Schnelle Hilfe, Tipps und Infos

Wildvogel in Not – was tun?

Es ist emotional herausfordernd, einen hilflosen, vielleicht verletzten Vogel oder Jungvogel zu finden. In einem solchen Moment wollen wir helfen und tun dann schnell Dinge, die dem Tier stattdessen schaden können. Wir zeigen, was sinnvoll ist.
Hausrotschwanz mit bettelndem Jungtier.
Hausrotschwanz mit Jungtier© Foto: NABU/CEWE/Iris Weeber

Wildvogel gefunden – schnelle Entscheidungshilfe

Zuallererst: Ruhe bewahren!

Das fällt oft schwer, weil wir gerne helfen wollen und entsprechend aufgeregt sind. Aber besonnenes Handeln ist in einem solchem Moment das Allerbeste für den gefundenen Vogel. Es ist wirklich so: Manchmal macht erst menschliche Ungeduld einen scheinbar hilflosen Jungvogel zum Pflegefall.

1. Ist der Vogel in akuter Gefahr?

Gut, jetzt erstmal durchatmen... 

...und die weiteren Fragen der Reihe nach durchgehen:

2. Ist es ein erwachsener Vogel (vollständig befiedert)?

3. Ist der Jungvogel verletzt?

4. Hat der Jungvogel schon Federn?

Weitere nützliche Informationen und Links

Pflege- und Auffangstationen für Vögel und Säugetiere in Deutschland

In unserer bundesweiten Karte findest du kompetente und fachkundige Auffangstationen hoffentlich auch in deiner Nähe, die dir bei einem Wildvogelfund mit Informationen weiterhelfen oder sogar den gefundenen Vogel aufnehmen können.

Eine veterinärmedizinische Versorgung ist in den Stationen oftmals nicht möglich. Wenn du aus diesem Grund eine Tierarztpraxis konsultieren willst, beachte, dass auch Tierärzt*innen nicht immer über die notwendigen Fachkenntnisse zu Wildtieren, insbesondere zu Mauerseglern und anderen Kleinvögeln, verfügen. Daher raten wir, unbedingt vorher in der Praxis anzurufen und im Vorfeld zu klären, ob ein Vogel zum Beispiel nach Glaskollision oder Katzenbiss fachkundig versorgt werden kann.

Eine weitere umfangreiche Liste mit Auffangstationen nach Postleitzahlen sortiert findest du auf der Seite der Wildvogelhilfe.

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Wichtige Information

Bitte beachte, dass in den aufgeführten Auffangstationen oft ehrenamtliche Arten- bzw. Tierschützer*innen arbeiten, die sich in ihrer Freizeit um verletzte Tiere kümmern. Ein Anspruch auf oder eine Garantie für die Aufnahme der Tiere besteht daher nicht. Nicht alle auftretenden Probleme können durch die ehrenamtlichen Helfer*innen gelöst werden. Auch sind die Stationen stark von den personellen Ressourcen und der finanziellen Ausstattung abhängig. Zum Teil gibt es sogar Auflagen von Veterinärbehörden, was die Aufnahmekapazitäten einer Station betrifft. Insofern ist es meist keine Frage des Wollens, wenn ein Tier nicht aufgenommen oder gepflegt werden kann, sondern eher ein „Wir können beim besten Willen nicht“. Hierfür bitten wir um Verständnis.

Einige der Auffangstationen handeln zudem nicht im Auftrag des NABU und sind für den Zustand der Pflegeeinrichtung selbst verantwortlich. Sollten Verfehlungen gegen das Tier- oder Naturschutzgesetz beobachtet werden oder die Haltung der Tiere fragwürdig erscheinen, bitten wir um Nachricht.

Handaufzucht von Vögeln ist nur etwas für Profis

Die Aufzucht von Jungvögeln ist wirklich nur etwas für Expert*innen, wenn der Vogel überleben und später wieder ausgewildert werden soll. Deshalb ist es in den meisten Fällen am besten, erst einmal abzuwarten, ob sich die Elterntiere an der Fundstelle weiter um den Jungvogel kümmern. Ausnahmen: Mauersegler und Nestlinge. In diesen Fällen benötigen die Tiere auf jeden Fall Hilfe.

