Ins Nest geschaut: So wachsen die seltenen Greifvögel auf

Kaiseradler-Webcam

Kaiseradler sind faszinierende Greifvögel: Über unsere Webcam konnten wir in den vergangenen Jahren mehreren Kaiseradlerfamilien direkt ins heimische Nest schauen – von der Brut bis zur Aufzucht. Wir haben die schönsten Momente in unseren Tagebüchern zusammengestellt.
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Danke für sieben Jahre Kaiseradler-Webcam!

Seit 2019 konnten Kaiseradler-Fans jährlich in das Nest der seltenen Greifvögel schauen und viel über diese faszinierende Art lernen. Das Projekt konnte nun erfolgreich beendet werden.

Natürlich sind wir auch etwas wehmütig: Denn gemeinsam mit euch waren wir live dabei, als die ersten Küken geschlüpft sind, sich zu stattlichen Jungvögeln entwickelt haben und schließlich die ersten Flugversuche unternommen wurden. Auf dieser Seite haben wir euch deshalb die Tagebuch-Einträge der letzten Jahre zusammengestellt. Sie geben Einblicke in jede einzelne spannende Brutsaison der Kaiseradler-Webcam.

Vielen Dank für das große Interesse an der Kaiseradler-Webcam in den vergangenen Jahren!

Tagebuch-Rückblick 2025

4. August – Erstes Probetraining der jungen Kaiseradler 
Webcam Sengileewskij-Gebirge

Wer sitzt denn da auf einem Ast, der aus dem Nest herausragt und spannt immer wieder seine Flügel auf – ganz so, als würde er gleich abheben? Ist das etwa einer unserer jungen Kaiseradler, aus dem sich in den letzten Monaten ein stattlicher Jungvogel entwickelt hat? Exakt!

Die ersten Probe-Flugtrainings sind im vollen Gange und bald verlassen die beiden Kaiseradler das Nest für kurze Ausflüge. Oft werden die Adler dann noch auf den Ästen in der Nähe verweilen und dort ihren Blick schweifen lassen, wo sie von unserer Webcam nicht mehr erfasst werden. Diese Privatsphäre sei ihnen vergönnt! 

Und noch etwas ist neu bei unseren Webcam-Kaiseradlern: Die beiden wurden auf Senya und Gelya getauft. Wann die zwei jungen Adler endgültig ihr Nest verlassen, lässt sich nur mutmaßen. Vieles deutet darauf hin, dass es schon in einem Monat so weit sein könnte. Aber solange schauen wir Senya und Gelya bei ihren Probeflügen zu. Die Trainings-Sessions wirken in jedem Fall schon sehr professionell. Viel Erfolg bei euren ersten Ausflügen!

15. Juli – Die Jungadler wachsen heran
Webcam Sengileewskij-Gebirge

In den letzten Wochen haben die beiden Kaiseradlerküken eine rasante Entwicklung durchgemacht. Kaum zu glauben, wie schnell aus den kleinen, flauschigen Nestlingen kräftige Jungvögel geworden sind! Ihr Gefieder bildet sich weiter aus. Und sicher dauert es auch nicht mehr lang bis die ersten Flugstunden ins Haus – oder besser gesagt: ins Nest – stehen.

Dass sich die beiden jungen Kaiseradler so gut entwickelt haben, ist vor allem ein Verdienst der beiden Adlereltern. Sie haben in den letzten Wochen ganze Arbeit geleistet und sorgen weiterhin für ausreichend Futter.

Wer einen Blick ins Nest wirft, erkennt sofort: Es wird enger im Nest. Die beiden Jungadler drängen sich dicht aneinander und nutzen jede freie Ecke zwischen den Ästen. Trotzdem zeigen sie sich gelassen und wirken neugierig auf das, was sie draußen erwartet. Immer häufiger sieht man sie am Rand des Nestes sitzen und aufmerksam die Umgebung beobachten – auch das ein deutliches Zeichen dafür, dass sie demnächst bereit für die ersten kurzen Ausflüge sein werden.

Wir sind gespannt, wie sich die beiden Adler in den kommenden Wochen weiterentwickeln und geben hier natürlich weiterhin Einblicke. 

23. Juni – Licht und Schatten im Adlerhorst – Abschied vom dritten Küken
Webcam Sengileewskij-Gebirge

In diesem Frühjahr durften wir ein seltenes Naturwunder miterleben: Im Nest von Arbuga und Belogor schlüpften drei Kaiseradler-Küken – ein Ereignis, das selbst unter Fachleuten als außergewöhnlich gilt. Doch die Natur folgt ihren eigenen Gesetzen –oft faszinierend, manchmal schmerzhaft.

