierungsstudie hat errechnet, dass sich die Strömung um bis zu zwanzig Prozent verringern kann. Ein gewaltiger Effekt! Auch die Netzanbindung, ergänzende Pipelines, sowie Serviceverkehre werden die Arten und Lebensräume zunehmend stören.
Besonders alarmierend sind all diese Auswirkungen vor dem Hintergrund heute schon überlasteter Meere. Überfischung, Eutrophierung und Müll machen den marinen Ökosystemen schwer zu schaffen. Dazu kommt eine Vielzahl industrieller Aktivitäten wie die Schifffahrt, der Kies- und Sandabbau oder die Gewinnung von Erdöl und Erdgas. Auch militärische Übungen sowie weitere Nutzungen drängen ins Meer, beispielsweise die Wasserstoff-Elektrolyse, LNG-Terminals und CCS, einhergehend mit entsprechenden zusätzlichen Kabeltrassen und Pipelines.
Wie viel Windenergie vertragen Nord- und Ostsee?
Diese Frage ist Gegenstand aktueller Forschung. Das BfN-geförderte NaMaRo-Projekt sieht das Limit bei 40 Gigawatt. Der erwiesen schlechte Umweltzustand macht jedenfalls klar: Die Gesamtbelastung und damit die Intensität menschlicher Nutzungen im Meer muss dringend reduziert werden. Klima- und Artenschutz sind untrennbar und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Das zeigen unsere Meere deutlich: Sie helfen uns mit ihren natürlichen Klimafunktionen in der Klimakrise – solange sie intakt sind.
Um die Energiewende auf See naturverträglich zu planen, braucht es ein Ausbauziel, was sich an den Belastungsgrenzen von Nord- und Ostsee orientiert, fortlaufend auf den Wissenszuwachs über ökologische Auswirkungen reagiert und eine Trendwende hin zu gesunden Meeren ermöglicht. Die massiven Lebensraumverluste von Seevögeln und andere Auswirkungen lassen sich nur durch eine kluge Standortwahl vermeiden. Doch hierfür fehlt derzeit durch das hohe Ausbauziel jeglicher Spielraum. Eine Reduzierung der Ausbauziele und Kooperationen mit Nachbarstaaten könnten diesen dringend benötigten Spielraum schaffen.
Der NABU fordert:
- Das Ausbauziel für Offshore-Windenergie muss im Kontext aller Belastungen betrachtet und innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen von Nord- und Ostsee begrenzt werden.
- Sensitivitätskarten sollten die Grundlage für die Planung von Windenergieflächen bilden, Schutzgebiete frei von Windkraft bleiben und technische Minderungsmaßnahmen zur Reduktion ökologischer Schäden konsequent vorangetrieben werden.
- Statt wirkungsloser Beschleunigungsversuche sollten die bewährten und allseits anerkannten Genehmigungsverfahren inklusive aller Umweltprüfungen erhalten bleiben. Das sichert die Akzeptanz und schafft die Voraussetzungen, um Schäden rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.
- Die Flächenausweisung muss flexibler werden, um ökologisch wertvolle Gebiete zu vermeiden. Das kann über angepasste Ausbauziele und verstärkte Kooperation mit den Nachbarstaaten gelingen.
Letzte Aktualisierung: 04/26





