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Deutschlands größtes Fledermausquartier

Deutschlands größtes Fledermausquartier

Das Mayener Grubenfeld in der Eifel muss erhalten werden

Mayen - Kiefer Steinbruch mit Turm

Deutschlands größtes Fledermausquartier

11. Juli 2007 - Der NABU hat jetzt das größte Naturschutzprojekt in Rheinland-Pfalz gestartet. Durch den Erhalt der Stollen des Mayener Grubenfeldes in der Eifel soll das bedeutendste Quartier für Fledermäuse in Deutschland gesichert werden.

Im Spätsommer wird das Mayener Grubenfeld zum Treffpunkt von Abertausenden von Fledermäusen aus ganz Mitteleuropa. In dieser hügeligen Landschaft inmitten des Rheinischen Schiefergebirges gelegen, treffen sie aus einem Umkreis von 300 Kilometern (Eifel, Hunsrück, Westerwald, Mittel-/Niederrhein, Belgien, Niederlande, Luxemburg) aufeinander. Die Jungen finden hier die guten Überwinterungsplätze. Hier findet auch der überlebenswichtige Genaustausch zwischen den verschiedenen regionalen Populationen statt.

Mayen - Kiefer Mausohrcluster Makro I

Das Mayener Grubenfeld ist Winterquartier für 100.000 Fledermäuse.

Die Zwergfledermaus beginnt mit dem Schwärmen bereits im Juli, es folgen Anfang/Mitte August Bechstein-, Wasser-, Kleine Bartfledermaus, Großes Mausohr und den Schluss bildet Mitte/Ende September die Bartfledermaus. Auch für den Winterschlaf finden die verschiedenen Arten hier die besten Bedingungen. Einzeln oder in großen Gruppen hängen sie direkt an den Wänden oder in tiefen Rissen und Spalten. Der Eingangsbereich hat durch die Außentemperatur ein kühles und trockenes Klima, so wie es die Zwerg-, Mopsfledermäuse und Langohren lieben. Weiter im Stollen ist es gleichmäßig warm und frostsicher, ideal für Großes Mausohr, Bechstein-, Bart-, Fransen- oder Teichfledermäuse.

Mayen - Kiefer Bierkeller Eingang III

Bis ins letzte Jahrhundert nutzte man die Stollen als Bierkeller.

Vulkane, Mühlsteine, Römer, Bierkeller
Seit über 4000 Jahren bauen Menschen in der Eifel Lava ab. Die Römer verarbeiteten sie zu Mühlsteinen und verteilten sie über ihr Straßennetz in ganz Europa. Durch diesen Abbau entstanden grandiose unterirdische Hallensysteme auf einzelnen Säulen ruhend, die als Stützen stehen blieben. Wegen ihrer gleich bleibenden niedrigen Temperatur wurden einige Stollen bis ins letzte Jahrhundert als Bierkeller genutzt. Für die Gewinnung von Pflaster- und Werksteinen baute man die meisten der kulturhistorisch bedeutenden Stollen im letzten Jahrhundert ab.

Die heute noch vorhandenen Reste sind zum Teil akut einsturzgefährdet, weil die tragenden Säulen große Risse aufweisen. Werden sie nicht umgehend gesichert, verlieren die Fledermäuse ihr Winterquartier und ihren Treffpunkt, der durch Tradition über Jahrhunderte entstanden ist.

Fledermaus

Flugakrobaten in der Dunkelheit

Mythos Fledermaus
Tagsüber unsichtbar, nachts lautlos unterwegs, Flugakrobaten in der Dunkelheit und im Winter verschwunden - ein idealer Nährboden für eine mystische Betrachtungsweise dieser Tiere. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Ultraschall-Ortungssystem, die Fortpflanzung und das Zugverhalten der Fledermäuse versetzt uns noch heute in Erstaunen. Inzwischen haben die Königinnen der Nacht eine Lobby und auch in der Bevölkerung genießen sie weitgehend große Sympathie. Fledermaus-Exkursionen gehören nicht ohne Grund zu den bestbesuchtesten Umweltbildungsveranstaltungen der Naturschutzverbände.

