NABU.de Tiere & Pflanzen Natur des Jahres Natur 2009 Der Aal
Von den Bahamas bis zum Rhein
Von den Bahamas bis zum Rhein
Der Europäische Aal ist „Fisch des Jahres 2009“
04. November 2008 -
Der Europäische Aal ist zum „Fisch des Jahres 2009“ gekürt wordem. Mit dieser Wahl soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Bestände von Anguilla anguilla fast im gesamten Verbreitungsgebiet erheblich zurückgegangen sind und dass es gilt, diesen außergewöhnlichen und einzigartigen Fisch besser zu schützen. Getragen wird die Aktion in Deutschland vom Verband Deutscher Sportfischer (VDSF), dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST), in Österreich vom Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) sowie in der Schweiz vom Schweizerische Fischereiverband (SFV).
Aale sind mit ihrem schlangenförmigen und langgestreckten Körper unverwechselbar. Männliche Aale werden bis zu einem halben Meter lang, Weibchen bis zu anderthalb Meter. Aale sind nachtaktiv, tagsüber leben sie auf dem Gewässergrund unter Steinen, im Schlamm oder in Spalten. Sie ernähren sich von Würmern, kleinen Krebsen, Insektenlarven und Fischlaich, auch von kleinen Fischen.
Aale schlüpfen im Atlantik, in den Tangwäldern der Sargassosee nahe den Bahamas. Mit dem Golfstrom werden die Larven östlich verdriftet und nach etwa drei Jahren erreichen sie die europäischen Küsten. Als Glasaale wandern die rund sieben Zentimeter großen Jungtiere dann in die Flussmündungen ein, steigen in den Flüssen auf und gelangen auch in Seen. Kurze Strecken können sie sich über feuchtes Land bewegen.
Fischtreppe am Wasserkraftwerk Rheinfelden.
Innerhalb von sechs bis zwölf Jahren als Gelb- oder Grünaale wachsen die Tiere zur Geschlechtsreife heran. Zur Fortpflanzung wandern sie, der grauweißen Färbung wegen nun Blankaale genannt, wieder tausende Kilometer zurück in die Sargassosee, wo sie geschlüpft waren. Dort laichen die Aale ab und sterben. Das Vorkommen des Europäischen Aals erstreckt sich über die Atlantikküste Nordafrikas und Europas einschließlich Nordsee, Ostsee, Mittelmeer und Schwarzes Meer.
Für den dramatischen Bestandsrückgang gibt es ein ganzes Bündel von Ursachen. Da Aale Wanderfisch sind, spielt die Verbauung der Gewässer durch Wasserkraftwerke eine große Rolle. Oft bleiben den Aalen nur der Weg durch den Turbinenschacht. Abhängig vom Turbinentyp werden die Tiere dabei oft getötet oder schwer verletzt. Auch die weltweite Nachfrage nach Aal bringt die Fische in Bedrängnis – vor allem der Fang von Glasaalen. Der Wegfang der Glasaale und die direkte Verarbeitung zu Fischkonserven vor allem in Frankreich, Portugal und Spanien hat zur Dezimierung beigetragen. Gleiches gilt für den Export nach Fernost für die Aalmast, wo Händler für die jungen Aale hohe Preise zahlen.
Zusätzlich zu den vom Menschen verursachten Gefahren hat der Aal auch noch biologische Feinde wie den Schwimmblasenwurm oder das Aal-Herpesvirus. Untersucht wird zudem, ob Klima-Änderungen Einfluss auf den Bestandsrückgang haben.
Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hat den Aal als „außerhalb sicherer biologischer Grenzen“ eingestuft, in Deutschland steht er bereits seit 1998 auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Inzwischen hat die EU ein Aalschutzprogramm aufgelegt. Bis Ende des Jahres müssen alle Mitgliedstaaten Managementpläne vorlegen. Ab 2009 sollen unter anderem eine bestimmte Menge gefangener Glasaale verpflichtend zur Aufzucht in den Binnengewässern ausgesetzt werden. Auch das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES hat auf Antrag Deutschlands ein Schutzprogramm und strenge Handelsbeschränkungen für Aale beschlossen.
Verband Deutscher Sportfischer (VDSF)

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