Aus der Naturschutz heute

Das Eichhörnchen im Porträt

Eichhörnchen sind bei uns sehr beliebt. Dazu tragen ihre koboldhafte Gestalt mit fingerartigen Zehen an den kurzen Vorderbeinen sowie ihre tollkühnen Kletterkünste und das Männchenmachen bei. Doch sie haben noch mehr Fähigkeiten, als nur niedlich zu sein.
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  • von Stefan Bosch
Rotes Eichhörnchen
Rotes Eichhörnchen© Foto: NABU/Marc Scharping

Im Haselnussstrauch raschelt und knabbert etwas. Dann huscht ein rotbraunes Tier davon, das gewandt über die Äste balanciert, zur Buche hinüberspringt und in rasantem Tempo am Stamm nach oben klettert. Der lange buschige Schwanz und die typische Gestalt lassen kein Zweifel zu, es war ein Eichhörnchen (Sciurus vulgaris).

Buschiger Schwanz als Bettdecke

Auf der Beliebtheitsskala von uns Menschen rangieren Eichhörnchen ganz oben. Dazu tragen sicher ihre koboldhafte Gestalt mit fingerartigen Zehen an den kurzen Vorderbeinen, ihre tollkühnen Kletterkünste und das Männchenmachen ebenso bei wie ihre scheinbar pausenlose Geschäftigkeit und mancherorts das futterzahme Verhalten an Spazierwegen.

Der mit 20 Zentimetern knapp körperlange, buschige und behaarte Schwanz ermöglicht ihnen ein Leben auf Bäumen, er fungiert als Balance-, Steuer- und Ruderhilfe. Daneben hat der Schwanz Aufgaben in der Kommunikation mit Artgenossen – und bei der Thermoregulation, denn er kann ein zusammengerollt liegendes Hörnchen komplett bedecken. 

Diese Eigenschaft findet im lateinischen Artnamen „Sciurus“ Ausdruck, was so viel bedeutet wie „der sich mit dem Schwanz beschattende“. Große Sprünge macht man natürlich nicht allein mit dem Schwanz. Kräftige Hinterbeine und scharfe Krallen sind ebenfalls nötig. Letztere gewähren auch den Halt für das Klettern kopfabwärts, einer Fähigkeit, die Eichhörnchen mit dem Jahresvogel Kleiber teilen.

Eichhörnchen mit dunklem Fell© Foto: Frank Derer

Die Felle der Eichhörnchen variieren stark. Neben dem immer weiß gefärbten Bauch reicht die Fellfarbe von hellem Fuchsrot bis zu Schwarz. Das Zwischenstadium weist einen schokoladenbraunen Rücken auf, der über Fuchsrot in den weißen Bauch übergeht. 

Schwarzes Fell ist länger, dichter und isoliert besser. Daher finden sich in höheren, feuchten und kühlen Lagen häufiger schwarze Tiere. Welchem Geschlecht ein „Eichkatzerl“ angehört, ist nicht auf Anhieb sondern nur aus der Nähe erkennbar. Bei Männchen sind außer in den sexuell inaktiven Herbstmonaten die Hoden erkennbar und Weibchen haben zum Stillen acht Zitzen.

Mahlzeit aus Früchten und Jungvögeln

Eichhörnchen leben vor allem von energiereichen Früchten und Samen. Besonders beliebt sind die von Buche, Eiche, Kiefer, Ahorn und Fichte, aber auch Kastanien und Nüsse. Daneben verschmähen sie auch Knospen, Blüten, Gallen, Pilze und tierische Kost nicht. Vor dem Winter fressen sich Eichhörnchen nur wenig Winterspeck an und verstecken stattdessen Nahrung in Depots, die sie bei Nahrungsengpässen plündern. Mit dem Verstecken tragen Eichhörnchen zur Verbreitung von Baum- und Straucharten bei. Nadel- und Mischwälder sind ein günstigerer Lebensraum als Laubwälder, deren zu Boden fallende Früchte auch andere Tiere nutzen. Hoch in Nadelbäumen hängende Zapfen müssen mit weniger Nahrungskonkurrenten geteilt werden.

Eichhörnchen treten selbst als Beutegreifer gegenüber Vogelarten in Erscheinung, deren Nester sie plündern. Wie stark sie dabei Einfluss nehmen, ist kaum untersucht. Und offenbar wird dem putzigen Pelztier das Nesterplündern weniger verübelt als anderen Tierarten.

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Eichhörnchen sind tagaktiv und halten keinen Winterschlaf. Im Sommer sind sie frühmorgens und nachmittags mit einer zwischengeschalteten mittäglichen Siesta unterwegs. Im Herbst wird ganztags Nahrung gesammelt und im kalten Winter sind sie je nach Wetter nur wenige Stunden aktiv. Eichhörnchens Streifgebiete sind in der Größe sehr variabel, je nach Lebensraum und Futterangebot. Im Winter sind sie kleiner, im Sommer können sie zig Hektar umfassen.

Kein Sommertag ohne Siesta

Zur Nachtruhe und zu regelmäßigen Mittagspausen ziehen sich die Hörnchen in Baumhöhlen und Kobel zurück, wie ihre Baumnester genannt werden. Diese gepolsterten Reisigkugeln haben 15 Zentimeter Innenraumdurchmesser. Einzelkobel beherbergen nur einen Benutzer, sogenannte Wurfkobel die Mutter samt Nachwuchs. Häufig haben Eichhörnchen mehrere Kobel in Gebrauch.

Eichhörnchenjunges© Foto: NABU/ Schleswig-Holstein

Paarungen finden ab Dezember, Januar bis in den Sommer statt. In dieser Zeit kann man leicht Zeuge wilder Jagden werden, bei denen sich die Partner geräuschvoll in Spiralen die Baumstämme hinauf und hinunter verfolgen und dabei ziemlich unvorsichtig sind.

Männchen riechen paarungsbereite Weibchen auf über anderthalb Kilometer Entfernung. Treibende Kraft sind die Weibchen, die auch entscheiden, welches Männchen nach tagelanger Werbung zum Zug kommt. Nach 38 Tagen Trächtigkeit kommen zwei bis fünf jeweils zehn Gramm schwere Junge zur Welt, um die sich das Weibchen alleine kümmert. Erste Fellhaare sprießen um den achten Lebenstag, mit 32 Tagen öffnen sich die Augen.

Viele Füchse, viele Eichhörnchen

Über die Bestandssituation der Eichhörnchen weiß man relativ wenig. In Abhängigkeit des Nahrungsangebotes schwankt ihre Zahl erheblich. Bis in 60er-Jahre gab es deutlich höhere Bestände als heute. Schlechtere Waldqualität und die Landschaftsverinselung können zum Rückgang der Eichhörnchen beitragen. Von den Beutegreifern haben es Habicht und Marder auf Eichhörnchen abgesehen. Positive Bestandstrends in Süddeutschland führt man auf hohe Fuchszahlen zurück, da diese die Marder zum Vorteil der Eichhörnchen reduzieren.

Grauhörnchen© Foto: Mathias Schäf

Die neueste Konkurrenz der Eichhörnchen übrigens ist grau und kommt aus Nordamerika: Seit ihrer Einführung 1876 in England verbreiten sich Grauhörnchen zunehmend auf Kosten der angestammten Rotbraunen aus - und nicht nur auf den Britischen Inseln, sondern jüngst auch in Italien und der Schweiz.

Erschien in der Naturschutz heute.

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