Für sichere Zugwege

Vogelschutz weltweit

Auf ihren Reisen werden Zugvögel getötet oder finden nicht genügend Rastplätze. Entsprechend wichtig ist ein möglichst umfassender und koordinierter Schutz. Der NABU setzt sich gemeinsam mit Partnern im BirdLife-Netzwerk für sichere Zugwege ein.
Fliegende Kraniche
Kraniche© Foto: Klemens Karkow

Der Vogelzug ist ein riskantes Unterfangen: Zu den natürlichen Gefahren durch Wetter und Fressfeinde kommen menschengemachte. Durch immer mehr Straßen, Gebäude und Felder finden Zugvögel kaum noch geeignete Rast- und Nahrungsplätze. Zudem werden jedes Jahr Millionen von Vögeln gejagt – legal und illegal. Stromleitungen, Windkraftanlagen und Glasfassaden bergen zusätzliche Unfallgefahren.

Doch nicht nur die Reise ist gefährlich: Auch in ihren Brut- und Überwinterungsgebieten verschlechtern sich die Lebensbedingungen für Zugvögel – oft als Folge der Klimakrise. Das alles führt dazu, dass heute die Hälfte aller Zugvogelarten gefährdet oder in ihrem Bestand rückläufig ist. „Deshalb reicht es nicht aus, nur die Brutgebiete zu schützen. Wir müssen die Zugvögel auch auf ihrer Reise und in ihren Winterquartieren unterstützen – nur so können wir sie dauerhaft bewahren“, sagt NABU-Zugvogelschutzexpertin Vera Brust.

Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet der NABU mit zahlreichen Partnern im weltweiten BirdLife-Netzwerk zusammen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem afrikanisch-eurasischen Zugweg, der sich von der Arktis bis nach Südafrika erstreckt und in Deutschland brütende und durchziehende Arten einschließt. Etwa zehn Prozent der hier ziehenden Arten sind derzeit vom Aussterben bedroht. Aber auch der benachbarte zentralasiatische Zugweg von Sibirien bis nach West- und Südasien steht im Fokus.

Singvögel als Delikatesse

Die illegale Jagd auf Vögel ist nach wie vor ein großes Problem. Weltweit fallen nach Schätzungen von BirdLife International jährlich 25 Millionen Vögel der Wilderei zum Opfer. Die Motive sind sehr unterschiedlich. Auf Malta ist die Jagd ein gesellschaftlich hoch angesehenes Hobby, auf Zypern gelten Singvögel als Delikatesse. In Tansania werden die Tiere erst vergiftet und dann gegessen oder verkauft. Hier trägt die Wilderei zum Lebensunterhalt bei. In diesen drei Ländern engagiert der NABU sich gemeinsam mit den lokalen BirdLife-Partnern seit Jahrzehnten für den Vogelschutz. Politische Arbeit für bessere Gesetze gehört ebenso dazu wie gezielte Aktionen gegen Wilderer vor Ort.

In den Ländern unterstützen unsere Partnerorganisationen die Polizei bei der Einhaltung geltender Gesetze, indem sie illegale Aktivitäten aufdecken und zur Anzeige bringen. Darüber hinaus engagieren sich unsere Partnerorganisationen in der Umweltbildung. Vor allem Kindern und Jugendlichen bringen sie die Vogelwelt nahe und setzen damit auf ein zukunftsorientiertes Umdenken in der Bevölkerung. „Es ist ein langfristig einzuordnender, auch politischer Kampf, die Erfolge sind klein und hart errungen. Aber es ist gerade deshalb so wichtig weiterzumachen“, sagt die Expertin.

Ein Kaiseradler. Der NABU erforscht den Östlichen Kaiseradler, um ihn wirkungsvoll schützen zu können.© Foto: Mathias Schäf

Schutz durch Wissen

Während die Folgen der illegalen Jagd offensichtlich sind, bleiben andere Ursachen für den Rückgang der Zugvögel oft im Dunkeln. „Entsprechend schwierig ist es, den richtigen Weg zu finden, um einzelne Arten besser zu schützen. Oft wissen wir gar nicht genau, was einzelne Zugvögel brauchen, um erfolgreich zu brüten, ausreichend Nahrung zu finden oder sicher zu reisen“, sagt Vera Brust.

Solche Informationen fehlen zum Beispiel bei der oft versteckt lebenden Bekassine, aber auch bei anderen Arten, die selten zu sehen und schwer zu beobachten sind. Dazu gehören der Kaiseradler an der mittleren Wolga oder der besonders gefährdete Löffelstrandläufer an der sibirischen Ostküste. „Zu diesen Arten forschen wir verstärkt, führen Zählungen durch, besendern einzelne Vögel oder stellen Nestkameras auf. Die neu gewonnenen Informationen helfen uns, die Bedürfnisse dieser Vogelarten besser zu verstehen. Je mehr wir wissen, desto besser können wir geeignete Schutzkonzepte entwickeln und umsetzen“, so die Biologin.

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Oft sind es spezielle Lebensräume, die aus unserer Landschaft immer weiter verdrängt werden und so den Rückgang der dort lebenden Vögel bedingen. Feuchtgebiete beispielsweise sind häufig betroffen. Der NABU setzt mit seinen Partnerorganisationen in Kenia, Ruanda und Tansania Maßnahmen zum Erhalt von Feuchtgebieten um. Das nützt sowohl dem lokal vorkommenden und stark gefährdeten Grauen Kronenkranich als auch Durchzüglern und Überwinterern aus unseren Breiten wie dem Weißstorch.

In Ruanda findet zudem eine Wiederbewaldung mit heimischen Baumarten statt, damit Kraniche und andere Vögel wieder ihre natürlichen Schlafplätze beziehen können. Auf Zypern konnten in der besonders von der Jagd geprägten Region Famagusta drei Hektar Land für den Zugvogelschutz gesichert werden. Die Fläche wird vom lokalen BirdLife-Partner als Rückzugsort für Zugvögel umgestaltet: Neu gepflanzte Büsche laden zum Ausruhen und Fressen ein, extra angelegte Teiche erfrischen rastende Durchzügler. Auf eigens angelegten Pfaden und in versteckten Unterständen sollen darüber hinaus künftig Schulklassen und Anwohner die Möglichkeit zur Vogelbeobachtung bekommen.

So trägt der NABU auf vielfältige Art und Weise zu einem nachhaltigen Schutz der Zugvögel bei. „Unsere Arbeit im internationalen Kontext basiert auf einem starken Netzwerk und einer engen Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen und Fachleuten vor Ort. Nur gemeinsam können wir unsere Zugvögel umfassend schützen und so ihre Bestände langfristig erhalten“, ist sich die Expertin sicher.

Britta Hennigs (aus „Naturschutz heute“ 2/2025)

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