Mayen - Kiefer Mausohrclusterseitlich

Mausohrcluster

Fledermäuse sind von Frühjahr bis Herbst aktiv, sie ernähren sich von Mücken, Schnaken. Nachtfaltern, Käfern und Spinnen. Tagsüber verstecken sie sich in Quartieren wie Baumhöhlen oder Dachböden. Die Weibchen bringen in Wochenstuben, die mehrere tausend Tiere zählen können, ihre Jungen zur Welt und ziehen sie dort groß, während die Männchen im Sommer als Einzelgänger leben. Im Spätsommer lösen sich die Kolonien auf und die Tiere begeben sich auf Wanderschaft: Es ist an der Zeit, sich auf den Flug zu den Winterquartieren zu machen. Manche Arten wandern nur 50 Kilometer weit, andere mehrere hundert oder sogar über tausend Kilometer.

Das können wir tun
Mit dem Kauf der Stollen können wir diese einmalige unterirdische Welt für die Fledermäuse auf Dauer bewahren und – getreu unserem Motto „Für Mensch und Natur“ – gleichzeitig ein einmaliges Naturerlebnis schaffen! Nach der notwendigen Instandsetzung der Säulen, der Einzäunung des Geländes, der Sicherung der Einflugkorridore und der angrenzenden Jagdhabitate, lässt sich das Gebiet für eine naturschutzkonforme Umweltbildung nutzen. Zu den Aktivitäten gehören

  • Videoübertragung – Einblick in das pulsierende Leben: Eine bereits installierte Lichtschranke ergab an nur einem Stollen Zahlen, die das Herz eines jeden Fledermausfans höher schlagen lassen: 6000 Registrierungen in einer Nacht zur Schwarmzeit! Das ist ein Wert, der bislang an keinem anderen vergleichbaren Ort in Deutschland erreicht wurde!
  • Kamera-Übertragung: Beobachtung einer Wochenstube
  • Beginn eines Rundwanderweges in das Mayener Grubenfeld
  • Angebote für Naturerlebnis-Exkursionen
  • Umweltbildungsmaßnahmen zum Kennenlernen der Pflanzen und anderer Tiere
  • Errichtung einer für Besucher zugänglichen Pflegestation für verletzte Fledermäuse

Im Stollen

Die Höhlen müssen vor Einsturz bewahrt werden.

Ziel des NABU-Projekts
Durch einen Ankauf der Stollen und anschließende Sanierung der Säulen können die Höhlen vor Einsturz bewahrt und die Biodiversität der Fledermäuse erhalten werden. Das Naturschutzgroßprojekt ist von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung und wird vom Bundesamt für Naturschutz und dem Land Rheinland-Pfalz gefördert. Für die Umsetzung dieses rund fünf Millionen Euro teueren Projektes muss der NABU Rheinland-Pfalz einen Eigenanteil von 350.000 Euro aufbringen - Mittel, die uns nicht zur Verfügung stehen. Deshalb brauchen wir Ihre Hilfe!

Ansprechpartner
NABU Rheinland-Pfalz
Postfach 14 37, 55006 Mainz
Tel. 0 61 31-1 40 39-0, Fax -28
Kontakt@NABU-RLP.de

Weitere Informationen:
mehr Ausführliches Projektporträt des NABU Rheinland-Pfalz (PDF)

mehr Flyer und Informationen, wie sie helfen können (PDF)

Mehr zum Projekt

Mit 100.000 Tieren ist das Mayener Grubenfeld Deutschlands größtes WinterquartierViel Platz für Fledermäuse

Ein leises, kaum wahrnehmbares Zirpen schwebt in der Luft und füllt das mächtige Gewölbe. Mit der Handlampe sucht Andreas Kiefer die Basaltwände ab. Das Zirpen dringt aus Felsspalten, in denen sich Tausende von Zwergfledermäusen für den Winterschlaf eingerichtet haben. mehr Mehr

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