Wenn du dich dafür entscheidest, den Vogel mitzunehmen, bringe ihn in einer dunklen, reizarmen Umgebung unter, zum Beispiel in einem luftdurchlässigen Karton in einer passenden Größe. Spritze ihm auf keinen Fall Wasser in den Schnabel, der Vogel könnte ersticken. Informiere dich auf den Seiten der Wildvogelhilfe.org, wie du nun am besten vorgehst:

Konnten wir dir helfen?

Viele NABU-Aktive kümmern sich in Auffangstationen um verletzte Wildvögel oder beraten Menschen, die einen hilflosen Vogel gefunden haben und uns um Rat fragen. Unterstütze mit deiner Spende den Schutz der Wildvögel!

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Wildvogel gefunden – mehr Hintergrundinformationen

Jedes Jahr zur Brutzeit häufen sich Fundmeldungen über „verwaiste“ Jungvögel oder auch erwachsene Vögel, die scheinbar hilflos oder verletzt auf dem Boden sitzen, und von Spaziergänger*innen, die es eigentlich gut meinen, fälschlicherweise mitgenommen werden.

Wichtig ist, dass die Finder*innen eines Vogels Ruhe bewahren, besonnen die Situation beurteilen und sich möglichst fachkundigen Rat einholen, bevor sie handeln.

Bei akuter Gefahr eingreifen und den Vogel an einen sicheren Ort tragen

  • Sitzt ein Vogel beispielsweise auf einer befahrenen Straße oder lauert eine Katze in der Nähe, sollte man das Tier wegtragen und an einem geschützten Ort, maximal 20 Meter vom Fundort entfernt, wieder absetzen, zum Beispiel in ein Gebüsch oder auf eine Grünfläche.
  • Anfassen ist übrigens kein Problem, Vögel stören sich im Gegensatz zu manchen Säugetieren nicht am menschlichen Geruch. Jungvögel werden daher auch nach dem Umsetzen wieder von den Alttieren angenommen und versorgt.
  • Droht jedoch keine unmittelbare Gefahr, lass den Vogel am besten erst einmal an Ort und Stelle.

Erwachsene Vögel, die auf dem Boden sitzen und nicht wegfliegen oder -hüpfen, brauchen meistens Hilfe

  • Sind keine äußeren Verletzungen erkennbar, könnte der Vogel dennoch gegen eine Scheibe geflogen sein. Manchmal erholen sich die Vögel nach einiger Zeit von allein, oft sind die inneren Verletzungen jedoch zu groß und er stirbt wenig später. Auch Verletzungen durch Katzenbisse sind äußerlich nicht immer sichtbar, machen aber oft eine Antibiotika-Behandlung notwendig. Sitzt der Vogel lange an einer Stelle, ist aufgeplustert oder hat mandelförmige Augen, benötigt er in der Regel Hilfe.
Ein benommener Vogel ohne sichtbare Verletzungen könnte gegen eine Glasscheibe geflogen sein – hier ein Wintergoldhähnchen. Halbgeöffnete oder geschlossene Augen sind jedoch oft ein Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt© Foto: NABU/Oliver Nega
  • Was du tun kannst: Setze den Vogel in einen Karton mit Luftlöchern und einem mehrfach zusammengelegten Handtuch. Bitte gib ihm kein Futter. Auch darf niemals Wasser in den Schnabel eines Vogels gegeben werden, er könnte ersticken. Lass den Vogel ein bis zwei Stunden bei geschlossenem Karton im Freien in Ruhe. Wenn er sich nach einer Glaskollision erholt hat, kannst du ihn wieder freilassen. Zeigt der Vogel jedoch immer noch auffälliges und untypisches Verhalten, hol dir nach vorheriger Rücksprache zusätzliche Hilfe bei einer Tierarztpraxis, Tierklinik oder Auffangstation.
  • Bei sichtbaren Verletzungen (Blutungen, gebrochener Flügel etc.) versuche das Tier einzufangen, setze es in einen luftdurchlässigen Karton und bring es zur nächsten Auffangstation, in eine Tierklinik oder Tierarztpraxis. Bitte kontaktiere auf jeden Fall vorher die Station oder Praxis, ob sie dem Tier, speziell Kleinvögeln, helfen oder es aufnehmen können. Denn gerade während der Brutzeiten sind die Anlaufstellen häufig überlastet.

