Aus Naturschutzsicht ein großer Erfolg: In Deutschland leben wieder freilebende Wölfe. Nachdem sie bei uns rund 150 Jahre lang ausgerottet waren, wurden im Jahr 2000 die ersten Wolfswelpen in Freiheit geboren – auf einem Truppenübungsplatz in der sächsischen Oberlausitz. Seitdem erobern sich Wölfe langsam ihre alten Lebensräume zurück und in jedem Jahr ziehen sie erfolgreich Nachwuchs in Deutschland auf.
Jedes Jahr sterben aber auch Wölfe eines unnatürlichen Todes – durch Verkehrsunfälle und illegale Tötungen.
Wo können Wölfe in Deutschland leben?
Wölfe brauchen keine Wildnis, um sich niederzulassen – sie kommen dort zurecht, wo sie genug Nahrung finden und der Mensch sie leben lässt. Die Wildpopulation in Deutschland befindet sich auf einem Höchststand, sodass es fast überall ausreichend Wild gibt. Auch Rückzugsräume für die Aufzucht der Jungen finden sie in unserer Kulturlandschaft.
In Deutschland gibt es laut einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz in jedem Bundesland geeignete Regionen für Wölfen, außer in den drei Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen. Die Studie zeigt aber auch, dass es viele Gegenden gibt, in denen vermutlich nie Wölfe dauerhaft leben werden. Zum Beispiel, weil es zu wenig Wild oder zu viele Straßen gibt.
Daher geht man davon aus, dass Deutschland nie flächendeckend, sondern eher einem Flickenteppich ähnelnd von Wölfen besiedelt sein wird. Durchwandernde Wölfe auf der Suche nach einem geeigneten Territorium können auch in strukturreichen Gegenden auftauchen, wo sie leider oft überfahren werden. Ein besonders markantes Beispiel ist der Wolf, der im Januar 2019 auf einer stark befahrenen Straße durch den Frankfurter Stadtwald zu Tode kam. Um hierhin zu gelangen, hatte er zuvor viele Verkehrsadern überqueren müssen. Wölfe meiden in der Regel die direkte Nähe des Menschen, nicht aber unbedingt Infrastruktur wie Straßen, um energiesparend von A nach B zu gelangen.

Historische Verbreitung
Einst war der Wolf neben dem Menschen das am weitesten verbreitete Säugetier der Welt: Bis zur Jungsteinzeit waren Wölfe fast auf der gesamten Nordhalbkugel zu finden. Mit steigender menschlicher Besiedlung und Ausdehnung der Landwirtschaft kam es immer häufiger zur Konkurrenz mit Wölfen. Heute leben sie nur noch auf weniger als zwei Dritteln des ursprünglichen Lebensraums.
Aus vielen Teilen Europas war der Wolf sogar ganz verschwunden – und zwar dort, wo er vom Menschen durch intensive Bejagung ausgerottet wurde. In Deutschland verlieren sich die letzten Hinweise auf ein Wolfsrudel zum Beispiel um 1850 in Brandenburg. Im Jahr 1990 wurden die Tiere bundesweit unter gesetzlichen Schutz gestellt und der Grundstein für die Rückkehr der Wölfe war gelegt. In Polen waren Wölfe nie ganz ausgerottet. Die Oder ist für sie kein Hindernis, und so gelangten polnische Wölfe in die Lausitz.
1998 gelangen erste Nachweise in Sachsen und im Jahr 2000 wurden die ersten Wolfswelpen in Freiheit geboren. Heute leben insgesamt 209 Wolfsrudel, 46 Paare und 19 sesshafte Einzeltiere in Deutschland (Stand November 2024). Das entspricht einem Anstieg der Territorien um etwa 3,5 Prozent zum Vorjahr. Damit hat sich das Wachstum der Wolfspopulation, wie schon in den letzten Jahren, deutlich verlangsamt.




