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Jetzt NABU-Mitglied werden!Zukunft wird von den Mutigen gemacht
NABU-Bundesvertreterversammlung 2025 in Rostock
Rund 190 Delegierte aus dem gesamten Bundesgebiet trafen sich zur Bundesvertreterversammlung 2025 in Rostock - Foto: NABU/Guido Rottmann
Die NABU-Bundesvertretenden trafen sich in diesem Jahr in Rostock zur Jahresversammlung. Rund 190 Delegierte aus dem gesamten Bundesgebiet sind an die mecklenburgisch-vorpommersche Küste gereist, um vom 15. bis 16. November 2025 über die Zukunft des Naturschutzes in herausfordernden Zeiten zu sprechen und die Arbeit des nächsten Jahres zu planen.
Wer schon einmal in Mecklenburg-Vorpommern zu Besuch war, weiß: Hier gibt es viel Landschaft und viel Natur. Drei Nationalparks befinden sich auf der Landesfläche und sichtlich stolz verkündet der Vorsitzende Stefan Schwill des gastgebenden NABU-Landesverbands in seiner Begrüßung, dass dort auch die meisten Seeadler, Fischadler und Kraniche im ganzen Bundesgebiet zuhause sind.
Aber wie überall in Deutschland gibt es auch im nordöstlichen Bundesland große Konflikte darüber, wie die Fläche – egal ob an Land oder im Meer – genutzt werden soll.
Mut und Fläche auf der Wunschliste
NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger begrüßt die Delegierten auf der Bundesvertreterversammlung 2025. - Foto: NABU/Guido Rottmann
Vor allem Infrastruktur- und Energieprojekte erhöhen den Druck auf die Fläche massiv, mahnte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger in seiner Rede an. Jede neue Straße und jedes Gewerbegebiet benötige entsprechende Ausgleichsflächen. Der Ausbau grüner Infrastruktur sei entscheidend für eine intakte Natur – und dafür brauche es vor allem Geld. Daher begrüßte Krüger die im Koalitionsvertrag verankerten Vorhaben wie das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz und das geplante Naturflächengesetz.
Angesichts politischer und wirtschaftlicher Rückschritte bei Klima-, Natur- und Nachhaltigkeitszielen warnte der NABU-Präsident eindringlich vor einem „Flirten mit den fossilen Energien“, beispielsweise in der Debatte um das sogenannte Verbrenner-Aus und dem Versuch, ökologische Standards auszuhöhlen. Gerade jetzt sei die Zeit, entschlossen voranzugehen: „Zukunft wird von den Mutigen gemacht – nicht von denen, die nichts tun“, betonte Krüger.
Hinzu kommt: Der NABU weiß die Gesellschaft an seiner Seite in Sachen Naturschutz und Wiederherstellung der Natur, worauf auch der NABU-Präsident verwies. Über drei Viertel unterstützen das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur und eine breite Mehrheit erwartet außerdem, dass die Politik sich mehr dafür einsetzt. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts Civey im Auftrag des NABU hervor.
Krüger: „Wir lassen uns nicht einschüchtern!“
Derzeit beschäftigen den NABU zudem die Debatten zu Beschleunigung und Bürokratieabbau. Der NABU unterstützt effizientere Verfahren, lehnt jedoch die Absenkung von Umweltstandards strikt ab. Der Schutz der Natur sei kein Hindernis, sondern „das Fundament für den Wirtschaftsstandort Deutschland.“
Auch die zunehmenden Angriffe auf die Zivilgesellschaft kritisiert NABU-Präsident Krüger scharf. Umfassende parlamentarische Anfragen zu Finanzierung und Gemeinnützigkeit von Nichtregierungsorganisationen seien ein „Paukenschlag“ mit dem Ziel, kritische Stimmen verstummen zu lassen. „Wir lassen uns nicht einschüchtern!“, stellte Krüger daher noch einmal mit Nachdruck klar und forderte ein klares politisches Bekenntnis zu ehrenamtlichem Engagement und demokratischer Beteiligung.
Nur gemeinsam, in starken Partnerschaften und mit Mut zum Wandel, könne eine lebenswerte Zukunft gestaltet werden.
Backhaus: Umweltverbände als unverzichtbare Partner
Dr. Till Backhaus (Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern) findet: Moore müssen nass und Meere gehören sauber - Foto: NABU/Guido Rottmann
Konsequenter Natur- und Artenschutz ist auch laut Till Backhaus die zentrale Zukunftsausgabe. Der mecklenburg-vorpommersche Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt begrüßte die NABU-Delegierten und hob die Bedeutung von Umweltverbänden wie dem NABU als unverzichtbare Partner hervor. Es brauche dieses Engagement und politische Entschlossenheit, um die ökologischen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte zu bewältigen.