Befiederte Jungvögel lass zunächst am besten, wo sie sind

  • Der Anschein der Hilflosigkeit trügt häufig, denn die Jungen vieler Vogelarten verlassen ihr Nest bereits, bevor ihr Gefieder vollständig ausgebildet ist. Sie verteilen sich nach dem Verlassen des Nestes an verschiedenen Stellen des Gartens oder Wäldchens. So können nur einzelne Tiere, und nicht die gesamte Brut auf einmal, von natürlichen Feinden entdeckt werden.
Junge Blaumeise auf einem Weg.
Junger Blaumeisen-Ästling am Boden – in einem solchen Fall erst einmal gar nichts tun© Foto: NABU/Jan Piecha
  • Die fast flugfähigen Jungvögel stehen durch Standortlaute oder Bettelrufe noch mit ihren Eltern in Verbindung. Nur wenn Gefahr droht, bleiben sie stumm, deshalb ist genügend Abstand zur Fundstelle wichtig. Sobald der Mensch sich entfernt, werden sich die Elterntiere in den meisten Fällen wieder um ihren Nachwuchs kümmern. Dass es sich bei den Jungvögeln wirklich um verwaiste und nicht um „Scheinwaisen“ handelt, kann man durch längeres und vorsichtiges Beobachten aus einem Versteck, wie etwa hinter einer Fenstergardine, erkunden. Warte eine, besser zwei Stunden ab, bevor du eingreifst.
  • Elterntiere suchen bis zu 24 Stunden lang nach ihrem Nachwuchs. Wenn du also einen gesunden Jungvogel doch versehentlich mitgenommen hast, kannst du ihn innerhalb dieser Zeit auch wieder an den Fundort zurückbringen. Die menschliche Berührung ist übrigens kein Problem bei Vögeln.
  • Ist der Jungvogel offensichtlich verletzt, bring ihn zur nächsten Auffangstation, in eine Tierklinik oder Tierarztpraxis. Bitte kontaktiere auf jeden Fall vorher die Station oder Praxis, ob sie dem Tier, speziell Kleinvögeln, helfen oder es aufnehmen können. Denn gerade während der Brutzeiten sind die Anlaufstellen häufig überlastet.

Warum Nestlinge immer deine Hilfe brauchen

  • Nestlinge haben noch kein wärmendes Federkleid und brauchen auf jeden Fall deine Hilfe, weil sie schnell an Auskühlung sterben können. Oft sind sie aus dem Nest gefallen oder das schützende Nest wurde zerstört. Die Eltern sind in diesem Fall nicht mehr in der Lage, sich um ihre Jungen zu kümmern oder sie zu wärmen.
  • Wenn du weißt, wo sich das zugehörige Nest befindet und Zugang hast, nimm den Nestling, setze ihn vorsichtig ins Nest zurück und beobachte es mit ausreichendem Abstand. Erst wenn du merkst, dass die Eltern sich nicht mehr um den Nestling kümmern, solltest du bei der nächsten Auffangstation um Rat fragen.
  • Weißt du nicht, wo das Nest sein könnte, bring den Nestling zur nächsten Auffangstation. Bitte kontaktiere auf jeden Fall vorher die Station oder Praxis, ob sie dem Tier, speziell Kleinvögeln, helfen oder es aufnehmen können. Denn gerade während der Brutzeiten sind die Anlaufstellen häufig überlastet. Achte beim Transport darauf, dass der Vogel genügend Wärme bekommt, aber nicht überhitzt. Nestlinge benötigen eine Temperatur von etwa 30° C. Im Zweifel wärme ihn anfangs in deinen Händen. Idealerweise setze ihn dann in einen Karton mit einem zusammengerollten Handtuch und einer Wärmequelle, zum Beispiel einer Wärmflasche oder einem Taschenwärmer darunter.
  • Nur wenn du dich wirklich auskennst mit der Wildvogelaufzucht, nimm den Nestling mit nach Hause, um ihn mit der Hand aufzuziehen.

