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140 Millionen tote Vögel jährlich

140 Millionen Zugvögel sterben jährlich in Ägypten

Der beispiellose Vogelmord kann heimische Bestände bedrohlich dezimieren

03. Juli 2013 – 140 Millionen Zugvögel und damit etwa jeder siebzehnte europäische Zugvogel enden jeden Herbst in den Fangnetzen ägyptischer Vogeljäger. Dies zeigen neueste Hochrechnungen des NABU. Erst kürzlich hatte ein Filmteam des Bayerischen Rundfunks die weltweit größte Fanganlage entdeckt, die auf einer Strecke von über 700 Kilometern Zugvögeln ihren Weg in die Überwinterungsgebiete versperrt.

Vogelmord Ägypten - Vogel wird verkauft

Die gefangenen Vögel werden direkt auf der Straße feilgeboten.


Erste vorsichtige Schätzungen gingen zunächst von mindestens zehn Millionen Zugvogelopfern pro Jahr aus. Die tatsächliche Zahl der getöteten und auf Märkten als Delikatesse verkauften Vögel dürfte hingegen um ein Vielfaches höher liegen. So ist nach jahrelangen Erfahrungen auf Zypern, das auf der gleichen Zugroute liegt, davon auszugehen, dass täglich 20 Vögel auf zwölf Metern Netzlänge gefangen werden. Hochgerechnet auf eine vier Monate dauernde Fangsaison und eine Gesamtlänge der Netze von 700 Kilometern muss demnach mit etwa 140 Millionen toten Vögeln gerechnet werden.

Zum Vergleich: Im Herbst brechen etwa 85 Millionen Zugvögel von Deutschland aus nach Afrika auf. Aus ganz Europa dürften es etwa 2,4 Milliarden dieser Langstreckenzieher sein. 5,8 Prozent aller europäischen Zugvögel, die in Afrika überwintern, fänden demnach jährlich den Tod in den Netzen entlang der ägyptischen Mittelmeerküste.

Erhebliche Zusatzgefahr durch Fangnetze

Die Fangnetze haben eine Gesamtlänge von rund 700 Kilometern und reichen von der libyschen Grenze bis fast nach Gaza.

Zugvögel sind auf ihrer weiten Reise ohnehin einer Vielzahl von Gefährdungen ausgesetzt, die nur ein Teil von ihnen überlebt: Auf ihrem Flug über Meer und Wüste können sie ertrinken, verdursten, verhungern oder natürlichen Feinden zum Opfer fallen. Hinzu kommen Probleme mit der Lebensraumzerstörung in den europäischen Brutgebieten. Insbesondere die Arten, deren Bestände ohnehin zurückgehen, können dem zusätzlichen Blutzoll durch den Vogelfang in Ägypten nichts mehr entgegensetzen. Bei diesen Arten ist es wahrscheinlich, dass der Vogelfang in Ägypten zu bedrohlichen Bestandsrückgängen führen wird.

Zu den betroffenen Vogelarten zählen insbesondere jene Langstreckenzieher, die über das östliche Mittelmeer nach Afrika ziehen. Während die größeren Greifvögel eher abgeschossen werden, verfangen sich die kleineren Arten wie Neuntöter, Pirol, Nachtigall und verschiedene Grasmücken in den Fangnetzen, die vorgeblich nur dem Wachtelfang dienen. All diese Vögel werden später auf den heimischen Märkten verkauft, um als Delikatesse verspeist zu werden.

NABU erhöht Druck auf Verantwortliche

Zusätzlich zur derzeitigen instabilen politischen Lage fehlt es in Ägypten derzeit an Regelungen für eine nachhaltige legale Jagd: Die Zuständigkeiten sind unklar und bestehende Vorschriften werden kaum durchgesetzt. Vorschläge zur Verbesserung der Lage gibt es bereits, allerdings fehlte bislang der politische Wille, sie auch umzusetzen. Der NABU sieht hier eine wichtige Rolle auch für die deutsche Bundesregierung, die neben politischem Druck auf die ägyptische Regierung mit fachlichen und finanziellen Hilfsangeboten Verbesserungen bewirken kann.

Seit April engagiert sich der NABU mit einer Kampagne gegen den zunehmenden Zugvogelmord in Ägypten. Ziel ist es, auf das drastische Ausmaß des kommerziellen Vogelfangs aufmerksam zu machen und Naturschützer vor Ort in ihrer Arbeit zu unterstützen.

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