Ökonomie und Ökologie verbinden

Vielseitigkeit der Bioökonomie und ihre Chancen

Die Bioökonomie nutzt nicht nur land- und forstwirtschaftlich erzeugte Rohstoffe, sondern auch organische Reststoffe, Tiere, Mikroorganismen, Insekten oder Algen. Nachhaltig und naturverträglich ist sie aber erst dann, wenn sie den Einsatz fossiler Rohstoffe, den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen sowie den Verlust an Biodiversität begrenzt.
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Peenetal Ackerrandstreifen bei Quilow
Der Verlust der Artenvielfalt muss begrenzt werden© Foto: NABU / Klemens Karkow

Die Bioökonomie prägt zahlreiche Bereiche unseres Alltags. Nachwachsende biologische Ressourcen dienen nicht nur der Produktion von Lebens- und Futtermitteln, sondern können auch für die Herstellung von Chemikalien, Baustoffen, Textilien, Medizinprodukten, Arzneimitteln sowie Energie und Kraftstoffen eingesetzt werden. Durch diese vielfältigen Einsatzmöglichkeiten trägt die Bioökonomie dazu bei, fossile und andere endliche Rohstoffe schrittweise durch nachwachsende Ressourcen zu ersetzen und Produktionsprozesse und Wertschöpfungsketten im Zuge der industriellen Transformation nachhaltig auszurichten. Damit eröffnet sie Potenziale für den Klimaschutz, insbesondere durch die Minderung von Treibhausgasemissionen, sowie für den Umwelt- und Ressourcenschutz durch eine effizientere und kreislauforientierte Nutzung biologischer Ressourcen.

Dabei kommen unterschiedliche biologische Rohstoffquellen zum Einsatz: Pflanzen, Holz, Algen, Pilze und Mikroorganismen können ebenso genutzt werden wie tierische Rohstoffe sowie Neben-, Rest- und Abfallstoffe aus Land- und Forstwirtschaft, Industrie und Haushalten. Natur und ingenieurwissenschaftliche Erkenntnisse ermöglichen es, die Bestandteile dieser organischen Rohstoffe gezielt zu gewinnen, umzuwandeln und für unterschiedliche Anwendungen nutzbar zu machen.

Nicht immer nachhaltig

Welche Rohstoffe eingesetzt werden und welche Umweltwirkungen damit verbunden sind, hängt dabei stark vom jeweiligen Anwendungsbereich ab. Nicht jede biobasierte Anwendung ist automatisch nachhaltig. Entscheidend sind unter anderem die Herkunft und Verfügbarkeit der Rohstoffe, der Flächen- und Ressourcenbedarf, der Energieeinsatz und die Auswirkungen auf Klima, Biodiversität und Ökosysteme. Der tatsächliche Beitrag zum Klima- und Umweltschutz ergibt sich daher aus dem Zusammenspiel von Rohstoffbasis, Produktionsverfahren, Nutzungspfaden und der Einbindung in nachhaltige und kreislauforientierte Wertschöpfungssysteme.

Wirtschaftliche Chancen

Neben den ökologischen Potentialen eröffnet Bioökonomie auch bedeutende wirtschaftliche Chancen. Die Entwicklung und Skalierung biobasierter Technologien und Produkte kann Innovationen fördern, neue Märkte erschließen und die heimische Wertschöpfung stärken. Die stärkere Nutzung regional verfügbarer biologischer Rohstoffe kann zudem Abhängigkeiten von fossilen und importierten Rohstoffen verringern und die Resilienz der Wirtschaft gegenüber Rohstoffengpässen und Störungen globaler Lieferketten erhöhen. Damit kann die Bioökonomie sowohl zur industriellen Transformation als auch zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland beitragen. 

Forschung und Innovation als Motor der Bioökonomie

Die Bioökonomie entwickelt sich dynamisch. Forschung und Innovation treiben diese Entwicklung voran und schaffen die technologischen Voraussetzungen für neue biobasierte Verfahren, Produkte und Wertschöpfungsketten.

Um biologische Rohstoffe gezielt und möglichst effizient nutzen zu können, braucht es ein umfassendes Verständnis ihrer Eigenschaften und der biologischen Systeme, aus denen sie stammen. In Deutschland wird in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen an neuen Verfahren, Materialien und Anwendungen für eine biobasierte Wirtschaftsweise geforscht. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg. Das Zusammendenken der Perspektiven aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft trägt dazu bei, technologische Innovationen mit ökologischen und gesellschaftlichen Anforderungen zu verbinden.  