Der Schutz von Mooren, Wäldern und Meeren sei essentiell und nicht verhandelbar. „Die Moorböden müssen nass, das Wasser muss sauber und der Wald muss gesund sein“, betonte der Landesminister. So böten Projekte zur Renaturierung – etwa von Moorflächen oder Dauerwäldern – nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile für kommende Generationen. Jeder investierte Euro schütze aus Backhaus' Sicht „die Nachfolgegenerationen vor den Konsequenzen unseres heutigen Handelns“.
Erfolgreiche Umweltpolitik könne nur im Zusammenwirken von Bund, Ländern, Verbänden und Bürger*innen gelingen. Projekte wie die Munitionsbergung aus Nord- und Ostsee oder der Ausbau ökologischer Landwirtschaft zeigten, wie gemeinsame Verantwortung zu konkreten Fortschritten führe.
Meer und Moor müssen geschützt werden
Stefan Schwill (Vorsitzender NABU Mecklenburg-Vorpommern) freut sich über 10.000 Mitglieder in seinem Landesverband - Foto: NABU/Guido Rottmann
Auch mit dem angestrebten Klimaverträglichkeitsgesetz geht das Land Mecklenburg-Vorpommern mit gutem Beispiel voran, wie NABU-Landesvorsitzender Mecklenburg-Vorpommern Stefan Schwill lobend erwähnt. Meeres- und Moorschutz sind ohne Frage wichtige Themen für das Bundesland – und es gibt noch allerhand zu tun.
Die marinen Schutzgebiete sind bislang nur unzureichend wirksam. Dabei braucht es dringend größere nutzungsfreie Zonen, um Schweinswale, Meeresvögel und Fischbestände zu schützen. Auch die Entwässerung von Mooren sind ein großeres Problem für den Klimaschutz, da sie in Mecklenburg-Vorpommern für etwa ein Drittel der vom Menschen verursachten Treibhausgase verantwortlich sind. Um das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, muss die Landwirtschaft schrittweise von dieser Art der Moornutzung wegkommen.
Kurs setzen für die Meere der Zukunft
Die Meere prägen unser Klima, bieten Lebensraum für unzählige Arten, sind wichtiger Wirtschaftsraum und zugleich Orte der Erholung. Mit der Nord- und Ostsee trägt Deutschland Verantwortung für zwei besondere Meere. Beide sind stark durch menschliche Nutzungen geprägt, wodurch die Belastungen vielerorts zu hoch sind. Mit dem beschlossenen Grundsatzprogramm Meere setzt sich der NABU dafür ein, dass unsere Meere wieder artenreich, dynamisch und widerstandsfähig werden – mit klaren Forderungen an Bund und Länder sowie die Fischerei, die Schifffahrt und die Landwirtschaft. Zudem braucht es speziell für die Ostsee wirksame Meeresschutzgebiete und weniger der Nähr- und Schadstoffeinträge. Der NABU setzt sich dafür ein, dass die EU-Wiederherstellungsverordnung umgesetzt und die Finanzierung dieser Maßnahmen durch das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) langfristig abgesichert wird.
Der NABU fordert einen Paradigmenwechsel im Naturschutz: Natur muss endlich effektiv geschützt und entwickelt werden. Dazu sendet er einen eindringlichen Appell an die Bundes- und die Landesregierungen: Alle bisherigen und laufenden Vorhaben und Maßnahmen, die Naturschutzstandards abzusenken und Beteiligungsrechte einzuschränken, müssen kritisch überprüft und korrigiert werden. Es braucht Investitionen in eine Grüne Infrastruktur, um die Natur und ihre Funktionen länderübergreifend zu vernetzen.
Ehrungen für Heinz Kowalski und Günter Nowald
„Überrascht und für einen Moment sprachlos“ zeigte sich Günter Nowald, als er vom NABU-Präsidium mit der Goldenen Ehrennadel für seinen jahrzehntelangen Einsatz im Kranichschutz ausgezeichnet wurde. Anfang September wurde in Günz das neue internationale NABU-Erlebniszentrum Kranichwelten eröffnet. Günter Nowald lud alle Delegierten und Interessierte ein, es den Kranichen gleichzutun und die Kranichwelten ebenfalls zweimal im Jahr zu besuchen.
Mit der Lina-Hähnle-Medaille wurde am Samstagabend der ehemalige Vorsitzende des NABU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen Heinz Kowalski ausgezeichnet. Er wurde für sein Lebenswerk und sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement für den Vogel- und Naturschutz geehrt.
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Die Bundesvertreterversammlung ist das wichtigste beschlussfassende Gremium des NABU. Ehrenamtliche Aktive in den Landesverbänden wählen dazu Delegierte, die hier einmal im Jahr zusammenkommen. Die Delegierten wählen das Präsidium, beschließen den Haushalt und entscheiden darüber, welchen Themen und Projekten sich der Verband schwerpunktmäßig widmen soll.
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