Zum Jubiläum: Naturschutzerfolge des NABU

125 Jahre NABU

Die Geschichte des NABU ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Im 19. Jahrhundert von einer Frau gegründet ist er mittlerweile der mitgliederstärkste Umweltschutzverband in Deutschland. Zum 125-jährigen Jubiläum 2024 zeigten wir eine Auswahl.
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Kleiner Pilz auf Wiese
Kleiner Pilz© Foto: NABU/Henrik Spranzfotomat.at

Eine Frau für den Naturschutz: Die NABU-Gründung

Die Geschichte des NABU ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Sie beginnt mit der Gründung des „Bund für Vogelschutz (BfV)“ am 1. Februar 1899 durch Lina Hähnle. Nicht nur, dass hier eine Frau Gründerin und Vorstand ist, auch das Verständnis für die Zusammenhänge der Natur, das die Grundlage des neuen Vereins bildet, sind damals nicht eben alltäglich.

Lina Hähnles Erfolgsrezept sieht unter anderem einen besonders niedrigen Jahresbeitrag für Erwachsene und Kinder vor und sorgt dafür, dass der BfV bereits am Ende des Gründungsjahrs 3.500 Mitglieder verzeichnen kann. Das erste betreute Schutzgebiet ist die Vogelinsel bei Giengen an der Brenz.

Erfolg gegen Vogelfang und Federhüte: Die ersten Kampagnen

Den ersten großen Kampagnenerfolg erringt der BfV 1908 mit der Verschärfung des Reichs-Vogelschutzgesetzes, das nun endlich auch den bis dahin in Deutschland noch üblichen Krammetsvogelfang, also den Fang vor allem von Wacholderdrosseln, verbietet. Die Strategie fußt nicht nur auf untertänigen Eingaben, sondern auch auf Presse- und Lobbyarbeit. Hähnle hält vor allem „zielbewusstes und unermüdliches Bearbeiten der Reichstagsabgeordneten“ für besonders ausschlaggebend. 

Auch die anschließende Kampagne wird in gleicher Weise umgesetzt. Der Kampf zur Rettung der Silberreiher und Paradiesvögel, die wegen ihrer prächtigen Federn bejagt werden und als Schmuck für Damenhüte Verwendung finden, endet 1914 mit einem Abschussverbot und einem Vogelschutzgesetz in den betroffenen Gebieten.

1987 gründet der NABU dort ein Naturschutzzentrum. Das Zentrum ist vom Land mit der Betreuung des Gebietes beauftragt und bietet über den Sommer Exkursionen, Projekte und Vorträge an. Seit Jahrzehnten arbeiten hier der staatliche Naturschutz und der NABU eng zusammen, um der entwässerungsbedingten Austrocknung der Feuchtwiesen entgegen zu wirken. Zwischen 1997 und 2002 werden in einem von der EU geförderten Renaturierungsprojekt große Flächen gekauft und über 250 Hektar wiedervernässt.

Aktion mit Tradition: Der Vogel des Jahres

1971 erblickt eine der erfolgreichsten und ältesten Aktionen des NABU das Licht der Welt. Gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) wird der „Vogel des Jahres“ gekürt. Inzwischen stimmt ganz Deutschland in einer öffentlichen Wahl über den Jahresvogel ab. 

Hauptziel ist seinerzeit die Unterschutzstellung aller Greifvogelarten, und so ist der erste gefiederte Gewinner folgerichtig der Wanderfalke. Zuvor wurde 1970 in einem Probelauf der Graureiher als Beitrag zum Europäischen Naturschutzjahr regional in Baden-Württemberg zum Jahresvogel erklärt. Beide Arten dürfen heute als gerettet gelten. Die Aktion hat vom Baum bis zum Höhlentier des Jahres zahlreiche Nachahmer gefunden.

1989: Wende für den Naturschutz

Der Fall der Mauer führt auch die Naturschützer*innen im Westen und Osten zusammen und zu einem regen Austausch. Bereits am 12. September 1990 kann das DDR-Nationalparkprogramm verabschiedet werden. Erreicht haben das die Naturschützer*innen um Michael Succow in den Wendemonaten. Innerhalb eines Jahres werden 5.000 Quadratkilometer unter Schutz gestellt. Im November 1990 schließt sich der frisch gegründete „Naturschutzbund der DDR“ mit dem Deutschen Bund für Vogelschutz (DBV) zusammen, der sich zuvor in „Naturschutzbund Deutschland (NABU)“ umbenannt hatte.

Natur bewahren: Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe

1998 agiert die NABU-Stiftung zunächst noch als unselbstständige Treuhandstiftung. 2002 wird sie jedoch vom NABU-Bundesverband umorganisiert und als rechtlich selbstständige Stiftung neu gegründet. Mit der Schenkung eines kleinen Wiesengrundstückes im Westhavelland beginnt der Flächenbesitz im Jahr 2001. Heute befinden sich rund 11.000 Hektar Naturschutzgebiet in ihrem Besitz.

Die NABU-Stiftung kauft Flächen, damit sie in ihrer natürlichen Form erhalten bleiben und geschützt werden können. Damit ist sie einer der aktivsten privaten Akteure zur Bewahrung dieses „Nationalen Naturerbes“. Unter ihrem Dach versammeln sich viele hoch engagierte Menschen, die in der Sicherung von Naturschutzflächen durch Kauf eine langfristigere Perspektive sehen. So wie es schon Lina Hähnle vor über 100 Jahren getan hat.

