Ob durch Krankheiten, jagende Katzen, Stromschlag, Windenergieanlagen, Glaskollision oder die Klimakrise: Vögel sind zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Wir schätzen, dass jährlich etwa 200 Millionen Vögel durch die genannten Ursachen zu Tode kommen.
Viele Gefahren ließen sich vermeiden oder zumindest reduzieren. Jede*r Einzelne kann helfen, etwa durch Glasmarkierungen, naturnahe Gartengestaltung oder rücksichtsvolle Katzenhaltung. Bei anderen Risiken sind Politik und Wirtschaft gefragt: Beim vogelfreundlichen Ausbau der Stromnetze und Bahnoberleitungen oder auch bei der richtigen Planung von Windenergieanlagen gibt es bereits viele Vorgaben. Die jedoch zu selten auch befolgt und umgesetzt werden.
Aber sind diese Gefahren auch der Hauptgrund für den Vogelschwund der letzten 30 Jahre? Wir sagen Nein: Hauptursache für die dramatischen Bestandsrückgänge zahlreicher Vogelarten ist der Lebensraumverlust.
Vogelgefahr: Glasscheiben (100 bis 115 Millionen Opfer pro Jahr)
Zu den häufigsten menschengemachten Todesursachen von Vögeln gehört zweifellos die Kollision mit Glasscheiben: Die staatlichen Vogelschutzwarten haben 2017 eine Schätzung von 100 bis 115 Millionen Glasanflugopfern in Deutschland veröffentlicht. Betroffen sind vor allem Vögel im Siedlungsraum, aber auch Zugvögel auf ihren Wanderungen. Meist handelt es sich um kleine und häufige Vogelarten, aber auch seltenere Arten wie Waldschnepfe, Eisvogel oder Habicht kommen durch Glaskollision zu Tode.
Während die Zahl der Glasbauwerke in Deutschland stetig zunimmt, gehören Vermeidungsmaßnahmen, wie zum Beispiel Glasmarkierungen, bisher nicht zum Standard. Der Vogeltod an Glasscheiben trägt also durchaus auch zum Rückgang der Singvogelbestände bei. Als Hauptursache scheidet er jedoch wiederum aus: Die plötzlichen und drastischen Bestandsrückgänge bei Vögeln passen nicht zu der nur langsamen Zunahme an Glasbauwerken.
Vogelgefahr: Katzen (20 bis 100 Millionen Opfer pro Jahr)
Vögel gehören zum Beutespektrum von Katzen – das stimmt. Wie viele Vögel jedoch im Laufe eines Jahres zum Opfer von Hauskatzen werden, wissen wir nicht sicher. Bei etwa 16 Millionen Hauskatzen in Deutschland (Stand: 2025), sowie rund zwei Millionen verwilderter Katzen, halten wir eine Zahl zwischen 20 bis 100 Millionen toten Vögeln pro Jahr für realistisch – mit einer Tendenz zum oberen Bereich.
Im Verhältnis zu allen Vögeln, die bei uns im Laufe eines Jahres aus unterschiedlichen Gründen sterben, sind Hauskatzen für lediglich 4 bis 20 Prozent Todesfälle verantwortlich. Das ist immer noch viel. Dennoch zeigen die Ergebnisse der NABU-Mitmachaktion „Stunde der Gartenvögel“ seit 2005, dass die Bestände von Vogelarten im Siedlungsraum, also dort, wo Hauskatzen jagen, stabil sind. Auch gibt es kaum Unterschiede in der Vogelhäufigkeit zwischen Gärten mit oder ohne Katzen.
Da die Zahl der Katzen seit Jahren nur sehr leicht ansteigt, scheiden sie als Ursache des beobachteten deutlichen Bestandsknicks nach 1998 aus. Dennoch könnten die Vogelbestände in unseren Siedlungsräumen ohne den Einfluss von Katzen deutlich höher sein. Katzen- und Gartenbesitzer*innen können jedoch mithelfen, die Vogelverluste durch Katzen so gering wie möglich zu halten.
Vogelgefahr: Verkehr (70 Millionen Opfer pro Jahr)
Im Straßen- und Bahnverkehr kommen in Deutschland pro Jahr etwa 70 Millionen Vögel durch Fahrzeugkollisionen ums Leben. Betroffen sind sowohl Vogelarten im Siedlungsraum, als auch im Offenland oder im Wald. Überproportional gefährdet sind größere Vogelarten wie Greifvögel oder nachts jagende Eulen. Bei diesen Arten könnte der Verkehrstod durchaus zu Bestandsrückgängen führen oder laufende Bestandserholungen gefährden.
Aber auch hier gilt: Die langsame und stetige Zunahme des Verkehrs passt nicht zu den plötzlichen Bestandseinbrüchen bei vielen Vogelarten seit 1998, weshalb auch der Verkehr als Hauptursache des Vogelsterbens ausgeschlossen werden kann.

Gemeinsam Vögel schützen
Vogelschutz ist von jeher unser Herzensthema. Und so vielfältig wie die verschiedenen Vogelarten sind auch unsere Projekte zu ihrem Schutz. Deine wertvolle Unterstützung macht all das erst möglich.
