Wie werden wir naturverträglich klimaneutral?

Carbon Management

Um die Erderhitzung zu beschränken, müssen wir Treibhausgasemissionen durch einen grundlegenden Konsum- und Lebenswandel mindern. Weitere Maßnahmen unter den Begriffen Transformation und Carbon Management stellen wir dir hier vor.
Aufnahme aus der Luft des Plötzenseefließ'. Sichtbar sind viele grüne, gelbe bis bräunliche Baumkronen.
Plötzenseefließ© Foto: NABU/ Marc Scharping

1. Was ist Treibhausgasneutralität?

Der Zustand der Treibhausgasneutralität definiert, dass die Treibhausgasemissionen bei Netto-Null liegen. Das Ziel der Klimaneutralität erfordert hingegen eine ambitioniertere Politik, da neben den Treibhausgasemissionen auch alle anderen Effekte des menschlichen Handels auf das Klima berücksichtigt werden, zum Beispiel Flächenversiegelungen durch Straßen und Siedlungen.

Quelle: Umweltbundesamt

Es wird notwendig sein, auch nach dem Erreichen der Treibhausgasneutralität der Atmosphäre CO₂ zu entnehmen, um die Folgen der Klimaerhitzung zu mindern und zu einer Temperatur zurückzukehren, die weder unsere Lebensgrundlagen noch unsere Gesundheit gefährdet. Die Schäden, die bis zu diesem Zeitpunkt durch die Klimaerhitzung verursacht wurden, können nicht rückgängig gemacht werden. 

2. Was ist Carbon Management?

Carbon Management beinhaltet Maßnahmen, die der Atmosphäre CO₂ entziehen oder das CO₂ direkt an industriellen Quellen abtrennen. Das eingefangene CO₂ kann dann gespeichert und so dem Kohlenstoffkreislauf entzogen werden. Unter Carbon Management fällt die Speicherung des Kohlenstoffs in unterirdischen Deponien oder in natürlichen Speichern wie Böden, Biomasse, Ozeanen sowie in Produkten.

Schematische Grafik, die erklärt "Wie funktioniert Carbon Management"
NABU-Grafik: Wie funktioniert Carbon Management?© Foto: NABU e.V.

NABU-Positionspapier: Carbon Management

  • Publikation
  • 02.06.2025
  • PDF
  • 2,1 MB

Die NABU-Position zum Thema Carbon Management ist das Ergebnis einer gesamtverbandlichen Diskussion. Sie bietet wichtige Informationen und Abwägungen und gibt Empfehlungen für den Umgang mit Zielkonflikten und die Methodenauswahl. Mit unserer Position wollen wir einen natur- und sozialverträglichen Ansatz liefern. Für die weitere Entwicklung und Implementierung stehen wir mit fachlicher Expertise zur Verfügung:

3. Was sind natürliche Kohlenstoffsenken?

Intakte Ökosysteme, insbesondere Moore, naturnahe Wälder, artenreiches Grünland, Auen, Flüsse und Meere sind natürliche Kohlenstoffsenken. Diese Klimaschutzfunktion unserer Ökosysteme bezeichnet man auch als natürlichen Klimaschutz. Zudem bieten sie Lebensraum für zahlreiche Arten. Indem wir sie bewahren und wiederherstellen, bewahren wir auch diese wichtigen Funktionen.

Der NABU sieht den Erhalt und die Stärkung der natürlichen Senken wie Wiederbewaldung, Bodenverbesserung und Renaturierung an Land und im Meer als vorrangige Lösung, vor allem durch das Potenzial für Biodiversitäts- und Naturschutz:

4. Was sind technische Kohlenstoffsenken?

Technologien zur Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff sollten nur eine sehr begrenzte Rolle für unvermeidbare Industrieemissionen spielen, schon wegen des hohen Energie- und Investitionsbedarfs.

5. Was sind Negativemissionen?

Unter Negativemissionen (Carbon Dioxide Removal, CDR) versteht man Maßnahmen, die der Atmosphäre CO₂ entziehen und damit potenziell erlauben, den Überschuss an Treibhausgasen in der Atmosphäre zu verringern. Beispiele dafür sind das Management von Wäldern und Böden, aber auch naturverträglich gestaltete technische Senken wie Direct-Air-Carbon-Capture (DACC) . Der Umgang damit soll in der Langfriststrategie Negativemissionen ausgearbeitet werden.

6. Unsere Forderungen zum Carbon Management

Der wichtigste Schritt: Emissionen reduzieren

Der NABU fordert, dass die Ambitionen, Emissionen zu reduzieren, durch die Option des Carbon Managements nicht sinken. Carbon Management darf auf keinen Fall als Ausrede dafür genutzt werden, die fossilen Geschäftsmodelle und Lebensweisen mit Kohle, Öl und Gas fortzuführen.

Nur wenn wir alle natürlichen Möglichkeiten voll ausschöpfen, unseren Konsum- und Lebenswandel grundlegend ändern und für bestimmte unvermeidbare Emissionen zusätzliche technischen Möglichkeiten Ansätze in den Blick nehmen, werden wir die Erderhitzung langfristig stoppen und begrenzen können.  

Politisch ist beim Carbon Management Fingerspitzengefühl gefordert: Der Gesetzgeber muss vor allem den Begriff der unvermeidbaren Restemissionen klar definieren. Nur mit einer verlässlichen und transparenten Gesetzgebung lassen sich fossile Lock-Ins vermeiden und die Industrietransformation entschlossen voranbringen. Nicht zuletzt sollten auf der regionalen, wie nationalen Ebene relevante Akteure frühzeitig in die politischen Strategien und den Ausbau der CCU- und CCS-Infrastruktur eingebunden werden.

Ansprechpersonen

Poträtfoto von Katharina Fey
Katharina Fey
Referent*in Carbon Management
+49 30 2849841607
Katharina.Fey@NABU.de
Porträtfoto von Steffi Ober
Dr. Steffi Ober
Teamleitung Transformation
+49 30-284984-1612
Steffi.Ober@NABU.de

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