Neue Daten unterstreichen Reformbedarf in der Landwirtschaft

Immer weniger Feld- und Wiesenvögel

Der neue Report zur Bestandssituation der Vögel zeigt: Während einige Arten von konsequenten Schutzmaßnahmen profitieren, steht es um viele andere schlecht. Besonders die Vögel der Agrarlandschaft leiden.
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Naturschutz wirkt. Neben Vogelarten, die vom Klimawandel profitieren, haben sich in Deutschland die Bestände vor allem solcher Arten erholt, für die es gezielte Schutzmaßnahmen gibt. Das zeigt die Veröffentlichung „Bestandsituation der Vögel in Deutschland 2025“, die gemeinsam vom Bundesamt für Naturschutz (BfN), der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) und dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) erstellt wurde.

Positiv entwickeln sich unter anderem Uhu, Großtrappe, Kranich und Seeadler. Neben Artenhilfsprogrammen trugen auch nachlassende Verfolgung, das Verbot von Umweltgiften sowie die Ausweisung und das wirksame Management von Schutzgebieten zu dieser Entwicklung bei. Wie sich der massive Vogelgrippeausbruch im Herbst 2025 auf die Kranichpopulation auswirkt, bleibt abzuwarten.

Klimakrisengewinner Zaunammer, Wiedehopf und Purpurreiher

Zu den in den vergangenen 24 Jahren am stärksten zunehmenden Arten gehören vor allem solche, die von wärmerem Klima und milderen Wintern profitieren und ihr Brutgebiet weiter nach Norden ausdehnen können. Andererseits nehmen die Bestände mancher häufiger Arten, die gemäßigte Temperaturen bevorzugen, tendenziell ab. Die Zahl der Klimaverlierer wird weiter steigen, denn insbesondere für spezialisierte Arten sind extreme Wetterereignisse und zunehmende Dürreperioden besonders problematisch.

Besorgniserregend ist die Situation der Vögel der Agrarlandschaften. Viele Arten, die landwirtschaftliche Flächen zum Brüten nutzen und früher häufig waren, zählen weiterhin zu den größten Verlierern der letzten 24 Jahre. So verzeichnen Rebhuhn (minus 66 Prozent), Bekassine (minus 66 Prozent), Kiebitz (minus 65 Prozent), Wachtelkönig (minus 61 Prozent), Braunkehlchen (minus 59 Prozent) und Uferschnepfe (minus 59 Prozent) drastische Rückgänge.

Erweitert man den Blick etwas, ist die Lage sogar noch dramatischer. Der NABU warnt davor, kurzfristige Stabilisierungstendenzen als Erholung zu deuten. Zwar ist der Bestand des kürzlich zum Vogel des Jahres 2026 gekürten Rebhuhn im Kurzzeittrend auf sehr niedrigem Niveau stabil, der Langzeittrend seit Mitte der 1990er-Jahre weist jedoch einen katastrophalen Einbruch um 87 Prozent auf.

Kein „Weiter so“ in der Agrarpolitik

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger erklärt: „Die vermeintliche Erholung beim Rebhuhn ist ein Trugbild, da nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Bestände übrig ist. Die Daten verdeutlichen, dass ein ‚Weiter so‘ in der Agrarpolitik keine Option ist. Die in der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU zur Verfügung stehenden Mittel müssen konsequent darauf ausgerichtet werden, Landwirtinnen und Landwirten das Erbringen von Umweltleistungen zu honorieren. Die aktuellen Vorschläge der europäischen Kommission zur Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik gehen jedoch in die entgegengesetzte Richtung und stellen die Legitimation der Zahlungen vor dem Hintergrund knapper Kassen immer mehr in Frage.“

Auch bei den Vogelschutzgebieten muss dringend gehandelt werden. Selbst 45 Jahre nach Verabschiedung der EU-Vogelschutzrichtlinie liegen für mehr als die Hälfte der Gebiete keine vollständigen Managementpläne vor. Und wo es Pläne gibt, werden längst nicht alle nötigen Maßnahmen konsequent umgesetzt. Das gilt besonders für Maßnahmen, die der Klimaanpassung dienen, beispielsweise Renaturierung, Wiedervernässung und Wasserrückhalt.

Der NABU sieht in dem 2024 verabschiedeten EU-Gesetz zur Wiederherstellung eine große Chance. „Wiedervernässte Feuchtgebiete sind Lebensraum, Wasserspeicher und Klimaschützer zugleich. Moore und nasse Wiesen halten Wasser zurück und mildern so Hochwasser ab, sie kühlen die Landschaft und speichern Kohlenstoff. Dies hilft sowohl den Vögeln als auch den Menschen. Deutschland muss nun zeigen, dass es seine Verpflichtung ernst nimmt und zerstörte Lebensräume konsequent wiederherstellt“, fordert Jörg-Andreas Krüger. Das gilt nicht nur für Brutvögel, sondern auch für Zugvögel, denn Deutschlands Bedeutung als Mauser-, Rast- und Überwinterungsgebiet wächst – und damit auch die Verantwortung für den internationalen Vogelschutz.