Leider hat das jüngste der drei Küken den Kampf ums Überleben verloren. Schon seit einiger Zeit war es sichtbar schwächer als seine Geschwister. Nun liegt alle Hoffnung auf den beiden verbliebenen Jungvögeln, die sich bislang tapfer schlagen und hoffentlich gesund heranwachsen.

Solche Verluste mitansehen zu müssen, fällt schwer – und doch sind sie Teil des natürlichen Kreislaufs. Gerade in Schutzgebieten und bei streng geschützten Arten wie dem Kaiseradler ist ein menschliches Eingreifen verboten, denn das Gleichgewicht der Natur lässt sich nicht künstlich herstellen.

Die diesjährige Brutsaison stellt für die Adlerfamilie eine große Herausforderung dar: Wechselhaftes Wetter mit Schnee, Stürmen und plötzlicher Hitze, dazu ein knappes Nahrungsangebot. Sogar ein Fisch fand den Weg ins Nest – eine eher ungewöhnliche Beute für Kaiseradler und Ausdruck der mühevollen Suche der Altvögel nach Nahrung.

Diese Momente erinnern uns daran, wie zerbrechlich das Leben im Adlerhorst – und in der Natur insgesamt – ist. Umso wichtiger ist es, Lebensräume zu erhalten, Rückzugsorte zu schützen und der Natur ihren Lauf zu lassen, auch wenn das manchmal bedeutet, stille Zeugen von Verlusten zu sein.

2. Juni – Nachwuchs im Kaiseradlernest: Drei Küken! 
Webcam Sengileewskij-Gebirge

In den letzten Tagen war die Webcam-Kamera vorübergehend außer Betrieb. Wir konnten nur mutmaßen, was im Kaiseradlernest vor sich geht und geduldig warten. Aber die Geduld hat sich gelohnt. Und wie!  

Die Webcam funktioniert wieder und voilà: Drei sich eng aneinanderschmiegende Küken sind in der Zwischenzeit im Nest eingezogen. Herzlich willkommen, ihr drei! Nach unseren Berechnungen müssten sie jetzt ein bis zwei Wochen alt sein.  

Heute Nachmittag wirkten zwei der frisch geschlüpften Küken putzmunter und agil. Immer wieder reckten sie ihre Köpfe in alle Himmelsrichtungen. Ist schließlich spannend, so ein Leben in der Baumkrone! 

Das dritte Küken zeigte weniger Regung. Die nächsten Tage werden zeigen, ob es sich wie seine Geschwister gut entwickeln kann. Denn für einen guten Start ins Leben muss die Nahrung reichen. Außerdem stürmt es gewaltig. Da ist es gut, dass die Eltern – wenn sie nicht gerade Beute ins Nest bringen – Wärme spenden und ihren Nachwuchs vor dem rauen Wind schützen.

Wir drücken der jungen Kaiseradlerfamilie die Daumen für die nächsten Tage und Wochen! 

17. April 2025 – Und plötzlich sind es drei!
Webcam Sengileewskij-Gebirge

Was für eine schöne Überraschung so kurz vor dem Osterwochenende: Heute haben wir im Nest von Belogor und Arbuga ein drittes Ei entdeckt! Ganz unbemerkt hat Arbuga nachgelegt und damit die Spannung noch weiter erhöht.Wir freuen uns schon jetzt auf den Nachwuchs.

14. April 2025 – Es bleibt spannend: Ein zweites Ei im Kaiseradlernest!
Webcam Sengileewskij-Gebirge

Das Wochenende hat eine schöne Überraschung gebracht: Arbuga hat ein zweites Ei gelegt! Damit wächst die Vorfreude weiter – nicht nur bei uns, sondern sicher auch bei Belogor, der weiterhin fleißig für Ordnung und Versorgung im Nest sorgt.

Und weil wir wissen, wie neugierig ihr seid: Bei einer Brutzeit von rund 43 Tagen rechnen wir damit, dass der erste Nachwuchs um den 22. Mai, das zweite Küken dann etwa am 25. Mai schlüpfen wird. Bis dahin bleibt es spannend – wir drücken fest die Daumen, dass alles gut verläuft.

11. April 2025 – Sie sind wieder da: Die Kaiseradler-Brutsaison hat begonnen
Webcam Sengileewskij-Gebirge

Die Freude ist riesig! Ende März wurden die beiden Kaiseradler Belogor und Arbuga zum ersten Mal in dieser Saison in ihrem Nest gesichtet. Während das Weibchen Arbuga das neue Zuhause begutachtete, machte sich Belogor sofort an die Renovierung – schließlich sollte das Nest perfekt vorbereitet sein. Schon das war ein klares Zeichen dafür, dass die Brutsaison kurz bevorsteht. Außerdem hat sich der fürsorgliche Belogor in den letzten Wochen um die Zufütterung von Arbuga gekümmert.

