NABU.de NABU Die Naturschutzmacher Personenportraits Markus Rotzal

Hoch hinaus für den NABU

Hoch hinaus für den NABU

NABU-Podcast und Portrait eines Naturschutzmachers in luftiger Höhe

Markus Rotzal
Markus

Alter: 27
Arbeitsschwerpunkt: Baumpflege und Jugendarbeit
Heimat: Haan (Nordrhein-Westfalen)
Beruf: Lehramtsstudent

Nicht weit weg von Düsseldorf liegt das Haupteinsatzgebiet von Markus Rotzal. Entlang der Düssel, dem kleinen Fluss, der der Stadt ihren Namen gab, fahren wir mit dem 27-jährigen Naturschützer aus Leidenschaft über zugefrorene Straßen. Das Auto kommt ins Stottern. Noch ist nicht sicher, ob es der Kleinwagen über die Schnee- und Eisdecke schaffen wird oder ob wir stecken bleiben. Markus bleibt ruhig. „Hatte ich schon gesagt, dass es mit mir nie langweilig wird?“ Er lacht. Wir glauben ihm sofort.

Der große, sportliche Rheinländer scheint immer in Aktion zu sein. „Ich bin am liebsten draußen, zusammen mit anderen Menschen. Ich mache alles, was hier in der Region an Arbeit anfällt.“ Ob Baumpflegeeinsatz oder Jugendarbeit, Markus ist dabei. Bundesweit gibt er für den NABU Seminare zu Arbeitssicherheit und ist als Seilkletterer unterwegs. Außerdem ist er Beisitzer im Vorstand des NABU-Kreisverbandes Mettmann, Stadtbeauftragter der NABU-Gruppe Haan und für die NAJU ist er Vorsitzender vom Stadtjugendring und damit verantwortlich für die Jugendarbeit vor Ort. Und wie nebenbei studiert der Gärtner und Umwelttechnische Assistent Deutsch und Biologie auf Lehramt. „Das ist großartig! Was ich im Studium und zuvor in meinen Ausbildungen gelernt habe, konnte ich oft direkt anwenden.“


„Letztes Jahr habe ich mit einer Schulklasse einen Teich angelegt. Das war das Tollste, was ich in Sachen Naturschutz je gemacht habe. Ich habe vom ersten bis zum letzten Schritt alles selber organisiert. Anträge geschrieben, in meiner alten Schule nach Helfern gefragt, den Arbeitseinsatz mit den Jugendlichen vorbereitet und geleitet. Dabei zu sein, wie aus einer total verbuschten Ecke innerhalb von nur drei Wochen ein Teich entstand, war unglaublich beeindruckend!“ Das neue Feuchtbiotop liegt in einem alten Steinbruch. „Früher war dort schon einmal ein Teich. Das weiß ich noch genau. Da habe ich als Kind oft Molche und Kröten beobachtet.“ Für die Amphibien soll dank des Teiches der Kalksteinbruch als Lebensraum wieder attraktiver werden. Markus hofft vor allem, dass die so selten gewordenen Geburtshelferkröten und Kreuzkröten sich in dem neuen Areal ansiedeln wird.

Geburtshelferkröte

Die gefährdete Geburtshelferkröte findet in Kleingewässern von Steinbrüchen geeignete Lebensräume.

Wie er zum Naturschutz kam, daran erinnert sich Markus Rotzal noch ganz genau. „ Natur hat mich schon immer fasziniert, ich war schon als Kind nur draußen. Eines Tages in der 5. Klasse, kam ein NABU-Aktiver in unseren Unterricht und hielt einen Vortrag über Amphibienwanderung. Ich war sofort Feuer und Flamme. Am Ende fragte er, ob jemand von uns Lust hätte, ihn auf einem Arbeitseinsatz zu begleiten. So fing alles an. Erst half ich ihm Krötenzäune aufzustellen und Gras zu harken. Mit 17 übernahm ich dann meine erste eigene Jugendgruppe.“

2003 wurde Markus Rotzal auf einen vollkommen neuen Arbeitsbereich aufmerksam. Im Internet las er von Baumpflegern, die mit Seilen Bäume hochkletterten, um dort, in den entlegensten Wipfeln, die Tierwelt zu untersuchen. „Ich dachte sofort: Das muss man für den NABU nutzen.“ Auf der Stelle belegte er einen Lehrgang in Seilklettertechnik und seitdem sind die Baumkronen rund um das Düsseltal sein zweites Zuhause. „Damals war das noch ganz schön exotisch, aber inzwischen gibt es mehrere Kletterer.“ Seine Augen leuchten, wenn er von der „Welt da oben“ berichtet. „Man glaubt gar nicht, was es dort alles gibt. Es ist eine eigene kleine Welt, die uns hier unten verborgen bleibt. Das zu erleben ist unglaublich.“

Kletter-Podcast
Markus Baumklettern

Mehr über Markus Rotzals Kletterkünste erfahren Sie im NABU-Podcast. Viel Spaß beim Reinhören.

Weit über unseren Köpfen untersucht er Fledermausquartiere und die Bruterfolge von Turmfalken, deren Nester in ansonsten unerreichbarer Höhe liegen. Aber er ist auch zur Stelle, wenn tote Äste aus den Kronen entfernt werden müssen. Dann reist er an mit einem großen Koffer voller Karabinerhaken und Seilen in allen möglichen Farben und Dicken. Zunächst muss er sein Kletterseil, an dem er später in die Höhe krackselt in den Baum bringen. Das erfordert einige Konzentration, denn das Seil an der falschen Stelle anzubringen oder es mit einem schlecht geformten Knoten zu sichern, kann lebensgefährlich sein. Ist das Kletterseil fest, steigt Markus in einen breiten Ledergürtel, an dem allerhand weitere Seile, Karabiner aber auch Messer und Sägen befestigt sind. Dann beginnt der Aufstieg. Mit seinem roten Overall und der gelben Schutzbrille erinnert er ein bisschen an einen Comic-Helden. In wenigen Minuten ist er auf 20 Meter Höhe und klettert leichtfüßig an den Ästen entlang. Das sieht von unten ganz schön gefährlich aus. „Aber wirklich gefährlich ist das nicht.“ Manchmal nimmt er Kinder mit nach oben, um sie in die kleine Welt über unseren Köpfen einzuführen. „Leute für die Natur zu faszinieren ist etwas sehr Schönes“ findet Markus und ist schon wieder unterwegs. (juko)

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