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Unter der Erde wühlen Käfer und Regenwürmer, über den Blüten kreisen Hummeln und Schwebfliegen, in der Hecke brüten Vögel und in der Abenddämmerung beginnt die Jagdsaison der Fledermäuse: Was nach Wildnis klingt, spielt sich zwischen Gartenzaun und Komposthaufen ab. In naturnahen Gärten leben bis zu 2.500 Tierarten. Das zeigt, welches ökologische Potenzial schon ein einzelner Garten entfalten kann.
Dabei profitieren die verschiedenen Artengruppen voneinander: Pflanzen bieten Nahrung für Insekten, Insekten sind eine wichtige Nahrungsquelle für viele Vögel, Fledermäuse und andere Tiere. So entstehen vielfältige Lebensgemeinschaften auf engem Raum.
Insekten: unverzichtbar im Nahrungsnetz
Die Insektenbestände sind in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen, teils um bis zu 80 Prozent. Hauptursachen sind der Verlust von Lebensräumen durch intensive Landwirtschaft mit Monokulturen, zunehmende Bebauung sowie der Einsatz von Pestiziden.
Das hat Folgen für das ökologische Gleichgewicht: Insekten dienen nicht nur als Nahrungsgrundlage für viele Tiere wie Singvögel und Fledermäuse, sie regulieren auch Bestände anderer Arten und tragen so zur Stabilität der Lebensgemeinschaften bei.
Naturnahe Gärten können dem Insektenschwund etwas entgegenwirken, vorausgesetzt, sie bieten heimische Wildpflanzen und durchgehend Nahrung von März bis September.
Wildbienen
Deutlich zeigt sich der Schwund bei den rund 550 heimischen Wildbienenarten, von denen bereits etwa die Hälfte als gefährdet gilt. Im Unterschied zur Honigbiene lebt keine von ihnen in einem organisierten Volk. Die meisten sind Einzelgängerinnen, die ihre Nester allein bauen und versorgen. Natürlich gestaltete Gärten können einige Wildbienen mit Blütenangebot und Nistmöglichkeiten bei der Nahrungssuche und Fortpflanzung unterstützen.
Schmetterlinge
Naturnahe Gärten sind auch für Schmetterlinge wichtiger Rückzugsort. Als Raupen sind sie oft auf ganz bestimmte Futterpflanzen angewiesen. Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs etwa legen ihre Eier ausschließlich an Brennnesseln ab. Für sie ist eine wilde Ecke, in der Wildkräuter wachsen dürfen, Kinderstube und Speisekammer zugleich.
Käfer und Libellen
Käfer sind die artenreichste Insektengruppe überhaupt, auch im naturnahen Garten. Totholz ist für viele Arten unverzichtbar, als Nahrung, Nistplatz oder Entwicklungsraum. Viele von ihnen sind unsere Verbündeten im Garten und halten Blattläuse und andere unerwünschte Gartentiere natürlich zu regulieren. Einige Käferarten sind zudem eine wichtige Nahrungsgrundlage für Igel.
Auch Libellen finden sich im naturnahen Garten ein, vorausgesetzt, es ist ein Teich vorhanden. Plattbauch, Hufeisen-Azurjungfer oder Blaugrüne Mosaikjungfer lassen sich hier beobachten – Arten, deren Larven Monate oder Jahre unter Wasser verbringen, bevor sie schlüpfen.
Gartenvögel
Vögel sind gerne Gäste im naturnahen Garten, aber sie stellen klare Ansprüche. Ein Garten, der ihnen echten Lebensraum bietet, muss zwei Dinge gleichzeitig haben: Brutmöglichkeiten und ausreichend Nahrung.
Die Nahrungsfrage ist dabei unmittelbar mit der Insektenfrage verknüpft. Viele Vogelarten füttern ihre Jungen fast ausschließlich mit Insekten, weil nur sie das Protein liefern, das Jungvögel zum Wachsen brauchen. Wo Insekten fehlen, können Vögel keinen Nachwuchs aufziehen.
Der naturnahe Garten funktioniert hier als Nahrungskette: Heimische Pflanzen ernähren Insekten, Insekten ernähren Vögel.