Der Aufwand hat sich gelohnt: Am 9. April hat Arbuga ihr erstes Ei gelegt. Das ist etwas früher als in den Vorjahren und freut uns sehr. Denn was gibt es Schöneres als rund um die Osterferien immer mal wieder einen Blick in unser Kaiseradlernest zu werfen und sich auf den gefiederten Nachwuchs zu freuen? Bis dahin liegt noch viel Care-Arbeit vor dem Kaiseradlerpaar. Schließlich muss die Ausbrütung gut gemanagt werden. Aber das trauen wir den beiden Adlern mehr als zu. 

Wir sind gespannt, wie es im Nest von Belogor und Arbuga weitergeht und freuen uns, dass unsere Kaiseradler-Webcam wieder auf Sendung ist. Viel Spaß beim Einschalten!

Noch mehr Webcam-Rückblicke

NABU hat den Östlichen Kaiseradler erforscht

Das steckt hinter dem Projekt

Die Uljanowsk-Region an der Wolga ist eines der wichtigsten Brutgebiete für den seltenen Östlichen Kaiseradler. Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir uns für den Schutz der majestätischen Vögel eingesetzt. Um wirksame Schutzmaßnahmen planen zu können, wurden ihre Zugwege und das Brutverhalten verfolgt.

Östliche Kaiseradler sind weltweit bedroht. Mit der Abholzung vieler Kiefernwälder haben die Kaiseradler Nistmöglichkeiten verloren. Durch die Umstellung der landwirtschaftlichen Nutzung ist die Zahl der Beutetiere zurückgegangen. Dadurch nahmen die Bestände der Kaiseradler in den letzten 30 Jahren stark ab. Heute wird der europäische Gesamtbestand auf 1.100 bis 1.600 Brutpaare geschätzt. Die Uljanowsk-Region ist ein wichtiges Brutgebiet für die Art. Hier leben 450 Tiere, womit die Region eine der größten Kaiseradler-Populationen Europas birgt und als Verbreitungszentrum der Art in Russland gilt.

Der NABU hat den Östlichen Kaiseradler erforscht, um ihn besser und wirkungsvoll schützen zu können. Dafür haben die Kolleg*innen 2018 zehn Kaiseradler mit kleinen Rucksack-Sendern ausgestattet, um ihre unterschiedlichen Migrationsrouten genau verfolgen zu können. Es handelte sich um neun junge Vögel und ein älteres Tier. Nun sind die Vögel in der Wolga-Region angekommen. Die älteren Tiere flogen als erste zurück in ihre Brutgebiete. Im Gebiet Uljanowsk ist es als erstes gelungen, eines der 130 bekannten Kaiseradler-Nester mit einer Webcam auszustatten. Die Ankunft, Brut und Jungenaufzucht konnten hautnah und rund um die Uhr verfolgt werden.

Das Projekt „Erforschung und Erhaltung der Kaiseradler“ wurde vom NABU in Zusammenarbeit mit dem nichtstaatlichen Umweltzentrum NABU-Kavkaz und dem Russischen Vogelschutzbund und mit der Unterstützung der Stiftung NABU-International und der VGP-Stiftung durchgeführt.

Der NABU hat sich in der mittleren Wolga-Region für den Schutz der Artenvielfalt eingesetzt. Im Jahr 2010 begann er mit der Finanzierung des Programms „Schutz der Wolga-Population des Östlichen Kaiseradlers in der Region Uljanowsk“, welches damals vom regionalen Naturschutzministerium ins Leben gerufen wurde.

Die Leitung des Projektes wurde von Dr. Mikhail Korepov übernommen. In Zusammenarbeit mit dem Nichtstaatlichen Naturschutzzentrum „Kavkaz“ konnten die Greifvogelschutzmaßnahmen bis in die nördlichsten Gebiete der Wolga-Population der Kaiseradler ausgeweitet werden.

Einen Schwerpunkt der Artenschutzarbeit bildete der Fokus auf die Ausweitung von Schutzgebieten. Damit sollten die für den Naturraum typischen Steppen und Wälder bewahrt werden. Hier finden Kaiseradler in der offenen Vegetation noch viele Beutetiere und geeignete Brutmöglichkeiten. Zu den Erfolgen der ersten sieben Jahre des Artenschutzprogramms gehören die Ausweisung von 70 Schutzgebieten in der Region und die Umsetzung von Vogelschutzmaßnahmen an nahezu allen Stromleitungen.