NABU-Bundesvertreterversammlung 2026 in Berlin
Starke Gesellschaft und starke Natur in herausfordenden Zeiten

Wie kann es uns als Gesellschaft gelingen, die großen Herausforderungen unserer Zeit anzugehen? Diese Frage ist eine der bestimmenden in diesem Jahr auf der NABU-Bundesvertreterversammlung in Berlin.
Rund 200 Delegierte aus der gesamten Republik sind in die Bundeshauptstadt gereist, um vom 7. bis 8. November über die aktuellen Herausforderungen zu debattieren.
Natur- und Klimaschutz benötigt die gesamte Gesellschaft
„In dieser Phase der multiplen Krisen entscheidet sich, ob unsere Gesellschaft handlungsfähig bleibt“, betonte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger in seiner Eröffnungsrede. Dafür brauche es gemeinsame Problemlösungen, keine Schuldzuweisungen.
Eine starke Gesellschaft braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Jörg-Andreas Krüger
NABU-Präsident
Daher appellierte Krüger, vor allem in Richtung Verbände und Gästen im Publikum, mit denen der NABU oft und durchaus intensiv diskutiert sowie streitet: „Lassen Sie uns gerade jetzt an gesellschaftlichen Mehrheiten für Zukunftslösungen arbeiten!“ Gemeinsam, im Austausch, auch wenn die Positionen auseinanderlägen und Dialog manchmal anstrengend sei. Es lohnt sich.
Denn eine starke Natur brauche eine starke Gesellschaft, so der NABU-Präsident weiter. Und eine starke Gesellschaft brauche Menschen, die Verantwortung übernehmen. „Menschen wie Sie“, sagte Krüger an die Delegierten im Konferenzsaal gerichtet, die stellvertretend für die bundesweit 75.000 NABU- und NAJU-Ehrenamtlichen an der Jahresversammlung teilnehmen.
Zivilgesellschaft als Partner für die Politik
Dass Gräben überwunden werden und wir die gesamte Gesellschaft für die Lösung der drängenden Fragen im Natur- und Klimaschutz brauchen, betonte ebenfalls Jochen Flasbarth, Staatssekretär a.D. aus dem Bundesumweltministerium.
Wo das bereits gut klappt: An der Unteren Havel: Bei der Wiederherstellung der dortigen Flusslandschaft, die der NABU federführend koordiniert, handelt es sich um das größte Renaturierungsprojekt Europas. „Was ich da gesehen habe, war best of des Naturschutzes“, so Flasbarth. Er konnte sich vor einigen Wochen selbst vor Ort davon überzeugen. Dass die Renaturierung dort gelungen sei, habe nicht nur mit Sachverstand des NABU zu tun, sondern sei vor allem mit der Unterstützung aus der Mitte der Gesellschaft möglich gewesen.
Auch im Klimaschutz komme es darauf an. Die Grundlagen seien gut, aber es müsse schneller gehen, so Flasbarth. „Und dazu brauchen wir die gesamte Gesellschaft, auch die konservativen Milieus!“
Er versteht die Zivilgesellschaft als Partner für die Politik, nicht Gegner. Deswegen habe er sich in den vergangenen Wochen und Monaten über manche politische Debatte geärgert, gesteht der scheidende Staatssekretär. „Ihr gehört zum Besten der Demokratie“, sagte Flasbarth unter dem Applaus der Delegierten.
Zivilgesellschaft unter Druck
Eine Konsequenz dieser Debatten: zivilgesellschaftliches Engagement gerät unter Druck. Professorin Christine Krüger von der Hochschule Neubrandenburg konnte diesen Druck in ihrem Vortrag konkretisieren mit Blick auf zunehmende, rechtsextremistische Tendenzen in der Gesellschaft.
Ihr Vortrag enthielt aber auch einen hoffnungsvollen Ausblick, den die Delegierten gerne aufnahmen: Engagement schaffe soziale Orte, ermöglichen Begegnungen. Und dort könne man eigene Themen setzen. Wie zum Beispiel im Naturschutz.
Wasserhaushalt in der Klimakrise
Neben der Zivilgesellschaft prägte das Thema Wasser den Vormittag. Professor Michael Hupfer vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei zeigte die konkreten Folgen des Klimawandels für Gewässerökosysteme auf, was von einigen Naturschutzmacher*innen direkt in der Fragerunde aufgegriffen wurde.
Insbesondere die gezeigten Bilder trockenfallender Gewässer und Folgeschäden, wie beispielsweise am Rhein in diesem Jahr, hinterließen bleibende Eindrücke und sorgten schon vor Ort für weitere Fragen. Aber es wurden auch schon konkrete Ideen im Publikum formuliert, wie mittels Naturschutz und Renaturierung diesen Entwicklungen entgegengewirkt werden könne.





