Verlässlicher Partner im Kampf gegen Klimakrise
Der Biber – ein Multitalent im Ökosystem

Der Biber (Castor fiber) hat bereits vor Millionen von Jahren gelernt, die regenerationsfähigen Weichhölzer an Gewässern als Ressource zu nutzen, sowohl als Nahrung als auch als Baumaterialien. Mit einer Körperlänge von bis zu 130 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 36 Kilogramm ist er das größte Nagetier Europas. Sein Körper ist eher plump, gedrungen und kompakt gebaut, wodurch sich der Wärmeverlust im Wasser gering hält.
Charakteristisch für den Biber ist neben der Körpergröße vor allem sein platter Schwanz, der bis zu 40 Zentimeter lang sein kann und als Kelle bezeichnet wird. Sein dichtes, wasserabweisendes Fell schützt ihn vor Kälte, und die kräftigen Schneidezähne sind perfekt zum Nagen von Holz geeignet. Die Zähne sind mit einer dicken, orangenen, eisenhaltigen Schmelzschicht versehen, die ihn auch harte Stämme zerkleinern lassen.
Biber sind durch das Bundesnaturschutzgesetz in Deutschland streng geschützt und EU-weit durch die Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (Anhang II und IV) besonders und streng geschützt .

Treue Biber
Seine Ernährung ist rein pflanzlich. Im Sommer ernährt er sich von krautigen Pflanzen im Uferbereich, Wasserpflanzen, Rhizomen und frischen Trieben von Bäumen. Während der kargen Jahreszeit steigt er um auf Rinde, Knospen und Zweige von Laubbäumen, wodurch es häufig zu den bekannten Nagespuren am Gewässerrand kommt. Dadurch lässt sich schnell auf die Anwesenheit eines Bibers am Gewässer schließen.
Der Biber ist ein ausgezeichneter Schwimmer, und hat an den Hinterpfoten Schwimmhäute zwischen den Zehen. Er ist dämmerungs- und nachtaktiv und bleibt tagsüber in der Regel in seinem Bau verborgen. Der Eingang liegt stets unter Wasser, wodurch Biber vor Feinden geschützt sind. Ihre Burgen enthalten trockene Wohnkammern und werden von ihnen aus Ästen, Zweigen und Schlamm gebaut. Wo der Bau von Burgen nicht möglich ist, liegen ihre Wohnhöhlen häufig in Uferböschungen, deren Eingänge ebenfalls unter Wasser münden.
Biber leben monogam. Die Paarungszeit liegt im Winter (Januar bis März) und ihre Tragzeit beträgt etwa 105 Tage. Im Mai oder Juni bringen sie zwei bis vier Jungtiere zur Welt, die bei der Geburt behaart sind und bereits sehen können. Die Eltern kümmern sich intensiv um die Jungen, die erst nach etwa zwei Jahren selbstständig werden.

Lebensraum und Verbreitung
Historisch betrachtet war der Biber in Gesamtdeutschland verbreitet. Aufgrund intensiver Verfolgung war die Art Mitte des letzten Jahrhunderts nur noch in einem kleinen Bereich an der Mittelelbe zu finden. Biber waren in der Vergangenheit eine begehrte Beute aufgrund ihrer Pelze und als Nahrungsmittel. Mittlerweile ist die Art durch Schutzmaßnahmen und Wiederansiedlungsprojekte wieder weiter verbreitet und befindet sich auch weiterhin im Aufwärtstrend.
Als Lebensraum nutzt der Biber sowohl fließende als auch stehende Gewässer. Er gilt zudem als Charakterart großer Flussauen mit Weichholzauen und Altarmen – und verändert durch den Bau von Dämmen, Kanälen und Burgen ganze Fluss- und Bachlandschaften.
Biber zählen zu den wenigen Tierarten, die ihren Lebensraum nachhaltig selbst gestalten. Durch die Anlage von Staudämmen wird Wasser angestaut, wodurch die Wasserstände lokal erhöht und die Eingänge seiner Bauten (Burgen) gesichert werden. Manchmal verteilen seine Aktivitäten das Wasser neu in der Landschaft und lassen kleine Teiche entstehen oder leiten Abschnitte von Fließgewässern um. Dabei unterstützt er die natürlichen Prozesse in Auen und anderen Feuchtgebieten, die in der Vergangenheit vielerorts durch menschliche Eingriffe beeinträchtigt wurden. Wie lang der genutzte Flussabschnitt ist, ist dabei abhängig von der Lebensraumqualität und bemisst ein bis fünf Kilometer Uferstrecke. Meistens bewegt er sich dabei in einem Streifen bis 50 Meter Entfernung vom Ufer. Durch die geschaffene Strukturvielfalt sichert er den Lebensraum für viele andere wassergebundene Arten.

