Professor Dr. Christoph Leuschner ausgezeichnet
Ökosysteme der Zukunft: Waldmedaille für wegweisende Forschung
Für seine wegweisende Forschung zu Waldökosystemen erhält Professor Dr. Christoph Leuschner die NABU-Waldmedaille 2026. Seine Untersuchungen zeigen: Um bewirtschafteten Wäldern in der Klimakrise eine Zukunft zu geben, ist ein Umdenken nötig.

In vielen Regionen Deutschlands zeigt sich bereits: Die Fichtenforsten, aber auch manche Buchen- und Kiefernbestände kommen mit der bisherigen Klimaerwärmung schlecht zurecht. In Anbetracht der noch drohenden weiteren Verschärfung der Klimakrise müssen daher neue Lösungen her, um Wälder als Ökosysteme und als Holzlieferanten zukunftsfähig zu machen.
Umdenken in der Forstwirtschaft nötig
Doch wie können diese Lösungen aussehen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Christoph Leuschner, Professor an der Universität Göttingen und Honorarprofessor an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen, seit Jahrzehnten.
Dabei kamen er und seine Mitforschenden zu der Erkenntnis, dass im Wirtschaftswald ein Umdenken in der Forstwirtschaft notwendig ist: Wo die Wahl der Baumarten bisher vor allem durch Effizienzüberlegungen, die Produktivität und Holzqualität geprägt war, müsse künftig vor allem die Stresstoleranz der Zielbaumarten in den Vordergrund rücken sowie Zusammenhänge innerhalb des Ökosystems Wald stärker berücksichtigt werden.
The video player cannot render on the server side
Lange Verbundenheit zum NABU
Christoph Leuschner ist seit mehr als 50 Jahren Mitglied im NABU Hamburg und berät den NABU seit 2009 als Kuratoriumsmitglied. Mit der Waldmedaille, die der NABU seit 2015 verleiht, würdigt der NABU nun seine wegweisende Forschung sowie sein langjähriges Engagement für einen wissenschaftsbasierten Naturschutz.
Wir müssen die Waldbauentscheidungen und Fragen der Baumartenwahl weitaus stärker als bisher auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse stützen.

Prof. Dr. Christoph Leuschner
Träger der NABU-Waldmedaille 2026
Heimische Arten und Erhalt der Ökosystemfunktionen
Denn manche einheimischen Laubbaumarten wie Spitzahorn, Winterlinde, Traubeneiche, Hainbuche und Elsbeere kommen mit Trockenheit und Hitze besser zurecht als unsere bisherigen Hauptbaumarten, wie Forschungsergebnisse belegen. Für den Wirtschaftswald der Zukunft können sie daher interessant sein. Auch weil bei ihnen die Gefahr der Einschleppung von Schädlingen und einer nachteiligen Veränderung der Ökosysteme gering ist, sollten sie gegenüber Baumarten von anderen Kontinenten bevorzugt werden.
Neben einer erhöhten Baumartenzahl im Wald ist eine hohe genetische Vielfalt in den Beständen eine wichtige Grundlage, damit Wälder erfolgreich auf veränderte Klimabedingungen reagieren und sich anpassen können. Durch Ausbringen des Saatgutes weniger sogenannter „Plusbäume“, die nach Produktivitätsaspekten und Holzqualität ausgewählt wurden, engt die Forstwirtschaft aber die natürlich vorhandene genetische Vielfalt ein und schwächt damit das Anpassungspotential an den Klimawandel.
Auch Douglasie schwächelt
Weil die Aussichten für den forstlichen „Brotbaum“ Fichte düster sind, soll die amerikanische Douglasie sie vielerorts ersetzen und wird derzeit in großem Stil gepflanzt. Neueste Arbeiten unter anderem in der Arbeitsgruppe von Christoph Leuschner zeigen jedoch, dass diese Baumart nur begrenzt als Hoffnungsträger für die deutsche Forstwirtschaft als Produzent von Nadelholz taugt. Zum einen fassen an die Douglasie angepasste Schädlinge aus ihrer amerikanischen Heimat auch bei uns zunehmend Fuß, zum anderen zeigt sich die relativ schnellwüchsige Baumart den hierzulande zu erwartenden Klimaextremen mit Hitze und Dürre auch nicht besser gewachsen als viele heimische Baumarten. Die Douglasie reagiert auf Dürre und Trockenheit empfindlicher als weithin angenommen.
Mit einem Anbau der Douglasie auf größerer Fläche könnten damit bei Klimaextremen schwerwiegende Verluste drohen, wenn der Klimawandel rasch fortschreitet. Die Forstwirtschaft täte daher gut daran, alte Fehler wie bei der Fichte nicht mit einer „neuen“ eingeführten Baumart zu wiederholen, schlussfolgert Leuschner. Die Douglasie sei ein wertvolles Element des Wirtschaftswaldes der Zukunft insbesondere im kühleren Bergland und auf Standorten mit guter Wasserversorgung. Im Tiefland und in trockeneren Regionen jedoch schmälern mit dem Klimawandel verbundene Risiken das Potential. Die vorhandenen Warnsignale müssen von der Forstwirtschaft ernst genommen werden.
Ansprechperson