Vogelgefahr: Stromleitungen (1,5 bis 2,8 Millionen Opfer pro Jahr)
Auf der Grundlage einer Studie von 2017 schätzen wir eine Zahl von jährlich 1,5 bis 2,8 Millionen Vögeln, die durch Kollision mit einer Stromleitung zu Tode kommen. Diese Zahl wird vermutlich weiter steigen, wenn im Zuge der Energiewende die Strominfrastruktur weiter ausgebaut wird und keine entsprechenden Schutzmaßnahmen ergriffen werden.
Stromleitungen können Vögel auch durch Stromschlag töten, wenn ein Vogel eine Leitung durch Kontakt mit dem Mast erdet. Dieses Problem betrifft überwiegend größere Vogelarten wie Störche, Eulen oder Greifvögel auf und ist für diese Arten tatsächlich ein bestandsbedrohender Faktor. Eine Schätzung geht von etwa einer Million toter Großvögel pro Jahr in Deutschland aus. Dank einer gesetzlichen Vorgabe geht diese Zahl deutlich zurück: Alle Strommasten müssen heute gegen Vogelschlag gesichert sein. Auch wenn die Umsetzung noch nicht vollständig erfolgt ist, wird diese Zahl und damit auch diese Todesursache an Bedeutung weiter abnehmen.
Vogelgefahr: Jagd (1,2 Millionen Opfer pro Jahr)
Durch die legale Jagd sterben in Deutschland derzeit jährlich etwa 1,2 Millionen Vögel von 30 jagdbaren Vogelarten, EU-weit 53 Millionen Vögel von 82 Arten. Hinzu kommen deutschlandweit geschätzt 50.000 bis 150.000 illegal getötete Vögel, für ganz Europa und den Mittelmeerraum werden 12 bis 38 Millionen Opfer illegaler Verfolgung geschätzt.
In Deutschland werden legal vor allem Enten und Gänse gejagt, die derzeit meist gute Bestandsentwicklungen vorweisen. Es gibt aber Ausnahmen: Rebhühner stehen immer noch auf der Abschussliste – und sie gehören mit einem Bestandsrückgang um 94 Prozent in nur zwölf Jahren zu den größten Sorgenkindern des aktuellen Vogelsterbens. Auch der europaweite Abschuss von jährlich 1,5 Millionen Turteltauben ist mehr, als diese ohnehin stark abnehmende Art verkraften kann.
Die Wilderei bedroht in Deutschland vor allem geschützte Greifvögel wie Seeadler, Rotmilan oder Habicht, von denen pro Jahr geschätzt zwischen 1.200 und 12.000 getötet werden. Jagd und Wilderei sind daher bei einigen besonders betroffenen Arten wie Rebhuhn, Kiebitz oder Greifvögeln mögliche bestandswirksame Faktoren. Sie betreffen aber die meisten derzeit abnehmenden Vogelarten nicht.
Vogelgefahr: Windenergieanlagen (100.000 Opfer pro Jahr)
100.000 tote Vögel pro Jahr durch Kollision mit den Rotorblättern eines Windrades: Im Vergleich zu den Millionen Vögeln, die Katzen, Glasscheiben, Stromleitungen oder dem Verkehr zum Opfer fallen, erscheint das wenig.
Jedoch sind Windenergieanlagen an Land für einige größere und zum Teil seltene Vogelarten, wie dem Rotmilan, durchaus bestandgefährdend. Genaue Zahlen für getötete Seevögel gibt es hingegen kaum. Wir können jedoch davon ausgehen, dass Windenergieanlagen auf See besonders in Gebieten mit hoher Artendichte durch Verdrängung erhebliche negative Auswirkungen auf einige Seevogelarten hat.
Sowohl an Land als auch auf See muss deshalb der Schutz von empfindlichen und gefährdeten Arten bereits bei der Planung von Windenergieanlagen berücksichtigt werden.
Vogelgefahr: Krankheiten
Ob Usutu, Suttonella, Vogelgrippe, West-Nil-Virus oder Trichomonaden – zahlreiche Krankheiten führen bei einigen Vogelarten immer wieder zu hohen Verlusten:
Durch das Usutu-Virus sterben seit seinem ersten Auftreten 2010 jährlich etwa 160.000 Amseln, das Suttonella-Bakterium hatte bei Blaumeisen erhebliche Bestandrückgänge seit 2018 zur Folge. Auch durch die Vogelgrippe kommt es immer wieder zu Ausbrüchen und Verlusten bei Wildvögeln und Geflügel. Das West-Nil-Virus führt – seit dem ersten Nachweis in Deutschland im Hitzesommer 2018 – besonders bei Eulen, Greif-und Rabenvögeln zu Verlusten. Und Trichomonaden verursachen insbesondere bei Grünfinken während anhaltend warmer Perioden eine tödliche Infektion.
Vogelgefahr: Klimakrise
Beim Thema Klimakrise wird es schwierig, konkrete Verlustzahlen zu nennen. Vielmehr werden durch die klimatischen Veränderungen die Lebensräume der Vögel grundsätzlich verändert. Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Verbreitung wärmeliebender Arten deutlich zugenommen hat, während die Bestände derjenigen Arten, die an unser gemäßigtes Klima angepasst sind, abnehmen.
Diese Tendenz wird sich mit fortschreitendem Temperaturanstieg verstärken.
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