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Woher Deutschlands Kunststoffabfälle kommen – und wo sie landen

Knapp sechs Millionen Tonnen pro Jahr: Allein bei Verpackungen hat sich die Menge an Kunststoffabfällen in Deutschland seit den 1990er Jahren mehr als verdoppelt – Tendenz steigend. Doch wie viel davon wird wirklich recycelt? Weniger, als du denkst.
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Rücken und Beine eines Mannes im blauen Mantel, der zwei Tüten mit Verpackungsmüll trägt, Kopf und Füße sind nicht zu sehen
Verpackungen machen den wesentlichen Anteil des Kunststoffabfalls in Deutschland aus© Foto: NABU/Sebastian Hennigs

2023 fielen in Deutschland rund 5,9 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an – so die 2024 veröffentlichte Conversio-Studie „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2023". 95 Prozent davon verursachten private und gewerbliche Endverbrauchende, nur fünf Prozent die Industrie. Größter Treiber sind Verpackungen: Sie machen allein 55 Prozent der Plastikabfälle von Endverbrauchenden aus. Von 1,5 Millionen Tonnen Verpackungsabfällen im Jahr 1995 stieg die Menge auf 3 Millionen Tonnen im Jahr 2023 – eine Verdopplung in weniger als drei Jahrzehnten.

Wie viel Kunststoffabfall wird wirklich recycelt?

Gut die Hälfte der Kunststoffverpackungsabfälle wurde 2023 recycelt (fachsprachlich: „stofflich verwertet"), knapp 48 Prozent landeten in der Verbrennung. Diese Zahlen basieren auf der sogenannten outputbezogenen Quotenberechnung, seit 2020 von der EU vorgeschrieben. Sie misst, was am Ende des Recyclingprozesses tatsächlich als verwertbares Material herauskommt.

Das deutsche Verpackungsgesetz nutzt dagegen eine inputbezogene Berechnungsmethode: Hier zählt bereits, was in die erste Recyclinganlage gelangt – unabhängig davon, wie viel davon im Prozess verloren geht.

Für 2023 liegen nach der inputbezogenen Methode noch keine Daten vor. Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt aber, wie groß der Unterschied ist: Laut GVM-Erhebung im Auftrag des Umweltbundesamtes lag die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen 2021 bei 63,1 Prozent nach der inputbezogenen Methode – gegenüber nur 48,4 Prozent nach der outputbezogenen.

Diese Diskrepanz erklärt, warum in Presse und Öffentlichkeit so unterschiedliche Angaben zur Recyclingquote kursieren. Der NABU kommuniziert die outputbezogene EU-Methode, da sie die Materialverluste beim Recycling einbezieht.

© Grafik: NABU/R. Mischnick

Dass gesetzliche Vorgaben wirken, zeigen die Zahlen deutlich. Seit das Verpackungsgesetz 2019 mit höheren Recyclingquoten für Kunststoffverpackungen in Kraft trat, ist die Quote sprunghaft gestiegen. Zuvor stagnierte sie jahrzehntelang bei unter 50 Prozent – 2018 lag sie bei 47,9 Prozent. 2019 sprang sie auf 55,2 Prozent, 2022 erreichte sie 65,4 Prozent (jeweils nach der älteren, inputbezogenen Berechnungsmethode).

Warum die Menge an Verpackungsabfällen weiter steigt

Der Anstieg hat vier zentrale Ursachen:

  • Mehr Einwegbehälter: Der Verbrauch von Kunststoffflaschen, -dosen und Kleinverpackungen wächst kontinuierlich. Mehr dazu im NABU-Hintergrundpapier zu Einweg-Pfandflaschen.
  • Vorverpackte Frischware: Wurst, Käse, Obst und Gemüse kommen immer häufiger bereits verpackt in den Handel. Details in der NABU-Studie zu Vorverpackungen bei Obst und Gemüse.
  • Zunahme von Außerhausverzehr und -verbrauch: To-go-Getränke, Lieferdienste und Convenience-Produkte erzeugen zusätzlichen Verpackungsmüll.
  • Aufwendigere Verpackungen: Klappdeckel, Henkel, Mehrschichtfolien und komplexe Verschlüsse erhöhen den Materialaufwand pro Produkt.

Du willst selbst etwas gegen Plastikabfall tun? Schau dir unsere Tipps für weniger Verpackungsmüll an!

Letzte Aktualisierung: 04/2026

Ansprechperson

Porträtaufnahme Katharina Istel, NABU-Mitarbeiteterin.
Katharina Istel
Senior Referentin Kreislaufwirtschaft
+49 (0)30 284 984-1661
Katharina.Istel@NABU.de