Die Chemie-Roadmap 2045 des NABU

Chemie klimaneutral und naturverträglich gestalten

Die Chemieindustrie ist zentral für die Klimaneutralität bis 2045. Sie muss ihre Emissionen senken und vor allem Lösungen entwickeln, die anderen Branchen den Wandel erst ermöglichen. Wir zeigen, wie es geht!
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Ein Feldweg führt auf einen Baum zu.
Wir zeigen den Weg zu einer nachhaltigen Chemieindustrie.© Foto: NABU/CEWE/Marco Hausdörfer

Der Weg zur Klimaneutralität bis 2045 ist eine der größten Transformationen unserer Zeit – und die Chemieindustrie steht dabei im Zentrum. Keine andere Branche beeinflusst so viele Produkte unseres Alltags. Dabei trägt sie eine besondere Verantwortung: Sie muss ihre Emissionen deutlich senken und gleichzeitig Lösungen entwickeln, die anderen Sektoren die Klimaneutralität ermöglichen.

Eine naturverträgliche Chemieindustrie liefert Materialien, die wir für erneuerbare Energien, Speichertechnologien oder die Kreislaufwirtschaft dringend brauchen. Sie liefert Innovationen, um Ressourcen effizienter zu nutzen und unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern. So entsteht die Grundlage für eine klimafreundliche und lebenswerte Zukunft.

Chemie-Roadmap 2045

Die Industrie in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Das betrifft sämtliche Sektoren – auch die Chemieindustrie. Wie ein erfolgreicher Wandel ablaufen kann, zeigen unsere Analysen und Lösungsvorschläge, die in der NABU „Chemie-Roadmap 2045“ zusammengefasst sind. 

Hier über die Zukunft der Chemiebranche informieren!

Zwei Hebel für eine zukunftsfähige Chemieindustrie

Der NABU betrachtet diese Transformation als Chance, Naturschutz und Industriepolitik neu zusammen zu denken. Denn sie gelingt nur, wenn sie ganzheitlich gedacht wird. Klimaneutralität muss Hand in Hand gehen mit dem Schutz von Biodiversität und dem sparsamen Umgang mit Wasser und anderen Ressourcen.

Vor diesem Hintergrund hat der NABU sich mit der Frage beschäftigt: Wie kann die chemische Industrie in Deutschland erhalten und dabei konsequent auf ihrem Transformationspfad zur Klimaneutralität begleitet werden?

Im Fokus stehen dabei zwei Gestaltungsfelder:

1. Wirtschaftliche Resilienz sichern

Chemische Produkte sind die Grundlage für alle Wirtschaftszweige. Sie sind für Ernährungssicherheit und Gesundheitsversorgung unverzichtbar und sicherheitspolitisch bedeutsam. Deswegen brauchen wir auch in einem klimaneutralen Deutschland 2045 noch eine funktionierende heimische Chemieindustrie.

Um den Wandel zu einer resilienten klimaneutralen Chemieindustrie zu voranzubringen, braucht es klare politische Leitplanken. Der NABU fordert ein Governance-System nach dem Vorbild der Zukunftskommission Landwirtschaft.

Ein solches Gremium sollte Akteur*innen aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft sowie Zivilgesellschaft zusammenbringen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Zu den Aufgaben gehören:

  • Wissen über Wertschöpfungsketten und deren Verzahnungen sowie über Standortbedingungen, Rohstoff- und Energiebedarfe bündeln
  • Ein Zielbild für eine resiliente Chemieindustrie entwickeln
  • Konkrete Fördermaßnahmen definieren
  • Eine Importstrategie für nicht-kritische Chemikalien ausarbeiten
  • Bedarfe für eine strategische Lagerhaltung analysieren
     

2. Erneuerbare Kohlenstoffquellen wie nachhaltige Biomasse und Recycling ausbauen

Kohlenstoff ist der zentrale Baustein der organischen Chemieindustrie und findet sich in einer Vielzahl von Grund- und Spezialchemikalien wieder. Fossile Kohlenstoffe sind derzeit deutlich günstiger als erneuerbare Kohlenstoffquellen beispielsweise aus nachhaltiger Biomasse, aus Recycling oder der Nutzung von CO₂-Emissionen (Carbon Capture and Utilisation, CCU). Deshalb machen Fossile knapp 90 Prozent der Rohstoffbasis aus.

Der NABU fordert daher einen langfristig orientierten, strategischen Aufbau einer erneuerbaren Kohlenstoffwirtschaft zur Versorgung der heimischen Chemieindustrie.

Dazu gehört:

  • eine sektorübergreifende Biomassestrategie aufzusetzen und Recyclingkapazitäten gezielt auszubauen
  • den Kostenunterschied zwischen fossilen und erneuerbaren Quellen auch langfristig marktwirtschaftlich auszugleichen
  • Investitionen über CO₂-Differenzverträge (Carbon Contracts for Difference, CCfDs) abzusichern
  • eine sichere Versorgung vor Ort durch clusterbezogene Handelsplattformen für kohlenstoffhaltige Stoffströme zu befördern
Leitbild für die grüne Transformation der Chemie muss die Etablierung eines möglichst geschlossenen Kohlenstoffkreislaufs sein.© Foto: NABU/CSKW

Was jetzt passieren muss

Um die Transformation der Chemieindustrie in Deutschland voranzubringen, empfiehlt der NABU:

Die Grafik zeigt symbolhaft den Übergang von einer CO2-intensiven, abfallproduzierenden Chemiebranche hin zu einer von erneuerbaren Energien, versorgten sauberen Produktion.
Ein Wandel der Chemieindustrie ist möglich.© Foto: NABU / CSKW

Letzte Aktualisierung: 09/2026

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Dr. Steffi Ober
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Niels Thürigen
Senior-Referent Transformationsökonomie

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