Ein Fluss mit vielen Gesichtern

Die Aller

Mit rund 260 Kilometern Länge ist die Aller einer der prägenden Tieflandflüsse Norddeutschlands. Sie verbindet Oberläufe, Nebenflüsse, Auen, Altarme und Wiesen zu einem weit verzweigten Lebensraumsystem. Diese Vielfalt macht sie ökologisch besonders wertvoll.
© Foto: NABU/Erich Schwinge

Auf ihrem Weg in die Weser stellt die Aller das wichtigste Vernetzungselement im Weser-Allertal dar. Zwischen Celle und der Mündung in die Weser, einst eine wichtige Schifffahrtsstraße, finden sich auch heute noch vielfältige und herausragende Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Charakteristika der Aller

Die Aller ist ein für Norddeutschland typischer sand- und lehmgeprägten Tieflandfluss. Naturräumlich ist die Aller der Weser-Aller-Flachlandebene zugeordnet. Der Fluss fließt von der Magdeburger Börde in Richtung Nordwesten bis zur Mündung in die Weser bei Verden, vorbei an Wolfsburg, Celle und Rethem.

Charakteristisch ist der gefällearme Verlauf: Auf der gesamten Strecke werden nur circa 40 Höhenmeter überwunden. Außerdem sind für die Aller winterliche Hochwässer und eine langanhaltende sommerliche Niedrigwasserphase typisch. Allerdings treten auch im Sommer vereinzelt Hochwässer auf, sodass die Auen durchschnittlich an 40 Tagen im Jahr überflutet sind.

Überflutetes Grünland an der Aller© Foto: NABU/Klemens Karkow

Flusslauf und Einzugsgebiet

Gut 260 Kilometer schlängelt sich die Aller von der Magdeburger Börde durch eine abwechslungsreiche Feld- und Wiesenlandschaft und durch Städte wie Wolfsburg, Celle und Verden bis zur Mündung in die Weser. Fast 16.000 Quadratkilometer umfasst das Einzugsgebiet der Aller. Eine Fläche so groß wie die Landesfläche von Schleswig-Holstein. Aus der Luft betrachtet sind im Mittel- und Unterlauf der Aller noch die vielen ehemaligen Flussschleifen zu erkennen und die zahlreichen Nebenflüsse und Bäche.

Lebensraum für seltene Arten

Die teils noch naturnahe Auenlandschaft beherbergt eine reiche Fauna, darunter ganz besondere und geschützte Arten wie die Grüne und die Gemeine Keiljungfer oder das Braunkehlchen, an den Ufern der Altgewässer kommen seltene Pflanzen wie die Krebsschere oder die Schwanenblume noch vor. Auch gibt es noch die stark gefährdeten Auwälder.

Charakteristisch für die Allerauen sind die vielen Wiesen. Werden sie extensiv genutzt, sind sie sehr blütenreich. Rosa, violette, gelbe und weiße Farbtupfer von Margarite, Kuckuckslichtnelke, Wiesen-Flockenblume, Wiesen-Platterbse, Scharfem Hahnenfuß, Vogelwicke und Wilder Möhre ziehen dann in den Sonnenmonaten die Blicke auf sich.

Vielfältiges Leben unter Wasser

Eine große Vielfalt, die dem Betrachter oft verborgen bleibt, findet sich auch unter Wasser. Die Aller ist die zentrale Wanderroute für viele Fische und Neunaugenarten. Sie ist die einzige Verbindung für die Tiere, um zwischen den Nebenflüssen oder zwischen den Laichgründen in den Oberläufen und der Nordsee hin- und her zu wandern. Nicht nur für Lachs, Meer- und Flussneunaugen, Bitterlinge, Schlammpeitzger und Groppen, sondern ebenso für viele Vogelarten hat die Allerniederung eine wichtige Bedeutung als Brut- und Rastgebiet. Neben Schafstelze, Storch, Schwarzmilan und Wachtelkönig sind auch verschiedene Gänse- und Entenarten über das Jahr zu Gast.

Groppe© Foto: Foto: NABU/Jan Piecha

Aufgrund der vielen seltenen Arten und der hohen Bedeutung der unterschiedlichen Lebensräume für die Artenvielfalt sind die Aller und einige Nebenflüsse wie die untere Leine und die Oker als europäisches Schutzgebiet ausgewiesen.

Eingriffe und ihre Folgen

Die Allerniederung wurde in den letzten Jahrzehnten stark verändert, begradigt, vertieft und eingeengt – vor allem für die bessere Schiffbarkeit. Die Folgen sind sichtbar: Strukturen gingen verloren, Lebensräume wurden vereinfacht, ökologische Prozesse ausgebremst. 

Das tut der NABU

Ein Projekt für die Zukunft der Aller

Mit dem Renaturierungsprojekt „AllerVielfalt Verden“ werden seit 2022 gezielt Strukturen geschaffen, die dem Fluss verlorene Funktionen zurückgeben. Altarme werden wieder angeschlossen, Ufer naturnah entwickelt, Auen vernetzt. Das Projekt zählt zu den größten Flussrenaturierungen an einer Bundeswasserstraße in Deutschland.