Umfassender Zustandsbericht

Faktencheck Artenvielfalt zeigt aktuelle Lage

Wie steht es um die Biodiversität? Das beantwortet der Faktencheck Artenvielfalt. Der erste umfassende Bericht zur biologischen Vielfalt in Deutschland liefert Fakten zur Lage, analysiert Trends, Treiber und Handlungsoptionen für die Naturschutzpolitik.
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Scharlachlibelle
Die Scharlachlibelle ist selten in Deutschland und befindet sich auf der Vorwarnliste.© Foto: NABU/Jan Piecha

Über die Hälfte der Lebensraumtypen Deutschlands ist in einem ungünstigen Zustand. Die Bestände vieler Arten sind rückläufig. Ein Drittel der untersuchten Arten ist in ihren Beständen gefährdet. Gleichzeitig bringen biologisch vielfältige Ökosysteme essenzielle Leistungen für uns Menschen. Unser Wohlergehen und Wirtschaften hängt von der Leistungsfähigkeit und Resilienz der Ökosysteme ab. Positive Entwicklungen zeigen, dass sich biologische Vielfalt erholen kann, wenn negative Treiber reduziert und die Qualität von Lebensräumen verbessert werden.

Das – und noch viel mehr – liegt nun erstmals in einem umfassenden, auf wissenschaftlichen Quellen basierten Bericht vor, dem Faktencheck Artenvielfalt.

Faktencheck Artenvielfalt: Zentrale Erkenntnissen und Trends

Dafür haben über 150 Autor*innen aus verschiedensten Disziplinen den aktuellen Wissensstand zur biologischen Vielfalt in Deutschland zusammengefasst: den Zustand, die Trends, die Ursachen und die vielversprechendsten Handlungsoptionen. Dies erfolgt durch die genaue Betrachtung von sechs Lebensräumen (Agrar- und Offenland, Wälder, Gewässer und Auen, urbane Räume und Boden). 

Die wichtigsten Erkenntnisse fassen wir an dieser Stelle zusammen. Für detaillierte Informationen empfehlen wir einen Blick in die Publikation selbst.

Die zentralen Erkenntnisse haben die Autor*innen des Berichts in einer Kurzversion des Faktenchecks zusammengefasst.

Die Autor*innen weisen darauf hin, dass ein standardisiertes Verfahren für die Erfassung der biologischen Vielfalt in Deutschland bislang fehlt. Es gibt viele, unabhängig voneinander arbeitende Programme, die jedoch größtenteils nicht aufeinander abgestimmt sind. Sie empfehlen daher ein integriertes, methodisch vereinheitlichtes und dauerhaft etabliertes Biodiversitätsmonitoring.

Der Faktencheck Artenvielfalt ist ein Schritt, diese Lücke zu schließen. Die nun vorliegenden Erkenntnisse zeigen deutlich den dringenden Handlungsbedarf.

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Alle Parteien müssen jetzt handeln

Ganz bewusst richtet sich der Faktencheck deshalb auch an politische Entscheider*innen. Denn ehrgeizige Vereinbarungen zum Schutz unserer Lebensgrundlagen gibt es bereits, darunter das Weltnaturabkommen, der europäische Green Deal und die deutsche Biodiversitätsstrategie. Dieser Bericht liefert nun die notwendige wissenschaftliche Datengrundlage, um Maßnahmen gegen den weiteren Verlust der biologischen Vielfalt gesetzlich zu verankern und aktiv voranzutreiben.

Laura Breitkreuz, NABU-Referentin für Natur- und Artenschutz, hat über drei Jahre am Projekt mitgearbeitet. Auch sie betont:

Die alarmierenden Befunde zum Biodiversitätsverlust und die anhaltend negativen Trends mindern die Ökosystemleistungen, auf die wir uns in unserem täglichen Leben und für unser Wirtschaften verlassen. Der Faktencheck Artenvielfalt zeigt aber auch, welche Ansätze gegen das Erodieren unserer Lebensgrundlagen das größte Potenzial haben.

Folgende konkrete Hinweise liefert die Wissenschaft, die alle Parteien, die aktuell an Wahlprogrammen für die kommende Bundestagswahl arbeiten, kennen sollten:

Die Datenbasis

Für das umfassende Nachschlagewerk wurden über drei Jahre über 6.000 Publikationen ausgewertet. Neu ist, dass ein Datensatz von über 15.000 Zeitreihen der biologischen Vielfalt zusammengestellt und ausgewertet wurde. Dies ist ein erster Ansatz, die bisherige Datenlücken in der Langzeitbeobachtung bestimmter Artengruppen, zu schließen. Sie zeigt: Während es eine gewisse Variabilität gibt, nehmen die Bestände insbesondere bei Vögeln der Agrarlandschaft und Wirbellosen – zum Beispiel Wildbienen – deutlich mehr ab, als dass es positive Trends zu verzeichnen gibt.

Jede der im Faktencheck vermittelten Informationen ist mit Quellen belegt und somit nachvollziehbar. Das besondere ist, dass alle Informationen und Quellen für alle Interessierten auf der Webseite der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt zugänglich sind.

Stand Oktober 2024

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