Förderung der Biodiversität
Biberlebensräume gehören zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas. Die Veränderung der Wasserverhältnisse lässt vernässte oder überstaute Bereiche und sogar Tümpel entstehen. So ergibt sich ein Mosaik aus vielfältigen Lebensräumen, die in der intensiv genutzten Kulturlandschaft selten geworden sind. Damit unterstützt der Biber nicht nur die Resilienz ganzer Ökosysteme, sondern trägt auch zur Wiederansiedlung und Ausbreitung vieler Arten bei und unterstützt die Renaturierungsabsichten der EU und Deutschlands.
Der Biber als Ökosystemleister
Die Klimakrise stellt Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Wasserwirtschaft vor tiefgreifende Herausforderungen. Extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Dürreperioden und sinkende Grundwasserstände verdeutlichen, dass die bisherigen Strategien im Umgang mit Wasser und Landschaft nicht mehr ausreichen. In dieser Situation kommt dem Biber eine zentrale Rolle zu. Als Schlüsselart und Ökosystemingenieur gestaltet er aktiv Landschaften, stellt Lebensräume wieder her, stabilisiert den Wasserhaushalt und bietet naturbasierte Lösungen für die drängendsten Herausforderungen der Klimaanpassung.
Von den festgesetzten Zielen der Wasserrahmenrichtlinie ist Deutschland noch weit entfernt, denn über 90 Prozent unserer Gewässer befinden sich nicht im guten ökologischen Zustand. Zusätzlich verlangen die Verpflichtungen aus der Wiederherstellungsverordnung der EU, die schrittweise Wiederherstellung von geschädigten Ökosystemen in einem konkreten Zeitrahmen. Bei diesen Herausforderungen nimmt der Biber eine zentrale Rolle ein und bietet eine kostenfreie Unterstützung dieser Ziele ohne langwierige, kostenintensive und aufwendige Genehmigungsverfahren:
Maßnahmen für ein konfliktfreies Miteinander
Überlappen sich vom Menschen genutzter Raum und Biberlebensraum, kann das zu Konflikten führen. Bewährte Maßnahmen ermöglichen jedoch ein konfliktfreies Nebeneinander. Wertvolle Bäume können durch fachgerechte Drahtzäunung oder das Auftragen von Schutzanstrichen gesichert werden. Biberdämme können mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde an kritischen Punkten reguliert werden.
Werden etwa Bauwerke oder Straßen durch den verringerten Wasserabfluss in Siedlungen beschädigt, muss vor Ort nach Lösungen gesucht werden. Darunter fallen beispielsweise der Einbau von Drainagerohren in den Damm oder als letztes Mittel auch das Entfernen von Staudämmen.
Geben wir dem Biber mehr Raum
20 bis 50 Meter breite ungenutzte Uferrandstreifen sind langfristig der beste Schutz für Biber, Fließgewässer und auch den Menschen. Geben wir dem Biber diesen Raum, ist er ein zentraler Akteur für naturbasierte Lösungen im Wasser- und Landschaftsmanagement. Konflikte entstehen zudem überwiegend dort, wo die Gewässer stark degradiert und in einem schlechten ökologischen Zustand sind.
Hinsichtlich der Auflagen durch die Wasserrahmenrichtlinie und die Wiederherstellungsverordnung der EU ist Deutschland ohnehin verpflichtet, an diesen Stellen etwas zu verbessern. Der Biber hilft dabei sogar mit und das kostenlos. Er ist häufig nicht das Problem – er ist ein Teil der Lösung, wenn wir lernen, mit ihm zu koexistieren.




