Egal ob auf dem Feld, im eigenen Garten oder im nahegelegenen Park: Pestizide sind allgegenwärtig. Sie werden überall dort eingesetzt, wo sogenannte Schadorganismen (Mikroorganismen, Ernte- oder Vorratsschädlinge, „Unkräuter“ und Krankheitsüberträger) abgewehrt, reguliert oder bekämpft werden sollen. Meist schädigen Pestizide aber nicht nur diese Schadorganismen, sondern auch Arten, die nicht bekämpft werden sollen. Sie reagieren entweder empfindlich auf die eingesetzten Pestizide oder haben Kontakt zu bereits geschädigten Arten.
Auch wenn Organismen nicht direkt nach einem Pestizideinsatz sterben oder geschädigt sind, können sie langfristig beeinträchtigt sein. Das liegt daran, dass sie durch das Pestizid anfälliger oder empfindlicher für weitere Stressfaktoren werden (beispielsweise Fressfeinde oder Krankheitserreger). Zudem kommen Wirkstoffe so gut wie nie als Einzelstoffe in der Umwelt vor, sondern in Kombination. Je mehr Wirkstoffe gleichzeitig ausgebracht werden oder sich noch als Rückstände im Ökosystem befinden, desto größer wird das Risiko für negative Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und das Ökosystem.
Direkte und indirekte Folgen von Pestiziden
Neben direkten Auswirkungen auf die Fortpflanzung oder das Überleben empfindlicher Arten führen insbesondere die indirekten Effekte zu weitreichenden Auswirkungen in Ökosystemen. Indirekte Effekte entstehen, wenn Wechselwirkungen mit beispielsweise konkurrierenden Arten, Beutearten und/oder Fressfeinden gestört wurden. Sie treten häufiger auf und sind schwieriger vorherzusehen als direkte Auswirkungen. Aus diesem Grund können Pestizide zu Kettenreaktionen führen und die Auswirkungen sich kaskadenartig im Nahrungsnetz ausbreiten. Dabei werden ökologische Prozesse gestört, die sich über eine sehr lange Zeit evolutionär aufeinander abgestimmt haben und die Leistungsfähigkeit unserer Ökosysteme gewährleisten.
Der flächendeckende Einsatz von Herbiziden hat beispielsweise nicht nur zu einer Verarmung an Ackerbegleitkräutern und Gräsern geführt, sondern wirkt sich auch erheblich auf eine Vielzahl an weiteren Organismen aus. Er nimmt ihnen ihre Lebensgrundlage – die Nahrung und den Lebensraum.

Ein zentraler Verursacher für den Rückgang der Artenvielfalt
Große eintönige Flächen dominieren mittlerweile weitestgehend unsere immer größer werdenden landwirtschaftlichen Anbauflächen. Wichtige Strukturelemente wie Hecken, Sträucher und Brachen sind immer seltener in der Landschaft zu finden. Diese Zustände tragen dazu bei, dass die Artenvielfalt beispielsweise auf Agrarflächen immer weiter sinkt. Sie können die dramatischen Artenrückgänge jedoch bei weitem nicht alleine erklären. Eine große Anzahl an wissenschaftlicher Literatur belegt, dass Pestizide einer der zentralen Verursacher für den Rückgang der Artenvielfalt von Ackerbegleitkräutern, Gewässerorganismen, Vögeln und Insekten sind.
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