Um welche Vogelart handelt es sich?

  • Das ist eine wichtige Information, um dem Vogel die richtige Hilfe geben zu können oder die Situation richtig einzuschätzen. Auch wenn du bei einer Auffangstation oder einer Tierarztpraxis um Rat fragen willst, müssen die dortigen Expert*innen wissen, um was für eine Vogelart es sich handelt.
  • Zur Bestimmung der Vogelart kannst du zum Beispiel die NABU-Vogel-App nutzen oder auch die Abbildungen auf der Internetseite der Wildvogelhilfe.
Hand mit Smartphone, Bildschirm zeigt die NABU-App Vogelwelt.

Einzigartige Fotos und Bestimmungsfunktion

NABU-App „Vogelwelt“

Bestimmen, vergleichen und melden: Die NABU-App „Vogelwelt“ lädt mit Fotos und ausführlichen Infos ein, die Vogelarten in Deutschland kennenzulernen.

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Bei Gefahr für dich selbst solltest du Polizei oder Feuerwehr eingeschalten

  • Immer wenn Leib und Leben von Menschen durch eine Rettung gefährdet wäre, zum Beispiel bei einer Rettungsaktion eines Wildvogels, der an einer Schnur im Baum hängt, oder wenn ein Höckerschwan auf einem Gewässer festgefroren ist, verständige die Polizei oder Feuerwehr.
  • Bei einer Stockentenfamilie, die im Stadtzentrum eine Straße überqueren möchte, kann die Polizei zum Beispiel den Straßenverkehr regeln, um zu vermeiden, dass die Küken oder die Entenmutter überfahren werden. Wenn du einem verletzten Tier auf einer Autobahn helfen möchtest, solltest du auch in diesem Fall die Polizei benachrichtigen. Anzuhalten ist auf Autobahnen verboten und extrem gefährlich.
Stockente mit Küken© Foto: Mathias Schäf

Wildvögel einfach mitnehmen – darf ich das überhaupt?

  • Grundsätzlich nein. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet das. Das gilt für besonders geschützte Arten, und somit für sämtliche europäische Vogelarten. Einige Vogelarten sind sogar streng geschützt, genießen also einen noch höheren Schutzstatus. Je nach Bundesland können Vogelarten aber auch unter das Jagdrecht fallen, für sie gelten diese strengen Vorgaben nicht.
  • Allerdings dürfen verletzte Tiere oder verwaiste Jungvögel zur Pflege oder Aufzucht vorübergehend mitgenommen werden. Sind die Tiere wieder gesund, müssen sie unverzüglich wieder in die Freiheit entlassen werden.

Der Grund für diese strengen Regelungen: Gesunde Jungvögel, die mit nach Hause genommen werden, haben selbst bei fachgerechter Pflege deutlich schlechtere Überlebenschancen als in der Natur. Die elterliche Fürsorge in der Naturaufzucht kann niemals ersetzt werden, so dass die Handaufzucht immer nur die zweitbeste Lösung ist. Nur bei deutlich geschwächt wirkenden oder wirklich verwaisten Vögeln ist die Handaufzucht zu empfehlen, wie auch in Fällen, in denen durch Unwetter, Baumaßnahmen oder dergleichen der Nistplatz zerstört ist.

Um eine tiergerechte Aufzucht zu gewährleisten und auch die Fehlprägung auf den Menschen zu vermeiden, die eine spätere Wiederauswilderung nahezu unmöglich macht, sollten wirklich hilfsbedürftige Jungvögel nach Möglichkeit in eine anerkannte Auffang- oder Vogelpflegestation gebracht werden. Diese können bei den Gruppen des NABU, den Naturschutzbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte, Zoologischen Gärten oder auch bei Tierarztpraxen oder Tierschutzvereinen erfragt werden.

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