Als Brutplätze dienen je nach Art dichte Hecken, alte Bäume mit Höhlen oder Gebäudenischen. Letztere sind besonders wichtig für sogenannte Gebäudebrüter – Arten wie Mauersegler, Hausrotschwanz und Haussperling. In frisch sanierten Fassaden fehlen diese Strukturen meist vollständig.
Igel und andere Kleinsäuger
Kaum ein Gartentier ist so bekannt und beliebt wie der Igel. Er legt jede Nacht mehrere Kilometer zurück. Sein Revier ist groß und so benötigt er offene Bereiche in Zäunen, um Gärten betreten und auch wieder verlassen zu können.
Als Insektenfresser ernährt er sich von Käfern, Regenwürmern, Ohrwürmern, Tausendfüßern und Spinnen. Weil sein Nahrungsangebot direkt von der Insekten- und Bodentiervielfalt abhängt, trifft ihn der Insektenschwund besonders stark.
Dass der Igel heute hauptsächlich in Siedlungsgebieten lebt, spricht für eine miserable Lebensraumsituation im Umland. Der Garten ist für den Igel oft nicht erste Wahl, sondern eher letzter Ausweg.

Etwas unbeliebter ist der Maulwurf. Zu Unrecht. Denn wo er lebt, ist der Boden gesund und gut besiedelt. Der Maulwurf frisst Regenwürmer und die Larven von Käfern und Fluginsekten, die im Boden leben durchlüftet den Boden und wirkt wie ein natürliches Drainagesystem. Er steht zudem unter Naturschutz.
Fledermäuse
In Deutschland gibt es 25 Fledermausarten, viele von ihnen sind gefährdet, einige sogar vom Aussterben bedroht. Auch sie ernähren sich ausschließlich von Insekten. Jede Nacht brauchen sie eine Insektenmenge, die etwa einem Drittel ihres Körpergewichts entspricht.
Dabei jagen unterschiedliche Arten in unterschiedlichen Räumen: Manche fliegen im offenen Luftraum, andere dicht über Hecken und Baumreihen, wieder andere fast ausschließlich über Gewässern. Ein strukturreicher Garten mit Teich, alten Bäumen und heimischen Gehölzen deckt damit gleich mehrere dieser Jagdräume ab.

Neben Nahrung brauchen Fledermäuse geeignete Quartiere: für die Wochenstube, in der Jungtiere aufgezogen werden, und für den Winterschlaf. Im Garten erfüllen alte Bäume mit Baumhöhlen, sowie Nischen und Hohlräume an Gebäuden diese Funktion.
Amphibien und Reptilien
Frösche, Kröten und Molche auf der einen Seite, Zauneidechse und Blindschleiche auf der anderen – diese Tiergruppen brauchen keine üppige Wildnis, aber sehr konkrete Strukturen, die in aufgeräumten Gärten fast immer fehlen.
Amphibien
Amphibien, also Lurche wie Frösche und Kröten , sind für ihre Fortpflanzung zwingend auf stehende Gewässer angewiesen. Schon ein naturnah angelegter Gartenteich von drei bis vier Quadratmetern Wasserfläche kann Laichgewässer, Jagdrevier und Tagesunterstand zugleich sein.
Reptilien
Reptilien haben ganz andere Bedürfnisse. Die Zauneidechse, in vielen Bundesländern bereits als gefährdet eingestuft, braucht sonnige, warme Plätze zur Thermoregulation und Verstecke in unmittelbarer Nähe: Holz, Steine, Grashaufen oder Sand. Die Blindschleiche, trotz ihres schlangenähnlichen Aussehens eine echte Eidechse ohne Beine, bevorzugt dagegen feuchtere, schattigere Lagen und versteckt sich gern unter Totholz oder Reisighaufen.
Das Leben im Boden
Im Boden des Gartens existiert ein ganz eigener Kosmos: Regenwürmer, Springschwänze, Tausendfüßer und unzählige Mikroorganismen zersetzen organisches Material, speichern Wasser und erhalten die Bodenstruktur. Sie sind das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.
Versiegelte Flächen mit Beton, Asphalt oder Schotter nehmen diesem System Luft und Wasser. Damit verlieren nicht nur die Bodentiere ihren Lebensraum, sondern auch alle, die von ihnen abhängen.



















