NABU.de Aktionen & Projekte Vogel des Jahres 2005 - Der Uhu Steckbrief

Steckbrief

Gesucht: Der Uhu

Die Gattung Bubo umfasst in Europa zwei Arten: Den namensgebenden europäischen Uhu (Bubo bubo) und die nordeuropäische Schneeeule. Letztere wird erst seit kurzem aufgrund genetischer Untersuchungen als Bubo scandicus in eine Gattung mit dem Uhu eingeordnet.

Name
Das deutsche "Uhu" ist lautmalerisch vom zweisilbigen Balzruf des Uhus abgeleitet, ebenso die lateinische Artbezeichnung "Bubo" und die meisten mundartlichen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum (Bubu, Schuhu etc.).

Kennzeichen
Schon seine Größe von an die 70 cm und bis zu 180 cm Spannweite, der massige Körper und der dicke Kopf machen den Uhu fast unverwechselbar. Mit seinem in hellen und dunklen Brauntönen gemusterten Gefieder ist er trotz seiner Größe im Wald und selbst am Brutplatz bestens getarnt. Der weiße Kehlfleck ist nur bei rufenden Tieren sichtbar.

Lautäußerungen
Im großen Lautrepertoire des Uhus ist am bekanntesten der weittragende Balzgesang: das zweisilbige "buhoo" des Männchens und das hellere "uhju" des Weibchens. Als Alarmruf wird ein graureiherähnliches "gräck" ausgestoßen. Jungvögel betteln ab einem Alter von vier bis fünf Wochen mit lautem, heiseren Schnarren.

Nahrung
Der Uhu ist Nahrungsopportunist: Sein Beutespektrum reicht von Feldmäusen, Ratten und Igeln über Kaninchen und Feldhasen bis zu Vögeln von Singvogel- bis Bussardgröße. Gelegentlich werden sogar Fische oder Amphibien erbeutet.

Brutbiotop
Der Uhu ist in Mitteleuropa überwiegend Felsbrüter. Steinbrüche sind ein wichtiger Sekundärlebensraum. Baum- und vor allem Bodenbruten kommen ebenfalls regelmäßig vor, wo Brutmöglichkeiten an Felsen fehlen, regional auch gehäuft, zum Beispiel in Schleswig-Holstein.

Fortpflanzung
Die Paarbildung erfolgt während der Herbstbalz im Oktober und November. Bruten werden meist im März, zum Teil auch schon im Februar begonnen. Nach 34 Tagen Brut schlüpfen ein bis drei, in seltenen Fällen auch vier oder gar fünf Jungvögel.

Entwicklung der Jungvögel
Die Jungvögel sind mit etwa zehn Wochen flugfähig, verlassen den Horst aber bereits Wochen zuvor und zerstreuen sich in der Umgebung des Brutplatzes. Auch nach dem Flüggewerden werden die Jungvögel noch lange versorgt, bis sie im August schließlich selbstständig sind.

Wanderungen
Der Uhu ist in Europa Standvogel und gilt als äußerst standorttreu. Auch die Jungvögel wandern meist nur 50 bis 80 km ab.

Lebensraum
Der Uhu besiedelt als Offenlandjäger offene, reich gegliederte Kulturlandschaften mit einem kleinräumigen Mosaik aus verschiedenen landwirtschaftlichen Nutzungsformen, Heckenzügen und Feldgehölzen. Ausgedehnte Waldgebiete und Agrarsteppen werden gemieden.

Bestand und Verbreitung
Das Brutareal des europäischen Uhus reicht von Südwesteuropa und Nordafrika über den europäischen Kontinent ostwärts bis nach Sibirien, in den Nahen Osten, Südindien und Südchina. Deutschland beherbergt derzeit etwa 850 Uhupaare. Verbreitungsschwerpunkte sind die Mittelgebirge Süd- und Westdeutschlands, die Alpen und Schleswig-Holstein.

Bestandsentwicklung
Seit dem Bestandstief Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich der Uhu (ausgehend von Bayern, Thüringen und Sachsen und unterstützt durch Wiederansiedlungsprojekte) wieder auf fast ganz Deutschland ausgebreitet. Sein Bestand gilt als stabil und insgesamt sogar noch leicht zunehmend. Regional, beispielsweise in Teilen Bayerns, gibt es in jüngerer Zeit allerdings auch gegenläufige Tendenzen.

Gefährdung
Der Bestand des Uhus kann noch nicht als gesichert gelten: Noch ist er von der Fortführung der intensiven Schutzmaßnahmen abhängig. Neben der Verfolgung durch den Menschen, die heute keine entscheidende Rolle mehr spielt, gibt es folgende Hauptgefährdungsursachen:

Hauptgefährdungsursachen

  • Verluste durch Stromschlag und Leitungsanflug an ungesicherten Mittelspannungstrassen

  • Störungen an den Brutplätzen, z.B. durch Klettersportler

  • der Verlust wichtiger Sekundärlebensräume in Steinbrüchen durch Verfüllung

  • vermutlich auch Verschlechterungen des Nahrungsangebots durch Nutzungsveränderungen in der Agrarlandschaft

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