Schlüsseltechnologien wie die Biotechnologie und künstliche Intelligenz eröffnen dabei neue Möglichkeiten. Sie können beispielsweise genutzt werden, um biologische Prozesse gezielt zu steuern, Produktionsverfahren zu optimieren oder neue Rohstoffquellen zu erschließen. So entstehen neue Chemikalien, Materialien, Wirkstoffe und weitere biobasierte Produkte, die dazu beitragen können, fossile Rohstoffe in unterschiedlichen Bereichen zu ersetzen. Die Bandbreite an Forschung zeigt sich an zahlreichen Innovationen. 

Vielseitige Anwendungsmöglichkeiten

Wege in eine zukunftsfähige Bioökonomie - Ideenheft für eine naturverträgliche Umsetzung (01/2024)

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Das 2023 abgeschlossene Projekt „Vorreiter für eine zukunftsfähige Bioökonomie – Lösungsideen für eine nachhaltige, naturverträgliche und zirkuläre Bioökonomie“ hat nach spannenden Ansätzen gesucht, bei denen Biomasse sinnvoll verwendet und gleichzeitig ein wichtiger Beitrag für den Klima-, Umwelt- und Naturschutz geleistet wird. Es wurde mit Geldern der Europäischen Umweltschutzinitiative (EURENI) gemeinsam mit dem BMUV, unserem europäischen Dachverband BirdLife und dem Wiener Institut für Technikfolgenabschätzung (ITA) umgesetzt. Das entwickelte Ideenheft baut eine Brücke zwischen unser NABU-Bioökonomie-Position und konkreten Beispielen aus der Praxis und veranschaulicht somit leicht verständlich, dass es bereits möglich ist, bioökonomisch und naturverträglich zu wirtschaften.

Voraussetzungen für eine nachhaltige Bioökonomie

Die positiven Wirkungen der Bioökonomie auf Klima, Umwelt und Wirtschaft können langfristig nur dann erzielt werden, wenn die Nutzung von Biomasse innerhalb der planetaren Grenzen erfolgt. 

Eine zentrale Voraussetzung ist die ressourceneffiziente und kreislauforientierte Nutzung verfügbarer Biomasse. Dabei sollten die stoffliche Nutzung biologischer Rohstoffe und die Kaskadennutzung als wichtige Leitprinzipien gelten. Biomasse muss möglichst lange genutzt werden, bevor sie energetisch verwertet wird. Darüber hinaus kommt der Nutzung von Neben-, Rest- und Abfallstoffen eine besondere Bedeutung zu, da hierdurch zusätzliche Flächennutzungsansprüche reduziert, Stoffkreisläufe geschlossen und die Ressourceneffizienz insgesamt erhöht werden können.

Zugleich sollte die Verfügbarkeit nachhaltiger Biomasse kontinuierlich überwacht und bewertet werden. Ein flächendeckendes und transparentes Monitoring kann dazu beitragen, Auswirkungen der Ressourcennutzung auf Ökosysteme und Klima frühzeitig zu erkennen. Die Ausweitung der Biomasseproduktion sollte insbesondere dort kritisch geprüft werden, wo bereits ressourceneffizientere und klimafreundlichere vorteilhaftere Alternativen zur Verfügung stehen. Ziel sollte es sein, die begrenzten Biomasseressourcen in denjenigen Anwendungsbereichen einzusetzen, in denen sie den größten ökologischen und gesellschaftlichen Mehrwert erzielen können.

Eine 1:1-Substitution erdölbasierter Rohstoffe kann und darf bei dem Niveau unseres derzeitigen Konsums und der wirtschaftlichen Aktivität nicht das Ziel der Bioökonomie sein. Die Umsetzung der Bioökonomie lässt sich langfristig nicht allein durch die Anwendung intelligenter Technologien realisieren, sondern erfordert gleichzeitig eine drastische Änderung bestehender Konsum- und Lebensgewohnheiten. Biomasse ist knapp, und nachhaltig erzeugte Biomasse ist noch viel knapper. Daher muss eine Bioökonomie grundsätzlich immer zuerst darauf ausgerichtet sein, deutlich weniger zu produzieren und zu konsumieren, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und insgesamt einen geringeren ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen.

 

Letzte Aktualisierung: 08/2026

Porträtfoto von Steffi Ober
Dr. Steffi Ober
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