Mehr Raum für Flüsse und Bäche: Der Kampf um die Renaturierung

Nicht erst seit der Hochwasserkatastrophe von 2002 setzt sich der NABU für den Schutz von Gewässern ein. Der Kampf um die Renaturierung der Unteren Havel beginnt beispielsweise bereits im Jahr 1990 mit der Sicherung des entsprechenden Abschnitts als Naturschutzgebiet. Nach intensiver Arbeit beginnt 2009 endlich die Umsetzungsphase, die voraussichtlich 2025 abgeschlossen sein wird.

Ein weiterer Erfolg gelingt 2014. Im Koalitionsvertrag wird das Bundesprogramm „Blaues Band“ zur Renaturierung von Fließgewässern und Auen festgeschrieben und 2017 aufgelegt. Ziel des Programmes ist es, die ökologische Entwicklung von Flüssen und ihren Auen in Deutschland zu unterstützen. Ein Biotopverbund soll dafür sorgen, dass ein wichtiger Beitrag zu den europarechtlichen Umweltzielen geleistet werden kann.

Auch das 2022 gestartete Projekt „AllerVielfalt Verden“ trägt zum Erhalt einer wichtigen Flusslandschaft in Deutschland bei. Das vom NABU initiierte Vorhaben soll bis 2031 an der Allerniederung auf einem Projektgebiet von 2.350 Hektar naturnahe Strukturen schaffen. Flutrinnen, Kleingewässer und Altarme wie die „Alte Aller“ sollen wiederangebunden und Deiche rückverlegt werden.

Wiedersehen auf vier Pfoten: Willkommen Wolf

Mit dem Millennium kehrt ein alter Bekannter nach Deutschland zurück. Der Wolf erschließt vor allem im Osten der Republik immer mehr Lebensräume. Doch die Rückkehr des Canis lupus erzeugt durchaus Skepsis, Verunsicherung und vor allem viele Fragen. Sind Wölfe für den Menschen gefährlich, wovon leben sie und wie ernähren sie sich? Wie kann ein konfliktarmes Zusammenleben gelingen? Der NABU setzt auf Aufklärung und reagiert mit seinem Aktionsplan „Willkommen Wolf", der das konfliktarme Miteinander von Mensch und Wolf unterstützen will. 

Moorschutz und Biosphärenreservate

International macht der NABU sich unter anderem für den Erhalt von Mooren in Russland und Osteuropa stark. Die NABU International Naturschutzstiftung unterstützt die Wiedervernässung von Moorflächen und hat gemeinsam mit der Manfred-Hermsen-Stiftung den Bau von insgesamt 18 Dämmen finanziert. Auf diese Weise konnten bereits große Wald- und Seeufergebiete wiedervernässt werden, die Brutgebiete für Kraniche, Schelladler und Lasurmeisen sind. Ein Monitoring zeigt, dass diese Maßnahmen Wirkung zeigen und viele seltene Vogelarten zurückkehren.

Aus der Mitte der Gesellschaft: Mitmachaktionen

Nicht zuletzt dem unermüdlichen Einsatz von mittlerweile rund 40.000 ehrenamtlich Aktiven, aber auch Menschen, die einmalig an sinnvollen Mitmach-Aktionen teilhaben möchten, ist der Erfolg des NABU zu verdanken. Erstmalig 2005 findet die beliebte „Stunde der Gartenvögel“ statt. Seither werden jedes Jahr am zweiten Maiwochenende alle Naturliebhaber*innen aufgerufen, Vögel zu notieren und zu melden. 2023 haben fast 60.000 Menschen an der 18. „Stunde der Gartenvögel“ teilgenommen. Aus über 40.000 Gärten und Parks wurden dem NABU und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) über 1,3 Millionen Vögel gemeldet. 2011 startet die bundesweite „Stunde der Wintervögel“ als weitere Citizen-Science-Aktion, bei der im Januar 2024 rund 130.000 Menschen insgesamt 3,1 Millionen Vögel zählten.

Vier Menschen lächeln in die Kamera, sie stehen nebeneinander hinter einem Hochbeet. Drei weiblich gelesene, eine männlich gelesene Person. Eine trägt NABU-Jacke.

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Mit Wissen, Verstand und Herz für die Natur: Der NABU heute

125 Jahre NABU – viel hat sich seit der Gründung getan. Heute kämpfen rund 980.000 Mitglieder und Fördernde in Deutschland für den Schutz und Erhalt unserer Lebensräume. In 2.000 lokalen NABU-Gruppen kümmern sich die Ehrenamtlichen um den praktischen Arten- und Biotopschutz vor Ort, mischen sich ein und sind mit ihrer Expertise gefragte Ratgeber*innen. 

Der NABU setzt sich nach wie vor für eine Vielzahl von Aktionen und Projekten ein. Gemeinsam mit Gewerkschaften, Sozialverbänden, Kirchen und anderen Umweltschutzverbänden machen wir uns beispielsweise für eine sozial gerechte Mobilitätswende stark. Aber auch die Themen Wasserhaushalt, Flächenversiegelung, intelligente Stadtentwicklung, Schutz und Erhalt der Artenvielfalt rufen den NABU auf den Plan. Mit Wissen, Verstand und Herz setzen wir uns für eine zukunftssichere Natur und Umwelt ein.

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